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Jewgenij Kaspersky - über Cyberkriminalität

in Aus der Welt der Wissenschaft 19.01.2017 09:53
von franzpeter | 9.152 Beiträge

"Ich habe diesen Informationskrieg nicht erwartet"
Kaum jemand weiß so viel über Cyberkriminalität wie Jewgenij Kaspersky. Und kaum jemand arbeitet für so unterschiedliche Auftraggeber. Ein Gespräch über Hacking, Politik und Vertrauen.
Aus Davos berichten Barbara Hans und David Böcking


Der Mann, der weiß, wie es um die Sicherheit im Netz bestellt ist, sitzt auf einem gedrechselten Stuhl, den linken Arm auf einen Barhocker gestützt, in der Rumpelkammer des russischen Hauses. Jewgenij Kaspersky, genannt Eugene, empfängt in Davos am Rande des Weltwirtschaftsforums zum Gespräch, und "Haus" trifft es nicht wirklich. Es ist ein Schweizer Café, übervoll und überheizt, Platz ist nur am metallenen Katzentisch neben der Kuchentheke.


Kaspersky ist guter Dinge. Er ist IT-Sicherheitsexperte, Absolvent einer KGB-Hochschule und allen voran ist er Unternehmer. Davos ist Routine, seit einigen Jahren schon. Kaspersky hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er mit Sicherheitsbehörden kooperiert. Den russischen, den europäischen, den amerikanischen.

Der 51-Jährige ist sozusagen die personifizierte Globalisierung in Fragen der Cybersicherheit. Ist er nicht auch der wahre Profiteur immer neuer Hacks, seien es Angriffe auf Unternehmen und Banken, seien es politische Leaks wie zuletzt im US-Wahlkampf? Kaspersky zieht die Augenbrauen hoch, zieht die Schultern hoch, legt den Kopf leicht schräg und sagt: "Ja, ich denke schon, das kann man so sehen. Die Geschäfte laufen ziemlich gut. Leider." Sein Privatvermögen wurde 2010 von Forbes Russia auf 800 Millionen Dollar geschätzt.
Geht es seinem Unternehmen gut, dann steht es schlecht um die Sicherheit im Netz.

Hat er Trump schon einmal getroffen? "Nein."
Was denkt er über die protektionistischen Töne der künftigen US-Regierung? "Offiziell wird gekämpft, aber unter dem Tisch wird weiter verhandelt", sagt Kaspersky.


"Kaufen die Amerikaner russisches Titan?" Ja, weil sie es brauchen.

Schicken sie ihre Astronauten mit russischen Missionen ins All? "Ja, weil sie müssen."
Auch im Kampf gegen Cyberkriminelle sei Kooperation unverzichtbar, sagt Kaspersky. Ist seine Herkunft dennoch ein Nachteil? "Als amerikanische Firma wäre es viel einfacher, erfolgreich auf dem US-Markt zu sein."
Steckte Russland hinter den gestohlenen E-Mails im US-Wahlkampf und anderen Hackingattacken, die der scheidende Vizepräsident Joe Biden in Davos scharf kritisierte? Er sei kein Politikexperte, betont Kaspersky.
Früher wurden Computersysteme angegriffen, heute die Politik
Das ist vermutlich eine schlaue Antwort, denn Politik bedeutet Parteinahme, und die ist schlecht, wenn man von globalen Sicherheitsrisiken profitiert.
Früher, sagt Kaspersky, seien Computersysteme angegriffen worden. Die Menschen verloren Geld. Heute seien es öffentliche Systeme, die Infrastruktur, die Banken, die Politik. Die Menschen verlieren nicht nur Geld, sondern Vertrauen.
Den Cyberkriminellen gelingt, was Staaten nicht gelingt: eine wachsende, prosperierende internationale Zusammenarbeit. Daten werden ausgetauscht, Ziele über Ländergrenzen hinweg identifiziert und angegriffen. Und die Nationalstaaten? Da lacht Kaspersky nur. "Es gibt Nationen, die bei der Bekämpfung von Cyberkriminalität zusammenarbeiten, vor allen Dingen in Europa. Und Europol arbeitet sehr eng mit den russischen Sicherheitsbehörden zusammen. Aber es gibt so etwas nicht einmal ansatzweise auf globaler Ebene. Es gibt noch zu wenig Zusammenarbeit zwischen südamerikanischen Ländern, China, Russland, den USA. Wegen der angespannten politischen Situation und der Auseinandersetzungen ist die Zusammenarbeit nicht so eng, wie sie sein könnte."


Die Hacker, sagt Kaspersky, werden immer besser. Die Staaten müssten schneller sein, sie müssten sich besser vorbereiten, den Kriminellen etwas voraushaben. Doch an internationale Kooperationen ist nicht zu denken. "Es fehlt das Vertrauen für die Zusammenarbeit", sagt Kaspersky. "Es ist für russische Cyberkriminelle im Moment einfach, die USA anzugreifen." So wachsen die Risiken in dem Ausmaß, in dem die politischen Konflikte zunehmen. "Die Zusammenarbeit ist auf niedrigem Niveau, dann ist auch die Verfolgung von Kriminalität auf niedrigem Niveau."

Die Hacker selbst handeln Kaspersky zufolge oft nicht aus eigenem Antrieb - und verfolgen keine eigenen Ziele. "Über die Frage, wer hinter Angriffen steckt, welche Auftraggeber es gibt, können wir oft nur rätseln."
Der Schaden ist gerade deshalb immens: Zusammenarbeit aufzubauen, dauert Jahre, sie zu zerstören, das geht schnell. Weil häufig unklar ist, wer hinter Cyberattacken steht, ist es deutlich einfacher, sie politisch zu instrumentalisieren. Es ist ein neuer Kalter Krieg im Netz, ein Krieg mit Daten. Informationen sind Macht. "Die mangelnde Zusammenarbeit der Staaten führt dazu, dass sie in Sicherheitsfragen nicht zusammenarbeiten, um ihre Interessen zu schützen. Die Cyberkriminellen hindert das aber nicht. Im Gegenteil: Sie arbeiten hervorragend über Ländergrenzen hinweg zusammen."

Zur anstehenden Bundestagswahl sagt Kaspersky: "Ich möchte keine Vorhersagen machen, aber wenn es im deutschen Wahlkampf einen Cyberangriff gibt, dann wundert mich das nicht." Sind Fake News eine neue Form von Hacking? "Wenn ich von Hacking spreche, dann geht es um Technologien, darum, dass jemand sich einen fremden Computer zu eigen macht, um ihn zu besitzen. Bei Fake News geht es darum, Menschen zu manipulieren, sie zu beeinflussen." Eine Art Hacking des Hirns.


Manchmal lacht Kaspersky jungenhaft, ganz so, als würde er sich noch immer über den Irrsinn einzelner Entdeckungen freuen können. Der Virus, der so schien, als stamme er aus Russland, der aber tatsächlich ein Angriff aus China war. Für Kaspersky ist das alles auch ein Spiel, eine intellektuelle Herausforderung.
"Ich habe diesen Informationskrieg nicht erwartet", sagt Kaspersky."In früheren Kriegen haben Flugzeuge auch nicht ausschließlich Bomben abgeworfen, sondern Flugblätter. Das passiert heute im Internet."

Quelle: s.o.

Kommentar:
Ich habe an "meinem Kaspersky" bisher nichts auszusetzen. Nur beim Umstieg auf Windows 10 fehlten einige Passwörter.
Vielleicht lag es ja an Windows 10?


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 19.01.2017 09:57 | nach oben springen


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