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Im Sog des Taifuns

in Aus der Welt der Wissenschaft 12.11.2013 19:09
von franzpeter | 8.079 Beiträge

KStA 12.11.2013 (Print)

Im Sog des Taifuns

KLIMAGIPFEL Warschauer UN-Konferenz beginnt mit bewegenden Reden, aber ohne Ehrgeiz

VON ULRICH KRÖKEL

Projektion auf einem Kühlturm des polnischen Kohlekraftwerks Belchatow BILD: dpa

Warschau. Die Macht des Taifuns "Haiyan" erreichte am Montag Warschau. Die Katastrophe auf den Philippinen mit mehr als 10 000 Toten war zum Auftakt des Weltklimagipfels in der polnischen Hauptstadt das Thema schlechthin. In einem bewegenden Auftritt schilderte der philippinische Delegierte Yeb Sano das Grauen in seiner Heimat.

"Mein eigener Bruder gehört zu den Opfern, er hat mit knapper Not überlebt", berichtete Sano. "Mein Land weigert sich hinzunehmen, dass eine 30. oder 40. Klimakonferenz nötig sein soll, um das Problem des Klimawandels zu lösen", erklärte er. "Wir weigern uns zu akzeptieren, dass unser Leben darin bestehen soll, vor Monsterstürmen zu fliehen, unsere Familien in Sicherheit zu bringen, Zerstörung und Not zu erleiden und unsere Toten zählen zu müssen. Wir müssen handeln. Wann, wenn nicht jetzt?"

Es folgte eine Schweigeminute im großen Konferenzsaal des Warschauer Nationalstadions.

Extremwetterlagen wie der Wirbelsturm in Südostasien gelten zusammen mit dem Anstieg des Meeresspiegels als die entscheidenden Herausforderungen, die vom Klimawandel ausgehen. Gipfel-Gastgeber Marcin Korolec erklärte in seiner Eröffnungsrede: "Wir verlieren den Kampf gegen die Natur." Zugleich mahnte der polnische Umweltminister: "Dies muss ein Moment des Erwachens sein." Dass sein eigenes Land als einer der schlimmsten Klimasünder in Europa gilt, erwähnte er nicht.

Tatsächlich hat sich der 19. UN-Klimagipfel höchst bescheidene Ziele gesetzt. Vorrangig geht es darum, einen Fahrplan bis zur nächsten Klimakonferenz zu entwerfen. Erst 2015 soll in Paris ein neues globales Abkommen ausgehandelt werden - sechs Jahre nach dem dramatischen Scheitern beim Gipfel in Kopenhagen. In Kraft treten würde ein neuer Vertrag frühestens 2020.

Für Mandy Woods, Sprecherin der Umweltorganisation WWF, kann das kaum mehr als ein Minimalziel sein. "Warschau muss zu einem Wendepunkt werden", erklärte Woods am Montag im Gespräch mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Optimistischer bewertet die Bundesregierung das Warschauer Treffen und das weitere Verfahren. "Dieser schrittweise Ansatz hat viel Unterstützung gefunden, unter anderem von vielen Entwicklungsländern, aber auch von China und den USA", teilte das Umweltministerium mit.

Genau dies sind - neben Bremsern wie Polen - die entscheidenden Blockierer beim Klimaschutz. China bangt um sein aufholendes Wachstum. In den USA herrscht eine grundsätzliche Skepsis gegen Abkommen dieser Art. Und die Entwicklungsländer können nicht begreifen, dass sie, die selbst am stärksten von den Folgeschäden des Klimawandels betroffen sind, länger unter dem Wachstum in den reichen Ländern leiden sollen.

Um die Entwicklungsländer ins Boot zu holen, verlangen Umweltverbände eine Regelung für einen echten Schadenersatz bei Klimaschäden - kurz "loss and damage" genannt: Schäden und Verluste.

"In dieser Frage müssen wir in Warschau vorankommen", fordert WWF-Sprecherin Woods. Das Thema steht weit oben auf der Agenda des Gipfels. In Zeiten der Wirtschafts- und Verschuldungskrise dürften die wenigsten Regierungen bereit sein, unkalkulierbar viel Geld für eine globale Risikoversicherung gegen Klimaschäden zuzusagen. Denkbar wäre, den UN-Klimafonds zumindest teilweise in einen Loss-and-damage-Fonds umzuwidmen.


KR 12.11.2013 (Print)

"Stoppt den Wahnsinn"

Leidenschaftliche Appelle zum Beginn der Weltklimakonferenz in Warschau

Von EVA KRAFCZYK

WARSCHAU. Für ein paar Minuten ist die Verzweiflung der Menschen auf den Philippinen nach dem Monster-Sturm "Haiyan" auf der UN-Klimakonferenz in Warschau konkret spürbar: Yeb Saño, der Delegierte des Inselstaates, spricht von den Menschen in seiner Heimat, von den Angehörigen, auf deren Lebenszeichen er noch immer warte, von Hunger und Durst in den Dörfern und Städten.

Emotionale Rede: Yeb Saño (links) von den Philippinen.

Saño kämpft mit den Tränen. "Die Klima-Krise ist Wahnsinn", sagt er. "Lasst uns diesen Wahnsinn stoppen - hier in Warschau." Seit 20 Jahren scheitere die Weltgemeinschaft nun schon bei dem Versuch, die Folgen des Klimawandels aufzuhalten. "Wir können nicht da sitzen und hilflos zusehen", betont der philippinische Klima-Delegierte. "Ich spreche hier auch für die zahllosen Menschen, die nicht mehr selbst ihre Stimme erheben können."

Mit seiner gefühlsgeladenen Rede rührt Saño mehrere Delegierte zu Tränen. Am Ende herrscht im Plenarsaal völliges Schweigen, dann gibt es donnernden Applaus. Zahlreiche Delegierte erheben sich, während der philippinische Klimaunterhändler um Fassung kämpft.

Saños Worte am ersten Tag der UN-Klimakonferenz sind eine Anklage gegen das Zaudern der internationalen Gemeinschaft, allen voran der Industrienationen, die die Länder in Asien, Afrika und der Karibik weitgehend allein mit der Bewältigung des Klimawandels lassen.

"Wir müssen aufhören, solche Ereignisse Naturkatastrophen zu nennen", fordert Saño. Es ist nicht natürlich, wenn die Wissenschaft uns bereits sagt, dass die Erderwärmung zu immer intensiveren Stürmen führt. Es ist nicht natürlich, wenn die Menschheit das Klima bereits nachhaltig verändert hat."

Resolutionen in Warschau können die Toten auf den Philippinen und die Opfer von Dürre und Flut in anderen Ländern nicht ins Leben zurückbringen. Doch das Entsetzen über die Zerstörung, die "Haiyan" mit sich brachte, soll nach dem Willen der philippinischen Konferenzdelegation die Entschlossenheit stärken, endlich aktiv zu werden.

"Wir rufen die Führer der Welt auf, zu handeln und nicht nur zu reden", betont die philippinische Umweltexpertin Alicia Ilaaga. "Dies ist die Zeit, eins zu sein." (dpa)

Quellen:
Kölner Stadtanzeiger
Kölner Rundschau


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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