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#1

Keine Luft zum Atmen

in Aus der Welt der Wissenschaft 11.07.2017 18:09
von franzpeter | 9.011 Beiträge

Ein besonders dringend zu empfehlender Fim von Michael Houben über den
unmittelbaren Einfluß der Autoindustrie auf Angela Merkel, Alexander Dobrindt
und deren Einfluß auf EU-Verordnungen:

Keine Luft zum Atmen


Menschen, die täglich mit Atemwegserkrankungen kämpfen, Autokonzerne, die mit
zu hohen Schadstoffwerten seit 10 Jahren tricksen, eine Politik, die jahrelang
gezielt wegschaut. Wer ist verantwortlich für die schlechte Luft in
Deutschlands Städten
?


Lungenfacharzt Norbert Mülleneisen, Leverkusen: "Die Leute werden schwerkrank
und sie sterben einzeln und allein zu Hause. Die Interessen der Autoindustrie
sind den Politikern offensichtlich wichtiger als die Gesundheit unserer
Mitbürger."

Sendung v. 10.07.2017 | 29 Min. | UT | Verfügbar bis 10.07.2018 | Quelle: Das
Erste

Mediathek:
http://mediathek.daserste.de/Reportage-D...mentId=44317960
<http://mediathek.daserste.de/Reportage-Dokumentation/Exclusiv-im-Ersten-Keine-Luft-zum-Atmen/Video?bcastId=799280&documentId=44317960>



Dazu:

Wenn aus dem Auspuff Wasser kommt

FAZ
<http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/neue-mobilitaet/neue-mobilitaet-die-vorzuege-der-brennstoffzellenautos-14726583.html>
: "Dabei ist der Brennstoffzellenantrieb eigentlich keine neue Erfindung.
Technisch funktioniert das Ganze so: Die Fahrzeuge werden mit Wasserstoff
betankt, in der Brennstoffzelle reagiert dieser dann mit dem Sauerstoff. Dabei
entstehen Wasserdampf, Strom und Wärme. Mit dem Strom werden die Fahrzeuge
angetrieben, Wasser tropft als Abfallprodukt aus dem Auspuff.


Brennstoffzellenfahrzeuge dürften auf lange Sicht in einigen Punkten
unschlagbar sein.


- Erstens erzielen sie im Durchschnitt deutlich größere Reichweiten, bis zu 500
Kilometer und mehr.


- Zweitens ist der Antrieb im Gegensatz zu Batterien auch für Busse und Lkws
geeignet.


- Und drittens lassen sie sich in wenigen Minuten volltanken. "


Michael Specht, Zeit Online: "Schon heute, das zeigt unser Test, kann man bequem
im Brennstoffzellenauto durch Deutschland reisen und muss dabei nicht mal groß
seine Gewohnheiten umstellen. Drei Minuten Tanken, 400 Kilometer fahren.


Dagegen hat auch der beste Tesla keine Chance. Er bräuchte für die gleiche
Energiezufuhr selbst an einer Schnellladesäule über zwei Stunden. Die
Brennstoffzellentechnik ist also eine vielversprechende Alternative. Sie muss nur
deutlich günstiger werden."

FS


Zeit Online 11. Juli 2017

Toyota Mirai:

Der Langstreckenstromer

Wovon Fahrer von Batterie-Elektroautos träumen, klappt heute schon mit der
Brennstoffzelle: drei Minuten tanken, 400 Kilometer fahren. Im Toyota Mirai
durch Deutschland

Von Michael Specht




Reichweitenprobleme? So etwas kennen Fahrer von Brennstoffzellenautos nicht. Ist
der Tank mit Wasserstoff gefüllt, steht einer Fahrt von bis zu 400 Kilometern
nichts mehr im Wege. In wenigen Jahren sollen es gar 650 Kilometer sein. Danach
genügen ein paar Minuten an einer Wasserstoffzapfsäule, ehe die Tour
weitergehen kann. Leider ist die Brennstoffzellentechnik noch sehr teuer -
ansonsten wäre sie schon heute der absolute Kracher: keine Emissionen,
elektrischer Antrieb, leises Fahren, kein langes Warten an Ladestationen.

Wer sich das gönnen möchte, muss etwa einen Toyota Mirai bestellen und gut
80.000 Euro dafür zahlen. Auf ähnlichem Niveau wird sich nächstes Jahr der
Mercedes GLC Fuel Cell bewegen. Etwas günstiger dürfte es bei Hyundai werden:
Die Koreaner bringen ebenfalls 2018 den Nachfolger des iX35 Fuel Cell. Es soll
ein größeres Crossover-Modell werden, wie zu hören ist. Alle Preise sind von
den jeweiligen Herstellern natürlich noch stark subventioniert, sonst wäre
keines dieser Fahrzeuge auf der Straße.


Es tut sich also was beim Wasserstoffantrieb. Zu verlockend sind die Vorteile
der Brennstoffzelle. In ihr entsteht in einem chemischen Prozess aus dem
getankten Wasserstoff und dem Sauerstoff aus der Luft Strom, der dann in einen
Elektromotor fließt, sowie Wasser, das als Endprodukt aus dem Auspuff kommt.
Mit giftigen Abgasen, Katalysatoren und aufwendiger Harnstoffeinspritzung muss
sich ein Brennstoffzellenauto nicht herumplagen.



Aus Wasser oder Erdgas gewonnen

Wasserstoff hat den großen Vorteil, nicht importiert werden zu müssen. Man
kann ihn lokal produzieren und verbrauchen, er lässt sich gut lagern und bei
Bedarf über lange Strecken verlustfrei transportieren (mit Strom geht das
nicht).


Wasserstoff ist praktisch unbegrenzt vorhanden - allerdings stets in gebundener
Form. Durch Elektrolyse lässt er sich aus Wasser abspalten oder aus Erdgas
gewinnen. Oder er entsteht als Nebenprodukt der Großchemie. Weltweit werden
jährlich rund 50 Millionen Tonnen Wasserstoff produziert. Die Menge würde
reichen, um 250 Millionen Autos wie den Mirai 20.000 Kilometer fahren zu lassen.


Die elektrolytische Erzeugung von Wasserstoff ist allerdings nur sinnvoll, wenn
der benötigte Strom dazu aus regenerativen Quellen stammt, also etwa von
Windkraftanlagen oder aus Solartechnik. Nur dann darf der Wasserstoff "grün"
genannt werden.


Diesen sagte uns zumindest Vattenfall beim Start unserer Mirai-Tour in Hamburg
zu. Dort versorgt in der Hafencity eine Wasserstofftankstelle Linienbusse sowie
einige private Brennstoffzellenautos. Vattenfall versucht, für die
Wasserstofferzeugung möglichst jenen Strom zu nehmen, der anfällt, wenn er
nicht gebraucht wird. Beispielsweise wenn es nachts stark weht und die Windräder
viel Strom generieren. Andernfalls müsste der Strom ins Ausland verschenkt oder
die Flügel der Windräder arretiert werden.


Los geht unsere Fahrt quer durch Deutschland, 700 Kilometer von Hamburg nach
Stuttgart. An einer Anlage in Münster, 281 Kilometer von Hamburg entfernt,
halten wir erstmals zum Tanken. Nötig wäre das Auffüllen noch nicht gewesen,
denn in Hürth bei Köln steht die nächste Zapfsäule.
Allerdings
ausschließlich für Busse - da wird der Wasserstoff mit halb so viel Druck
getankt und nicht auf minus 41 Grad heruntergekühlt.

Die nächste Station: Limburg an der A3 zwischen Köln und Frankfurt. Auf dem Weg
dahin zeigt sich der Mirai von seiner komfortablen Seite. Es sind so gut wie
keine Windgeräusche zu hören, vom Antrieb überhaupt nichts. Die Federung ist
weich - eine angenehme Reiselimousine. Dazu kommt das gute Gefühl, keinen Dreck
in die Umwelt zu pusten.



Der Tank ist stabil wie ein Tresor


Wir verbrauchen auf unserer Tour im Schnitt rund ein Kilogramm Wasserstoff pro
100 Kilometer, den Normwert gemäß NEFZ-Messung gibt Toyota mit 0,76 Kilogramm
je 100 Kilometer an. Das ist aber nur zu schaffen, wenn man über Landstraßen
kriecht. Derzeit kostet das Kilo 9,50 Euro, ein künstlich festgesetzter Preis
der Clean Energy Partnership (CEP). Wie viel der Wasserstoff später einmal
kosten wird, wenn mehr Brennstoffzellenautos unterwegs sind, weiß im Moment
niemand. Doch günstiger als heute wird er sicher.


Apropos sicher: An vielen Stammtischen herrscht immer noch die Meinung,
Wasserstoff sei hochexplosiv, und man habe eine Knallgasbombe unterm Hintern
.


Tatsächlich ist Benzin weitaus gefährlicher, denn es kann nach einem Unfall
auslaufen und sich unterm Auto entzünden. Wasserstoff ist nicht
selbstentzündbar und auch nicht brandfördernd. Er würde, falls wirklich mal
eine Leitung reißen sollte, lediglich ausströmen und nach oben entweichen. Der
Tank selbst ist stabil wie ein Tresor. Für die Zulassung gibt es sogar einen
Beschusstest.



Bis 2023 sollen in Deutschland 400 H2-Zapfsäulen stehen


Dass Wasserstoff nicht nur ein Energieträger für die Brennstoffzelle im Auto
ist, zeigen Beispiele, die wir auf unserer Deutschlandtour passieren. Das Hotel
Radisson Blu in Frankfurt nutzt die saubere Energie für Strom und Heizung und
spart damit 600 Tonnen CO2 im Jahr. Die Firma Friatec in Mannheim braucht für
die Herstellung von Steinzeug Unmengen an Strom und Heißdampf bis 370 Grad
Celsius
.

Die Firma hat für die Energieversorgung jüngst eine recht teure
Hochtemperaturbrennstoffzelle angeschafft. Sie rechnet sich aber langfristig und
spart jährlich 3.000 Tonnen CO2.


Und in unserem Zielort Stuttgart entwickelte das Deutsche Zentrum für Luft- und
Raumfahrt (DLR) das erste Flugzeug mit Brennstoffzellenantrieb. Der Viersitzer
schafft knapp 800 Kilometer bei einem Tempo von 80 Knoten (144 km/h). In 15
Jahren will man technisch so weit sein, 40 Passagiere mit 230 Knoten bis zu 2.000
Kilometer weit zu befördern, dann allerdings mit flüssigem Wasserstoff.

Zurück zum Auto: Vom Mirai hat Toyota weltweit bislang etwa 3.600 Stück
verkauft, knapp die Hälfte blieb in Japan, die andere ging nach Kalifornien.
100 Mirai fahren in Europa. Etwas weniger sind es vom Hyundai ix35 Fuel Cell.
Das Versorgungsnetz in Deutschland besteht derzeit aus 30 Anlagen, die jüngste
wurde kürzlich in Wiesbaden eingeweiht. Bis Ende 2018 will H2 Mobility 100
Säulen aufgestellt haben, zum Stückpreis von rund einer Million Euro. 2023
sollen es 400 Zapfsäulen sein. Gelingt dies, wäre Deutschland
Wasserstoffweltmeister.


Schon heute, das zeigt unser Test, kann man bequem im Brennstoffzellenauto durch
Deutschland reisen und muss dabei nicht mal groß seine Gewohnheiten umstellen.

Drei Minuten Tanken, 400 Kilometer fahren. Dagegen hat auch der beste Tesla keine
Chance. Er bräuchte für die gleiche Energiezufuhr selbst an einer
Schnellladesäule über zwei Stunden. Die Brennstoffzellentechnik ist also eine
vielversprechende Alternative. Sie muss nur deutlich günstiger werden.


Quelle:
http://www.zeit.de/mobilitaet/2017-07/to...komplettansicht
<http://www.zeit.de/mobilitaet/2017-07/toyota-mirai-brennstoffzelle-testfahrt/komplettansicht>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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