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#1

Landwirte müssen Saat jedes Jahr neu kaufen

in Aus der Welt der Wissenschaft 30.05.2017 12:50
von franzpeter | 9.156 Beiträge

Landwirte müssen Saat jedes Jahr neu kaufen

Die Pflanzen werden unfruchtbar gezüchtet worden, sodass sie nur zur Aussaat,
aber nicht zur Vermehrung genommen werden können. Landwirt*innen müssen also
jedes Jahr erneut ihre Saat bei den großen Herstellerkonzernen einkaufen und
können nicht, wie früher üblich, von den Pflanzen Samen abzweigen und für
die neue Aussaat nehmen
.


Auch Landwirte in der Region, also alle.

In Europa gehören rund 95 Prozent der Gemüsesamen den fünf größten
Produzenten von Saatgut: Monsanto, Bayer, Syngenta, Limagrain und KWS.



Anm. FS: Und wie steht es mit den Eigentumsrechten auf Gemüsesamen etc. der
Großkonzerne in den armen Entwicklungsländern? Wetten, dass ..... .


taz 29.05.2017

Saatgut mit Open-Source-Lizenz

Tomatenanbau ohne Konzerne

Sunviva ist eine Tomate ohne Eigentumsrechte. Die Entwickler*innen hoffen,
langfristig eine Konkurrenz für die großen Konzerne zu werden.

Yvonne Elfriede Hein


Demo gegen Patente Foto: dpa

BERLIN taz | Rein äußerlich sieht Sunviva aus wie eine normale Cocktailtomate
in Gelb. Doch im Vergleich zu anderen Tomaten hat sie eine Besonderheit: Sie
steht unter einer Open-Source-Lizenz und darf keinen exklusiven Nutzungsrechten
unterworfen werden.


"Die Idee kam aus der IT", erzählt Johannes Kotschi von der Organisation Open
Source Seeds. Wie sich in den achtziger Jahren viele Informatiker*innen für
freie Software einsetzten und Open-Source-Programme wie Linux oder LibreOffice
entwickelten, finden die Initiator*innen, dass es auch Open-Source-Samen geben
muss
.

Zusammen mit einem interdisziplinären Arbeitskreis aus Jurist*innen,
Botaniker*innen und Agrarwirt*innen entwickelte Kotschi im Sommer 2016 eine
freie Lizenz für Saatgut. "Wir wollen damit gegen die Privatisierung von
Saatgut kämpfen. Saatgut muss der Allgemeinheit gehören, es ist die Grundlage
der Lebensmittel", so Kotschi.


Üblicherweise unterliegt Saatgut sogenannten geistigen Eigentumsrechten. In
Europa gehören rund 95 Prozent der Gemüsesamen den fünf größten Produzenten
von Saatgut: Monsanto, Bayer, Syngenta, Limagrain und KWS. Zu diesem Ergebnis
kam eine Studie der Fraktion der Grünen im Europäischen Parlament aus dem Jahr
2014.



Landwirt*innen müssen Saat jedes Jahr neu kaufen

Oft sind die Pflanzen unfruchtbar gezüchtet worden, sodass sie nur zur Aussaat,
aber nicht zur Vermehrung genommen werden können.
Landwirt*innen müssen also
jedes Jahr erneut ihre Saat bei den großen Herstellerkonzernen einkaufen und
können nicht, wie früher üblich, von den Pflanzen Samen abzweigen und für die
neue Aussaat nehmen.

Bei Sunviva ist das anders.

Sie läuft unter einer Open-Source-Lizenz, bei der im Unterschied zu normalen
Lizenzen keine Eigentumsrechte bestehen, sondern ein Produkt von diesen befreit
wird. Somit ist die uneingeschränkte Nutzung gestattet.

Gibt ein*e Züchter*in einer neu entwickelten Sorte eine solche Lizenz, so
verliert diese*r unwiderruflich alle Rechte an der Züchtung. Bei allen
gewerblichen Tätigkeiten müssen aber die Auflagen der Lizenz eingehalten und
dürfen nicht durch zum Beispiel Sortenschutzbestimmungen oder Patentrechten
beschränkt werden.

Die Organisation Open Source Seeds versteht sich als Dienstleister. Sie gehört
zu Agrecol, einem Verein zur Förderung der standortgerechten Landwirtschaft in
Entwicklungsländern. Möchten Züchter*innen ihre neue Sorte vor
Privatisierungsrechten schützen, so können sie sich an Open Source Seeds
wenden.


So wie das Netzwerk des ökologischen Freiland-Tomatenprojekts der Uni
Göttingen. Unter der Beteiligung von vielen Menschen und Organisationen wurde im
Rahmen des Projektes die Sorte Sunviva als Gemeinschaftswerk gezüchtet. Das
ökologische Zuchtprojekt kommt seit jeher ohne geistige Eigentumsansprüche auf
ihre Züchtungen aus.

"Die Open-Source-Lizenz passte daher ganz gut zu unserer Idee", berichtete Bernd
Horneburg, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung
Pflanzenzüchtung an der Uni Göttingen Teil des Projekts ist.


Sunviva ist seit April 2017 auf dem Markt. Da sie wetterresistent und
unempfindlich gegenüber Kraut- und Brandfäule, einer klassischen
Tomatenkrankheit, sein soll, haben auch unerfahrene Gärtner*innen viel Freude
an ihr. Ungewöhnlich hoch ist daher auch die Nachfrage
. Ein paar Hundert Tüten
mit Sunviva-Saatgut wurden bereits direkt verkauft.

"Allerdings fragen primär Privatpersonen wie Hobbygärtner*innen oder
Umweltaktivist*innen die Sunviva-Tomate nach", sagt Max Rehberg vom ökologischen
Saatguthändler Culinaris. Das liege auch daran, dass die Samen der Tomate nach
der Aussaatzeit auf den Markt kamen.



Als Alternative zu Monsanto-Saatgut interessant

Culinaris ist zurzeit noch der einzige Saatgutproduzent, der die Sunviva-Tomate
anbietet. Langfristig sei es allerdings das Ziel, Open-Source-Saatgut im großen
Stil zu vertreiben und neben dem privaten Saatgut eine zweite Säule des
Vertriebs zu errichten.


Auch andere Händler*innen interessieren sich für Sunviva, insbesondere als
Alternative zu Saatgut von Monsanto. Da es sich hierbei allerdings um eine
Open-Source-Tomate handelt, muss auf der Verpackung auf die besondere Lizenz
verwiesen werden. Für viele Händler*innen sei das eine Markteintrittshürde,
so Rehberg. Besteht ernsthaftes Interesse an der Saat, so sollte die
Deklarierung aber kein Problem sein.



Quelle: http://www.taz.de/Saatgut-mit-Open-Source-Lizenz/!5412377/
<http://www.taz.de/Saatgut-mit-Open-Source-Lizenz/%215412377/>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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