GKR-Forum

a_6.jpg a_6.jpg

#1

Grüne in Kanada

in Aus der Welt der Wissenschaft 31.05.2017 17:45
von franzpeter | 9.008 Beiträge

taz 31.05.2017

Grüne in Kanada

Rohstoffindustrie wird nervös

Premiere in Nordamerika: In British Columbia hat die Ökopartei Einfluss auf die
Regierungsbildung. Und damit auch auf Pipelines und Dämme.

Jörg Michel

VANCOUVER taz | Die Westküstenprovinz British Columbia gehört zu den
spektakulärsten Regionen Kanadas. Millionen Touristen aus aller Welt besuchen
jedes Jahr die Regenwälder, die Rocky Mountains oder die Inseln im Pazifik.

Doch British Columbia ist nicht nur Touristenziel. Die drittgrößte Provinz des
Landes mit der Metropole Vancouver ist auch eine Schlüsselregion für die
Rohstoff- und EnergieDurch British Columbia verlaufen wichtige Öl- und
Gas-Pipelines. Auch einige der größten Holz- und Minenkonzerne der Welt sind
dort tätig. Unter ihnen herrscht dieser Tage große Nervosität.

Das hat mit den neuen politischen Verhältnissen zu tun.

Denn nach 16 Jahren an der Macht haben die als wirtschaftsfreundlich geltenden
Liberalen von Premierministerin Christy Clark jetzt ihre Mehrheit verloren.
Stattdessen haben die bislang unbedeutenden Grünen den politischen Durchbruch
geschafft - und halten die Schlüssel zur Macht in der Hand.

Bei den Provinzwahlen vor zwei Wochen, deren Ergebnisse wegen des knappen
Wahlausgangs erst jetzt offiziell bestätigt wurden, verdoppelte die Ökopartei
ihren Stimmanteil auf knapp 17 Prozent und schickt künftig drei Abgeordnete ins
Parlament nach Victoria.

Das ist eine Premiere: Erstmals in Nordamerika brachten die Grünen bei einer
Wahl in einem Flächenland in Kanada oder den USA damit gleich mehrere
Kandidaten durch.


Weaver, der Erneuerer

Eine beachtliche Leistung, denn in Kanada gilt das reine Mehrheitswahlrecht.

Nur die in ihren Wahlkreisen direkt gewählten Kandidaten kommen ins Parlament,
was kleine Parteien stark benachteiligt. Die bisher regierenden Liberalen und die
oppositionellen Sozialdemokraten stellen zukünftig 43 beziehungsweise 41
Abgeordnete. Wegen des Beinahe-Patts im Parlament wird keine der beiden großen
Parteien ohne grüne Stimmen regieren können. Das verleiht den 3
Öko-Abgeordneten großen Einfluss.

So lehnen die Grünen beispielsweise den geplanten Ausbau der umstrittenen
Trans-Mountain-Pipeline ab, die kanadisches Erdöl aus dem Landesinneren an den
Pazifik bringt.

Sowohl die Bundesregierung von Premierminister Justin Trudeau in Ottawa wie auch
die bisherige Provinzregierung hatten den Ausbau unterstützt, der den
Öltankerverkehr vor den Toren Vancouvers massiv erhöhen würde.

Auch zum bereits begonnenen Bau eines Staudamms im Norden von British Columbia
sagen die Grünen Nein.

Der Site C Dam ist bei Umweltschützern wegen seiner ökologischen Folgen
umstritten. Ureinwohner befürchten, dass Friedhöfe ihrer Ahnen unter Beton
begraben werden
. Kritisch sehen die Grünen auch den von der bisherigen
Regierung forcierten Ausbau der Flüssiggasindustie und die Rodung der
pazifischen Regenwälder durch Forstkonzerne.

Der Erfolg der Grünen hat einen Namen:

Parteichef Andrew Weaver, 57, arbeitete vor seiner politischen Karriere als
international anerkannter Klimaforscher an der University of Victoria. Er wirkte
an mehreren Berichten des Weltklimarates mit. Bei der Wahl hatte sich Weaver als
Erneuerer präsentiert und versprochen, das verkrustete Zweiparteiensystem in
British Columbia aufzubrechen.

Der Parteichef will nun sowohl mit den Liberalen wie auch den Sozialdemokraten
über eine Duldung verhandeln.
Die Zeiten für die kanadische Rohstoffindustrie
werden wohl komplizierter als bisher.



Quelle: http://www.taz.de/Gruene-in-Kanada/!5416992/
<http://www.taz.de/Gruene-in-Kanada/%215416992/>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
nach oben springen


Besucher
0 Mitglieder und 11 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Susecumm
Forum Statistiken
Das Forum hat 2871 Themen und 13271 Beiträge.

Heute war 1 Mitglied Online :

Besucherrekord: 71 Benutzer (12.03.2015 19:47).

Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen | ©Xobor.de