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#1

Die Auto-Nationen in der EU wollen weichere Vorschriften

in Aus der Welt der Wissenschaft 02.11.2017 15:57
von franzpeter | 9.008 Beiträge

Drei Grad wärmer


Der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen wird nach Angaben der Vereinten Nationen
(UN) ohne weitere Gegenmaßnahmen bis 2030 deutlich über dem Niveau liegen, mit
dem man den Klimawandel noch eindämmen könnte. Die Emissionen würden dann etwa
30 Prozent zu hoch sein, um die Ziele des Pariser Klimavertrags erreichen zu
können. Ende des Jahrhunderts werde die Erde sich so voraussichtlich um mehr als
drei Grad erwärmen. Im Vertrag von Paris hatten sich die Staaten 2015 darauf
verständigt, den Anstieg auf unter zwei Grad zu begrenzen.

Die UN-Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hat festgestellt, dass die
CO2-Konzentration heute so hoch ist wie seit Millionen Jahren nicht mehr. Als
vor drei bis fünf Millionen Jahren die CO2-Werte diese Höhe hatten, sei die
Welt im Schnitt um etwa drei Grad wärmer gewesen, das Eis in Grönland und
Teilen der Antarktis sei geschmolzen, und der Meeresspiegel habe zehn bis 20
Meter höher gelegen. Allein im vergangenen Jahr erhöhte sich die
CO2-Konzentration in der Atmosphäre 50 Prozent schneller als im Durchschnitt
der vergangenen zehn Jahre.

Einer Studie zufolge sind 250 Konzerne weltweit allein für rund ein Drittel des
Treibhausgasausstoßes verantwortlich. Die Erderwärmung hat Folgen für immer
mehr Menschen.


Seit dem Jahr 2000 beeinträchtigte die zunehmende Zahl von Hitzewellen die
Ernten gerade in Entwicklungsländern, was wiederum zu Unterernährung führte,
heißt es in der Zeitschrift Lancet.


Der Bericht wurde von 24 Organisationen, darunter der Weltgesundheitsbehörde
(WHO) und der Weltbank, zusammengestellt. Auch Mückenarten, die Krankheiten
übertragen, verbreiten sich in immer mehr Regionen. Reuters


Dazu nochmals der Artikel von David Wallace-Wells im NY Magazine:

Die "nicht diskutierten" Teile des Klimawandels


Deutsch: Der Planet schlägt zurück - Apokalypse Hunger, Stürme, Kriege und
eine Sonne, die uns kocht: Wie der Klimawandel die Welt verändern wird

https://www.freitag.de/autoren/der-freit...chlaegt-zurueck
<https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/der-planet-schlaegt-zurueck>


Englisch: The Uninhabitable Earth, Annotated Edition -
http://nymag.com/daily/intelligencer/201...-annotated.html
<http://nymag.com/daily/intelligencer/2017/07/climate-change-earth-too-hot-for-humans-annotated.html>




Die Auto-Nationen in der EU wollen weichere Vorschriften - "Wir schaffen das!"

Lobbyisten der Autobranche machen Druck auf die EU-Kommission. Am Donnerstag
suchte Deutschlands einflussreichster Autolobbyist, Matthias Wissmann, Chef des
Branchenverbands VDA, einfach selbst das vertrauliche Gespräch mit führenden
EU-Funktionären.


Zuerst sprach er mit Martin Selmayr, dem Kabinettschef von
EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Einen Tag später mit Klimakommissar Miguel Arias Cañete. Wissmann habe die
Pläne entschieden abgelehnt und Änderungen verlangt, heißt es aus
Kommissionskreisen, etwa die Absenkung der Treibhausziele auf 20 Prozent.


Zur Seite sprang ihm öffentlich der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger.
Die Klimaziele müssten "ambitioniert, aber erreichbar sein", forderte Oettinger,
der eigentlich für Haushalt und Personal zuständig ist. Er sehe bei neuen
Flottenvorgaben einen bedenklichen Fall von "Planwirtschaft".




SZ 2. November 2017

EU-Kommission

Lobby-Manöver in letzter Minute

- Der 8. November wird zum Schicksalstag der Autobranche: An diesem Tag will
Brüssel die neuen Kohlendioxid-Grenzwerte bekanntgeben.

- Nun machen Lobbyisten Druck auf die Kommission, damit sie von den strengen
angepeilten Vorgaben abweicht.

- Schwächt die EU-Kommission tatsächlich ihre Ziele ab, können die Klimaziele
der Bundesrepublik kaum mehr erreicht werden.


Von Markus Balser, Berlin, und Alexander Mühlauer, Brüssel

Das Neckartor in Stuttgart. Es gilt als die Kreuzung mit der stärksten
Luftverschmutzung in Deutschland. (Foto: imago/Lichtgut)

Wie groß wird der Druck auf die Autohersteller nach dem Abgasskandal? In den
Chefetagen deutscher Konzerne weiß man, dass die EU-Kommission ihre Antwort
nächste Woche geben will. Der 8. November gilt als Schicksalstag für die
Branche.


Parallel zum Weltklimagipfel in Bonn will die Brüsseler Behörde ihre Pläne
für neue CO2-Grenzwerte für Autos in Europa bis zum Jahr 2030 vorstellen. Kaum
ein anderer Plan hat so große Auswirkungen auf den Klimaschutz wie dieser. Und
kein anderer sorgt in der Wirtschaft deshalb derzeit für so viel Wirbel.


Seit Wochen wird in Brüssel daran gefeilt, wie es mit den Emissionszielen nach
2021 weitergeht, wenn die bisherigen Flottengrenzwerte auslaufen. Nach
Informationen der Süddeutschen Zeitung sind harte Einschnitte geplant. Der
bisherige Entwurf sieht eine CO2-Minderung von 25 bis 35 Prozent bis 2030 für
Pkw vor. Um mehr Elektroautos auf den Markt zu bringen, soll eine Quote für
emissionsfreie Fahrzeuge den Druck erhöhen. Das Ziel: 15 bis 20 Prozent.
Hersteller, die das nicht schaffen, sollen mit Sanktionen bestraft werden, etwa
noch schärferen Grenzwerten. Für 2025 will die Kommission zudem ein
verbindliches Zwischenziel einführen.


Was sich in Brüssel zusammenbraut, hinterlässt Fassungslosigkeit in den
Chefetagen der Konzerne. Und ein Problem: Weil Bundeskanzlerin Angela Merkel in
der Regierungsbildung steckt, fällt sie als Lobbyistin aus
.

Doch offenbar weiß sich die Branche zu helfen.

Am Donnerstag suchte Deutschlands einflussreichster Autolobbyist, Matthias
Wissmann, Chef des Branchenverbands VDA, einfach selbst das vertrauliche
Gespräch mit führenden EU-Funktionären. Zuerst sprach er mit Martin Selmayr,
dem Kabinettschef von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.


Einen Tag später mit Klimakommissar Miguel Arias Cañete. Wissmann habe die
Pläne entschieden abgelehnt und Änderungen verlangt, heißt es aus
Kommissionskreisen, etwa die Absenkung der Treibhausziele auf 20 Prozent. Zur
Seite sprang ihm öffentlich der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger.
Die
Klimaziele müssten "ambitioniert, aber erreichbar sein", forderte Oettinger, der
eigentlich für Haushalt und Personal zuständig ist. Er sehe bei neuen
Flottenvorgaben einen bedenklichen Fall von "Planwirtschaft".



Stoff für Ärger auch bei den Jamaika-Sondierungsgesprächen

Das Lobby-Manöver in letzter Minute zahlt sich offenbar aus. Unter dem Druck der
Branche rücke die Kommission von den strengen Zielen ab, heißt es in
Verhandlungskreisen. Führende EU-Mitarbeiter hätten die Order ausgegeben, die
Pläne abzuschwächen. So sollten Strafen beim Verfehlen der Elektroauto-Ziele
wegfallen. Und das Zwischenziel für 2025 solle nicht verbindlich werden. Trotz
des Dieselskandals habe die Branche offenbar immer noch großen Einfluss auf die
Politik,
sagt ein Kommissionsmitarbeiter.


Für Wirbel sorgen dürfte das Lobbying auch bei den Sondierungsgesprächen von
CDU / CSU, FDP und Grünen in Berlin. Denn setzt sich die Branche wirklich durch,
dürfte auch das ehrgeizige deutsche Klimaziel für 2030 in Gefahr geraten.

Um die Erderwärmung zu begrenzen, hat sich Deutschland verpflichtet, bis 2030
ganze 55 Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen.
Allein der Straßenverkehr
soll seine Emissionen um 40 Prozent senken.

Die CO2-Grenzwerte der EU spielten eine zentrale Rolle, um die deutschen
Klimaschutzziele zur erreichen, sagt Christian Hochfeld, Chef der Denkfabrik
Agora Verkehrswende. Im Klartext: Schwächt die EU-Kommission die Klimaziele ab,
wird die neue Bundesregierung es kaum schaffen, ambitionierte Klimaziele zu
verfolgen.



Die Auto-Nationen in der EU wollen weichere Vorschriften

Die Mitgliedsstaaten der EU sind in der CO2-Frage uneins. Während die
Auto-Nationen Deutschland, Italien und Frankreich versuchen, scharfe Vorschriften
zu verhindern, dringen andere EU-Länder auf eben diese
.


So haben Umwelt- und Verkehrsminister aus den Beneluxstaaten, Österreich,
Portugal, Irland und Slowenien vor wenigen Tagen einen Brief an die vier
zuständigen EU-Kommissare geschrieben.

Darin warnen sie davor, dass die für 2030 anvisierten Ziele ohne eine
"signifikante Verbesserung der Fahrzeugeffizienz", allen voran mithilfe von
E-Autos, nicht erreicht werden könnten. Die Minister fordern, die
CO2-Emissionen von Pkw "um mindestens 40 Prozent im Jahr 2030" zu senken. Dieser
Wert liegt damit sogar noch höher als der von der EU-Kommission geplante - von
den Forderungen der Autobranche ganz zu schweigen.

Doch auch in der Brüsseler Behörde herrscht Uneinigkeit, wie viel die Politik
den Autoherstellern derzeit zumuten kann. Im Zuge des Dieselskandals sorgten vor
allem Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska und Verbraucherkommissarin
Violeta Bulc für markige Sprüche. Diese gingen nicht nur den europäischen
Autoherstellern, sondern auch so manchen Kollegen in der EU-Kommission zu weit.
Seit der Sommerpause sind die beiden auffallend ruhiger geworden.

Das dürfte auch dem VDA nicht entgangen sein. Der deutsche Lobbyverband
bestätigte am Mittwoch Kontakte in Brüssel, äußerte sich jedoch nicht zu den
Details. Nur so viel: "Dazu gehört auch die europäische CO2-Regulierung, die
ein Top-Thema für die europäische Automobilindustrie darstellt", heißt es in
einer Stellungnahme.

Die Vorstellung, dass die EU-Kommission einknicke, sei jedoch kurzsichtig, warnt
William Todts, Direktor der europäischen Umweltorganisation Transport und
Environment. Die Branche versuche, das Geschäft mit dem Diesel um jeden Preis
am Leben zu halten.



Quelle:
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eu...inute-1.3730788
<http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eu-kommission-lobby-manoever-in-letzter-minute-1.3730788>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 04.11.2017 12:55 | nach oben springen


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