GKR-Forum

a_6.jpg a_6.jpg

#1

Markus Kompa - Jan Fleischhauer, die Atlantik-Brücke und die CIA

in Aus der Welt der Wissenschaft 30.09.2017 17:09
von franzpeter | 9.152 Beiträge

Markus Kompa <http://www.kanzleikompa.de/> , Köln: "Die CIA muss
den Journalisten keine Weisungen erteilen. Wer zur Elite gehört und weiter an
der Tafel der Mächtigen, Reichen und Einflussreichen speisen will, von dem darf
erwartet werden, dass er schon von alleine weiß, was man zu sagen oder besser zu
verschweigen hat."


telepolis 30. September 2017

Jan Fleischhauer, die Atlantik-Brücke und die CIA

Markus Kompa

Jan Fleischhauer. Foto: Olaf Kosinsky. Lizenz: CC BY-Sa 3.0

SPIEGEL-Autor Jan Fleischhauer, stolzes Mitglied des transatlantischen
Lobbyvereins Atlantik-Brücke e.V., echauffierte
<http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-131060590.html> sich vor
geraumer Zeit [1] über die Assoziation seiner Loge mit der CIA. Die
Atlantik-Brücke ist ein deutsch-amerikanischer Gesellschaftsverein, in dem
hochgestellte Journalisten, Spitzenpolitiker und Industrielle vierstellige
Mitgliedsbeiträge bezahlen, um nett zueinander zu sein.

Fleischhauer störte sich an einem Kapitel im unerwünschten Bestseller "Gekaufte
Journalisten" des umstrittenen Autors Udo Ulfkotte, der sich für seine Zeilen
zur Atlantik-Brücke ausgiebig aus dem Telepolis-Artikel Grüne und Linke auf der
Atlantik-Brücke [2] von 2013 bedient hatte. Fleischhauer versuchte damals in
erschreckender Naivität, die Beziehung der Atlantik-Brücke zur CIA mit
Sarkasmus ins Lächerliche zu ziehen.

Da der Telepolis-Autor Texte von Fleischhauer mit gleichem Eifer meidet wie
solche von Ulfkotte, stieß er erst jetzt auf dieses humoristische Juwel des
konservativen Kommentators. Dem transatlantisch verstrickten Journalisten ist
insbesondere für seine historischen Defizite kein Vorwurf zu machen, da etwa die
Ursprünge der Atlantik-Brücke und die tatsächlichen Zusammenhänge mit der CIA
gemeinhin unbekannt sind. Während Bundesbehörden inklusive Geheimdienste ihre
Geschichte von unabhängigen Historiker-Kommissionen aufarbeiten lassen, werden
die Ursprünge der Atlantik-Brücke gerne vernachlässigt.


Auch die Medien lassen das Thema aus, denn Verleger und Rundfunk-Intendanten
sind häufig selbst Mitglied. Daher sind an der Atlantik-Brücke etwa die 68er
Jahre und die damals begonnene Vergangenheitsbewältigung spurlos
vorübergegangen, so dass der unbedarfte SPIEGEL-Kolumnist in seiner
transatlantischen Echochamber [3] hilflos gefangen ist. Damit Fleischhauer
künftig kompetenter spotten kann, soll ihm nachfolgend erklärt werden, in
welcher Gesellschaft er sich eigentlich befindet.


Braune Brückenköpfe

Der Gründungslegende nach wurde die Atlantik-Brücke 1952 von drei noblen
Menschen initiiert, nämlich dem mit einer Deutschen verheirateten
US-Geschäftsmann John Jay McCloy, dem deutsch-amerikanischen Banker Eric Warburg
und der deutschen Publizistin Marion Gräfin Dönhoff. In Wirklichkeit allerdings
gehörten alle drei zum US-Geheimdienst.
Noch brisanter: Die Strukturen und
Gesinnung dieser deutsch-amerikanischen Freundschaft zwischen Eliten reichen
über drei Jahrzehnte weiter als der unbelastete Jahrgang 1952.

McCloy und die Warburgs waren prominente Mitglieder im 1921 von den Rockefellers
und anderen Milliardären gegründeten privaten Thinktank "Council of Foreign
Relations
<https://de.wikipedia.org/wiki/Council_on_Foreign_Relations> "
(CFR), in dem Lobbyisten der Wallstreet die Vorgaben für hofierten
Außenpolitiker der USA ausklüngeln. Der CFR ist insbesondere das Sprungbrett
für Karrieren in der US-Außenpolitik, Präsidenten des CFR wie Allen Dulles und
Henry Kissinger standen später direkt den US-Geheimdiensten vor. Die
kartellfreudigen Rockefellers machten vor allem Geschäfte mit Bodenschätzen im
Ausland, das nicht immer freiwillig kooperierte
. Auch Eric Warburgs Onkel Paul
spielte im CFR eine wichtige Rolle: Laut dem Historiker Antony Sutton soll Paul
Warbug 1929 vorgefühlt haben, ob Hitler für amerikanisches Geld empfänglich
sei ("Wall Street and the Rise of Hitler").

John Jay McCloy galt als "Vorsitzender" des amerikanischen Establishments. Vor
dem Zweiten Krieg beriet McCloy nicht nur eine Clique rechtsnationaler Wall
Street-Milliardäre wie Hitler-Verehrer und Bespender Henry Ford, sondern
versorgte auch selbst den italienischen Faschisten Benito Mussolini mit
Krediten. McCloy fungierte zudem als Rechtsberater des deutschen Chemiekartells
IG-Farben, das den Sprengstoff für die Bomben und das Giftgas Cyclon B
herstellte sowie den kriegswichtige Treibstoffe importierte, etwa von
Rockefellers Standard Oil.
1930 hatte McCloy eine Cousine der Ehefrau des
Börsenspekulanten Konrad Adenauer geheiratet und wohnte 1936 den Olympischen
Spielen in Berlin in Hitlers Privatloge bei.

Während des Zweiten Weltkriegs forcierte Südstaatler McCloy die Rassentrennung
im US-Militär. Im Pentagon durften Schwarze nicht die gleichen Toiletten wie
Weiße benutzen oder etwa bei den Siegesfeiern nach dem Zweiten Weltkrieg die
Idylle der weißen Generäle stören
[4].

Marion Gräfin Dönhoff hatte während des Zweiten Weltkriegs Kontakt zum
adeligen Kreisauer Kreis gepflegt,
der sich über ein Jahrzehnt zu spät gegen
Hitler engagierte und dann am 20. Juli 1944 erfolglos ein Attentat auf den
Diktator versuchte.
In den letzten Kriegstagen diente sich Dönhoff dem
US-Geheimdienst an und fungierte dann - wie man seit 1998 weiß - als Agentin
der Central Intelligence Agency (CIA) sowie der angeschlossenen Organisation
Gehlen.


Der Strippenzieher

Ebenfalls zu den Zaungästen des Führerattentats gehörte ein amerikanischer
Ex-Diplomat, der wie sein Freund McCloy als Konzernanwalt des US-Establishments
fungierte und Übervater der CIA werden sollte: Allen Welsh Dulles. Allen Dulles
war wohl der eigentliche spiritus rector der Atlantik-Brücke.
Anders als sein
spröder Bruder John Foster Dulles, der es 1954 zum Außenminister bringen
sollte, war Allen Dulles ein charmierender Gesellschaftslöwe, der seine
Gesprächspartner einzuwickeln verstand.

Die Dulles-Brüder arbeiteten ebenfalls u.a. für die Rockefellers, ihre auf
Außenwirtschaft spezialisierte Industriekanzlei hatte am Wiederaufbau
Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg gut verdient. Allen Dulles saß in den
1930er Jahren u.a. im Aufsichtsrat des US-amerikanischen Bankhauses Henry
Schroeder, welches die NSDAP finanzierte. Zu Dulles Geschäftspartnern gehörte
der spätere Wehrwirtschaftsführer Eduard Schulte sowie der Industrielle Hjalmar
Schacht, der gemeinsam mit anderen deutschen Eliten 1933 Hindenburg in einem
Brief aufforderte, Adolf Hitler zum neuen Reichskanzler zu ernennen.
Der als
Finanzgenie geltende Schacht wurde Hitlers Reichsbankpräsident und
Reichswirtschaftsminister.

Allen Dulles und sein Bruder John Foster Dulles, die auch deutsche Firmen wie
etwa die IG Farben vertraten, waren entschiedene Gegner der Politik von
Präsident Henry Roosevelt gewesen. Sie finanzierten in den 30er Jahren
rechtsnationale Organisationen wie Amerika First und American Liberty League,
zudem unterstützten sie republikanische Präsidentschaftskandidaten. Es waren
jene Kreise, in denen man sogar einen faschistischen Staatsstreich gegen
Roosevelt erwog
[5]. Dulles Mandanten setzten ihre Geschäfte mit
Nazi-Deutschland selbst nach Kriegseintritt der USA fort [6].


Kriegsgeheimdienst

Allen Dulles und Paul Warburg waren während des Zweiten Weltkriegs an der
Gründung des Kriegsgeheimdienstes OSS beteiligt. Zu den bescheidenen Erfolgen
des OSS gehörte die psychologische Kriegsführung durch Propaganda
, bei denen
man zur Desinformation auch die zivilen Medien an der Heimatfront einspannte.
1942 reiste Dulles in die von Faschisten eingeschlossene Schweiz, wo er seine
geschäftlichen Kontakte nach Deutschland zum Spionieren nutzen sollte. Am
Finanzplatz Schweiz betrieb Dulles heimlich weiter Geschäfte mit deutschen
Firmen und deren Tarnorganisationen, etwa für seinen Mandanten Prescott Sheldon
Bush [7]. Investmentbanker Bush hatte für den Hitler-Finanzier Fritz Thyssen als
Geschäftspartner diverser deutsch-amerikanischer Firmen fungiert - darunter das
Arbeits- und Konzentrationslager Auschwitz. Das Bombardieren der Bahnlinien nach
Auschwitz untersagte dem Militär kein geringerer als Geschäftsfreund John
McCloy.

Dulles hatte schon frühzeitig aus unterschiedlichen Quellen sichere Kenntnis vom
Holocaust, verschwieg den industriellen Massenmord jedoch gegenüber Roosevelt.
Während sein Präsident nur eine bedingungslose Kapitulation Deutschlands
akzeptierte und ausdrücklich Verhandlungen über einen Separatfrieden mit
Deutschland untersagte, nahm Dulles über Mittelsmänner wie hochrangige SS-Leute
Kontakt mit deutschen Eliten auf. Wie viele Militärs war auch Dulles der
Ansicht, dass man mit Deutschland den falschen Feind bekämpfte, vielmehr wollte
er mit den Deutschen gegen den damals noch Alliierten Stalin Krieg führen.
Roosevelt misstraute Dulles und plante, ihn nach seiner Rückkehr vor Gericht zu
stellen. Jedoch verstarb der Präsident im Amt und hatte viele seiner Geheimnisse
nicht mit seinem Vize Truman geteilt, der andere Prioritäten hatte - wie den von
McCloy mitverantworteten Abwurf der Atombombe auf Zivilisten.


Gute Nazis, schlechte Nazis

Um mit den Eliten der Deutschen alsbald gegen die Sowjetunion zu ziehen,
bereitete Dulles noch vor Ende des Zweiten Weltkriegs den Kalten Krieg vor. So
schleuste Dulles etliche hochbelastete Nazis über die Rattenlinie
<https://de.wikipedia.org/wiki/Rattenlinien> aus, auch solche,
die OSS-Agenten zu Tode gefoltert hatten. Seine Hoffnung, den deutschen Eliten
wie schon nach dem Ersten Weltkrieg reibungsarm einen gesichtswahrenden Neuanfang
zu bescheren, wurden durch das auf Stalins Drängen eingerichteten
Kriegsverbrechertribunal in Nürnberg durchkreuzt
. Daher infiltrierte Dulles das
Gerichtspersonal mit seinen OSS-Agenten, um belastendes Material gegen seine
deutschen Nazifreunde zu vertuschen - und damit auch eigene Verstrickungen mit
dem Nazi-Regime. Zwar vermochte Dulles etliche Verurteilungen nicht zu
verhindern, jedoch entwertete ein guter Freund den Großteil der Urteile einfach
politisch und begnadigte zum Entsetzen etwa von Roosevelts Witwe massenhaft
hochbelastete Nazis: John Jay McCloy, der nunmehr als Hoher Kommissar in
Deutschland wirkte und dies als angebliche als Geste zur Versöhnung propagierte.

Um Westdeutschland zu kontrollieren und auf einen Krieg gegen Stalin
vorzubereiten, betraute Dulles den einstigen Nazi-General Reinhard Gehlen mit
dem Aufbau einer Geheimorganisation, US-Geheimdienstler sammelten Alt- und
Neonazis in paramilitärischen, scheinbar von Deutschen geleiteten
Tarnorganisationen ein.

1947 gelang es Dulles und McCloy, die Gründung der CIA politisch durchzusetzen,
die eigentlich nur Informationen sammeln sollte. Dulles formte die CIA jedoch zu
einem aggressiven operativen Geheimdienst, der Subversion im Osten sowie in der
Dritten Welt durchführte, aber auch in Westeuropa
. So spaltete die CIA die
französische Gewerkschaft und finanzierte verdeckt die italienischen
Christdemokraten. Politiker erhielten in Deutschland Aufstiegshilfe, wenn sie
sich zu den USA bekannten.


Gründung einer Loge

Gesellschaftslöwe Allen Dulles trat stets dafür ein, die Deutschen sowie andere
unter US-Einfluss stehende Länder über deren Eliten kontrollieren, die es zu
hofieren galt, und von denen er viele bereits seit langem kannte. Eine
gesellschaftliche Rehabilitierung der Nazis war unmittelbar nach dem Krieg nicht
gelungen, doch 1952 war offenbar genug Gras über die Toten gewachsen, dass man
sich wieder mit Wehrwirtschaftsführern, IG Farben-Managern und andere
Kriegsgewinnlern auf dem Parkett sehen lassen konnte
. An NSDAP-Mitgliedschaften,
störte man sich kaum. Nach dem Vorbild des CFR ließ er daher im Ausland
ähnliche Gesellschaftsvereine gründen, denen jeweils Schwestervereine wie etwa
das Council on Germany gegenüberstanden.

Schon das CFR hatte in den USA kaum Kritik in den Medien zu befürchten, denn
praktisch alle großen Verlage gehörten den Gründungsmitgliedern.
Nicht von
ungefähr hatte Time-Verleger Henry Luce noch 1938 Hitler zum "Mann des Jahres"
gekürt.

Für Dulles war die Kontaktpflege mit Verlegern, Rundfunk-Unternehmern und
prominenten Journalisten Chefsache. In Deutschland fungierte die
Atlantik-Brücke auch insoweit als Ableger, Journalisten mit Zutritt waren
gemachte Leute. Auch Dulles deutscher Stadthalter Gehlen steuerte die
Berichterstattung über Außenpolitik, in dem er engste Kontakte in
Redaktionsstuben pflegte (
vgl.
Wie der BND die deutschen Medien steuerte [8]).

Wie beim CFR in den USA ist die Atlantik-Brücke das wichtigste Sprungbrett für
Politiker und Alphajournalisten. Wer Zutritt hat, vermeidet Liebesentzug
. Auch
gen Osten griff Dulles in die öffentliche Meinung ein und brachte
Propagandasender wie Radio Free Europe in Stellung. Zudem förderte die CIA man
über die Rockefeller Stiftung genehme Künstler, welche die Freiheit des
Westens priesen, hypte etwa den Pinselschwinger Jackson Pollock (vgl. Modern art
was a CIA-Weapon [9]).

Eleonor Lansing Dulles, eine Schwester der Dulles Brüder, wirkte für das
US-Außenministerium seit 1945 in West-Berlin, wo man sie als "Mother of Berlin"
verehren durfte. Sie war u.a. mit dem Marshall-Plan befasst, jener
Refinanzierung Westdeutschlands durch das konfiszierte Raubgold der Nazis, das
man Deutschland als Kreditsicherheit großzügig zurücklieh. Die von den Nazis
Beraubten hingegen gingen weitgehend leer aus.


Als 1956 ein SPD-Wahlsieg zu befürchten war, bot Gehlen dem CIA-Chef nichts
weniger als einen patriotisch Staatsstreich an.
Ob solches Medienvertreter und
gesellschaftlich hochgestellte Meinungsführer verurteilt oder vielmehr als Akt
der Vernunft bejubelt hätten (wie dieser Tage das Bombardieren von Syrien),
wird man nie erfahren.


Vom Nachrichtendienst zur Mordzentrale

Das Bauchpinseln prominenter Journalisten zahlte sich aus und bewirkte unter den
westdeutschen Leitmedien ein Schweigekartell.


Obwohl wenige von Dulles Aktionen langfristig wirklich geheim blieben und vieles
etwa in kommunistischen Zeitungen zu lesen war, hielten sich die westdeutschen
Medien an die transatlantisch vorgegebenen Narrative.

Konzernanwalt Allen Dulles nahm immer stärken Einfluss auf die CIA, die ihm
nicht aggressiv genug gegen den Ostblock vorging - oder gegen Länder in Mittel-
und Südamerika, in Indochina und im Nahen Osten, wo seine Mandanten wie die
Rockefellers oder die United Fruit Company wirtschaftliche Interessen verfolgten.
Von Dulles unterstützte Gerüchte über ein angeblich gigantisches
Spionagenetzwerk in der Tschechoslowakei veranlassten Stalin zu einer
gigantischen Hexenjagd, die zur Verhaftung von Tausenden Unschuldigen und
politischen Säuberungen führte.

Als 1953 der von den Dulles-Brüdern finanzierte Kriegsheld Eisenhower die
Präsidentschaftswahl gewann, setzte dieser John Foster Dulles als
Außenminister und Allen Dulles als neuen CIA-Direktor ein. Die Dulles-Brüder
blieben gleichzeitig Konzernanwälte und bugsierten ihre Milliardärsfreunde ins
Kabinett im Weißen Haus. Während Eisenhower den Großteil seiner Amtszeit auf
dem Golfplatz verbrachte, kontrollierten die nie demokratisch gewählten
Dulles-Brüder die Politik und führten die Welt immer tiefer in den Kalten
Krieg.

Die von den Medien apportierten Dämonisierung der Sowjetunion bescherte der
Rüstungsindustrie langfristige Aufträge. Zufällig waren die Dulles-Brüder
auch Hausanwälte der US-Stahlindustrie, die sie organisiert hatten.


Der scheidende Präsident merkte erst gegen Ende seiner Amtszeit, wie sehr ihn
die Männer des CFR reingelegt hatten und warnte in seiner Abschiedsrede [10]
vor einem "militärisch-industriellen Komplex". Damit lehnte sich der Präsident
weiter aus dem Fenster, als es sich je ein Mitglied der Atlantik-Brücke getraut
hätte.


JFK blown away

Dem vom CFR protegierten Richard Nixon, der seine Karriere u.a. dem Schweigen zu
den Weltkriegsgeschäften der Dulles-Mandanten verdankte, misslang 1960 knapp
die Präsidentschaftswahl. Dulles konnte mit dem Sohn von Joseph Kennedy, der
ebenfalls Nazi-Deutschland unterstützt hatte und mit Dulles verkehrte, anfangs
gut, verriet ihm aber nicht seine Arbeitsmethoden.

So ließ Dulles im Kongo Patrice Lumumba liquidieren. Zudem ereigneten sich bis
heute ungeklärten Abstürzen wie im Fall des UN-Generalsekretärs Dag
Hammarskjöld (vgl. Neue Spur zum mysteriösen Flugzeugabsturz von Dag
Hammarskjöld [11]) sowie des italienischen Industriellen Enrico Mattei, der
ohne Erlaubnis der Wallstreet Erdöl aus Libyen und der Sowjetunion importieren
wollte
(vgl. Die CIA und das Öl [12]).

Dulles wollte seine von transatlantischen Journalisten bemäntelte Serie an
Regime Changes in fremden Ländern auch auf Kuba fortsetzen, überschätzte
jedoch seinen Einfluss auf Kennedy. Dieser nämlich verweigerte eine offizielle
Beteiligung der USA am Putsch auf Kuba auch dann noch, als die Invasion
andernfalls ohne militärische Unterstützung scheitern musste. Nach dem Debakel
in der Schweinebucht musste Dulles den Geheimdienst gemeinsam mit hochrangigen
CIA-Leuten verlassen. Allerdings steuerte Dulles die CIA heimlich aus seinem
Privathaus weiter.

Fleischhauers Geburt fiel in das Jahr der Kuba-Krise, bei der McCloy im Weißen
Haus beratend mitwirkte. McCloy die verabscheute Kennedys, die etwa die
Rassentrennung beenden wollte und sich seine Politik langfristig dann doch nicht
vom CFR diktieren ließen. Aus Protest gegen die Kennedys zog sich der mächtige
Lobbyist McCloy vorübergehend aus Washington zurück. Nachdem sich die Kennedys
das Pentagon und nahezu jeden Dulles-Freund zum Feind gemacht hatte, wurde der
Präsident in Dallas erschossen - natürlich von einem verwirrten Alleintäter,
wie man es von Medieneliten auf der Atlantik-Brücke erfahren kann.


Memo für transatlantische Agenten

1967 verteilte die CIA ein Memo an ihre Vertrauensagenten, indem sie vorschlug,
Zweifler an der offiziellen Version zu Kennedy Attentat als Spinner
darzustellen. Dabei etablierte sie erstmals den Begriff "conspiracy theorist",
zu deutsch: "Verschwörungstheoretiker" (vgl. 50 Jahre
Verschwörungstheoretiker[13]).


Führende deutsche Journalisten, die sich in der Atlantik gegenseitig auf die
Füße treten, halten sich an dieses geheimdienstlich vorgegebene Narrativ noch
heute. So machte etwa Fleischhauers SPIEGEL Skepsis zum Kennedy-Attentat
lächerlich, in dem er den Kritikern UFO-Fans und konspirologische Spinner an
die Seite stellt [14].

Dass die Atlantik-Brücke keine andere Version des Mords am vor allem in
Deutschland so populären Präsidenten hören möchte, hat einen naheliegenden
Grund: Ihr Initiator war mindestens an Vertuschung des Jahrhundertverbrechens
beteiligt.


McCloy und die Attentate auf die Kennedys und Martin Luther King

Ausgerechnet der Kennedy-hassende Initiator der Atlantik-Brücke John McCloy
wurde in die politisch besetzte Warren-Kommission berufen [15] - sowie
CIA-Mastermind Allen Dulles. Letzterer leitete die Untersuchung faktisch,
blockierte jegliche Untersuchung in Richtung CIA und fand originelle
Erklärungen für die seltsamen Widersprüche (vgl. Die magische Kugel des Allen
Dulles[16]). Einen Super 8-Film[17], auf dem es so aussieht, als sei Kennedy von
vorne erschossen worden, ließ Dulles enger Verleger-Freund Henry Luce im Tresor
vorerst verschwinden.


Als Robert Kennedy seine Kandidatur bekannt gab, schmälerte dies die Wahlchance
für republikanischen Bewerber wie Nelson Rockefeller oder Ronald Reagan. Zudem
stand zu befürchten, dass es eine neue Untersuchung der Schüsse von Dallas
geben würde. Jedoch fand sich erneut ein verwirrter Einzeltäter. Das auf einem
Tonbandmitschnitt deutlich mehr acht Schüsse zu hören waren, die in Waffe des
Verdächtigen passten, war für die Medien der Atlantik-Brücke eher unspannend
.


Vernon Walters Award

Ihren höchsten Preis widmet die Atlantik-Brücke ausgerechnet dem
stellvertretenden CIA-Direktor Vernon Walters, der über Jahrzehnte in aller
Welt für die CIA Staatsstreiche organisiert hatte.


Der stramme Antikommunist mischte in Italien bei Mafia, Gladio und Propaganda
Due mit, die einen Wahlsieg der Kommunisten nicht akzeptiert hätten.
Ausgerechnet Vietnam hielt Walters für "einen der nobelsten und selbstlosesten
Kriege" und fand nichts dabei, etwa den spanischen Diktator Franco zu beraten
oder mit grausamen afrikanischen Diktatoren zusammenzuarbeiten. Selbst seine
Verwicklung in Watergate und den Iran-Contra-Skandal hindern die strammen
Atlantik-Brückler nicht an Huldigung.
Zu Walters Erbe gehören die Taliban, die
man damals als "Mudschaheddin" kannte und von transatlantischen Medien zu
"Freiheitskämpfern" stilisiert wurden.


Staatsferne Medien?

Den treuen Medien der Atlantik-Brücke zufolge soll der Überfall des einstigen
CIA-Agenten Saddam Hussein verwerflicher gewesen sein als dessen Krieg gegen den
Iran. Der Russe, der vor den 1970er Jahren böse war, lebte in den 1980er Jahren
wieder im "Reich des Bösen" (vgl. Um Haaresbreite [18]), und ist dieser Tage
noch böser denn je. Wie Russen halt so sind. Und wer es auch nur wagt, das
Narrativ infrage zu stellen, ist ein verächtlicher "Putin-Versteher".


Deutschland leistet sich das teuerste Rundfunksystem der Welt, um die
verfassungsrechtlich gebotene Trennung von Staat und wirkmächtigem Fernsehen
und Radio zu gewährleisten. Doch diese "Staatsferne des Rundfunks" wird durch
die Atlantik-Brücke unterlaufen, deren Mitglieder regelmäßig die Intendanten
stellen. Auch prominente Nachrichtenmoderatoren gehen über die
Atlantik-Brücke.

Wie schon das CFR sehen sich auch die Mitglieder der Atlantik-Brücke als über
der Politik stehend an. So waren diese häufig in verdeckte Parteienfinanzierung
verwickelt. Hauptdarsteller etwa im nach dem in Nürnberg angeklagten Flick
benannten Skandal sowie im CDU Spendenskandal war Walter Leissler-Kiep.

Trotz strafrechtlicher Verurteilungen wegen Steuerhinterziehung und Lügen vor
Gericht blieb Leissler-Kiep zeitlebens Ehrenpräsident dieser ehrenwerten Loge.
Auch für Waffenschreiber wie Karlheinz Schreiber war die Atlantik-Brücke das
Terrain der Wahl.


Fazit

Die CIA muss den Journalisten keine Weisungen erteilen. Wer zur Elite gehört
und weiter an der Tafel der Mächtigen, Reichen und Einflussreichen speisen
will, von dem darf erwartet werden, dass er schon von alleine weiß, was man zu
sagen oder besser zu verschweigen hat. Im Falle von Fleischhauer wäre Schweigen
ein durchaus akzeptabler Genuss.


Quelle: http://www.heise.de/-3838580
<http://www.heise.de/-3838580>

Links in diesem Artikel:

[1] http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-131060590.html
<http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-131060590.html>
[2]
https://www.heise.de/tp/features/Gruene-...ke-3364927.html
<https://www.heise.de/tp/features/Gruene-und-Linke-auf-der-Atlantik-Bruecke-3364927.html>

[3]
https://www.heise.de/tp/features/Medien-...he-3830955.html
<https://www.heise.de/tp/features/Medien-in-der-Filterblase-Das-ist-nicht-nur-eine-Gefahr-sondern-eine-Tatsache-3830955.html>

[4]
https://www.welt.de/geschichte/zweiter-w...eit-werden.html
<https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article130638312/Paris-sollte-nicht-von-Schwarzen-befreit-werden.html>

[5] https://www.youtube.com/watch?v=oMEI8bnbw1o
<https://www.youtube.com/watch?v=oMEI8bnbw1o>
[6] https://www.youtube.com/watch?v=EvbDnYhPEwY
<https://www.youtube.com/watch?v=EvbDnYhPEwY>
[7] https://www.youtube.com/watch?v=a4jrv71ZfgA
<https://www.youtube.com/watch?v=a4jrv71ZfgA>
[8]
https://www.heise.de/tp/features/Wie-der...te-3832627.html
<https://www.heise.de/tp/features/Wie-der-BND-die-deutschen-Medien-steuerte-3832627.html>

- https://www.heise.de/tp/features/Im-SPIE...ND-3389510.html
<https://www.heise.de/tp/features/Im-SPIEGEL-des-BND-3389510.html>

[9]
http://www.independent.co.uk/news/world/...on-1578808.html
<http://www.independent.co.uk/news/world/modern-art-was-cia-weapon-1578808.html>

[10] https://www.youtube.com/watch?v=8y06NSBBRtY
<https://www.youtube.com/watch?v=8y06NSBBRtY>
[11]
https://www.heise.de/tp/features/Neue-Sp...ld-3289904.html
<https://www.heise.de/tp/features/Neue-Spur-zum-mysterioesen-Flugzeugabsturz-von-Dag-Hammarskjoeld-3289904.html>

[12] http://www.heise.de/tp/artikel/48/48866/1.html
<http://www.heise.de/tp/artikel/48/48866/1.html>
[13]
https://www.heise.de/tp/news/50-Jahre-Ve...er-3674427.html
<https://www.heise.de/tp/news/50-Jahre-Verschwoerungstheoretiker-3674427.html>

[14]
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/ke...e-a-393234.html
<http://www.spiegel.de/panorama/justiz/kennedy-attentat-welche-rolle-spielten-ausserirdische-a-393234.html>

[15] https://www.youtube.com/watch?v=vigbW8qdFks
<https://www.youtube.com/watch?v=vigbW8qdFks>
[16]
https://www.heise.de/tp/features/Die-mag...es-3376471.html
<https://www.heise.de/tp/features/Die-magische-Kugel-des-Allen-Dulles-3376471.html>

[17]
https://www.heise.de/tp/features/Verschw...er-3740632.html
<https://www.heise.de/tp/features/Verschwoerung-gegen-Verschwoerungstheoretiker-3740632.html>

[18] https://www.heise.de/tp/features/Um-Haar...te-3376469.html
<https://www.heise.de/tp/features/Um-Haaresbreite-3376469.html>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
nach oben springen


Besucher
0 Mitglieder und 6 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Exterais
Forum Statistiken
Das Forum hat 2947 Themen und 13421 Beiträge.

Heute war 1 Mitglied Online :

Besucherrekord: 71 Benutzer (12.03.2015 19:47).

Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen | ©Xobor.de