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#1

Braunkohlenkraftwerk Frimmersdorf wird abgeschaltet

in Aus der Welt der Wissenschaft 28.09.2017 10:43
von franzpeter | 9.156 Beiträge

Presseinformation +++



Braunkohlenkraftwerk Frimmersdorf wird abgeschaltet - BUND: „Ein guter Tag
für Grevenbroich“

Düsseldorf/Grevenbroich, 28.09.2017 | Am 1. Oktober gehen die letzten beiden
Blöcke P und Q des RWE-Braunkohlenkraftwerks Frimmersdorf (Grevenbroich) in die
so genannte "Sicherheitsbereitschaft" und werden abgeschaltet. Der
nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND) sieht das mit einem lachenden und einem weinendem Auge. „Dem
Klima werden damit mehr als 4 Millionen Tonnen Treibhausgase pro Jahr erspart“,
sagte BUND-Geschäftsleiter Dirk Jansen. „Allerdings sollten die Uralt-Blöcke
eh stillgelegt werden. Dass der Stromkunde dieses goldene Ende mit bis zu 360
Millionen Euro vergütet, bleibt ein Skandal.“

Die Braunkohlenblöcke wurden in den Jahren 1966 und 1970 in Betrieb genommen.
Selbst RWE geht inzwischen davon aus, dass die Blöcke während der vier Jahre
dauernden Sicherheitsbereitschaft nur in seltenen Ausnahmefällen wieder
hochgefahren werden. Der BUND bezweifelt indes, ob das überhaupt jemals der Fall
sein wird. „Bei einer Vorlaufzeit von 10 Tagen können eventuell kurzfristig
auftretende Bedarfe durch die Kraftwerk-Dinosaurier eh nicht abgedeckt werden“,
so Jansen.


Die Überführung von insgesamt 2,7 Gigawatt an Kraftwerksleistung in die
Sicherheitsbereitschaft reicht allerdings nach BUND-Auffassung nicht ansatzweise
aus, die Klimaschutzziele zu erfüllen. „Will Deutschland sein 40
Prozent-CO2-Minderungsziel erreichen, müssen deutschlandweit alle Kohleblöcke,
die vor 1990 in Betrieb gingen, bis 2020 vom Netz gehen“, so die
BUND-Forderung.


Auch für die Bewohner der Stadt Grevenbroich und das Umland bringt die
Kraftwerksabschaltung einen Zugewinn an Lebensqualität. „Das Kraftwerk
Frimmersdorf hat jährlich fast 100 Kilogramm des Nervengiftes Quecksilber,
80.000 Kilogramm gesundheitsgefährdender Feinstäube und weitere Schadstoffe in
die Luft geblasen“,
sagte Rolf Behrens von der BUND-Ortsgruppe in Grevenbroich.
„Wenn die Verschattung durch die Kraftwerksschwaden aufhört, sehen wir auch
wieder häufiger die Sonne. Insofern ist das ein guter Tag für Grevenbroich.“


Nach Abschluss des 2022 beginnenden Rückbaus der Anlagen soll das frei werdende
Areal nach BUND-Ansicht einer zukunftsfähigen gewerblich-industriellen Nutzung
zugeführt werden. Dem Umweltverband schweben dabei etwa die Ansiedlung einer
Elektroauto- (Stichwort: „Streetscooter“) oder Energiespeicher-Produktion
vor. Kohlebasierte Technologien und Folgenutzungen hält der BUND dagegen für
nicht zukunftsfähig.



Mehr Infos: www.bund-nrw.de/braunkohle
<http://www.bund-nrw.de/braunkohle>



Pressekontakt:

Dirk Jansen, Geschäftsleiter BUND NRW, T. 0211 / 30 200 5-22, Rolf Behrens, BUND
Ortsgruppe Grevenbroich, T. 0157 75443527



Anhang:

RWE Power AG Kraftwerk Frimmersdorf – Schadstoffausstoß in 2015 (Quelle:
„Pollutant Release and Transfer Register“, thru.de)


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#2

Braunkohle - Das bedeutet die Sicherheits-Bereitschaft beim Kraftwerk Frimmersdorf

in Aus der Welt der Wissenschaft 07.11.2017 13:22
von franzpeter | 9.156 Beiträge

Hartz-IV für Kraftwerke

Aus Sicht der Stadtwerke stellt die weitere Finanzierung der stillgelegten
Braunkohlekraftwerke durch den Stromkunden eine massive Wettbewerbsverzerrung
dar.


Zudem können Braunkohlekraftwerke nur mit einer langen Vorlaufzeit angefahren
werden um Grundlast bereitzustellen, weshalb sie nicht flexibel an die
schwankende Stromnachfrage angepasst werden können.


Die Sicherheitsbereitschaft wurde nach Druck durch die betroffenen Konzerne, die
Gewerkschaften IG Bergbau, Chemie, Energie und Vereinte
Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) beschlossen
.


Es ist möglich, dass die Sicherheitsbereitschaft gegen europäisches
Beihilferecht verstößt

<http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/energiepolitik/eu-kommission-hinterfragt-kapazitaetsreserve-fuer-stromkonzerne-14961836.html>
und eine illegale Subvention
<http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/energiewende-in-deutschland-zweifelhafte-hilfen-13801120.html>
<http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/energiewende-in-deutschland-zweifelhafte-hilfen-13801120.html>
darstellt.

Ursprünglich sollte ein Nationaler Klimaschutzbeitrag
<https://de.wikipedia.org/wiki/Nationaler_Klimaschutzbeitrag>
<https://de.wikipedia.org/wiki/Nationaler_Klimaschutzbeitrag>
eingeführt werden und Braunkohlekraftwerke, aufgrund der Tatsache, dass sie
besonders viel CO2 emittieren, eine Abgabe für die Stromproduktion zugunsten
von effizienten Gaskraftwerken zahlen.


Im Juli 2014 lehnte Sigmar Gabriel das Konzept einer Vergütung für
stillstehende Kraftwerke noch ab
<http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/der-braunkohle-kompromiss-ist-wie-hartz-iv-fuer-die-kraftwerke-13875611.html>
<http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/der-braunkohle-kompromiss-ist-wie-hartz-iv-fuer-die-kraftwerke-13875611.html>
("Was der Kapazitätsmarkt nicht werden kann, ist so was wie Hartz-IV für
Kraftwerke
<http://www.handelsblatt.com/technik/das-technologie-update/energie/oekostrom-der-traum-vom-hartz-iv-fuer-kraftwerke-/10258460.html>
: Nicht arbeiten, aber Geld verdienen
<http://www.handelsblatt.com/technik/das-technologie-update/energie/oekostrom-der-traum-vom-hartz-iv-fuer-kraftwerke-/10258460.html>
").


Quelle: https://de.wikipedia.org/
<https://de.wikipedia.org/wiki/Kapazit%C3%A4tsreserve>



KStA/KR 07.11.2017

Entschädigung für Energiekonzerne

Ziel der Sicherheitsbereitschaft ist die Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes
von Braunkohlekraftwerken. Jeder 300-MW-Block erzeugt im Betrieb etwa 2,5
Millionen Tonnen C02 jährlich.


Die Überführung der Kraftwerke in die Sicherheitsbereitschaft war eine
politische Entscheidung. 2015 handelte die Bundesregierung dieses Vorgehen mit
den Energiekonzernen RWE, Vattenfall und Mibrag aus.


Die Energiekonzerne werden für die schrittweise Abschaltung der
Braunkohlekraftwerke entschädigt, und zwar sieben Jahre lang mit insgesamt 230
Millionen Euro jährlich, also 1,61 Milliarden Euro für die Laufzeit der
Sicherheitsbereitschaft. (fun)



Braunkohle - Das bedeutet die Sicherheits-Bereitschaft beim Kraftwerk
Frimmersdorf

Von Manfred Funken


Kein Rauch quillt mehr aus den Schornsteinen, kein Dampf steigt mehr über den
Kühltürmen auf. Foto: Funken

Grevenbroich-Frimmersdorf - Der Ofen ist aus. Der Schornstein raucht nicht mehr.
Seit der Nacht zum 1. Oktober steht das Kraftwerk Frimmersdorf (Grevenbroich)
still. Mit Paula (P) und Quelle (Q) haben auch die letzten verbliebenen Blöcke
Ruh. Den Klimaschützern, die aus Anlass des Bonner Klimagipfels im Rheinischen
Revier demonstrieren, müsste das gefallen.

Allerdings: Die Blöcke sind in Sicherheitsbereitschaft und müssen für die
nächsten vier Jahre jederzeit binnen zehn Tagen wieder einsatzbereit sein.


In der Turbinenhalle stehen die Maschinen still. Foto: Funken

Tilman Bechthold ist der Herr aller Kraftwerksblöcke in Neurath und
Frimmersdorf. An seinem Arbeitsfeld werde sich durch den Stillstand also nichts
ändern. "Aber für die Leute, die Jahrzehnte in Frimmersdorf gearbeitet haben,
ist das schon eine komische Sache. Ein bisschen Wehmut schwingt auch bei mir
mit."

Merkwürdig ist, dass ausgerechnet jetzt, in der Phase der Stilllegung, mehr
Menschen im Kraftwerk arbeiten als zuletzt im laufenden Betrieb. 50 Leute sind
derzeit im Einsatz, unter Dampf waren es laut Bechthold zehn pro Schicht.

Frietjof Wirling ist der Leiter des Projektes "Sicherheitsbereitschaft
Frimmersdorf" und kann das vermehrte Treiben erklären: "Sämtliche Teile
müssen gereinigt und konserviert werden. Außerdem muss das Kraftwerk für den
Winter gerüstet sein." Wo bisher massenhaft Strom produziert wurde, werden
jetzt enorme Mengen an Energie, zum Beispiel an Fernwärme, gebraucht, damit die
Temperatur in den riesigen Räumen nicht unter fünf Grad Celsius absinkt. "Zehn
bis zwölf Megawatt sind permanent erforderlich, um das Kraftwerk frostfrei zu
halten. Das entspricht dem Verbrauch von 1000 kleinen Einfamilienhäusern", sagt
Wirling.

Die Kühlwassersysteme müssen weiterhin ständig durchgespült werden. 10 000
Liter Wasser pro Stunde werden durch einen geschlossenen Kreislauf gepumpt, zwei
Drittel weniger als im Normalbetrieb. Die Elektrik bleibt unter Strom, Pumpen
laufen, Kesselrohre werden mit Stickstoff konserviert. Auch die Wellen der
Turbinen müssen hin und wieder bewegt werden, damit sie sich nicht festsetzen.


"Wir wollen alles 100 Prozent in Schuss halten, sagt Wirling und verweist auf die
Ehre der Ingenieure: "Ein bisschen Instandhalten gibt es bei uns nicht, alles
wird so gewartet, als würde es morgen wieder in Betrieb gehen."

Frietjof Wirling ist der Projektleiter für die Sicherheitsbereitschaft.

"Wenn Braunkohle längere Zeit gelagert wird, neigt sie zur Selbstentzündung",
erklärt Bechthold. Also müssten aus Gründen des Brandschutzes die Kohlebunker
geleert werden, und der Bodensatz, der sich nie restlos ausbaggern lasse, werde
mit Sand abgedeckt, um Feuerausbrüche zu vermeiden.

Einmal eingemottet, braucht das Kraftwerk ab Ende des Jahres immer noch
Betreuung rund um die Uhr: Zwei Leute in der Nachtschicht, bis zu sechs für
Instandhaltungsarbeiten am Tag. 160 Positionen gilt es bei täglichen
Rundgängen zu checken.


Wiederanfahren unwahrscheinlich

Das ist nichts gegen die Arbeiten, die im unwahrscheinlichen Fall eines
Wiederanfahrens notwendig sind. 2200 Schritte stehen im Lastenheft, das vom
Auffüllen der Kohlebunker - Paula und Quelle brauchen täglich 16 000 Tonnen
Braunkohle -, über das Ablassen der Konservierungsstoffe, die Wiedervereinigung
derzeit getrennter Kreisläufe und das Freiräumen der Bekohlungswege bis zum
Vorheizen des Kessels reicht.

Zehn Tage bleiben der Kraftwerksmannschaft dann, um die Betriebsbereitschaft
herzustellen. Am elften Tag müssen die Schornsteine wieder rauchen. Die Leistung
des Kraftwerks muss dem Stromnetz dann wieder zur Verfügung stehen.

Frimmersdorf wird diesen Einsatz wahrscheinlich nie erleben. Nur im Falle einer
schwerwiegenden Energiekrise und aufgrund einer politischen Entscheidung sei mit
der Wiederinbetriebnahme von Paula und Quelle zu rechnen.

"Ein harter Winter allein würde nicht dazu führen", erläutert Wirling.
Frimmersdorf ist schließlich auch nur das erste Kraftwerk im rheinischen Revier
und zudem das älteste, das in der Sicherheitsbereitschaft steht.

In den nächsten Jahren folgen drei weitere 300-MW-Blöcke, und zwar 2018 zwei am
Kraftwerk Niederaußem und 2019 ein Block am Kraftwerk Neurath. Sie werden
jeweils vom Tag der Abschaltung an vier Jahre in Reserve gehalten, bevor sie dann
endgültig stillgelegt und rückgebaut werden.


Und bevor bei einem erhöhten Strombedarf einmal stillgelegte
Braunkohlekraftwerke wieder ans Netz gehen, werde man wohl eher auf Gaskraftwerke
zurückgreifen, die ebenfalls in Reserve gehalten werden. Aber auch das sei
letztlich eine Entscheidung, die in Berlin oder in Düsseldorf gefällt werden
müsse und auf die das Unternehmen keinen Einfluss habe.


Erich Wirtz hat 27 Jahre in Frimmersdorf gearbeitet.

Ingenieur Wirling treibt es nach all der Vorrede nun aus dem Büro direkt an den
Kessel. Er will zeigen, was stillsteht, wie leer Betriebsteile sein können, die
praktisch ausgedient haben. Und natürlich will er vermitteln, wo und wie nun
konserviert wird.

Auch wenn nichts mehr so richtig läuft, gelten die hohen Sicherheitsstandards
eines laufenden Kraftwerksbetriebs: Die Besucher werden mit Helm, Schutzbrille,
Sicherheitsschuhwerk und Arbeitskittel ausgestattet. Der Kittel, lang und
unförmig, entspricht nicht so ganz dem Modebewusstsein der Gäste. Beim Rundgang
erfahren sie aber bald, dass er seinen Zweck erfüllt: Es staubt noch mächtig im
inzwischen kalten Kessel. Von einer menschenleeren Halle geht es in einen
Bereich, in dem eine Fremdfirma Gerüste baut und Heizungsmonteure damit
beschäftigt sind, Rohre zu verlegen. Kilometer an Leitungen und Dämmmaterial
sind da notwendig, um die Räume winterfest zu machen.

Die Aufzugtüren haben mächtig Patina angesetzt und verraten auf den ersten
Blick, dass hier eines der ältesten Kraftwerke der Republik in die
Sicherheitsreserve geschickt worden ist. Ans Netz gegangen sind die Blöcke P
und Q im Mai 1966 beziehungsweise im April 1970. Mit einer Nennleistung von
jeweils 300 Megawatt wurden im Kraftwerk Frimmersdorf im Durchschnitt jährlich
rund 4,4 Millionen Tonnen Kohle verfeuert.

Mit dem Aufzug geht es hinauf bis in die Turbinenhalle. Es herrscht
ungewöhnliche Ruhe, nur ein Gebläse ist zu hören. Im Leitstand hört man auch
davon nichts mehr. Hier überwacht Obermaschinist Erich Wirtz mit drei Kollegen
am Bildschirm eine Dichtigkeitsprüfung. "Komisches Gefühl, dass die Turbinen
stillstehen", sagt er. 27 Jahre lang habe er in Frimmersdorf gearbeitet, jeden
Tag habe ihn der Lärm der Turbinen begleitet, und jetzt müsse er an einem
seiner letzten Arbeitstage Konservierungsprozesse beobachten und selbst an der
Einmottung mitwirken. Seit dem 1. November befindet sich Wirtz in der passiven
Phase seiner Altersteilzeit.

Wirling will hinauf aufs Dach. Sein Besuch soll von oben sehen, dass die
Schornsteine nicht mehr rauchen und die Kühltürme keinen Dampf mehr ablassen.
Der Weg dorthin führt vorbei an einem verwaisten Reversierstand zur Kontrolle
der Kohlezufuhr. "Vor ein paar Wochen noch hätten wir hier mit einem Kollegen
sprechen können, der Platz wäre sicher besetzt gewesen."


Quelle: https://www.ksta.de/28774488
<https://www.ksta.de/28774488>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#3

RE: Braunkohlenkraftwerk Frimmersdorf wird abgeschaltet

in Aus der Welt der Wissenschaft 07.11.2017 13:27
von franzpeter | 9.156 Beiträge

Hartz-IV für Kraftwerke

Aus Sicht der Stadtwerke stellt die weitere Finanzierung der stillgelegten
Braunkohlekraftwerke durch den Stromkunden eine massive Wettbewerbsverzerrung
dar.

Zudem können Braunkohlekraftwerke nur mit einer langen Vorlaufzeit angefahren
werden um Grundlast bereitzustellen, weshalb sie nicht flexibel an die
schwankende Stromnachfrage angepasst werden können.

Die Sicherheitsbereitschaft wurde nach Druck durch die betroffenen Konzerne, die
Gewerkschaften IG Bergbau, Chemie, Energie und Vereinte
Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) beschlossen.

Es ist möglich, dass die Sicherheitsbereitschaft gegen europäisches
Beihilferecht verstößt
<http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/energiepolitik/eu-kommission-hinterfragt-kapazitaetsreserve-fuer-stromkonzerne-14961836.html>
und eine illegale Subvention
<http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/energiewende-in-deutschland-zweifelhafte-hilfen-13801120.html>
<http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/energiewende-in-deutschland-zweifelhafte-hilfen-13801120.html>
darstellt.

Ursprünglich sollte ein Nationaler Klimaschutzbeitrag
<https://de.wikipedia.org/wiki/Nationaler_Klimaschutzbeitrag>
<https://de.wikipedia.org/wiki/Nationaler_Klimaschutzbeitrag>
eingeführt werden und Braunkohlekraftwerke, aufgrund der Tatsache, dass sie
besonders viel CO2 emittieren, eine Abgabe für die Stromproduktion zugunsten
von effizienten Gaskraftwerken zahlen.

Im Juli 2014 lehnte Sigmar Gabriel das Konzept einer Vergütung für
stillstehende Kraftwerke noch ab
<http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/der-braunkohle-kompromiss-ist-wie-hartz-iv-fuer-die-kraftwerke-13875611.html>
<http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/der-braunkohle-kompromiss-ist-wie-hartz-iv-fuer-die-kraftwerke-13875611.html>
("Was der Kapazitätsmarkt nicht werden kann, ist so was wie Hartz-IV für
Kraftwerke
<http://www.handelsblatt.com/technik/das-technologie-update/energie/oekostrom-der-traum-vom-hartz-iv-fuer-kraftwerke-/10258460.html>
: Nicht arbeiten, aber Geld verdienen
<http://www.handelsblatt.com/technik/das-technologie-update/energie/oekostrom-der-traum-vom-hartz-iv-fuer-kraftwerke-/10258460.html>
").


Quelle: https://de.wikipedia.org/
<https://de.wikipedia.org/wiki/Kapazit%C3%A4tsreserve>



KStA/KR 07.11.2017

Entschädigung für Energiekonzerne

Ziel der Sicherheitsbereitschaft ist die Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes
von Braunkohlekraftwerken. Jeder 300-MW-Block erzeugt im Betrieb etwa 2,5
Millionen Tonnen C02 jährlich.

Die Überführung der Kraftwerke in die Sicherheitsbereitschaft war eine
politische Entscheidung. 2015 handelte die Bundesregierung dieses Vorgehen mit
den Energiekonzernen RWE, Vattenfall und Mibrag aus.

Die Energiekonzerne werden für die schrittweise Abschaltung der
Braunkohlekraftwerke entschädigt, und zwar sieben Jahre lang mit insgesamt 230
Millionen Euro jährlich, also 1,61 Milliarden Euro für die Laufzeit der
Sicherheitsbereitschaft. (fun)


Braunkohle - Das bedeutet die Sicherheits-Bereitschaft beim Kraftwerk
Frimmersdorf

Von Manfred Funken


Kein Rauch quillt mehr aus den Schornsteinen, kein Dampf steigt mehr über den
Kühltürmen auf. Foto: Funken

Grevenbroich-Frimmersdorf - Der Ofen ist aus. Der Schornstein raucht nicht mehr.
Seit der Nacht zum 1. Oktober steht das Kraftwerk Frimmersdorf (Grevenbroich)
still. Mit Paula (P) und Quelle (Q) haben auch die letzten verbliebenen Blöcke
Ruh. Den Klimaschützern, die aus Anlass des Bonner Klimagipfels im Rheinischen
Revier demonstrieren, müsste das gefallen.

Allerdings: Die Blöcke sind in Sicherheitsbereitschaft und müssen für die
nächsten vier Jahre jederzeit binnen zehn Tagen wieder einsatzbereit sein.

In der Turbinenhalle stehen die Maschinen still. Foto: Funken

Tilman Bechthold ist der Herr aller Kraftwerksblöcke in Neurath und
Frimmersdorf. An seinem Arbeitsfeld werde sich durch den Stillstand also nichts
ändern. "Aber für die Leute, die Jahrzehnte in Frimmersdorf gearbeitet haben,
ist das schon eine komische Sache. Ein bisschen Wehmut schwingt auch bei mir
mit."

Merkwürdig ist, dass ausgerechnet jetzt, in der Phase der Stilllegung, mehr
Menschen im Kraftwerk arbeiten als zuletzt im laufenden Betrieb. 50 Leute sind
derzeit im Einsatz, unter Dampf waren es laut Bechthold zehn pro Schicht.

Frietjof Wirling ist der Leiter des Projektes "Sicherheitsbereitschaft
Frimmersdorf" und kann das vermehrte Treiben erklären: "Sämtliche Teile
müssen gereinigt und konserviert werden. Außerdem muss das Kraftwerk für den
Winter gerüstet sein." Wo bisher massenhaft Strom produziert wurde, werden
jetzt enorme Mengen an Energie, zum Beispiel an Fernwärme, gebraucht, damit die
Temperatur in den riesigen Räumen nicht unter fünf Grad Celsius absinkt. "Zehn
bis zwölf Megawatt sind permanent erforderlich, um das Kraftwerk frostfrei zu
halten. Das entspricht dem Verbrauch von 1000 kleinen Einfamilienhäusern", sagt
Wirling.

Die Kühlwassersysteme müssen weiterhin ständig durchgespült werden. 10 000
Liter Wasser pro Stunde werden durch einen geschlossenen Kreislauf gepumpt, zwei
Drittel weniger als im Normalbetrieb. Die Elektrik bleibt unter Strom, Pumpen
laufen, Kesselrohre werden mit Stickstoff konserviert. Auch die Wellen der
Turbinen müssen hin und wieder bewegt werden, damit sie sich nicht festsetzen.

"Wir wollen alles 100 Prozent in Schuss halten, sagt Wirling und verweist auf die
Ehre der Ingenieure: "Ein bisschen Instandhalten gibt es bei uns nicht, alles
wird so gewartet, als würde es morgen wieder in Betrieb gehen."

Frietjof Wirling ist der Projektleiter für die Sicherheitsbereitschaft.

"Wenn Braunkohle längere Zeit gelagert wird, neigt sie zur Selbstentzündung",
erklärt Bechthold. Also müssten aus Gründen des Brandschutzes die Kohlebunker
geleert werden, und der Bodensatz, der sich nie restlos ausbaggern lasse, werde
mit Sand abgedeckt, um Feuerausbrüche zu vermeiden.

Einmal eingemottet, braucht das Kraftwerk ab Ende des Jahres immer noch
Betreuung rund um die Uhr: Zwei Leute in der Nachtschicht, bis zu sechs für
Instandhaltungsarbeiten am Tag. 160 Positionen gilt es bei täglichen
Rundgängen zu checken.


Wiederanfahren unwahrscheinlich

Das ist nichts gegen die Arbeiten, die im unwahrscheinlichen Fall eines
Wiederanfahrens notwendig sind. 2200 Schritte stehen im Lastenheft, das vom
Auffüllen der Kohlebunker - Paula und Quelle brauchen täglich 16 000 Tonnen
Braunkohle -, über das Ablassen der Konservierungsstoffe, die Wiedervereinigung
derzeit getrennter Kreisläufe und das Freiräumen der Bekohlungswege bis zum
Vorheizen des Kessels reicht.

Zehn Tage bleiben der Kraftwerksmannschaft dann, um die Betriebsbereitschaft
herzustellen. Am elften Tag müssen die Schornsteine wieder rauchen. Die Leistung
des Kraftwerks muss dem Stromnetz dann wieder zur Verfügung stehen.

Frimmersdorf wird diesen Einsatz wahrscheinlich nie erleben. Nur im Falle einer
schwerwiegenden Energiekrise und aufgrund einer politischen Entscheidung sei mit
der Wiederinbetriebnahme von Paula und Quelle zu rechnen.

"Ein harter Winter allein würde nicht dazu führen", erläutert Wirling.
Frimmersdorf ist schließlich auch nur das erste Kraftwerk im rheinischen Revier
und zudem das älteste, das in der Sicherheitsbereitschaft steht.

In den nächsten Jahren folgen drei weitere 300-MW-Blöcke, und zwar 2018 zwei am
Kraftwerk Niederaußem und 2019 ein Block am Kraftwerk Neurath. Sie werden
jeweils vom Tag der Abschaltung an vier Jahre in Reserve gehalten, bevor sie dann
endgültig stillgelegt und rückgebaut werden.

Und bevor bei einem erhöhten Strombedarf einmal stillgelegte
Braunkohlekraftwerke wieder ans Netz gehen, werde man wohl eher auf Gaskraftwerke
zurückgreifen, die ebenfalls in Reserve gehalten werden. Aber auch das sei
letztlich eine Entscheidung, die in Berlin oder in Düsseldorf gefällt werden
müsse und auf die das Unternehmen keinen Einfluss habe.

Erich Wirtz hat 27 Jahre in Frimmersdorf gearbeitet.

Ingenieur Wirling treibt es nach all der Vorrede nun aus dem Büro direkt an den
Kessel. Er will zeigen, was stillsteht, wie leer Betriebsteile sein können, die
praktisch ausgedient haben. Und natürlich will er vermitteln, wo und wie nun
konserviert wird.

Auch wenn nichts mehr so richtig läuft, gelten die hohen Sicherheitsstandards
eines laufenden Kraftwerksbetriebs: Die Besucher werden mit Helm, Schutzbrille,
Sicherheitsschuhwerk und Arbeitskittel ausgestattet. Der Kittel, lang und
unförmig, entspricht nicht so ganz dem Modebewusstsein der Gäste. Beim Rundgang
erfahren sie aber bald, dass er seinen Zweck erfüllt: Es staubt noch mächtig im
inzwischen kalten Kessel. Von einer menschenleeren Halle geht es in einen
Bereich, in dem eine Fremdfirma Gerüste baut und Heizungsmonteure damit
beschäftigt sind, Rohre zu verlegen. Kilometer an Leitungen und Dämmmaterial
sind da notwendig, um die Räume winterfest zu machen.

Die Aufzugtüren haben mächtig Patina angesetzt und verraten auf den ersten
Blick, dass hier eines der ältesten Kraftwerke der Republik in die
Sicherheitsreserve geschickt worden ist. Ans Netz gegangen sind die Blöcke P
und Q im Mai 1966 beziehungsweise im April 1970. Mit einer Nennleistung von
jeweils 300 Megawatt wurden im Kraftwerk Frimmersdorf im Durchschnitt jährlich
rund 4,4 Millionen Tonnen Kohle verfeuert.

Mit dem Aufzug geht es hinauf bis in die Turbinenhalle. Es herrscht
ungewöhnliche Ruhe, nur ein Gebläse ist zu hören. Im Leitstand hört man auch
davon nichts mehr. Hier überwacht Obermaschinist Erich Wirtz mit drei Kollegen
am Bildschirm eine Dichtigkeitsprüfung. "Komisches Gefühl, dass die Turbinen
stillstehen", sagt er. 27 Jahre lang habe er in Frimmersdorf gearbeitet, jeden
Tag habe ihn der Lärm der Turbinen begleitet, und jetzt müsse er an einem
seiner letzten Arbeitstage Konservierungsprozesse beobachten und selbst an der
Einmottung mitwirken. Seit dem 1. November befindet sich Wirtz in der passiven
Phase seiner Altersteilzeit.

Wirling will hinauf aufs Dach. Sein Besuch soll von oben sehen, dass die
Schornsteine nicht mehr rauchen und die Kühltürme keinen Dampf mehr ablassen.
Der Weg dorthin führt vorbei an einem verwaisten Reversierstand zur Kontrolle
der Kohlezufuhr. "Vor ein paar Wochen noch hätten wir hier mit einem Kollegen
sprechen können, der Platz wäre sicher besetzt gewesen."


Quelle: https://www.ksta.de/28774488
<https://www.ksta.de/28774488>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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