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#1

Stephen Hawking wird fünfundsiebzig

in Aus der Welt der Wissenschaft 08.01.2017 13:21
von franzpeter | 9.152 Beiträge

Stephen Hawking
Der Orakelmensch
Das Volk feiert Stephen Hawking, obwohl es ihn nicht ganz versteht. Vollkommen egal, denn Faszination braucht kein Verständnis. Ein Kommentar.
07.01.2017, von Sibylle Anderl


Das neue Orakel für das Volk: Stephen Hawking
 
Das Volk feiert Stephen Hawking, obwohl es ihn nicht ganz versteht. (von Sibylle Anderl)


Stephen Hawking wird fünfundsiebzig: Ein Orakelmensch (von Sibylle Anderl)

Wir Menschen leben in einem Dilemma. Wir streben nach Wissen und sind doch fasziniert vom Nichtverstehbaren. Hin- und hergerissen zwischen Mythos und Logos, sind wir heute nur unmerklich weiter als unsere Vorfahren vor Tausenden von Jahren, wenn wir es insbesondere zum Jahresanfang lieben, unser Schicksal in unverständlichen Prophezeiungen ergründen zu wollen. Wie eng aber der apollinische Drang, die Welt systematisch zu verstehen, mit dionysischer Begeisterung für rätselhafte Vorhersagen verwoben ist, offenbart sich darin, dass die höchsten Vertreter rationaler Wissenschaft manchmal selbst wie Orakel behandelt werden.
Fast könnte man in solchen Fällen versucht sein, die Wissenschaft auf eine Ebene mit der Religion zu stellen, so wie es der Soziologe Harry Collins einmal tat, als er bemerkte, Stephen Hawkings „vollständig unverständlicher“ Bestseller „Eine kurze Geschichte der Zeit“ werde vom gemeinen Volk verehrt wie einst die lateinische Bibel. Doch ist es wichtig, zu betonen, dass es weniger die Wissenschaft selbst als vielmehr die öffentliche Faszination an orakelhaften Prophezeiungen ist, die diesem Vergleich die Türen öffnet.

Der Genuss von Nichtwissen
Tatsächlich aber, und hier ist Collins zuzustimmen, entzündet sich diese Faszination an niemandem so gut wie an diesem vielleicht bekanntesten Wissenschaftler unserer Tage. Stephen Hawking versteht es, die Welt mit seiner so charakteristischen sprachcomputergenerierten Stimme in Aufruhr zu versetzen. Und das, ohne dass der Welt wohl immer klar sein dürfte, wie sie die Äußerungen zur Natur Schwarzer Löcher, zu unserer Bedrohung durch außerirdisches Leben, zur Notwendigkeit einer Expansion in die Weiten des interplanetaren Raumes oder zu unserer bevorstehenden Selbstauslöschung im Detail tatsächlich zu verstehen hat.

Wenig Unklarheit lässt das am kommenden Sonntag fünfundsiebzig Jahre alt werdende Orakel selbst allerdings an der Dominanz der eigenen Methode: Wir brauchen keinen Gott, wir brauchen nicht einmal die Philosophie. Darüber mag man denken, wie man will. Eines scheint davon unabhängig festzustehen: Botschaften aus dem Reich des uns selbst intellektuell nicht mehr Zugänglichen taugen für die Freude an Wissen und Nichtwissen gleichermaßen.

Quelle: faz

Anmerkung

Zitat
Wir Menschen leben in einem Dilemma. Wir streben nach Wissen und sind doch fasziniert vom Nichtverstehbaren. Hin- und hergerissen zwischen Mythos und Logos, sind wir heute nur unmerklich weiter als unsere Vorfahren vor Tausenden von Jahren, wenn wir es insbesondere zum Jahresanfang lieben, unser Schicksal in unverständlichen Prophezeiungen ergründen zu wollen. Wie eng aber der apollinische Drang, die Welt systematisch zu verstehen, mit dionysischer Begeisterung für rätselhafte Vorhersagen verwoben ist, offenbart sich darin, dass die höchsten Vertreter rationaler Wissenschaft manchmal selbst wie Orakel behandelt werden



Diese Formulierung (und der ganze Ansatz) ist mir - gelinde gesagt - unverständlich (auch wenn Collins der Urvater sein sollte).
Mir scheint Hawkins nicht so sehr Prophet als vielmehr Warner vor unbekümmerter Begeisterung zu sein.

Quelle: faz


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 08.01.2017 13:22 | nach oben springen

#2

RE: Stephen Hawking wird fünfundsiebzig

in Aus der Welt der Wissenschaft 08.01.2017 13:36
von franzpeter | 9.152 Beiträge

Künstliche Intelligenz
Was wird der Mensch?
Stephen Hawking wird 75. Der Physiker ist ein lebendiges Beispiel für eine geradezu symbiotische Beziehung zwischen Mensch und Technik. Ohnehin stellt sich die Frage, wozu Computer künftig fähig sein werden, immer dringlicher.
08.01.2017, von Alexander Armbruster und Roland Lindner

Stephen Hawking wird an diesem Sonntag 75 Jahre alt.
Seine Ärzte haben das niemals für möglich gehalten. Doch trotz seines schweren Nervenleidens wird der weltberühmte Physiker Stephen Hawking an diesem Sonntag 75 Jahre alt. In den sechziger Jahren hatten Mediziner die Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose diagnostiziert, wenig später konnte er nicht mehr laufen, noch einmal zwanzig Jahre darauf nicht mehr eigenständig sprechen.


Autor: Alexander Armbruster, Redakteur in der Wirtschaft.
Folgen:
Autor: Roland Lindner, Wirtschaftskorrespondent in New York.
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Ein an seinem Rollstuhl installierter Computer ermöglicht ihm seither, mittels Bewegungen seiner Wangenmuskeln und Augen zu kommunizieren. Dass ihm trotz der düsteren Lebensvorhersage bis zum heutigen Tag eine Existenz als Physiker möglich ist, hat moderne Technologie ermöglicht; es ist eine philosophische Frage, wie sehr der gebürtige Brite eigentlich ein Cyborg ist, also im Grunde eine ungeheuer starke symbiotische Beziehung zwischen Mensch und Technologie.

„Computer werden uns übertreffen“
In weniger drastischer Art und Weise leben heutzutage Milliarden Menschen in so einer Symbiose. Das Smartphone ist eines der offensichtlichsten Beispiele dafür, das ein technisches Gerät als ständiger Begleiter zum eigenen Körper fast schon wie ein Organ gehört. Eine künstliche Erweiterung des Gehirns, auf die wir uns häufig verlassen wie auf das eigene Gedächtnis, wenn nicht sogar noch mehr. Gut möglich, dass unsere Enkelkinder einmal weniger zwischen ihren Körpern und deren technischer Erweiterung unterscheiden werden als wir das tun.
Passiert ist das wesentlich infolge der enorm gestiegenen Rechenleistung und Speicherkapazität von Computern. Wo und wie sie einmal enden wird, ist nicht absehbar. „Die Computer werden irgendwann in den kommenden hundert Jahren mit ihrer künstlichen Intelligenz den Menschen übertreffen“, sagt Stephen Hawking voraus.

Die Frage, wozu künstliche Intelligenz eines Tages fähig sein wird, stellt sich mit immer größerer Dringlichkeit. Ende des vergangenen Jahres haben Fachleute des Weißen Hauses in einem Aufsatz angeregt, sich auf eine zünftige Gesellschaft vorzubereiten, in der künstliche Intelligenz eine dominierende Rolle spielt. Und Forscher des Internationalen Währungsfonds haben analysiert, welche Folgen es hat, wenn Maschinen immer schlauer werden und mehr Arbeiten übernehmen können, die heute noch Menschen ausführen. Ihre Schlussfolgerung: Die wirtschaftlichen Chancen sind gigantisch, die Risiken aber ebenfalls substantiell – etwa in Form höherer Ungleichheit und eskalierender Verteilungskonflikte.

Zehn Millionen Youtube-Videos
Nicht jeder versteht unter künstlicher Intelligenz dasselbe. John McCarthy hat die Aufgabe der Disziplin in den fünfziger Jahren beschrieben, und zwar als „Erschaffen einer Maschine, die sich so verhält, dass man dies intelligent nennen würde, wenn ein Mensch sich so verhielte“. McCarthy war damals Mathematikprofessor am Dartmouth College in Hanover im amerikanischen Bundesstaat New Hampshire. Der amerikanische Wissenschaftler und Technologie-Unternehmer Jerry Kaplan fasst zusammen: „Die Essenz von künstlicher Intelligenz – tatsächlich die Essenz von Intelligenz überhaupt – ist die Fähigkeit, zügig probate Verallgemeinerungen zu treffen auf Basis begrenzter Daten.“

Zur gegenwärtigen Begeisterung für das Thema haben vor einigen Jahren der Computerexperte Andrew Ng von der Stanford-Universität und der Google-Mitarbeiter Jeff Dean beigetragen. Sie hatten 16.000 Prozessoren zusammengeschaltet und dann ein Programm zehn Millionen Youtube-Videos anschauen lassen, also einer gewaltigen Datenmenge. Der Computer hat dabei von selbst Unterscheidungen gelernt. „Wir haben ihm während des Trainings nie gesagt ,Das hier ist eine Katze’“, sagte Dean danach. „Er erfand im Grunde das Konzept einer Katze.“ Das ist der Kern der neuen Forschung. Die Hoffnung dabei: Computer sollen selbständig lernen, indem sie mit einer dem menschlichen Gehirn nachempfundenen Software ausgestattet werden.

Heute dringt künstliche Intelligenz in viele Gebiete vor. Große Autokonzerne ebenso wie junge Start-Up-Unternehmen tüfteln an Fahrzeugen, die sich selbst steuern. Der Supercomputer Watson von IBM kann helfen, Krebspatienten zu behandeln. Er hat in einem Experiment sogar teilweise bessere Therapien vorgeschlagen als Fachärzte. Google wiederum lässt seit kurzem seinen Übersetzungsdienst mit künstlicher Intelligenz arbeiten. Das ist bedeutender, als es klingt, denn: Wie leicht wir mit Computern kommunizieren können, entscheidet mit darüber, wie sehr wir sie in unseren Alltag lassen.

Wie können die Menschen Schritt halten?
Die Fachleute des Analysehauses IDC erwarten, dass künstliche Intelligenz in den nächsten Jahren ein Zigmilliarden-Markt werden wird. IDC-Forscher Frank Gens sagte unlängst, künstliche Intelligenz sei heute in einer ähnlichen Ausgangslage wie das Internet Mitte der neunziger Jahre: Etwas, das für sich besteht, aber schließlich in viele Produkte und Dienste integriert sein werde. „Dahin bewegen wir uns – künstliche Intelligenz überall.“

Das war in dieser Woche auch auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas klar. Dort wurden auch die möglichen Kehrseiten der Technologie nicht unterschlagen. „Wir müssen darüber nachdenken, wie die Menschen Schritt halten können,“ sagte Vivienne Ming, die selbst ein auf künstliche Intelligenz spezialisiertes Start-Up-Unternehmen gegründet hat. Kaum eine Tätigkeit oder Hierarchieebene in der Arbeitswelt sei davor gefeit, von künstlicher Intelligenz überflüssig gemacht zu werden.
Und was ist mit der Angst, dass Computer sich womöglich einmal gegen den Menschen richten? Mayfield Robotics, eine im kalifornischen Silicon Valley beheimatete Firma, die zum deutschen Industriekonzern Robert Bosch gehört, spricht das zumindest an, wenn auch auf eine wohl nicht ganz ernst gemeinte Weise. Mitarbeiter stellten auf der CES einen Hausroboter namens „Kuri“ vor, der mit künstlicher Intelligenz arbeitet. Auf einer dazu gehörenden Internetseite wird in Videos aufgezählt, was das Gerät alles nicht tut. An einer Stelle heißt es: „Kuri wird nicht versuchen, die Zivilisation, wie wir sie kennen, zu zerstören. Oder einen Todesstrahl aussenden, der eine ganze Stadt paralysiert. Oder die Menschheit unter irgendeinem Roboterrecht versklaven.“ Während das gesagt wird, ist ein Film zu sehen, in dem bösartige Roboter genau solche Dinge tun. „Kuri ist nicht wie andere Roboter. Und das ist eine sehr, sehr gute Sache,“ sagt der Sprecher am Ende beschwichtigend.

Tatsächlich hat Mayfield großen Wert darauf gelegt, seinen Hausroboter, der noch in diesem Jahr für rund 700 Dollar auf den Markt kommen soll, zu einem freundlichen Geschöpf zu machen. Am Design hatte ein früherer Angestellter des zum Unterhaltungskonzern Walt Disney gehörenden Zeichentrickstudios Pixar großen Anteil, und Kuri erinnert an den Roboter „Eve“ aus dem Pixar-Film „Wall-E“.
Kuri soll ein Helfer und Gefährte im Haushalt sein, eine Art nützliches zusätzliches Familienmitglied. Der Roboter kann zum Beispiel mit Kindern Verstecken spielen und sie begrüßen, wenn sie aus der Schule zurückkommen. In Abwesenheit seiner Besitzer kann er dank integrierter Kameras auch das Haus überwachen und warnen, wenn ihm etwas verdächtig vorkommt. Er ist auf Rollen unterwegs und lernt Dinge über den Haushalt seiner Besitzer, etwa wem welches Zimmer gehört, versteht Stimmenkommandos, gibt aber selbst nur niedliche Pieptöne von sich. Mayfield-Vorstandschef Michael Beebe sagt, ihm sei es wichtig gewesen, Kuri eine liebenswerte Persönlichkeit zu geben. Zum Beispiel, dass er mit dem Kopf nicken kann, wenn man ihn streichelt. Beebe beteuert, es sei nicht zu befürchten, dass sein Roboter jemals von selbst eine finstere Seite entwickeln könnte: „Er hat ein inniges Wesen und würde nicht einmal sarkastisch sein.“

Andere Roboter in Las Vegas wirkten zumindest äußerlich ähnlich harmlos wie Kuri, und gegen die von ihren Herstellern genannten Einsatzgebiete lässt sich schwerlich etwas einwenden. Der vom französischen Unternehmen Yumii entwickelte Roboter „Cutii“ ist dazu gedacht, älteren Menschen das Leben angenehmer zu machen, indem er etwa erleichtert, mit Familienmitgliedern oder Pflegepersonal zu kommunizieren. Der vom amerikanisch-chinesischen Unternehmen Avatar Mind hergestellte Roboter „iPal“ soll ebenfalls Gefährte für ältere Menschen sein, darüber hinaus aber auch helfen, autistische Kinder zu therapieren. „Das heißt nicht, dass wir echte Therapeuten ersetzen wollen,“ beteuert Vorstandschef John Ostrem. Aber der Roboter könne deren Arbeit unterstützen und sie womöglich sogar entlasten.

Die wichtigste Frage der Menschheit
Und so herrschen in Las Vegas vor allem Technologie-Optimismus und der Glaube daran, dass künstliche Intelligenz das Leben der Menschen besser machen wird. Reinhard Ploss, der Vorstandsvorsitzende des deutschen Chipherstellers Infineon, warnt davor, diese Technologie von vorneherein zu verteufeln, da sie ohne Zweifel viel Potential für Gutes habe. Gerade in Deutschland gebe es eine Neigung, die Diskussion auf etwaige Bedrohungen zu beschränken. Schreckensszenarien einer von Maschinen regierten Welt hält er für übertrieben: „Künstliche Intelligenz wird uns nicht entmündigen.“

Stephen Hawking ist sich da offenbar nicht so sicher. Zu seiner 100-Jahre-Prognose über den Aufstieg intelligenter Computer fügte er hinzu: „Das wird das größte Ereignis in der Geschichte der Menschheit werden – und möglicherweise auch das letzte.“ Seine Befürchtung, wie er sie einmal gegenüber der BBC äußerte, ist, dass eine dann startende technische Evolution viel schneller abliefe als die biologische und deshalb intelligente Maschinen ihre Dominanz ausbauen würden.

Das ist nicht nur eine düstere Prognose, sondern auch eine allzu vage. Und schon gar keine, auf die Menschen keinen Einfluss hätten. Der israelische Historiker Yuval Noah Harari schreibt: „Die wichtigste Frage der Menschheit ist: Was wollen wir werden?“

Quelle: FAZ.NET

Anmerkung:

Zitat
„Er hat ein inniges Wesen und würde nicht einmal sarkastisch sein.“


Schade.


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#3

„Stephen ist kein Nerd“

in Aus der Welt der Wissenschaft 09.01.2017 13:40
von franzpeter | 9.152 Beiträge

„Stephen ist kein Nerd“


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Damals konnte er noch sprechen, also ohne Sprachcomputer?
Der kam erst 1985 nach einem Luftröhrenschnitt. Das passierte auf einer Reise nach Genf. Er bekam Essen in die Lunge und wurde bewusstlos. In dem Krankenhaus, in das man ihn einlieferte, wusste man nicht, wer Stephen war und wollten ihn schon aufgeben. Nur die Anwesenheit eines frankokanadischen Doktoranden, der die französische Unterhaltung der Ärzte verstand, hat ihn davor bewahrt. Aber bis dahin konnte er sich noch verständlich machen. Das heißt, als ich im Oktober 1980 nach Cambridge kam, verstand ich ihn zunächst überhaupt nicht. Ich brauchte etwa ein Jahr, um ihm gut folgen zu können. In meinem letzten Jahr habe ich ihn dann oft auf Reisen begleitet und gewissermaßen als Übersetzer fungiert. Bei seinen Vorträgen etwa legte ich die Folien auf und wiederholte, was er sagte.

Wirkte sich seine Behinderung sonst noch auf den Alltag seiner Forschungsgruppe aus?
Wir Doktoranden wechselten uns bei Stephens Betreuung ab. Ich war Dienstags dran. Da half ich ihm, wenn er ein Buch brauchte, zur Toilette musste und beim Mittagessen – oder wenn er eine Rechnung durchführen wollte.
Normalerweise arbeiten theoretische Physiker ja mit Papier und Bleistift. Das konnte Hawking zu Ihrer Zeit schon nicht mehr. Stimmt es, dass er stattdessen spezielle geometrische Methoden entwickelte, mit denen er Probleme bis zu einem gewissen Grad im Kopf untersuchen konnte?
Auch ich denke oft so. Geometrische Argumente sind immer die besten, man sieht die Sachen im wahrsten Sinne des Wortes ein. Wenn Sie etwa Newtons „Principia“ lesen, begegnen Sie vielen geometrischen Gedankengängen, das hat also eine lange Tradition in der Physik. In der Allgemeinen Relativitätstheorie, also der von Einstein entwickelten modernen Theorie der Gravitation, ist das besonders nützlich. Denn dort wird Gravitation als Geometrie der Raumzeit aufgefasst. Aber ja, Stephen machte davon besonders häufig Gebrauch, auch der Beweis des erwähnten Flächentheorems für Schwarze Löcher argumentiert im Wesentlichen geometrisch.


Und doch muss es einer unglaublichen Energie und Disziplin bedürfen, mit einer derartig schweren Behinderung noch Forschung zu betreiben?
Als ich zu ihm kam, dachte ich zunächst auch, das wird ja ganz schön deprimierend, mit jemandem zu arbeiten, der so schlimm dran ist. Doch seine Krankheit brach ja bereits früh aus, und an einem Punkt hat er sie einfach akzeptiert und beschlossen, sein Leben trotzdem zu leben. Klar, er muss seine Behinderung und ihre Folgen schon damals als sehr lästig und auch erniedrigend empfunden haben. Aber irgendwie schien das keinen Effekt auf ihn zu haben. Er ist ja nicht nur intelligent, sondern auch hochgebildet, ausgesprochen witzig, und er genießt das Leben, so gut er eben kann. Nachdem ich ihn besser kennengelernt hatte und wir Freunde geworden waren, habe ich ihn vor allem als Menschen wahrgenommen und nicht so sehr seine Behinderung gesehen. Er ist ein sehr humorvoller Gesprächspartner mit vielen Interessen jenseits der Physik.
Also kein Nerd, der seine Behinderung vielleicht nur deswegen erträgt, weil eine außergewöhnliche Begabung ihn davon ablenkt?
Nein, Stephen ist kein Nerd, jedenfalls nicht nur ein Nerd. Er führt ein sehr vielfältiges Leben und ist in vieler Hinsicht ein sehr normaler Mensch.


Quelle: F.A.S.


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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