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#1

Jedes zweite Bienenvolk tot

in Aus der Welt der Wissenschaft 29.04.2017 16:03
von franzpeter | 9.009 Beiträge

"Die Europäische Kommission
<http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/glyphosat-eu-behoerde-stuft-pestizid-als-nicht-krebserregend-ein-a-1138889.html>
halte die Imker*innen selbst für verantwortlich an der Belastung von
Bienenbroten und Honig.

Auf eine Anfrage habe die Aurelia Stiftung die Antwort erhalten: "... vielmehr
obliegt es dem Imker, sich relevante Informationen über Anwendungen von
Pflanzenschutzmitteln zu beschaffen, bevor er seine Bienenstände in
landwirtschaftlich oder anderweitig genutzten Flächen platziert".

Tatsächlich kämen Imkereien jedoch nur schwer an Informationen, welche
Chemikalien Landwirt*innen ihrer Region einsetzen, da diese nicht öffentlich
gemacht werden."



taz 27.04.2017

Das Sterben der Bestäuber geht weiter

Jedes zweite Bienenvolk tot

Imker melden nach dem Winter Verluste von bis zu 50 Prozent - drei- bis fünfmal
so viel wie normal. Was Umweltschützer jetzt fordern.

Yvonne Elfriede Hein
<http://taz.de/Yvonne-Elfriede-Hein/%21a38637/>

Glücklich, wer noch Honig in seinem Stock findet Foto: dpa

BERLIN taz | Bienensterben? Da war doch was. Aber was passiert eigentlich, um die
Verluste an Völkern zu reduzieren oder gar zu stoppen?

Zu wenig nach Ansicht von Naturschutzorganisationen - auch weil deren
Vertreter*innen sich nicht einig sind mit denen der freien Wirtschaft und
öffentlicher Institutionen, was überhaupt die Ursachen für das Problem sind.

Der Umweltverband BUND und die Aurelia Stiftung sind deshalb in die Vorlage
gegangen. Am Mittwoch stellen sie Eckpunkte für einen nationalen
Bienenaktionsplan

<https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/nationaler-bienenaktionsplan/>
<https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/nationaler-bienenaktionsplan/>
vor.

Denn auch zu Beginn des Frühlings 2017 hat sich das Bild für Imker*innen kaum
geändert: Einige Bienenzüchter*innen meldeten Verluste von bis zu 50 Prozent,
normal ist, dass die Anzahl der Bienen über Winter um 10 bis 15 Prozent
zurückgeht.


Die Industrie macht die Varroa-Milbe als Hauptursache aus. Die Milbe kann
einerseits die Brut der Bienen schwächen und andererseits Viren übertragen, die
die Bienen nachhaltig schwächen.

Das glauben die Naturschützer*innen nicht: "Die Öffentlichkeit wird in die
Irre geleitet, wenn ihr glaubhaft gemacht wird, dass die Varroa-Milbe Schuld am
Bienensterben sei", kritisiert Thomas Radetzki vom Vorstand der Aurelia
Stiftung.
Er ist selber seit 40 Jahren Imker. Im Rahmen der 2015 gegründeten
Naturschutzorganisation Aurelia betreibt er Lobbyarbeit zum Schutz der Bienen.

Wie viele Imker*innen und Bienenexperten sieht er das Hauptproblem in der
intensiven Landwirtschaft, die künstliche Dünger und chemische Pestizide
einsetzt und somit nicht nur den Lebensraum der Biene, sondern vieler Insekten
nachhaltig zerstört.


Hohe Giftbelastung

In ihrem Aktionsplan setzen die Organisationen in fünf Punkten Ziele, um den
künftigen Bestand der für Natur und Landwirtschaft lebenswichtigen Bestäuber
zu sichern. Unter anderem fordern sie, für die Bienen gefährliche Pestizide
wie Neonikotinoide auch für Hobbygärten generell zu verbieten und den
umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat nicht wieder zuzulassen.

Vorhandene Lebensräume und sollen erhalten und geschützt sowie neue
Lebensräume für die Bestäuber wieder hergestellt werden. Dafür müsse die
Landwirtschaft umgestaltet und ökologischer angelegt werden. Zudem sollen
Zulassungsverfahren neuer Pestizide reformiert werden - sie müssten, so die
Forderung, industrieunabhägig und transparent sein.

Zudem verlangen die Umweltschützer*innen mehr Investitionen für die Forschung.
Es gebe zu wenig Daten zu weiteren möglichen Ursachen für das Bienensterben.
So sei auch nicht ganz klar, wie die Pestizide die Bienen negativ beeinflussen.
Werner Kratz, Ökotoxologe unter anderem von der Freien Uni Berlin, spricht von
einem "erheblichen Forschungsbedarf".


In mehr als 65 Prozent der Bienenbrote wurden Pestizide nachgewiesen.

Dass die Giftbelastung einen wichtigen Faktor darstellt, belegt nach Ansicht der
Expert*innen unter anderem die in den Bienenstöcken gesammelte Pollenmasse, das
sogenannte Bienenbrot. In mehr als 65 Prozent des Nährstoffs wurden Pestizide
und Herbizide, unter anderem auch Glyphosat, entdeckt.

Rückstände der Gifte in Honig hatte etwa die Stiftung Öko-Test nachgewiesen
<http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=13015&gartnr=90&bernr=04>
.

Aurelia-Vorstandsmitglied Radetzki berichtete, die Europäische Kommission halte
die Imker*innen selbst für verantwortlich an der Belastung von Bienenbroten und
Honig. Auf eine Anfrage habe die Stiftung die Antwort erhalten: "... vielmehr
obliegt es dem Imker, sich relevante Informationen über Anwendungen von
Pflanzenschutzmitteln zu beschaffen, bevor er seine Bienenstände in
landwirtschaftlich oder anderweitig genutzten Flächen platziert".

Tatsächlich kämen Imkereien jedoch nur schwer an Informationen, welche
Chemikalien Landwirt*innen ihrer Region einsetzen, da diese nicht öffentlich
gemacht werden.

"In Deutschland werden bürokratische Hürden aufgebaut, die das Bienensterben
verschleiern", lautet das Fazit des Ökotoxologen Kratz.



Quelle:
http://taz.de/Das-Sterben-der-Bestaeuber...eiter/!5405034/
<http://taz.de/Das-Sterben-der-Bestaeuber-geht-weiter/%215405034/>


Anmerkung:

Zitat
Aurelia-Vorstandsmitglied Radetzki berichtete, die Europäische Kommission halte
die Imker*innen selbst für verantwortlich an der Belastung von Bienenbroten und
Honig. Auf eine Anfrage habe die Stiftung die Antwort erhalten: "... vielmehr
obliegt es dem Imker, sich relevante Informationen über Anwendungen von
Pflanzenschutzmitteln zu beschaffen, bevor er seine Bienenstände in
landwirtschaftlich oder anderweitig genutzten Flächen platziert".


Glyphosat, ich sags doch.


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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