GKR-Forum

a_6.jpg a_6.jpg

#1

Wohl dem, der jetzt einen Kaminofen hat.

in Aus der Welt der Wissenschaft 27.11.2016 20:06
von franzpeter | 9.152 Beiträge

Sie sind gefeuert!
Wohl dem, der jetzt einen Kaminofen hat. Wer das Brennholz nicht kaufen möchte, kann es sich aus dem Wald holen. Das erfordert etwas Begeisterung - und noch ein paar Kleinigkeiten mehr.
27.11.2016, von Lukas Weber

Das Holzfeuer strahlt angenehme Wärme aus
Wenn die Nächte länger werden und die Tage im Nieselregen versinken, kehrt in vielen Wohnstuben Trübsal ein. Der Körper sehnt sich nach Licht und Sonne. Hausrezepte gegen den Winter-Blues gibt es einige, ob sie helfen, lässt sich schwer sagen. So stellt manch einer Tageslichtlampen in den Raum und gibt sich dann der Illusions hin, der Sommer sei da. Es geht auch anders: Von Freunden und Bekannten, die derzeit abends gern auf ein Glas Wein hereinschauen, wissen wir: Es ist der Ofen. Er strahlt Wärme und Behaglichkeit aus, und alle lieben das Spiel der Flammen im großen Sichtfenster.

Autor: Lukas Weber, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
Folgen:

Einen offenen Kamin, wie er früher oft in die Einfamilienhäuser eingemauert wurde, kann man gleich wieder vergessen. Er ist zwar hübsch anzusehen, im Hinblick auf die Effizienz aber eine Katastrophe - die Wärme entweicht zum größten Teil ungenutzt aus dem Schornstein, das offene Feuer frisst die Scheite schneller, als man sie bereitlegen möchte. Deshalb sieht der Gesetzgeber sie zu Recht nur zur gelegentlichen Feuerung vor. Wer also so etwas hat und mit Holz heizen will, lässt sich besser einen geschlossenen Einsatz mit Sichtfenster einbauen und verbraucht dann nur noch ein Drittel. Moderne Kaminöfen verbrennen mit Primär- und Sekundärluft relativ sauber, nur Modelle, die strenge Abgasnormen einhalten, werden noch neu zugelassen.

Umweltfreundlich ist das Verbrennen von Holz trotzdem nicht immer; es gibt noch viele alte Öfen im Bestand, außerdem kann der Kaminofen durch Falschbedienung zur Dreckschleuder werden, wovon noch die Rede sein wird. Wer sich einen Kaminofen zulegen möchte: Der erste Gang ist zum Schornsteinfeger, der die Anlage später abnehmen muss und weiß, ob überhaupt eine eingebaut werden darf. Und gleich als Tipp für die Auswahl des Ofens: Wenn lange Scheite in die Brennkammer passen, spart das Arbeit an der Säge. Kohle geht als Brennstoff auch, sie riecht aber unangenehm und brennt nicht so schön. Eine saubere Alternative, für Puristen aber halt kein „richtiges“ Holzfeuer, sind Kaminöfen für Holzpellets, die es als Schüttgut und in kleinen Beuteln gibt. Auch kein echter Scheit sind Briketts aus Holzspänen, sie eignen sich aber gut zum Anmachen. Behandeltes Holz ist selbstverständlich ungeeignet.

Sobald ein Platz gefunden wurde, an dem es gelagert werden kann ...
Ob Kaminofen, Kachelofen oder gar eine moderne Zentralheizung für Scheite - sobald ein Platz gefunden wurde, an dem es gelagert werden kann, ist Holz aus dem Wald die erste Wahl. Kaminfertige Scheite gibt es zu kaufen, manche Anbieter liefern auch. Die Preise sind regional unterschiedlich, im Raum Frankfurt beginnen sie bei etwa 65 Euro je Schüttraummeter Buche (ein loser Kubikmeter geschnittenes und gespaltenes Holz).

Das ist auf Dauer ziemlich teuer, deshalb lohnt die Eigeninitiative, wenn Wald in der Nähe ist. Der Autor dieser Zeilen macht sein Brennholz seit vier Jahrzehnten selbst und freut sich, dass ihm dabei gleich viermal warm wird: beim Sammeln, Sägen, Hacken und Brennen. Das kann man auch als Sport oder Therapie betrachten, früher hielt sich der Opa mit der Axt am Hackklotz fit. Ganz so leicht wie damals geht das heute nicht mehr, außerdem ist die Konkurrenz um das Holz im Wald groß. Kein Förster erteilt mehr einen Holzschein ohne die Urkunde, dass der Selbstwerber einen Kursus an der Motorsäge belegt hat.

Auch der Autor dieses Beitrags musste den Führerschein machen, obwohl er zuvor jahrzehntelang unfallfrei Holz eingebracht hat. Dabei hat er allerdings gelernt, die Kette mit der Rundfeile zu schärfen - eine Prozedur, die der Händler gern mit elektrischem Gerät gegen einen zweistelligen Betrag übernimmt. Die Säge ist ein gefährliches Werkzeug, Übung unter Anleitung dringend empfehlenswert, Schutzkleidung obligatorisch. Allein Holz machen geht gar nicht, ein Partner dient der Sicherheit. Die Motorsäge wird mit sauber verbrennendem Alkylatbenzin betrieben, das fast dreimal so teuer ist wie normales. Oder mit Strom. Seitdem die erstaunlich leistungsfähige leichte Akkusäge im Einsatz ist, liegen die große Motor- und die schwere Elektrosäge weitgehend ungenutzt im Keller. Um das Holz gleich im Wald kleinzusägen, reicht aber eine Akkuladung nicht. Das geht nur mit Zweitakter. Wichtiger als die Wahl der Marke - führend sind Stihl und Husqvarna - ist ein guter Händler um die Ecke. Er ist daran zu erkennen, dass er dem Neuling geduldig erklärt, warum die ersehnte Kettensäge für ihn eine Nummer zu groß ist.
Der Förster erteilt den Holzschein für genau definierte Regionen. Ihn danach zu fragen, wo gerade frisch eingeschlagen wurde, kann nicht schaden. Die Waldarbeiter nehmen nur die Stämme mit, die Kronen bleiben liegen und werden zur Beute der Selbstwerber. Dass jene den Schlagabraum beseitigen, erfreut den Förster, sie räumen ihm im Naherholungsgebiet den Wald auf. Vom Anfänger bis zum Halbprofi, der mit Traktor oder Unimog zu Werke geht, sind alle Schattierungen vertreten. Minimalausstattung ist ein stabiler Anhänger mit einem Fahrzeug davor, das ihn auch ziehen kann und nicht gleich stecken bleibt, sowie neben dem Kettensägenensemble ein Sappie zum Bewegen und ein Spalthammer nebst Keilen zum Zerkleinern der dickeren Brocken. Wer es sich einfacher machen möchte, kann nach Holz fragen, das schon entlang der Wege gestapelt ist. Den Schlagabraum verkauft der Förster im Hessenforst für 15 Euro (Fichte) bis 25 Euro (Buche) je Raummeter oder auch Ster (das ist ein Kubikmeter geschichtetes Holz, meist aus Meterstücken). Gerücktes Rundholz am Wegesrand bekommt man für 45 bis 55 Euro je Festmeter (ein Kubikmeter Vollholz ohne Luftzwischenräume), es kostet damit grob die Hälfte mehr. Zum Vergleich: Ein Raummeter entspricht etwa 0,7 Festmeter oder 1,4 bis 1,65 Schüttraummeter.

... ist Holz aus dem Wald die erste Wahl
Trockenes Holz hat einen Energiegehalt von gut 5 kWh je Kilo (Heizöl etwa 10 je Liter), davon sind etwa 4 nutzbar. Es muss nicht immer Buche oder Eiche sein, Andere Sorten brennen auch gut: Birke zum Beispiel erzeugt eine hübsche Flamme. Die meisten Nadelbäume brennen heiß, aber nicht lange, sie knistern und spratzeln im Ofen. Hauptsache, das Holz ist trocken. Wird zu feuchtes aufgelegt, wärmt der Ofen nicht mehr, weil die Energie darauf verschwendet wird, die Feuchtigkeit zu verdampfen. Der Kamin versottet, und es kann sich Glanzruß bilden, der im schlimmsten Fall zum Kaminbrand führt. Wegen der unvollständigen Verbrennung stößt der Ofen viele Schadstoffe aus (das Gleiche gilt, wenn ihm die Luft abgedreht wird). Ein wenig Ruß auf der Scheibe ist dagegen normal, sie lässt sich leicht mit feuchtem Küchenpapier reinigen, das in Asche getaucht wurde.
Kann zur Hälfte seines Gewichts aus Wasser bestehen


Um die Trocknungsdauer ranken sich Mythen. Entscheidend ist die Lagerung, luftig und vor Nässe geschützt, können die Scheite nach unserer Erfahrung manchmal schon über Frühjahr und Sommer ausreichend trocken sein, empfohlen werden allerdings meist zwei Jahre. Kleine und kurze Scheite trocknen schneller. Angaben zu Feuchte und Wassergehalt bezeichnen nicht dasselbe: Wenn von 100 Gramm Holz nach der Trocknung 80 Gramm übrig bleiben, ergibt das einen Wassergehalt von 20 Prozent (bezogen auf das Anfangsgewicht). Das entspricht 25 Prozent Feuchte (bezogen auf die Trockenmasse). Frisch geschlagenes Holz kann zur Hälfte seines Gewichts aus Wasser bestehen, also eine Feuchte von 100 Prozent haben. Ein Festmeter Birke wiegt dann annähernd eine Tonne, absolut trocken nur die Hälfte. Wenn das Holz verbrannt werden soll, darf die Feuchte nicht mehr als 25 Prozent betragen - das ist, mit Blick auf die Abgase, noch zu viel, Ziel sollten 15 bis 18 Prozent sein. Zum Messen gibt es für wenige Euro kleine Geräte, die eingestochen werden.
Zum Trocknen muss das Holz gestapelt werden. Anleitungen dazu füllen ganze Abhandlungen, angeblich sagt der Stapel sogar einiges über seinen Besitzer aus. Davor steht das Sägen und Spalten. Manche schwören dafür auf die Wippsäge - möglichst gerade Stämme werden auf einer Art Schlitten an ein großes Kreissägeblatt geführt. Die Kettensäge ist freilich auch nicht viel langsamer und vielseitig einsetzbar. An Sägeböcken haben wir schon viele Konstruktionen ausprobiert und sind schließlich an einer simplen Konstruktion aus verzinktem Stahlblech hängengeblieben. Dort, wo das Holz aufliegt, sind Zacken angebracht, die verhindern, dass sich die Äste drehen. Der Ofen im heimischen Wohnzimmer fasst zum Glück Scheite, die einen halben Meter lang sind, für Holz im Verkauf werden die Meterstücke üblicherweise gedrittelt oder geviertelt.
Es gibt sie in vielen Formen und Größen
Weil das Rundholz also schlechter trocknet, soll es im frischen Zustand gespalten werden. Das geht schon im Wald mit Meterstücken und Spalthammer oder Keilen. Klassiker für das Spalten nach dem Sägen zu Hause ist die Axt in Verbindung mit einem Hackklotz aus massivem Holz. Spaltäxte haben einen keilförmigen Kopf, der das Holz auseinandertreibt. Es gibt sie in vielen Formen und Größen, und jeder Selbstwerber schwört auf seinen Liebling. Auch wenn das von den Spezialisten Widerspruch hervorruft: Hochwertige Äxte mit Kunststoffstiel, wie sie Fiskars und Gardena im Angebot haben, vermitteln inzwischen fast ebenso viel Gefühl wie solche mit Holz. Sie sind sicher, weil der Kopf sich nicht lösen und herumfliegen kann, und so gut wie unzerstörbar; das macht sie besonders für Anfänger empfehlenswert, denn jene neigen dazu, durch Fehlschläge den Stiel zu malträtieren.
Wer keine Übung hat, lässt sich den Umgang besser zeigen, schon so manche abgerutschte Axt hat statt des Holzes ein Bein gespalten. Solcherart Fehlbedienung wird erleichtert, wenn die Größe des Hackklotzes nicht stimmt - die Axt sollte möglichst waagerecht auftreffen. Noch ein Anfängerfehler: zu hohes Gewicht der Axt, weil die eigene Kraft überschätzt wird. Mit der Zeit ermüdet der Arm, es leidet die Treffsicherheit. Ein Kopfgewicht von gut einem Kilo reicht oft schon, mehr als zwei Kilo sind auf die Dauer nur etwas für Leute mit der Kraft eines Grizzlys. Fiskars bietet im Internet eine Art Konfigurator an - wie finde ich die richtige Axt. Den Spaltvorgang erleichtern Tricks: Zum Beispiel kann ein aufgelegter Autoreifen verhindern, dass die Scheite vom Hackklotz fallen und man sich danach bücken muss; das geht naturgemäß nur auf Klötzen mit beträchtlichem Durchmesser. Dem gleichen Zweck dienen verschiedene Eigenkonstruktionen mit Ketten und Strapsen, deren Erfinder ihr Werk über Youtube verbreiten. Die Axt selbst ist nicht anspruchsvoll, sie mit einer Flachfeile zu schärfen gelingt auch Anfängern.

Wer viel Holz macht, spaltet vielleicht lieber mit einem motorgetriebenen Gerät. Moderne hydraulische Spalter treiben mit mehreren Tonnen Druck einen Keil ins Holz, sie sind sicher in der Handhabung, und die besseren Exemplare werden auch mit verknorzten Brocken fertig, an denen die Axt scheitert. Ob die Arbeit rasch vorangeht, ist vor allem davon abhängig, wie schnell die Hydraulik im Vorlauf und Rücklauf ist, doch auch mit teuren Geräten braucht das seine Zeit. Schnell wie der Wind ist der Drillspalter, der aber für gruselige Unfälle gut ist und deshalb von den Profis nicht mehr verwendet wird. Ein spitzer Kegel mit scharfem Schneckengewinde bohrt sich ins Holz und treibt es auseinander - oder auch alles andere, was er zu fassen bekommt. Der Autor dieses Textes hat sich vor Jahren ein gebrauchtes Exemplar zugelegt und behandelt es mit höchstem Respekt.
Solche Elektrogeräte sind teuer, sie benötigen einen Starkstromanschluss (Dreiphasenwechselspannung) und Platz. Ob die Nachbarn den Krach hinnehmen, muss frühzeitig geklärt werden, das gilt erst recht für die Kettensäge. Wer bis jetzt noch nicht die Lust verloren hat: Um Sägen und Spalten im Wald auszuprobieren, reichen, wenn Auto und Hänger vorhanden sind, für die Minimalausrüstung ein paar hundert Euro. Der Ofenbesitzer kann es sich natürlich auch einfach machen und fertiges Brennholz kaufen. Mag aber sein, dass ihm dann eine Menge Spaß entgeht.

Quelle: F.A.Z.

Anmerkung:
Guter Artikel. Es geht nichts über ein Kaminfeuer, aber nur mit Glasfenster, wegen der/n natürlich flackernden Flamme(n).
Habe mir vor Jahren in Bonn einen alten Ofen gekauft und ins Haus geschleppt.
Der Schornsteinfegermeister hat die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen. Frontscheibe war gesprungen, Dichtungen veraltet, Schamottplatten uralt.
Habe dann die vorgewölbte Frontscheibe durch eine gerade feuerfeste Scheibe ersetzt (ging nur mit Brachialgewalt, Fassung musste gebogen werden) und nachdem ich Ofenrohr und den vorhandenen Kamin verbunden hatte, Dichtungen und Schamottplatten erneuert hatte, hat der staunende Meister die Sache zugelassen.
Ruß. Ja, wenn ich die züngelnden Flammen sehen will, muss ich jeden zweiten Tag entrußen. Aber mit Zeitungspapier, Asche und ein wenig Aquariumwasser klappt das. Diese Wärme kann keine Zentralheizung liefern! Ich könnte Wohnzimmer, Flur, Küche und Bad damit erwärmen - wenn ich nicht zwei Hunde hätte und jeweils die eine oder andere Tür verschlossen halten müsste.
Holz aus dem Wald. Ist mir zu umständlich. Aber ich habe in meinem 1000 m² Garten so viele Bäume, dass mir das als Zusatz zu 4 m³ im Winter reicht. 4 Bäume habe ich schon verheizt. Nun stehen weiter 7 Fichten/Kiefern (7-8m hoch)an - das reicht für die nächsten Winter.
Diese Bäume werden kommende Woche gefällt (sie stehen am Zaun zu meinem nächsten Nachbarn und ich lasse sie lieber fällen, bevor die Winterstürme sie auf dessen Haus stürzen lassen. Ich befürchte, dass ihr Wurzelwerk durch jährlich Überschwemmungen gelitten hat - sicher ist sicher.)
Die behördliche Auflage, im Frühjahr und Herbst nachzusehen, ob die Wipfel noch grün sind, halte ich für zweifelhaft. Durch Nässe geschädigte Wurzeln kann ich nicht ausgraben und begutachten.
Zwar kommt die Versicherung des Nachbarn dafür auf, wenn meine Bäume bei Windstärke 8 sein Haus beschädigen, nicht aber, wenn die Bäume nachweislich defekt sind. Dann zahle ich selbst.
Wegen dem zweiten Nachbarn habe ich sicherheitshalber meine Versicherung gewechselt. Er besitzt zig 15 bis 20 m hohe Fichten.
Also, Holz ist auf jeden Fall genügend vorhanden. Muss nicht in den Wald.


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 27.11.2016 20:10 | nach oben springen


Besucher
0 Mitglieder und 6 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Exterais
Forum Statistiken
Das Forum hat 2947 Themen und 13421 Beiträge.

Heute war 1 Mitglied Online :

Besucherrekord: 71 Benutzer (12.03.2015 19:47).

Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen | ©Xobor.de