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Der Krieg der fossilen Industrien gegen die Energiewende

in Aus der Welt der Wissenschaft 08.05.2017 15:15
von franzpeter | 9.689 Beiträge

Weltweit werden fossile Energien laut IWF mit rund 5000 Milliarden Dollar pro
Jahr subventioniert

<http://www.dw.com/de/gigantische-subventionen-f%C3%BCr-fossile-energien/a-18463252>
.
<http://www.dw.com/de/gigantische-subventionen-f%C3%BCr-fossile-energien/a-18463252>


Warum wir die Energiewende jetzt verteidigen müssen

Claudia Kemfert: "Die Lobbyisten der Kohleindustrie und Atomenergie schalten auf
Frontalangriff. Je länger wir durch diese Störmanöver aufgehalten werden,
desto teurer wird es. Und es wird immer dringender. Denn um den Klimawandel noch
zu begrenzen, brauchen wir schnelle Entscheidungen, müssen den Ausbau von
erneuerbaren Energien konsequent fortführen und die damit verbundenen
wirtschaftlichen Vorteile vorausschauend nutzen.

In Frankreich und Deutschland sind Wahlen, dabei treten auch Klimaskeptiker und
Kohle-Hardliner an.

Man wird sehen, welchen politischen Einfluss sie gewinnen können. Je mehr
Populisten und Handlanger der fossilen Energien in die Machtzentralen kommen,
desto schwieriger wird es für die Energiewende und desto mehr muss sie
verteidigt werden.

Der deutschen Volkswirtschaft kostet diese Festhalten an der Vergangenheit viel
Geld. Den Entscheidern dieser Industrien ist das egal, ihnen geht es nur um die
eigenen Interessen.


Alle sind gefordert. Die Energiewende muss verteidigt werden, von Bürgern und
Wissenschaftlern, im Internet genauso wie sichtbar mit Demonstrationen auf der
Straße."



Buchtipp:

Claudia Kemfert

Das fossile Imperium schlägt zurück

Warum wir die Energiewende jetzt verteidigen müssen

April 2017, 144 Seiten
ISBN: 9783867745666
14,90 Euro

Alles schien auf einem guten Weg. Die Energiewende schafft Wohlstand, macht
unabhängig von geopolitischen Konflikten, schützt das Klima und stärkt die
Demokratie. Und sie ist erfolgreich. Zu erfolgreich. Die "alte" Energien und die
Klimaskeptiker gehen nicht kampflos vom Platz. Anstelle von Rückzugsgefechten
schalten die Lobbyisten der Kohleindustrie und Atomenergie auf Frontalangriff.

Sie nutzen keine Armee, sondern Propaganda und "Fake News".

Mit bislang unbekannter Aggressivität werden Behauptungen, Mythen und
Fehlinformationen vorgetragen und der Klimawandel wird geleugnet. Unerwartet
befinden wir uns mitten im Krieg der Energiewelten zwischen fossiler Energie und
den erneuerbaren Energien. Besonders sichtbar in den USA. Doch auch in
Deutschland und Europa ist nicht alles rosig. Das fossile Imperium schlägt
zurück. Auch hierzulande.

Es ist höchste Zeit zur Gegenwehr. Claudia Kemfert stellt den fatalen
Irrtümern und gezielt falschen Informationen, die vor allem im Internet
hartnäckig die Runde machen, sachliche Argumente und wissenschaftliche Fakten
gegenüber.
Verständlich und anschaulich erklärt die renommierte Expertin die
politischen und ökonomischen Zusammenhänge, erläutert die dramatischen
Entwicklungen der letzten Jahre und zeigt auf, was Verbraucher, Politiker und
Unternehmen jetzt tun müssen, um die erneuerbare Zukunft zu sichern. Die
Energiewende ist das wichtigste Projekt auf der globalen Agenda. Wir müssen sie
retten. Jetzt!


http://www.murmann-verlag.de/das-fossile...gt-zurueck.html
<http://www.murmann-verlag.de/das-fossile-imperium-schlaegt-zurueck.html>




Deutsche Welle 04.05.2017

Wissen & Umwelt

"Es ist ein Krieg gegen die Energiewende"

Die fossile Energiewirtschaft kämpft aggressiv mit Fake News gegen die
Energiewende, sagt Wirtschaftsforscherin Claudia Kemfert im DW-Interview. Und
zwar nicht nur in den USA, auch in Deutschland und Europa.


Deutschland - Claudia Kemfert in Rostock (picture-alliance/ZB/B. Wüstneck )


Deutsche Welle: Frau Professor Kemfert, in der US-Regierung sind jetzt
Klimaskeptiker an der Macht und Vertreter der fossilen Energieindustrie. Sie
sehen weltweit ein Comeback der fossilen Energiewirtschaft. "Das fossile
Imperium schlägt zurück", sagen Sie und so lautet der Titel Ihres gerade
erschienen Buches. Worum geht es?


Die Energiewende ist eine Erfolgsgeschichte. Leider wird sie gerade ein Opfer
ihres eigenen Erfolgs. Die Kosten für erneuerbare Energien sinken immer weiter
und weltweit fließen sehr viele Investitionen in die erneuerbaren Energien. Das
alles gefällt den Industrien nicht, die mit konventionellen Energien und
Atomenergie Geld verdienen.

Da ist ein regelrechter Krieg zwischen der alten und der neuen Energiewelt
entstanden. Das fossile Imperium schlägt zurück und dies sehr aggressiv. Sehr
deutlich sieht man das in den USA, aber auch in Europa und in Deutschland, wo die
Klimakanzlerin eigentlich die Energiewende befürwortet. Auch hier wundert man
sich über manche rückwärtsgewandten politischen Entscheidungen.


Wie geht die fossile Energieindustrie vor?

Sie kämpft leider sehr erfolgreich um ihre Pfründe. Es werden Mythen und
sogenannte alternative Fakten verbreitet. Man soll beispielsweise glauben, dass
eine Stromversorgung mit erneuerbaren Energien nicht zuverlässig ist und dass
Blackouts und ein Kosten-Tsunami drohen.

Das ist alles falsch.

Aber um Interessen durchzusetzen, werden immer mehr solche Fake-News verbreitet -
und zwar mit großen PR-Budgets und hinter den Kulissen. Über soziale Medien
landen diese Mythen letztendlich in den Köpfen der Menschen, und Politiker
fällen entsprechende Entscheidungen.

In den USA sitzen die Handlager der fossilen Energiewelt unverblümt in der
Regierung. In Deutschland wird offiziell zwar von Energiewende und Klimaschutz
geredet, aber faktisch wird der Kohleausstieg verzögert.


Große PR-Abteilungen produzieren Fake-News?

Genau. Es sind PR-Kampagnen von professionellen Energiewende-Gegnern, die mit
entsprechenden Budgets ausgestattet sind. Sie spielen mit gezinkten Karten und
das sehr geschickt. Sie verbreiten in den sozialen Medien einprägsame Slogans,
emotionale Bilder und Schlagworte, die sich leicht weitersagen lassen.


So finden sie großes Gehör. Und die Propaganda funktioniert. Bei all diesen
Fake-News, Postfakten oder wie Sie es nennen wollen, sind wir Wissenschaftler
jetzt gefordert, entsprechend mit Fakten dagegenzuhalten.


Wer produziert die günstigste Energie? Gesamtkosten für Strom in Deutschland.

Sie sind Aufklärerin, eine bedeutende Ökonomin und eine wichtige Stimme in
Wissenschaft, Medien und Politik. Werden Sie auch selbst angegriffen?

Als Wissenschaftlerin ist es nicht leicht, in diesem Geflecht durchzudringen. Die
Gegner werden immer aggressiver, sie versuchen die wissenschaftlichen Aussagen zu
diskreditieren. Das erleben viele Kollegen. Egal wo ich mich äußere, bekomme
ich sofort oberlehrerhafte E-Mails von selbsternannten Experten oder üble
Beschimpfungen aus anonymen Quellen. Das kostet Zeit und Nerven.

Kürzlich wurde meine persönliche Webseite gehackt und mit absurden Fotos von
chinesischen Fahrrädern blockiert. Ich habe keine Ahnung, wer dahinter steckt.
Aber an einen Zufall mag ich nicht glauben.


Weltweit werden fossile Energien laut IWF mit rund 5000 Milliarden Dollar pro
Jahr subventioniert
<http://www.dw.com/de/gigantische-subventionen-f%C3%BCr-fossile-energien/a-18463252>
. Die Förderung von erneuerbaren Energien ist im Vergleich sehr gering.
Trotzdem meinen viele Menschen, dass erneuerbare Energien teuer sind, teurer als
aus fossilen Quellen. Wie kann sich trotz klarer Fakten dieses verzerrte Bild
halten?
<http://www.dw.com/de/gigantische-subventionen-f%C3%BCr-fossile-energien/a-18463252>


Die Propaganda wird systematisch auf allen Kanälen gestreut. Es wird solange
das Lied vom teuren Ökostrom gesungen, bis man den Ohrwurm nicht mehr aus dem
Kopf kriegt. Dabei wird bewusst mit zweierlei Maß informiert: Man spricht
ständig über Subventionen von erneuerbaren Energien, aber über die weitaus
höheren Subventionen für fossile Energien spricht man nicht.


Genauso werden die gigantischen Kosten der Atomenergie verheimlicht. Niemand hat
den Eindruck, dass dort Kosten-Tsunamis entstehen, obwohl es sie tatsächlich
gibt und sie auch real messbar sind.
So sind die Fakten. Aber die Fake-News
wirken wie ein schleichendes Gift. Die Propaganda setzt sich in den Köpfen fest
und wird selbst von Befürwortern der Energiewende geglaubt.


Sind Politiker vor dieser Propaganda gefeit?

Nein, selbst in Deutschland nicht - trotz erfolgreicher Energiewende.

Die Gegner der Energiewende setzen sich immer mehr durch. Das sieht man an
merkwürdigen Entscheidungen wie der Abwrackprämie für Kohlekraftwerke oder an
den überdimensionierten, teuren Stromleitungen. Daran erkennt man, dass die
Politiker den Lobbyisten des fossilen Imperiums auf den Leim gehen. Es geht hier
allein um Vorteile für diese sterbende Industrie. Jeder Tag, an dem die
Energiewende gebremst wird, ist bares Geld.



Also eine Verzögerungstaktik?

Exakt. Darum geht es vor allen Dingen: um Verzögerungstaktik. Alle wissen, dass
sich die erneuerbaren Energien auf lange Sicht durchsetzen wer
den.


Aber ein länger laufendes Kraftwerk spült jeden Tag noch ordentlich Geld in
die Kassen. Also wird die Energiewende ausgebremst, zum Teil wird sogar ganz
offen von Tempolimit gesprochen, angeblich zum Schutz von was-auch-immer. In
Wahrheit geht es allein um wirtschaftliche Vorteile einzelner Industrien und
sonst gar nichts.


Der deutschen Volkswirtschaft kostet diese Festhalten an der Vergangenheit viel
Geld. Den Entscheidern dieser Industrien ist das egal, ihnen geht es nur um die
eigenen Interessen.


Bei einem Umstieg auf Erneuerbare werden fossile Energien nicht mehr gebraucht


Weltweit erleben wir einen Boom der erneuerbaren Energien
<http://www.dw.com/de/2016-war-rekordjahr-f%C3%BCr-erneuerbare-energien/a-38214908>
. Ist der Durchbruch mit diesen Gegenkampagnen aufzuhalten?
<http://www.dw.com/de/2016-war-rekordjahr-f%C3%BCr-erneuerbare-energien/a-38214908>


Langfristig sicherlich nicht. Aber ich warne vor Überheblichkeit, weil die Zeit
entscheidend für Zukunft ist. Je länger wir durch diese Störmanöver
aufgehalten werden, desto teurer wird es. Und es wird immer dringender. Denn um
den Klimawandel noch zu begrenzen, brauchen wir schnelle Entscheidungen, müssen
den Ausbau von erneuerbaren Energien konsequent fortführen und die damit
verbundenen wirtschaftlichen Vorteile vorausschauend nutzen.


Was sollte die Gesellschaft tun?

Alle sind gefordert. Die Energiewende muss verteidigt werden, von Bürgern und
Wissenschaftlern, im Internet genauso wie sichtbar mit Demonstrationen auf der
Straße.

March of Science in San Francisco im April: Heftiger Widerstand gegen die
klimafeindliche Politik von Präsident Trump (Getty Images/AFP/J. Edelson)


Welche Prognose geben Sie?

Wir werden diesen Kampf der fossilen Industrien gegen die Energiewende in den
nächsten Jahren weiter erleben und er wird noch aggressiver werden.


[b]In den USA sind die Handlanger der fossilen Industrien ans Ruder gekommen.

In Frankreich und Deutschland sind Wahlen, dabei treten auch Klimaskeptiker und
Kohle-Hardliner an. Man wird sehen, welchen politischen Einfluss sie gewinnen
können. Je mehr Populisten und Handlanger der fossilen Energien in die
Machtzentralen kommen, desto schwieriger wird es für die Energiewende und desto
mehr muss sie verteidigt werden.


Die Entscheidung ist noch nicht gefallen…

Der Kampf ist komplett offen. Die nächsten Jahre sind entscheidend. Die
Ökonomie wird langfristig für die Energiewende sprechen. Wenn diese Kämpfe
noch viel länger dauern, wird es nicht nur teurer, es wird auch gefährlicher.

Denn mit der Energieversorgung sind auch geopolitische Risiken verknüpft. Der
Klimawandel bringt erhebliche Nachteile, es gibt immer stärkere Konflikte um
Ressourcen und so gerät die globale Sicherheit zunehmend in Gefahr. Die
Energiewende ist im Umkehrschluss ein Friedensprojekt. Obendrein stabilisiert sie
die Demokratie, weil sie partizipative Elemente hat.

Wir haben momentan die besten Voraussetzungen, die weltweite Energieversorgung
und den Klimaschutz intelligent miteinander zu verknüpfen. Wir sollten uns
dabei nicht von den Kräften der Vergangenheit beirren lassen, sondern ihrer
Propaganda widersprechen - laut und deutlich!


Das Interview führte Gero Rueter

Prof. Claudia Kemfert ist Wissenschaftlerin für Energie und Klimaökonomie. Sie
leitet die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für
Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und ist Professorin für Energieökonomie und
Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance in Berlin. Sie ist eine
mehrfach ausgezeichnete Spitzenforscherin, Mitglied im Sachverständigenrat für
Umweltfragen der Bundesregierung (SRU) und im Club of Rome. Ihr Buch "Das
fossile Imperium schlägt zurück
<http://www.murmann-verlag.de/buecher/das-fossile-imperium-schlaegt-zurueck.html>
", ist im Murmann-Verlag erschienen.
<http://www.murmann-verlag.de/buecher/das-fossile-imperium-schlaegt-zurueck.html>



Quelle:

http://www.dw.com/de/es-ist-ein-krieg-ge...ende/a-38689603
<http://www.dw.com/de/es-ist-ein-krieg-gegen-die-energiewende/a-38689603>

Anmerkung

Zitat
In den USA sitzen die Handlager der fossilen Energiewelt unverblümt in der
Regierung. In Deutschland wird offiziell zwar von Energiewende und Klimaschutz
geredet, aber faktisch wird der Kohleausstieg verzögert.


Dort wird ja auch die Evolution geleugnet (in Schulen).

Zitat
Der deutschen Volkswirtschaft kostet diese Festhalten an der Vergangenheit viel
Geld. Den Entscheidern dieser Industrien ist das egal, ihnen geht es nur um die
eigenen Interessen.



Also ich will jetzt nicht auf die Atlantiker, Bilderberger und ähnliche Gestalten hinweisen.
Selbst Trump unterliegt offenbar deren Einfluss (der Regierung "hinter der Regierung", dem Großkapital).
Aber es sieht doch so aus, dass dieser Einfluss "von drüben" kommt.

[Die Atlantik-Brücke e. V. wurde 1952 als private, überparteiliche und gemeinnützige Organisation mit dem Ziel gegründet, eine wirtschafts-, finanz-, bildungs- und militärpolitische Brücke zwischen der Siegermacht USA und der Bundesrepublik Deutschland zu schlagen. Zu ihren Mitgliedern zählen heute über 500 führende Persönlichkeiten aus Bank- und Finanzwesen, Wirtschaft, Politik, Medien und Wissenschaft. Die Atlantik-Brücke fungiert als Netzwerk und privates Politikberatungsinstitut. Sitz des Vereins ist das Magnus-Haus in Berlin. Wikipedia]


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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