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Warum haben antike Statuen so winzige Penisse?

in Aus der Welt der Wissenschaft 02.07.2016 20:44
von franzpeter | 9.008 Beiträge

Nackte Zahlen: Sexkolumne 06. Juni 2016


Kurz und gut

Von Till Raether Illustration: Eugenia Loli



Warum haben antike Statuen so winzige Penisse? Eine Kunsthistorikerin hat eine Erklärung. Alles deutet darauf hin, dass es zum Revival der bescheidenen Unterleibsausstattung kommt.


Die durchschnittliche Penislänge beträgt 7 bis 10 Zentimeter, erigiert 12 bis 16 Zentimeter. Eigentlich genug Spielraum, um zu sagen: Damit komm' ich klar, da find' ich mich wieder, es gibt Wichtigeres im Leben als die paar Zentimeter nach oben oder unten. Aber kulturell gesehen herrscht derzeit das Diktat des großen Penis.


Seit einigen Monaten allerdings sorgt ein Blog-Eintrag der amerikanischen Kunsthistorikerin Ellen Oredsson für Aufsehen. Sie beantwortet in ihrem Blog »How To Talk About Art History« fragen zur Kunstgeschichte, jüngst eben diese: »Warum haben alle alten Statuen so winzige Penisse?«

Schnell wurde ihre Antwort auf diese Frage zum vermutlich meistgeteilten Blogpost über antike Statuen aller Zeiten, denn sie belegt, dass das Primat des großen Penis kein Naturgesetz ist. Sie schreibt: »Heute gelten große Penisse als männlich und wünschenswert, aber alles deutet daraufhin, dass kleine Penisse damals (zur Zeit der alten Griechen und Römer) besser angesehen waren als große.« Sie bezieht sich auf den britischen Althistoriker Kenneth Dover, demzufolge ein kleiner Penis im klassischen Griechenland begehrter war, weil große Penisse mit Dummheit und Lüsternheit in Verbindung gebracht wurden und als hässlich galten. Als Beispiel nennt Oredsson den griechischen Fruchtbarkeitsgott Priapus, der auf Statuen stets mit einem riesigen Gemächt dargestellt wurde, ein Anblick, der den anderen Göttern dermaßen auf den (winzigen) Sack ging, dass sie Priapus vom Olymp warfen.

»Der ideale Grieche war rational, intellektuell und respekteinflößend«, schreibt Oredsson. »Natürlich mag er auch viel Sex gehabt haben, aber das hatte nichts mit seiner Penisgröße zu tun; sein kleiner Penis erlaubte ihm jedoch, kühl und logisch zu bleiben.« Klassische griechische Dichter wie Aristophanes machten sich über große Penisse lustig, und die Römer und später dann die an der Antike orientierten Renaissance-Künstler übernahmen die Begeisterung für vergleichsweise kleine Gliede (siehe, und zwar mit der Lupe, Michelangelos David).

Ins gegenwärtige kulturellen Klima der männlichen Besinnung auf alte Werte (Bärte, zähflüssiges Bier, Ukulele, Udo Lindenberg usw.) würde nichts besser passen als ein Revival des kleinen Penis: was für antike Griechen und Römer erstrebenswert war, ist für den werteorientierten, traditionsbewussten Großstadtklassiker von heute gerade gut bzw. klein genug.


Diese nicht mehr aufzuhaltende Entwicklung dürfte allerdings für Unruhe sorgen, insbesondere im Interessenverband der internationalen Spamversender, einem Zusammenschluss mehrerer Milliarden mittelständischer Spambots, die pro Jahr über 60 Billionen Spamnachrichten an sorgfältig ausgewählte Adressaten versenden. Nach konservativen Schätzungen verspricht etwa jede zehnte dieser Nachrichten das legendäre »Penis Enlargement«, auch bekannt als »Now you too can have a bigger dick« oder auch »Groß Penisvergroß Penis Viagra XXX«.

Insider wollen wissen, dass bereits mehrere große Agenturen für Krisenkommunikation mit der Aufgabe betraut sind, dass PR-Desaster der Spamversender in den Griff zu bekommen. »Hier hilft nur Offenheit«, sagen Branchenkenner. Geleakte Formschreiben an alle, die in der Vergangenheit »Penis-Enlargement«-Spam erhalten haben (ca. 3,5 Milliarden Personen weltweit), beginnen daher auch mit authentischem Bedauern: »Es ist immer unser Ziel gewesen, Sie, liebe Spamempfänger, mit dem besten Spam aus allen fünf Kontinenten zu versorgen. Wir sind diesem unserem Anspruch nicht gerecht geworden, und das bedauern wir zutiefst. Wir haben Sie falsch informiert. Statt Penis Enlargement möchten wir Ihnen selbstverständlich einen modernen, kühlen, logischen kleinen Penis anbieten. Klicken Sie hier.«

Es werden hohe Kosten für die Branche erwartet, da vermutlich alle ca. 3.000 Billionen Penis-Enlargement-Mails der vergangenen zwanzig Jahre zurückgerufen werden müssen. Betroffenen soll möglichst schnell und unbürokratisch geholfen werden, sie müssen lediglich die ihnen irrtümlich zugestellten Penisvergrößerungsmails an den jeweiligen Absender zurückschicken und werden dann umgehend und ununterbrochen sehr günstige Penisverkleinerungsangebote erhalten.

Till Raether
ist freier Journalist und Buchautor in Hamburg. Zu Beginn seiner Laufbahn schrieb er in einer großen Publikumszeitschrift einen Artikel über Sexualfantasien unter dem Pseudonym »Dirk Meinerstedt«. Für diesen Kalauer leistet er jetzt hier Abbitte. Diese Kolumne schreibt er im Wechsel mit Alena Schröder.

Quelle:sz


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 02.07.2016 20:51 | nach oben springen


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