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Divestment als Strategie gegen den Klimawandel

in Aus der Welt der Wissenschaft 11.05.2017 13:23
von franzpeter | 9.156 Beiträge

Divestment als Strategie gegen den Klimawandel

Die Divestment-Bewegung gibt es in 60 Ländern der Welt. Ihre Aktivisten
versuchen, Investitionen aus unethischen Industrien unter dem Aspekt des Klima-
und Umweltschutzes abzuziehen.

Das Besondere: Divestment boykottiert nicht den Kapitalismus, sondern nutzt
dessen Strukturen, um schlimme Umweltsünden abzuwenden.


taz 10.05.2017

Göttingen will sauberes Geld

Kein Investment in Klimaschänder

Göttingen will sein Geld nicht mehr in Unternehmen stecken, die das Klima
schädigen, Waffen bauen oder korrupt sind. Denn das hat unschätzbare Vorteile.

Reimar PauL

Kein Anlageobjekt für die Stadt Göttingen mehr: Kohlekraftwerke wie das im
niedersächsischen Mehrum.

GÖTTINGEN taz | Die Stadt Göttingen wird ihr Geld künftig nachhaltig,
ökologisch verträglich und nach ethischen Kriterien anlegen. Das hat der
Finanzausschuss des Rates auf eine Initiative der Grünen beschlossen.

Eine entsprechende Entscheidung des Kommunalparlamentes wird für diesen Freitag
erwartet, CDU und FDP wollen den Antrag dem Vernehmen nach ablehnen, sie haben
aber keine Mehrheit.

Göttingen folgt damit als erste niedersächsische Kommune der sogenannten
Divestment-Strategie als Richtlinie für Kapitalanlagen. Ähnliche Wege haben
zuvor schon Bremen, Berlin, Münster und Stuttgart beschritten oder sie
angekündigt.


Nur in nette Unternehmen investieren

Das Finanzvermögen der Stadt Göttingen umfasst knapp 80 Millionen Euro,
mehrheitlich sind es Pensionsrücklagen. Derzeit sei das Geld überwiegend in
Form von festverzinslichen Einlagen, Sparkassenbriefen, Festgeldern sowie
Sparbüchern bei deutschen Instituten angelegt, sagte Verwaltungssprecherin
Stefanie Ahlborn der taz. Auch Fonds-Anlagen seien dabei. Etwa ein Viertel der
Summe wird kurzfristig frei.

Die neue Anlagenrichtlinie werde keine Kapitalanlagen bei Unternehmen zulassen,
die Kinderarbeit duldeten, Militärwaffen herstellten, auf Atomkraft und
klimaschädliche Energien setzten oder Fracking betrieben, sagt die
Grünen-Ratsfrau Dagmar Sakowsky.

Angestrebt werden auch weitere ethische Grundsätze.

So soll es möglichst keine Beteiligung an Unternehmen geben, die Pflanzen und
Saatgut gentechnisch verändern, Tierversuche für die Herstellung von Kosmetika
machen oder denen eklatante Bestechungs- oder Korruptionsfälle nachgewiesen
wurden.

Seit Ende April sei auch ein im Auftrag des Landes Berlin entwickelter
ethisch-ökologischer Aktienindex auf dem Markt, auf den die kommunale
Finanzverwaltung zurückgreifen könne, sagt Sakowsky.


Unschätzbare Vorteile

"Wenn wir Geldanlagen tätigen, dann geben wir den Firmen die Möglichkeit, mit
diesem Geld zu investieren", beschreibt Sakowsky das Ziel der Initiative: "Wenn
wir nachhaltig investieren, hat das in dreifacher Hinsicht unschätzbare
Vorteile: Die Finanzen sind langfristig auf ein sicheres Fundament gestellt, wir
fördern unsere nachhaltigen Klimaschutzziele und wir entziehen Firmen, die gegen
grundsätzliche ethische Normen verstoßen, die Finanzierungsgrundlage."

Der voraussichtliche Beschluss des Göttinger Rates fällt in die Zeit der
"Globale Divestment Mobilisierung 2017".

Das ist eine Kampagne, in der vom 5. bis 13. Mai in 39 Ländern für den
Ausstieg aus fossilen Energieträgern geworben wird. International ist die
Divestment-Bewegung inzwischen gut aufgestellt. Nach Angaben der Grünen haben
sich knapp 800 Städte, Hochschulen und andere Institutionen verpflichtet, ihr
Kapital nach ethisch-ökologischen Kriterien anzulegen.


Auch der französische Versicherungskonzern Axa und die Allianz haben
beschlossen, in Zukunft aus Klimaschutzgründen keine Kohleunternehmen mehr zu
versichern. Die evangelische Kirche in Deutschland hat sich ebenfalls der
Divestment-Kampagne angeschlossen.


Bremen will auch nachhaltig investieren

Praktisch zeitgleich zu Göttingen, haben in Bremen SPD und Grüne vorgeschlagen,
das Geld des Landes "nach ethischen und ökologischen Kriterien" anzulegen.
Bremen darf demnach keine Landesmittel in Unternehmen investieren, die Geld mit
fossilen und nuklearen Energieträgern verdienen
. Ausgeschlossen sind Förderung,
Transport und Vertrieb sowie Energiegewinnung. Ebenso schließt der Antrag
Investitionen in Unternehmen aus, die mit Kinderarbeit, Kriegswaffen,
gentechnisch veränderten Pflanzen und Tierversuchen Geld machen.


Am Donnerstag wird in der Bremischen Bürgerschaft über den Antrag abgestimmt,
eine Mehrheit gilt als sicher. "Diese Woche wird Bremen endlich
Divestment-Stadt", sagt Maike von den Grünen
. Die Umwelt-Initiative "Fossil
Free Bremen" will den Beschluss heute Abend mit einer "Jubel-Minute" am Bremer
Roland in der Innenstadt feiern.

In Berlin hatte bereits im vergangenen Juni das Abgeordnetenhaus beschlossen,
öffentliche Gelder aus Unternehmen abzuziehen, "deren Geschäftsmodell dem Ziel
der Klimaneutralität widerspricht". Jetzt hat Finanzsenator Matthias
Kollatz-Ahnen (SPD) ein Konzept vorgestellt, mit der das Land seine
Geldanlagestrategie - es geht vorrangig um Finanzmittel aus dem Sondervermögen
"Versorgungsrücklage des Landes Berlin" in Höhe von rund 823 Millionen Euro -
nach Kriterien der Nachhaltigkeit verändern will.



Divestment-Bewegung

Entstanden ist die Divestment-Bewegung 2012. Zentrale Forderung ist der Abzug von
Investitionen aus der Mineralöl-, Erdgas- und Kohleindustrie. Das Geld soll
nachhaltig reinvestiert werden.

Politisches Ziel der Kampagne ist, den Einfluss dieser Industrie zu schwächen,
weil sie immer wieder Schritte zur Bekämpfung des Klimawandels behindert.

Prominente Unterstützer der Divestment-Kampagne sind etwa der ehemalige
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, der ehemalige US-Präsident Barack Obama und
Prinz Charles.


Quelle:
http://www.taz.de/Kein-Investment-in-Kli...ender/!5408532/
<http://www.taz.de/Kein-Investment-in-Klimaschaender/%215408532/>



Dazu:

Divestment als Strategie gegen den Klimawandel"Zieht die Kohle ab!"

Die Divestment-Bewegung gibt es in 60 Ländern der Welt. Ihre Aktivisten
versuchen, Investitionen aus unethischen Industrien unter dem Aspekt des Klima-
und Umweltschutzes abzuziehen.

Das Besondere: Divestment boykottiert nicht den Kapitalismus, sondern nutzt
dessen Strukturen, um schlimme Umweltsünden abzuwenden.

http://www.deutschlandfunk.de/divestment...ticle_id=337579
<http://www.deutschlandfunk.de/divestment-als-strategie-gegen-den-klimawandel-zieht-die.1184.de.html?dram:article_id=337579>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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