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Wie feige sind die Deutschen?

in Aus der Welt der Wissenschaft 11.06.2015 18:05
von franzpeter | 8.079 Beiträge

Verhältnis zu Nato und Russland: Wie feige sind die Deutschen?

Eine Kolumne von Jakob Augstein


Bundeswehr vor Nato-Manöver: Beistandspflicht? Das deutsche Volk pfeift drauf!
REUTERS


Bundeswehr vor Nato-Manöver: Beistandspflicht? Das deutsche Volk pfeift drauf!

Eine US-Studie enthüllt: Die Deutschen misstrauen der Nato und wollen nicht gegen Russland kämpfen. Ist das ein Zeichen von Feigheit - oder von Vernunft?

Das sieht nicht gut aus: Eine amerikanische Studie hat herausgefunden, dass die Deutschen eine Bande von wortbrüchigen Feiglingen sind. Wenn Russland, sagen wir, das Baltikum angreift oder Polen, würde eine Mehrheit von 58 Prozent es ablehnen, dem Angegriffenen militärisch zu Hilfe zu kommen. Artikel 5 des Nato-Vertrags bestimmt die Verpflichtung zum Beistand? Die Deutschen pfeifen drauf! Selbst Italien bringt mehr Bündnistreue auf. Was ist nur mit den Deutschen los? Vielleicht haben ihnen zwei verlorene Weltkriege den Mumm aus den Knochen gesogen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass eine Mehrheit der Leute die Mär vom bösen Russen nicht mehr hören mag, die Politik und Medien ihnen unablässig einbläuen.


Auf Besuch in Tallinn hat Barack Obama gesagt, wenn sich die Menschen in Estland und den anderen baltischen Staaten heute fragten: "Wer wird uns zu Hilfe kommen?", dann sei die Antwort eindeutig: "Die Nato-Truppen und die Soldaten der Vereinigten Staaten. Hier und jetzt. Wir werden da sein für Estland. Wir werden da sein für Litauen. Wir werden da sein für Lettland. Ihr habt eure Unabhängigkeit schon einmal verloren. Mit der Nato im Rücken werdet ihr sie nie wieder verlieren."

Das war nett. Aber nicht ganz richtig. Jedenfalls, wenn es nach den Leuten in den Nato-Ländern ginge. Und das sollte es in der lebenswichtigen Frage von Krieg und Frieden in einer Demokratie doch. Artikel 5 des Nato-Vertrags sagt: "Die Parteien vereinbaren, dass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen wird." Jetzt hat das Pew Research Center festgestellt, dass nur Kanadier und Amerikaner sich ihrer Bündnispflicht bewusst sind. Selbst in Großbritannien gibt es dafür keine Mehrheit. In Frankreich und Deutschland ist eine klare Mehrheit dagegen.

"Mit den letzten Freunden den schönen Tod der Helden sterben"

Frage: Wie viel Gänge hat ein italienischer Panzer? Antwort: Sechs. Einen für Vorwärts, fünf für Rückwärts. Solche Witze waren früher. Heute sind die Italiener zuverlässigere - sagen wir ruhig: Kameraden als die Deutschen. "Im Schatten einer Wodanseiche auf einem Grenzstein mit den letzten Freunden den schönen Tod der Helden sterben." So beschreibt Hermann der Cherusker bei Kleist den süßen Traum des Soldaten. Lange her. Der postheroische Deutsche geht lieber den vom Philosophen Sloterdijk spöttisch bezeichneten Weg: "der sozialen Endformel entgegen: Urlaub, Umverteilung, Adipositas".

Die Demilitarisierung Deutschlands war das größte - und notwendigste - Zivilisierungsprojekt des 20. Jahrhunderts. Sie ist vollständig geglückt. Man muss schon suchen, wenn man in der Öffentlichkeit noch ein Echo des alten Preußen-Militarismus aufstöbern will. In Springers "Welt", ehemals Fachblatt für Landser und Vertriebene, wird man hin und wieder fündig. Zum Beispiel wenn ein Generalleutnant a. D. dort "die ohne persönliche Schuld gebliebene Mehrheit der Soldaten der Wehrmacht und Waffen-SS" lobt und ins Schwärmen gerät über ihr "soldatisches Können, ihre Tapferkeit und Kameradschaft".

Aber ihre komischen Ideale können sich die Soldaten in die Haare schmieren. Niemand, der halbwegs alle beisammen hat - und über die Wahl verfügt -, will in Deutschland noch Karriere beim Militär machen. Zum Bund geht man nur dort, wo sonst nichts geht: im Osten. Nach der Aussetzung der Wehrpflicht hat Bundeswehrprofessor Michael Wolffsohn es ungewöhnlich deutlich auf den Punkt gebracht: "Unsere Bundeswehr ist eine ossifizierte Unterschichtenarmee."

Das ist - aus Sicht der Nato - besonders misslich, denn gerade im deutschen Osten verfängt die offizielle Linie gar nicht, die Medien und Politik verbreiten: der Russe ist an allem Schuld. Im Osten, auch das zeigt nämlich die Pew-Umfrage, haben noch 40 Prozent der Leute Vertrauen in Putin, mehr als ein Drittel hat ein positives Bild von Russland, und viel weniger als im Westen glauben, dass die Russen eine militärische Bedrohung darstellen.

Was würde Adolf Heusinger dazu sagen? Der erste Generalinspekteur der Bundeswehr hatte in den frühen Fünfzigerjahren die Order ausgegeben: "Wir müssen einen Soldaten entwickeln, der dem Russen gewachsen ist, und deswegen muss der zukünftige Soldat erstens geistig aus der Notwendigkeit der Aufgabe, vor die er gestellt ist, überzeugt sein. Er muss zweitens hart erzogen sein, um der Härte des Ostens entgegentreten zu können. Er muss verantwortungsbewusst sein, und dieses Verantwortungsbewusstsein muss aus der Entwicklung der freien Persönlichkeit herkommen. Und letzten Endes muss er gehorsam sein."

Das ist ja gründlich schiefgegangen. Zum Glück.

Quelle: spiegel online


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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