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Klimawandel und die Arktis

in Aus der Welt der Wissenschaft 04.05.2017 19:48
von franzpeter | 9.011 Beiträge

taz 01.05.2017

Klimawandel und die Arktis

Im Sommer ohne Eis

Am Nordpol könnte es schon ab dem Jahr 2040 in der warmen Jahreszeit kein Eis
mehr auf dem Meer geben. Das stellt eine Studie fest.


Reinhard Wolff

Forscher auf einer Eisscholle im Artischen Ozean, Juli 2011 Foto: Kathryn
Hansen/NASA/reuters

STOCKHOLM taz | "Bis zum Jahr 2040 wird sich die Arktis total verändert haben",
sagt William Colgan. Vermutlich werde es dann im Sommer rund um den Nordpol
eisfrei sein: "Und das Verschwinden des Eises wird weltweite Auswirkungen
haben."

Colgan ist Glaciologe am nationalen geologischen Amt für Dänemark und
Grönland. Und er ist Mitverfasser einer Studie von 90 ForscherInnen aus den
Arktis-Anrainer-Staaten, die jetzt veröffentlicht wurde.

Vor 13 Jahren hatte eine ähnliche Studie des Arktischen Rats noch geschätzt,
dass das Ende des Sommereises in der Arktis ab 2100 drohe.


Nun kann es also 60 Jahre schneller gehen. Auch die Prognosen des Weltklimarats
von 2013/14 müssen laut Colgan als überholt gelten. Der Prozess der Erwärmung
der Arktis, der hier schneller voranschreite als in jeder anderen Region auf der
Erde, gehe wesentlich rascher vonstatten als erwartet.

Die Lufttemperaturen seien schneller gestiegen als prognostiziert, Meereis und
Schneedecke hätten sich rascher reduziert, so Colgan. Die Dicke des Arktiseises
nahm zwischen 1975 und 2012 um 65 Prozent ab. Das Polarmeer sei wärmer und
salzhaltiger geworden. Die eisfreie Meeresoberfläche beschleunige die
Erwärmung, da das Sonnenlicht weniger reflektiert werde. Die
Permafrostreschrumpften ebenso wie Inlandeis und Gletscher. Auf Grönland habe
sich der Abschmelzprozess beschleunigt. Dies werde bedeutende Auswirkungen auf
den globalen Meeresspiegel haben, der bis zum Ende des Jahrhunderts nicht nur wie
vom IPCC geschätzt um einen halben, sondern einen Dreiviertelmeter steigen
könne.

Für die ArktiseinwohnerInnen bleibe wesentlich weniger Zeit, sich auf diese
Veränderungen und auf das eisfreie Zeitalter einzustellen.

Über Verschiebungen bei den Meeresströmungen sowie beim polaren und
subtropischen Jetstream werde der Klimawandel in der Arktis aber auch das
globale Klima beeinflussen. Beispielsweise den südostasiatischen Monsun. In
Indien sei mit bis zu 70 Prozent weniger an Niederschlägen in der sommerlichen
Monsunsaison zu rechnen.

Die weitere Klimaentwicklung bis zur Mitte dieses Jahrhunderts sei mit den
bereits in die Atmosphäre freigesetzten Treibhausgasen schon festgeschrieben,
konstatiert die Studie.

Allerdings könnten die darauf folgenden radikalsten Veränderungen noch
vermieden werden. Voraussetzung: eine vollständige und augenblickliche
Umsetzung des Klimaabkommens von Paris. Dann könnte die anders zu erwartende
Steigerung der Durchschnittstemperaturen in der Arktis um 12 Grad bis 2100 auf 6
Grad begrenzt werden. Auch die Ausbreitung der globalen Permafrostböden könne
auf einem Niveau stabilisiert werden, das rund 45 Prozent des gegenwärtigen
entspricht.


"Die Arktis ist auf dem Weg in eine Katastrophe"


Mache man weiter wie bisher, würden dagegen bis zum Ende des Jahrhunderts zwei
Drittel der Permafrostböden verschwunden sein.


Mit großen Folgewirkungen: Bislang sei nur eine relativ kleine Menge des in
diesen Dauerfrostböden lagernden Methans und Kohlendioxids in die Atmosphäre
entwichen, sagt Torben Røjle ChrisProfessor am Institut für arktische
Ökosysteme der dänischen Universität Aarhus. Doch die könnten im weiteren
Erwärmungsprozess im raschen Takt frei werden und den Treibhauseffekt
zusätzlich beschleunigen.


"Es sieht schlimmer aus, als wir uns das vorgestellt haben, meint Arktis- und
Klimaforscher Sebastian Mernild, Direktor des Nansen-Zentrum im norwegischen
Bergen. Und William Colgan konstatiert: "Die Arktis ist auf dem Weg in eine
Katastrophe."




Quelle: http://www.taz.de/Klimawandel-und-die-Arktis/!5402345/
<http://www.taz.de/Klimawandel-und-die-Arktis/%215402345/>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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