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Adieu, Kostümsoldat

in Aus der Welt der Wissenschaft 04.03.2017 09:17
von franzpeter | 9.008 Beiträge

Adieu, Kostümsoldat

Die Welt rüstet auf, sogar Schweden führt die Wehrpflicht wieder ein. Aber…
Die Welt rüstet auf, sogar Schweden führt die Wehrpflicht wieder ein. Aber was lässt sich heute militärisch noch erreichen?
Es hätte gern so weitergehen können. Wenn in Westeuropa die Soldaten aufmarschierten, war der Anlass in den vergangenen 25 Jahren meist ein freudiger: Ein Staatsgast wurde empfangen, ein Schlachtenjubiläum begangen. Unsere Krieger, das war klar, sollten nicht mehr schiessen, sondern gut aussehen. Sie sassen zu Pferd und im Anhängermotorrad, wurden begleitet von Bläsern und Tambouren, trugen historische Helme und Fahnen – ihre Auftritte waren Nostalgiespektakel, Reenactments. Und wenn die Kostümsoldaten nicht vor Publikum ausschritten, räumten sie Wälder auf, bauten sie Notunterkünfte. Wirklich, so hätte es bleiben sollen.

Doch die Welt spielt nicht mit. Sie rüstet auf: Russland will mehr Nuklearwaffen, China seine Streitkräfte ausbauen. Der US-Präsident möchte das Verteidigungsbudget um 54 Milliarden Dollar aufstocken, selbst Schweden führt die Wehrpflicht wieder ein. Die Nato verlegt Truppen nach Osteuropa, um Russland zumindest symbolisch etwas entgegenzusetzen. Auch das Nichtmitglied Schweiz sei eingeladen, seine Beiträge zur Sicherheit Europas zu erhöhen, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg diese Woche in Bern.

Kultur statt Bomben
Was aber können Armeen noch ausrichten im 21.Jahrhundert? Verleiht Feuerkraft noch Macht? Nach 1989 vertraten etliche Politologen die Ansicht, die Zeit der Bomber und Panzer sei vorbei. Wer sich heute durchsetzen wolle, müsse auf «soft power» setzen, auf Kultur, Handel, Entwicklungshilfe – und auf Ideen. Letzteres ist nicht falsch: Noch immer machen sich in unfreien Staaten jedes Jahr Millionen Menschen auf, um in ein Land des Westens zu gelangen. Auch wenn «Demokratie» und «Menschenrechte» bei uns vermehrt als umständlich infrage gestellt werden: Weltweit haben sie Leuchtturmfunktion.
Nichts geworden ist aus der Vorstellung, die Firmen und Produkte des Westens würden automatisch auch Frieden und Demokratie in der Welt verbreiten. Mobiltelefone und Turnschuhe vertragen sich prima mit autoritären Regimes und werden auch von Terroristen gern genutzt. Man kann Coca-Cola trinken und die USA hassen.

Wer auf dem Wert militärischer Kraft beharrt, weiss sie immer seltener sinnvoll einzusetzen. Die USA, die stärkste Kriegsmaschine der Welt, ringen mit Misserfolgen. Die langen Kriege in Afghanistan und im Irak haben die beiden Länder nicht befriedet, sondern noch instabiler gemacht, den Aufstieg neuer Extremisten befördert. Und der im internationalen Verbund durchgeführte Schlag gegen Muammar al-Ghadhafi in Libyen hat zwar einen Diktator entfernt, aber ein gefährlicheres Land hinterlassen.

In Syrien kam die stärkste Armee der Welt trotz allem Grauen nie zum Einsatz. Auch nicht nach dem Giftgaseinsatz von 2013, obwohl Barack Obama einen solchen als das Überschreiten einer Roten Linie bezeichnet hatte. Der damalige US-Präsident wertete den Gesichtsverlust des Nichteingreifens weniger schwer als das Eröffnen einer neuen Chaosfront im arabischen Raum. Da half auch die stärkste Armee der Welt nichts.

Obamas Nachfolger hat das nicht verstanden. Donald Trump will mehr Geld, um «wieder Kriege zu gewinnen», als ob die Probleme im Irak und in Libyen Probleme der Mannstärke und des Flottenumfangs gewesen wären. Dass er überdies die nicht militärische Einflussnahme der USA mindern will, ist ein Fehler und wird sich rächen. Probleme wie Seuchen, Drogenhandel und Klimawandel lassen sich nicht bombardieren.

Europa meint, das erkannt zu haben. Diese Woche hat der deutsche Aussenminister Sigmar Gabriel es als «völlig unrealistisch» bezeichnet, das deutsche Verteidigungsbudget bis 2024 auf 2 Prozent des Bruttoinlandprodukts zu erhöhen, so wie das alle europäischen Nato-Staaten 2014 in Wales versprochen hatten. Eine solche Erhöhung wäre mehr als 30 Milliarden Euro teuer, aber laut Gabriel nicht sinnvoll: Deutschland leiste seinen Beitrag zur Sicherheit eben auch nicht militärisch, etwa in der Krisenprävention und im Kampf gegen den Hunger – mit «soft power», also.
Höhere Nato-Zahlungen sind wenig populär in Deutschland. «Aufrüsten für Amerika?» titelte die «Zeit» übellaunig. Doch im Baltikum, wo Sigmar Gabriel diese Woche sprach, redet man eher vom «Aufrüsten für Europa». Seit den russischen Militäraktionen in der Ukraine sind die Ost­europäer alarmiert. Wer wird Wladimir Putin stoppen, sollte er beschliessen, die Restauration der UdSSR auch im EU-Raum fortzusetzen?
Eine Armee für Europa
Die militärische Macht der USA war lange Zeit ein angenehmes Hintergrundrauschen, auf das Europa zählte, ohne es recht wahrzunehmen. Der Kontinent hat seinen Nachkriegswohlstand in der Gewissheit gemehrt, dass hinter ihm der Amerikaner steht, der etwas unternehmen wird, wenn Moskau oder sonst jemand zu sehr Gefallen am Mittelmeer findet. Der Amerikaner war ab und zu ungelenk, aber stark und dick und unser Freund.
Nun verändert sich Amerika, zählt sein Geld und blickt mehr nach innen. Das hat Folgen. Das Ende des Kalten Kriegs brachte eben doch keinen finalen Sieg des Westens, keine Unipolarität. Wenn alte Grossmächte schwächeln und neue zum Sprung ansetzen, braucht es mehr als reine Dekorationssoldaten. Auch in Europa.
Nach Trumps Sieg hiess es, nun schlage die Stunde der EU, müsse die Alte Welt die Werte des Westens hochhalten. Dafür aber muss sie sich selbst verteidigen können. Noch kommen die USA für rund 70 Prozent des Nato-Budgets auf. Es ist kein Zufall, dass gerade jetzt Ideen für eine EU-Armee neu diskutiert werden. Noch sind die Bedenken der EU-Länder riesig, doch nüchtern betrachtet, ist die heutige Verteidigung Europas mit ihren vielen kleinen nationalen Armeen und inkompatiblen Waffensystemen teuer, ineffizient.

Wenn Europa sich selbst helfen muss, könnte sich die neutrale Schweiz beteiligen. Dass der Bundesrat sie zum Partnerstaat der Nato-Cyberabwehr machen will, ist ein Schritt. Auch wir haben lange vom amerikanischen Sicherheits­rauschen profitiert. Wenn nun Europa übernehmen muss, sollten wir nicht abseits stehen.

Quelle Tagesanzeiger ch

Zitat

Die Nato verlegt Truppen nach Osteuropa, um Russland zumindest symbolisch etwas entgegenzusetzen.


Ist Osteuropa der Hinterhof Amerikas oder Russlands? Und ist die Lage nicht eskaliert, weil die Amerikaner in der Ukraine einen Regimechange unterstützt haben? Dass die Anrainerstaaten danach an die alten Zeiten der Sowjetunion erinnert wurden und Furcht zeigten ist verständlich.

Zitat
Man kann Coca-Cola trinken und die USA hassen.


Niemand hasst die USA,aber fast jeder ist mit ihrer Politik nicht einverstanden.

Zitat
Der Amerikaner war ab und zu ungelenk, aber stark und dick und unser Freund.


Das ist eine nicht zulässige Verniedlichung der Sachlage.

Zitat
Und der im internationalen Verbund durchgeführte Schlag gegen Muammar al-Ghadhafi in Libyen hat zwar einen Diktator entfernt, aber ein gefährlicheres Land hinterlassen.


Dieser Krieg war ein Angriffskrieg und da er von der UNO nicht genehmigt wurde, ein Kriegsverbrechen (wie fast alle amerikanischen Kriege, was internationale Fiedensforscher bestätigen).

Zitat
In Syrien kam die stärkste Armee der Welt trotz allem Grauen nie zum Einsatz. Auch nicht nach dem Giftgaseinsatz von 2013,


Da hätte ja ein Amerikaner verletzt werden können. Bodenkämpfe-das überließ (-lässt) man den Rebellen (Terroristen)

Zitat
Nach Trumps Sieg hiess es, nun schlage die Stunde der EU, müsse die Alte Welt die Werte des Westens hochhalten


Über die Werte des Westens (wenn es die gibt) war sich Amerika stets einig, damit sollten (sollen) die Vasallenstaaten moralisch aufgerüstet werden).

Zitat
Wenn nun Europa übernehmen muss, sollten wir nicht abseitsstehen.


Es bleibt zu hoffen, dass sich Europa aus den Kriegen der USA raushält. Ansonsten sollte der Verfasser dieses lückenhaften und teilweise unrecherchierten Artikels an die vorderste Front geschickt werden.
Amerikanische Bodentruppen - das ergibt soviele Tote, dass keine dahinter stehende Partei je wiedergewählt wird. Amerika hätte die damals bestehenden Herrscher und ihre Völker in Ruhe lassen und nicht nach Öl und Bodenschätzen gieren sollen.
Dann hätte die Welt nicht dieses ganze Schlamassel und die Völker dort könnten ihre eigene Entwicklung anstreben.


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 05.03.2017 22:52 | nach oben springen


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