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#1

Die Eroberung Europas durch die USA

in Aus der Welt der Wissenschaft 04.11.2017 22:47
von franzpeter | 9.689 Beiträge

Buchtipp

Wolfgang Bittner

Die Eroberung Europas durch die USA


Erscheinungstermin: 02.06.2017
Seitenzahl: 256
Ausstattung: Klappenbroschur mit zahlreichen Abbildungen
Art.-Nr.: 9783864891892 - Euro 18.00

Über das Buch:

Die transatlantischen Beziehungen in einem neuen Licht vom Maidan bis zu
Präsident Trump: die komplette chronologische Entwicklung.


Die USA sind der bestimmende Faktor der politischen Entwicklung im Osten Europas.
Seit langem bereiten sie mit geheimdienstlichen Mitteln Umstürze vor,
beeinflussen die zentralen Medien und entkernen die Souveränität europäischer
Staaten.


Chronologisch, vom Beginn der Maidan-Ereignisse über die Zuspitzung des
Konfliktes mit Russland, bis zu den aktuellen Entwicklungen unter Präsident
Trump, schildert und analysiert Wolfgang Bittner die verhängnisvolle
Einflussnahme der US-amerikanischen Regierung auf die zentralen Medien und die
Politik Europas. Ein Appell an die Vernünftigen in Europa und den USA, den
politischen Absturz aufzuhalten.


https://www.westendverlag.de/buch/die-er...urch-die-usa-2/
<https://www.westendverlag.de/buch/die-eroberung-europas-durch-die-usa-2/>



Wolfgang Bittner lebt als Schriftsteller in Göttingen. Der promovierte Jurist
verfasst Bücher für Erwachsene, Jugendliche und Kinder, erhielt mehrere Preise
und Auszeichnungen und ist Mitglied im PEN. Von 1996 bis 1998 gehörte er dem
Rundfunkrat des WDR an, von 1997 bis 2001 dem Bundesvorstand des Verbandes
deutscher Schriftsteller. Wolfgang Bittner war freier Mitarbeiter bei Zeitungen,
Zeitschriften, Hörfunk und Fernsehen und veröffentlichte mehr als 60 Bücher,
zuletzt "Die Abschaffung der Demokratie".



NDS 4. November 2017

Wolfgang Bittner: "Deutschland würde bei der Ausweitung eines solchen Krieges
in Schutt und Asche fallen"


"Die Bevölkerung wird nach Strich und Faden hinters Licht geführt", sagt der
Schriftsteller Wolfgang Bittner gegenüber den NachDenkSeiten.


Wolfgang Bittner

In einem Interview zum Thema Krieg und Frieden legt der Autor und Jurist dar, wie
er die gegenwärtigen Spannungen in der Weltpolitik wahrnimmt. Ob die Krise in
der Ukraine, die Aufrüstungspolitik der Nato oder die militärischen
Drohgebärden gegenüber Nordkorea: Bittner betont, dass "mehrere Zündschnüre"
brennen und nicht absehbar sei, "ob sich der Frieden in der Welt bewahren" lasse.

Bittner sagt, dass sowohl Medien als auch Politik nicht korrekt über die
Hintergründe und Ursachen dieser Konflikte und politischen Spannungen
aufklären. Es finde gerade auch "hinsichtlich des Ukraine-Konfliktes und der
Auseinandersetzung mit Russland eine unglaubliche Indoktrination der
Bevölkerung" statt.


"Die Fakten", so Bittner, "werden vernebelt und verdreht, es wird gehetzt und
gelogen."

Das Interview führte Marcus Klöckner.


Herr Bittner, die USA haben gerade vor Nordkorea drei Flugzeugträger
zusammengezogen.
Woran denken Sie, wenn Sie diese Nachricht hören?

Das ist Kanonenbootpolitik und gefährdet die fragile Stabilität im
ostasiatischen Raum. Es entspricht der chaotischen Politik Trumps, Kim Jong-un
die "totale Zerstörung" des Landes anzudrohen: Eskalation statt Deeskalation.
Sicherlich stecken auch hochrangige Militärs als Lobbyisten der
Rüstungsindustrie dahinter, die in Südkorea fette Gewinne macht wie überall
auf Kosten der Bevölkerung
. Auch Japan, einer der größten "Flugzeugträger"
der USA, rüstet auf und ist gerade dabei, seine pazifistische
Nachkriegsverfassung zu ändern.


Aber würden sich die USA tatsächlich auf einen Krieg mit Nordkorea einlassen?

Das glaube ich nicht, weil dann die ganze Region einbezogen wäre. Nordkorea ist
hochgerüstet und eine Atommacht, das muss man berücksichtigen. Und je mehr man
Kim Jong-un unter Druck setzt, desto mehr Widerstand erzeugt man.


Im Übrigen ist es nicht das einzige unberechenbare Land, das über Atomwaffen
verfügt.
Wenn die USA, die für die Teilung Koreas verantwortlich
<https://de.wikipedia.org/wiki/Koreakrieg>
<https://de.wikipedia.org/wiki/Koreakrieg> sind, Nordkorea in
Ruhe ließen, könnte sich die Bevölkerung vielleicht aus eigener Kraft von dem
diktatorischen Regime befreien.

Ich bin ohnehin der Meinung, dass es ein falscher Weg ist, Völkern von außen
etwas aufzudrängen; sie müssen sich aus sich heraus entwickeln. Zudem dienen
diese "Missionierungen" anderer Völker, also ihnen die Demokratie zu bringen,
oft nur dazu, den eigenen Machtbereich, in dem auch keine Demokratie herrscht,
auszuweiten.


Wie schätzen Sie die gegenwärtige Situation in Sachen Krieg und Frieden ein?
Braut sich da etwas zusammen?

Da braut sich schon seit mehreren Jahren etwas zusammen, was nach meiner
Wahrnehmung durch die aggressive Politik der USA verursacht wird. Fast überall
in der Welt, wo es zu Konflikten und Kriegen kommt, treffen wir auf strategische
und wirtschaftliche Interessen der USA, die unsinnigerweise immer noch einen
hegemonialen Anspruch erheben.


Sie haben den ganzen Orient in Brand gesetzt, und sie provozieren und
sanktionieren das nordkoreanische Regime, das kommunistisch ist - das scheint mir
dabei der entscheidende Punkt zu sein. Außerdem wurde in der Ukraine ein Putsch
durchgeführt, wodurch es dort zum Bürgerkrieg und schließlich auch zum
erneuten West-Ost-Konflikt gekommen ist.


Zurzeit brennen also mehrere Zündschnüre, und es ist nicht absehbar, ob sich
der Frieden in der Welt bewahren lässt. Meines Erachtens herrscht vor allem
durch den von den USA inszenierten Konflikt in der Ukraine und durch die massive
Aufrüstung der Anrainerstaaten Russlands die akute Gefahr einer militärischen
Auseinandersetzung der NATO mit Russland.

Dann wären wir durch den NATO-Bündnisfall einbezogen und Deutschland würde
bei der Ausweitung eines solchen Krieges in Schutt und Asche fallen. Dagegen
wären die USA im wahrsten Sinne des Wortes weit vom Schuss, so dass die
"amerikanische Heimat" selbst beim Einsatz taktischer Atomwaffen

<https://de.wikipedia.org/wiki/Kernwaffe#Taktische_Kernwaffen>
<https://de.wikipedia.org/wiki/Kernwaffe#Taktische_Kernwaffen>
nicht gefährdet wäre.

Seit dem Konflikt in der Ukraine schlagen einem Nachrichten entgegen, die
ziemlich surreal wirken. Frank-Walter Steinmeier sprach im vergangenen Jahr gar
davon, dass der Frieden in Europa "erstmals seit einer ganzen Generation wieder
gefährdet" sei.



Was ist da los?

Die Nachrichten über den Konflikt in der Ukraine wirken nicht nur surreal, es
ist ein ganz abgefeimtes Spiel, das da betrieben wird. Den dortigen Bürgerkrieg
haben nachweislich die Oligarchen Jazenjuk und Poroschenko, beide Günstlinge
der USA, zu verantworten, nachdem die CIA und andere westliche Dienste dort
jahrelang auf den Regimewechsel hingearbeitet hatten.


Die Hintergründe und wie ein großes europäisches Land, die Ukraine, auf
"kaltem Wege" übernommen
wurde, habe ich in meinem Buch "Die Eroberung Europas
durch die USA" ausführlich dargestellt.

Aber wir werden von den Politikern und ihren Medien darüber nicht korrekt
unterrichtet, wie überhaupt hinsichtlich des Ukraine-Konfliktes und der
Auseinandersetzung mit Russland eine unglaubliche Indoktrination der
Bevölkerung stattfindet. Die Fakten werden vernebelt und verdreht, es wird
gehetzt und gelogen.


Wenn nun Steinmeier feststellt, der Frieden in Europa sei erstmals seit einer
ganzen Generation wieder gefährdet, richtet sich das gegen Russland, das war
schon seine Position als Außenminister. Er ist ein Propagandist der USA und der
NATO, das habe ich in meinem Buch genauer ausgeführt.



Das ist eine ziemlich harte Kritik.

Gemeinsam mit dem Sicherheitsberater der Bundeskanzlerin, Christoph Heusgen, hat
sich Steinmeier zum Nachteil einer europäischen Friedenspolitik für die
NATO-Mitgliedschaft Montenegros engagiert, und zwar gegen den mehrheitlichen
Willen der Bevölkerung und obwohl mehrere europäische Staaten sich gegen diese
erneute Provokation Russlands gewandt hatten. Wenn Steinmeier sich jetzt
scheinheilig über den gefährdeten Frieden in Europa äußert, verschweigt er,
woran das liegt und wer das zu verantworten hat.



Immerhin war Steinmeier vor Kurzem zu Besuch in Russland.

Er hat schon vorher entgegen allen diplomatischen Gepflogenheiten gesagt, dass er
ohne Illusionen in das Gespräch mit Putin gehe. Und natürlich hat er die
Sanktionspolitik der USA und der EU gerechtfertigt, wie üblich unter Berufung
auf die angebliche Annexion der Krim, die in Wirklichkeit eine Sezession war:
nach einem Referendum die friedliche Abspaltung von der Kiewer Ukraine, in dessen
Parlament Faschisten sitzen.

Es ist unfassbar, mit welcher Arroganz, mit welcher Dreistigkeit diese Leute
auftreten, wo Zurückhaltung und Bescheidenheit geboten wäre. Aber das wird dann
noch von den Medien als große Geste zur Verständigung mit Russland dargestellt,
als ob es guter Wille von Deutschland wäre, dem uneinsichtigen, böswilligen
Putin die Hand zu reichen.

Verlogener geht's doch nicht. Ich wundere mich überhaupt, wie wenig bekannt ist,
dass die USA schon seit Langem eine Kooperation zwischen Deutschland und Russland
verhindern.


Die US-Regierung und der NATO-Generalsekretär fordern eine drastische Erhöhung
des deutschen Militäretats. Kanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsministerin
Ursula von der Leyen haben sich entgegenkommend gezei
gt. Wie beurteilen Sie das?

Uns wird vorgegaukelt, dass wir uns schützen müssen, in erster Linie vor den
kriegslüsternen Russen, die uns überfallen wollen. Besonders gefährdet sind
angeblich die Anrainerstaaten Russlands: Estland, Lettland, Litauen, Polen,
Bulgarien, Rumänien und nicht zuletzt die Ukraine. Deswegen wird in diesen
Staaten von den USA und der NATO unter deutscher Beteiligung eine gewaltige
Militärmaschinerie aufgebaut.


Aber schauen wir uns doch mal die Zahlen für Rüstungsausgaben an: Deutschland
gab nach einem Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri[41,1
Milliarden Dollar im Jahr 2016 aus. Das waren 1,2 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts, und die Quote soll auf zwei Prozent erhöht werden
Die
Militärausgaben der USA lagen bei 611 Milliarden Dollar, die der westlichen
Allianz insgesamt bei etwa 945 Milliarden Dollar.
Dagegen gab Russland 2016 für
seine Rüstung knapp 70 Milliarden Dollar aus.


Damit stellt sich die Frage, warum gegen Russland aufgerüstet werden muss, wenn
doch die Militärausgaben der westlichen Allianz mehr als dreizehn Mal höher
sind als die des potenziellen Gegners. Wem dient das? Wer profitiert davon?


Jedenfalls nicht die Bevölkerung in den USA und Europa, deren Staatsetats
gewaltige Summen entzogen werden, die anderweitig dringend benötigt würden,
zum Beispiel für die Erhaltung der Infrastruktur, für Bildung, Gesundheit,
Armutsbekämpfung und so weiter.[/
b]

[b]Da wird eine Drohkulisse aufgebaut, und statt abzurüsten und die
Aggressionspolitik der USA mit ihrer NATO zurückzuweisen, wird massiv
aufgerüstet. Die Bevölkerung wird doch nach Strich und Faden hinters Licht
geführt.



Wird der deutschen Bevölkerung nicht schon seit Jahren versucht, den Krieg
wieder schmackhaft zu machen?

Die Bundeswehr, die inzwischen entgegen den Bestimmungen unserer Verfassung in
aller Welt zum Einsatz kommt, wirbt neuerdings mit aufwändig gestalteten Filmen
über "spannende Auslandseinsätze" um Personal. Wir sollen daran gewöhnt
werden, dass militärische Einsätze außerhalb des NATO Bereichs sinnvoll und
normal sind, hat Albrecht Müller dazu geschrieben. Es ist eine Schande, wie
viel Geld immer mehr für Militär und Rüstung ausgegeben wird. Die Frage ist,
wohin das führt.

Erst kürzlich hat Ex-Bundeskanzler Schröder davor gewarnt, in einen neuen
Rüstungswettlauf mit Russland einzutreten. Er, wie auch einige andere
Politiker, bezweifeln, dass die NATO-Verbände in Osteuropa überhaupt nötig
sind. Schröder ist der Überzeugung, dass niemand in der russischen Führung
die Absicht hat, in NATO-Staaten zu intervenieren, solche Vorstellungen hätten
mit der Realität nichts zu tun.


Nun ja, Schröder steht Russland ziemlich nahe, Stichwort Gazprom.

Ich teile seine Meinung, und damit bin ich nicht der Einzige. Abgesehen von der
Gefährdung der Sicherheit in Europa durch die Aufrüstung der Anrainerstaaten
Russlands, werden daran Milliarden und Abermilliarden verdient. Dass Russland
Westeuropa bedroht, ist Feindpropaganda.


Ich habe gerade die Rede
<https://www.youtube.com/watch?v=hIDcJqW9tEw> gelesen, die
Wladimir Putin auf der Waldai-Konferenz
<https://de.wikipedia.org/wiki/Rede_Wladimir_Putins_auf_der_Waldai-Konferenz_in_Sotschi_2014>
gehalten hat, und ich habe auch mehrere andere Reden Putins gelesen. Sie zeugen
von einer großen Enttäuschung über die Zurückweisung Russlands und die
Aggressionspolitik der westlichen Allianz.

Er vertritt im Gegensatz zu amerikanischen Politikern - wie zum Beispiel Obama in
seiner Rede vor der UN-Vollversammlung Ende 2014 - sehr vernünftige
friedenspolitische Positionen. Darüber wird in den westlichen Medien nicht
berichtet.


Laut einem aktuellen Spiegel-Bericht, will Russland das Militärmanöver "Sapad"
an der NATO-Ostgrenze ausweiten. Die Nato ihrerseits führt eigene Manöver im
Osten durch. Wie schätzen Sie diese Manöver ein? Sind das einfach nur
Muskelspiele?

Bei diesen Manövern scheint es sich um ein gegenseitiges Abtasten zu handeln.
Die NATO führt schon seit mehreren Jahren umfangreiche Manöver an den
russischen Grenzen durch, und zwar sehr aggressiv mit Drohgebärden und
Kriegsgeschrei.

Ich erinnere mich an "Trident Juncture
<http://www.spiegel.de/politik/ausland/nato-manoever-trident-juncture-die-nato-protzt-mit-ihrer-staerke-a-1061105.html>
" mit 36.000 Soldaten oder an "Rapid Trident
<http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-nato-startet-militaeruebung-rapid-trident-putin-protestiert-a-991614.html>
" unter Führung der USA und Beteiligung von sechzehn NATO-Staaten.

Zugleich regt man sich darüber auf, dass die Russen, die in der Defensive sind,
im eigenen Land Manöver durchführen. Man muss sich doch mal die Frage stellen,
was US-Kriegsschiffe im Schwarzen Meer und in der Ostsee zu suchen haben oder
B-52-Bomber mit Atombewaffnung in Europa an den Grenzen zu Russland.


Jetzt stehen NATO-Truppen und auch deutsche Soldaten 120 Kilometer vor der
Stadtgrenze von Sankt Petersburg - eine unglaubliche Instinktlosigkeit und
Geschichtsvergessenheit, nachdem diese Stadt im Zweiten Weltkrieg von deutschen
Truppen zwei Jahre lang belagert wurde, wobei mehr als eine Million Menschen
umkamen. Es ist unfassbar!


Wie verhält sich Ihrer Meinung nach die Bundesregierung bei der aktuell
angespannten Lage?

Die Bundesregierung unter Führung von Frau Merkel verhält sich zum Nachteil
Deutschlands nach wie vor subaltern zu den USA, trotz der veränderten
weltpolitischen Lage nach dem dortigen Regierungswechsel.


Die deutsche Außenpolitik wird nach meinem Eindruck in zentralen Fragen nicht
in Berlin, sondern in Washington gemacht, allerdings nicht von der amtierenden
Regierung, sondern von dem, was ich die "Nebenregierung" nenne, auch als Deep
State oder Tiefer Staat bezeichnet.


Das ist der sogenannte Militärisch-Industrielle Komplex mit seinen Vertretern in
Regierung und Kongress, das ist die Hochfinanz der Wallstreet, das sind die
Geheimdienste, die US-Notenbank und die Medien mit ihren korrumpierten
Journalisten, die Präsidenten und Politiker zu ihren Marionetten machen
.
Da gibt
es eine Langzeitstrategie, worüber ich ebenfalls in meinem Buch geschrieben
habe.

Es wäre dringend an der Zeit, dass die deutsche Bundesregierung und die
Regierungen der anderen europäischen Länder endlich die Interessen ihrer
Bevölkerungen in den Blick nehmen und zu einer eigenständigen Politik kommen.

Ich meine, zu einer Friedens- und Sozialpolitik, wozu auch die Verständigung
mit Russland gehört.
Denn ohne Russland gibt es auf die Dauer keinen
gesicherten Frieden in Europa. Das bedeutet nicht, dass die gewachsenen
Verbindungen zu den Vereinigten Staaten abgeschnitten werden müssten. Europa
ist ebenso auf die USA angewiesen.


In einem Kapitel Ihres Buches beklagen Sie die vertanen Chancen einer
Kooperation Westeuropas mit Russland. Um welche vertanen Chancen geht es da, und
wie könnte so eine Kooperation mit Russland aussehen?

Die Frage lässt sich eigentlich nicht in wenigen Sätzen beantworten, ich will
es dennoch versuchen. Also, nach Meinung namhafter Wirtschaftsanalysten
entstehen der europäischen und insbesondere der deutschen Wirtschaft enorme,
kaum bezifferbare Schäden durch die von den USA aufgezwungene Sanktionspolitik.
Dabei geht es nicht nur um den bis vor drei, vier Jahren noch florierenden
üblichen Handel, sondern um weitaus mehr.

Wladimir Putin warb bereits 2001 in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag
<https://www.bundestag.de/parlament/geschichte/gastredner/putin/putin_wort/244966>
für einen Wirtschaftsraum von Wladiwostok bis Lissabon - vergeblich.


Aber darüber hinaus planen Moskau und Peking zusammen mit den übrigen
BRICS-Ländern im Rahmen der Shanghai-Cooperation den Aufbau eines
interkontinentalen Infrastruktur-Netzes von Moskau über Sibirien bis China und
Indien, wozu auch die verkehrsmäßige und wirtschaftliche Erschließung bisher
peripherer Regionen gehört. Von China wird das Vorhaben, das unter anderem den
Ausbau der Seidenstraße umfasst und für das mehr als 1.000 Milliarden Dollar
zur Verfügung gestellt werden sollen, unter der Bezeichnung "Ohne Belt, One
Road" betrieben.


Der Chefanalyst der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, nannte das in einem
Interview mit den Deutschen Wirtschafts-Nachrichten das größte
Wachstumsprojekt in der modernen Geschichte. In diesem Zusammenhang nannte er
Zahlen: 85 Prozent der Weltbevölkerung stehen für 56 Prozent der
Weltwirtschaftsleistung, und die "aufstrebenden Länder", wie Hellmeyer sie
nennt, kontrollieren circa 70 Prozent der Weltdevisenreserven, sie wachsen pro
Jahr im Durchschnitt um vier bis fünf Prozent - das sind Zahlen von 2015, die
nachdenklich machen sollten.

Des Weiteren seien die aufstrebenden Länder dabei - so Hellmeyer - sich von der
US-Hegemonie zu emanzipierten, das werde deutlich an den Gründungen von
Konkurrenzinstitutionen zur Weltbank und dem IWF - gemeint sind die Asian
Infrastructure Investment Bank und die New Development Bank. Man baut also
unabhängig von den USA und vom Dollar ein eigenes Finanzsystem auf.

Nicht nur Hellmeyer ist der Ansicht, dort liege die Zukunft und das sehe ich
ebenso. Würde sich Westeuropa diesem zukunftsweisenden Projekt anschließen,
könnte ein riesiger eurasischer Wirtschafts- und Kulturraum, ein Binnenmarkt mit
enormen Möglichkeiten entstehen.

Aber das wird von den USA nicht erst in jüngerer Zeit verhindert, weil sie dann
ihre globale Vormachtstellung verlören, sie würden eine Regionalmacht mit
großen inneren Problemen. Deswegen die Teilung und das Erzeugen von Chaos in
Europa, die Interventionen und diese gewaltige Rüstung.


Das klingt nach folgenschweren internationalen Auseinandersetzungen, auf die wir
uns gefasst machen müssen. Können Sie einen Ausblick wagen? Wie werden sich
die Konflikte weiter entwickeln?

Wie es weitergeht, ist momentan nicht vorhersehbar, ich möchte da keine Prognose
wagen. Auf jeden Fall ist die Situation außerordentlich gefährlich, zumal die
europäischen Politiker die wirklichen Probleme offensichtlich nicht erfasst
haben und nicht gegensteuern.

Wenn ich in meinem Buch davor warne, dass es zu einem "großen Krieg" kommen
könnte, von dem auch Deutschland nicht verschont bliebe, befinde ich mich in
Gesellschaft namhafter Politiker, Wissenschaftler und Publizisten, die jedoch in
den sogenannten Qualitätsmedien nicht oder nur beiläufig zu Wort kommen.


Die Bevölkerung bleibt hinsichtlich der Gefährdung weitgehend uninformiert,
und sie erfährt auch nichts über die Hintergründe der weltweiten Konflikte.
Sie wird weiter indoktriniert und gegen Russland aufgehetzt. Es sieht nicht gut
aus.



Quelle: http://www.nachdenkseiten.de/?p=40880#more-40880
<http://www.nachdenkseiten.de/?p=40880#more-40880>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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