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Was wir über die östliche Ghouta, Afrin und das Euphrat-Tal wissen sollten

in Aus der Welt der Wissenschaft 04.03.2018 00:14
von franzpeter | 9.719 Beiträge

NDS 2. März 2018

Kriegsschauplätze in Syrien

Was wir über die östliche Ghouta, Afrin und das Euphrat-Tal wissen sollten

Jeden Tag hören wir - meist schlechte - Nachrichten aus Syrien.

Auch wenn wir von den NachDenkSeiten versuchen, ein wenig Licht in den Nebel zu
bringen und Ihnen eine Alternative zur der meist sehr einseitigen
Berichterstattung in den klassischen Medien anzubieten, so ist es nicht immer
leicht, den Überblick zu behalten.

Daher haben wir die Journalistin und Nahostexpertin Karin Leukefeld
https://leukefeld.net/ , die zu den wenigen Quellen aus der
Region gehört, auf deren Urteil wirklich Verlass ist, gebeten, die aktuelle
Gemengelage in Syrien für die Leser der NachDenkSeiten in einer verständlichen
Form aufzubereiten.

Was dabei herauskam, ist ungemein lesenswert. Bitte reichen Sie diesen Artikel
auch an Ihre Freunde, Bekannte, Verwandte und Kollegen weiter. Es lohnt sich.

Karin Leukefeld, freie Korrespondentin im Mittleren Osten

Audio
http://www.nachdenkseiten.de/upload/podc..._Syrien_NDS.mp3



Die Ghouta

Die Ghouta war einst ein Naherholungsgebiet für die Einwohner von Damaskus.
Ghouta https://de.wikipedia.org/wiki/Ghuta bedeutet "Oase",
hier sprudelten die Wasser des Barada-Flusses, Wälder und Wiesen luden zum
Verweilen ein. Reisende, Schriftsteller, Dichter besangen das Gebiet als
"Paradies auf Erden".

Der französische Philosoph Constantin Francois de Volney schrieb Ende des 18.
Jahrhunderts voller Begeisterung:

"Von den Bergen strömen viele Bäche, die aus dem Gebiet von Damaskus den
bestbewässerten und lieblichsten Ort Syriens machen. Die Araber sprechen nur
mit Begeisterung von ihm; und sie werden nicht müde, das Grün und die Frische
der Obstgärten, die Fülle und Mannigfaltigkeit der Früchte, die Zahl der
Quellen wie auch die Klarheit der Springbrunnen und Gewässer zu preisen."

Der so üppig beschriebene Grüngürtel von Damaskus teilte sich in die
östliche Ghouta, die sich entlang der Verbindungsstraße nach Homs erstreckte,
in die südliche und westliche Ghouta, die bis zu den Golan-Höhen reichte.1925
sammelte sich in der Ghouta der Widerstand gegen die französische
Mandatsherrschaft, der blutig niedergeschlagen wurde.

Die Ghouta besteht ursprünglich aus vielen Dörfern, Weilern, die ihre eigene
Geschichte haben. In Jobar https://en.wikipedia.org/wiki/Jobar

https://en.wikipedia.org/wiki/Jobar
zum Beispiel, nur knapp 3 km von der Altstadt von Damaskus entfernt, steht bis heute eine der ältesten
Synagogen des Mittleren Ostens. Das Gebäude blieb erhalten, während sich viele
Juden von Jobar im 7. Jahrhundert und danach dem Islam ergaben und zu Muslimen
wurden. Wie viele Konvertiten entwickelten sie eine Bindung an den Islam, der
von Dogmatismus und Intoleranz geprägt war. Mit Beginn der syrischen
"Revolution" (2011) wurden in Jobar Andersgläubige wie Christen, Ismailiten und
tolerante Muslime zu "unerwünschten Personen" erklärt.

Die Veränderung

Seit den 1980-er Jahren - während der großen Entwicklungsphase Syriens -
ließen sich besonders in der östlichen Ghouta Handwerks- und Industriebetriebe
nieder. Es folgten Werkstätten, Labors, wissenschaftliche und medizinische
Einrichtungen, die mit der Universität von Damaskus
https://en.wikipedia.org/wiki/Damascus_University
<https://en.wikipedia.org/wiki/Damascus_University> verbunden
waren, Krankenhäuser. Der größte Busbahnhof von Damaskus lag hier,
Autohäuser aus aller Welt bauten Glaspaläste entlang der Schnellstraße, die
in die Autobahn in Richtung Homs, Hama und Aleppo übergeht.

Das Al-Wafideen-Lager
http://de.zappingnews.net/syrien-terrori...ten-osten-guta/
<http://de.zappingnews.net/syrien-terroristen-verhindern-ausgang-zivilisten-osten-guta/>
bot rund 25.000 Menschen Zuflucht, die selber oder deren Vorfahren 1967 von der
israelischen Armee vom syrischen Golan vertrieben worden waren.

Landflucht und Bevölkerungszuwachs ließen um die kleinen Dörfer der einstigen
Idylle neue Satellitenstädte entstehen. Rund 3 Millionen Menschen lebten in der
östlichen Ghouta offiziell vor Beginn des Krieges 2011, die wirkliche Zahl
könnte höher gewesen sein.

Die meisten der Menschen flohen Ende 2011/Anfang 2012, als bewaffnete Gruppen in
der östlichen Ghouta die Kontrolle übernahmen
. Die Zivilisten, die blieben,
waren zumeist Angehörige der Kämpfer, Personen, die keine Angehörigen in
Damaskus Stadt hatten oder die zu krank und zu alt waren, um zu fliehen. Es
waren Leute, die ihr Eigentum nicht verlassen wollten oder sie gehörten einer
nicht bewaffneten Oppositionsgruppe an, die mit Unterstützung aus dem Ausland
auf einen Sturz der syrischen Regierung hofften.

Die größte dieser Satellitenstädte ist Douma
https://de.wikipedia.org/wiki/Duma_%28Syrien%29 , etwa 10 km
nordöstlich von Damaskus Stadt entfernt.
<https://de.wikipedia.org/wiki/Duma_%28Syrien%29>

Vor dem Krieg lebten dort offiziell 120.000 Einwohner. Viele männliche Bewohner
von Douma verdienten ihr Geld in der Bau- und Ölindustrie in den Golfstaaten.
Manche wurden Vermittler für Firmen aus dem Golf oder Subunternehmer.

Neben dem Geld brachten sie auch ultrakonservatives Gedankengut aus den
Golfstaaten mit nach Syrien, das in Moscheen und Koranschulen vermittelt wurde.
In Douma bauten die Golfstaaten nicht nur ideell und religiös, sondern auch
wirtschaftlich eine Basis auf, die erst im Frühjahr 2011 richtig sichtbar
wurde, als die Proteste begannen.


Die Metamorphose der "Freien Syrischen Armee"

Im Sommer 2011 entstand in der Türkei die "Freie Syrische Armee" (FSA). Etwa
zeitgleich schossen in den Dörfern und Vorstädten von Damaskus (Ghouta)
bewaffnete Gruppen wie Pilze aus dem Boden.


Alle nannten sich "Freie Syrische Armee", niemand hatte einen
politisch-organisatorischen Plan, wie ihr Protest, den sie "Revolution" nannten,
umgesetzt werden sollte. In dieser Zeit entstand in Douma die "Armee des Islam"
(Jaish al Islam), die von Zahran Allousch gegründet wurde. Allousch war 2011 im
Rahmen einer Generalamnestie aus dem Gefängnis freigelassen worden, wo er seit
2009 wegen salafistischer Propaganda und illegalem Waffenbesitz inhaftiert war.

Im Gegensatz zu anderen bewaffneten Gruppen hatte die "Armee des Islam" ein
klares Ziel. Die säkulare syrische Regierung sollte gestürzt und durch eine
Regierung ersetzt werden, die dem islamischen Recht, der Scharia nach
salafistischer Auslegung folgen sollte.

Finanziell wird die "Armee des Islam" von der Türkei, Saudi Arabien und den
Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) unterstützt, die bis heute für die
Bewaffnung und weitere Logistik sorgen.

Zahran Allousch wurde 2015 getötet. Kurz darauf wurde sein Bruder Mohamed
Alloush zum Leiter der Verhandlungsdelegation der syrischen oppositionellen
Nationalen Koalition nach Genf entsandt.

Nachdem die militärischen Erfolge der syrischen Armee und ihrer Verbündeten die
Kampfverbände landesweit immer mehr zurückdrängten, wurde Alloush bei einem
von Saudi Arabien ausgerichteten Treffen gegen oppositionelle Zivilisten
ausgetauscht. An den Gesprächen in Astana, bei denen bewaffnete Gruppen mit der
syrischen Regierung zusammengebracht werden, um Waffenstillstände und
Deeskalationsgebiete zu vereinbaren, nimmt Allousch teil.


Im Kalifat der östlichen Ghouta

Aus der "Freien Syrischen Armee" (FSA) entstanden nach UN-Angaben landesweit
mehr als 2000 Kampfverbände, die sich im Laufe der Jahre immer wieder
zerstritten und aus Mangel an Geld und Waffen entweder auflösten oder den
dschihadistischen Gruppen anschlossen.


Lokale syrische Kampfgruppen, auf die die Bezeichnung "Rebellen" zutreffen
könnte, vereinbarten durch russische Vermittlung Waffenstillstände mit der
syrischen Regierung, legten ihre Waffen nieder und wurden in ein staatliches
Amnestieprogramm aufgenommen
. Zurück blieben neben der "Armee des Islam"
weitere extremistische Kampfgruppen, in denen der Anteil ausländischer Kämpfer
sehr hoch war und weiterhin ist.


Die "Rahman-Legion" (Faylaq al-Rahman) war ebenfalls 2011 gegründet worden und
verbündete sich zunächst mit der "Freien Syrischen Armee. Inzwischen ist die
Legion Partner der "Front zur Befreiung der Levante" (Hay'at Tahrir al-Sham,
HTS) einem Bündnis um die Nusra Front, einer Al Khaida-Gruppe.


Die Ideologie basiert auf dem Salafismus, die Rahman-Legion bezeichnet die
östlichen Vororte von Damaskus als "Östliches Khalifat". Unterstützt und
bewaffnet wird die Gruppe von Katar und von der Türkei.


Seit 2015 liefert sich die "Rahman-Legion" immer wieder blutige Machtkämpfe mit
der "Armee des Islam". Militärbeobachter in der Region führen das auf den
Konflikt zurück, der unter den jeweiligen Sponsoren Saudi Arabien/VAE
einerseits gegen Katar andererseits
besteht. Katar wird seit Sommer 2017 von
Saudi Arabien und den VAE als Gegner eingestuft, weil das Emirat mit Iran
kooperiert.

Beobachter vermuteten bereits, dass die Rahman-Legion auf Druck von Katar zu
einem Waffenstillstand bereit sein könnte. Doch ein am 18. Februar von EMN-News
veröffentlichter Werbefilm der Gruppe spricht eine andere Sprache. Zu sehen
sind Scharfschützen, die ihre modernen Gewehre im Einsatz präsentieren. Durch
ihr Zielfernrohr nehmen sie Soldaten und einfache Leute ins Visier, die sich
jenseits der Frontlinie in Damaskus befinden. Nach jedem Schuss ist zu sehen,
wie das Opfer fällt, während die Schützen Allah preisen.

Die Organisation verfügt auch über Anti-Panzer-Raketen TOW aus den USA. Diese
führten sie ebenfalls in einem Videoclip vor. Einen Tag nachdem der
UN-Sicherheitsrat die Resolution 2401
https://de.wikipedia.org/wiki/Resolution...icherheitsrates
verabschiedet hatte, die einen 30-tägigen landesweiten Waffenstillstand
fordert, zeigte die Rahman-Legion einen Kämpfer, der eine Panzerabwehrlenkwaffe
(TOW) abfeuert. Der Blick folgt dem roten Feuerball der Rakete durch das
Zielfernrohr, bis sie kurz darauf ihr Ziel in einer gewaltigen Explosion
verschwinden lässt. Wieder wird Gott gepriesen, bevor das nächste Ziel ins
Visier genommen wird.

Die "Islamische Bewegung der Freien Männer der Levante (Ahrar al-Sham) wurde
ebenfalls 2011 gegründet und hat sich kürzlich mit einer anderen
islamistischen Gruppe, "Nour al Din al Zenki" zusammengeschlossen.

Der Name geht auf einen Herrscher der türkischen Zengiden im 12. Jahrhundert
zurück. Die durch den Zusammenschluss entstandene "Syrische Befreiungsfront"
will die "syrische Revolution" verteidigen, um ebenfalls einen „Islamischen
Staat zu errichten.

Beide Gruppen wurden und werden von den USA, den Golfstaaten und der Türkei
unterstützt und haben Hinrichtungen nach Scharia-Urteilen vorgenommen.


"Nour al Din al Zenki" schnitt einem 15-jährigen palästinensischen Jungen vor
laufender Kamera die Kehle durch. In der östlichen Ghouta kooperieren beide
Organisationen mit dem Bündnis der Nusra Front "Hay'at al Tahrir al Sham"
(HTS). In Idlib, wo alle genannten Gruppen ebenfalls kämpfen, liefern sie sich
mit HTS einen blutigen Machtkampf.

Mit Beginn der neuerlichen Kämpfe in den östlichen Vororten von Damaskus
(Douma, Harasta, Arbin, Jobar u.a.) haben diese Gruppen - Armee des Islam,
Rahman-Legion, Ahrar al Sham, Nour al Din al Zenki und die Nusra Front - sich
nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums zu einem gemeinsamen
Hauptkommando zusammengeschlossen.


Zivilgesellschaftliche Gruppen kaum noch präsent

Zivile oppositionelle Gruppen sind in den östlichen Vororten von Damaskus kaum
noch präsent.


Die in Medien häufig zitierten "Weißhelme", auch "Syrischer Zivilschutz"
genannt, sind ebenso wie die „Syrisch-Amerikanische Medizinische Gesellschaft
(SAMS) aus syrischen Oppositionsgruppen entstanden und werden von den USA,
Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Türkei und den Golfstaaten finanziell
unterstützt. Allein für die "Weißhelme" hat die Bundesregierung seit deren
Gründung 2014 sieben (7) Millionen Euro bezahlt.


Das Schicksal anderer Oppositioneller zeigt, dass heute nur noch die in den
Kampfzonen operieren können, die von den militärischen Akteuren - den
Dschihadisten - geduldet werden.

Die Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Razan Zeitouneh, die 2011 mit
Gleichgesinnten in Douma ein Dokumentationszentrum für
Menschenrechtsverletzungen gründete, verschwand im Dezember 2013 und ist
seitdem unauffindbar.
Ihre Familie, die sich wenige Tage später an die
Öffentlichkeit wandte, sprach von einer Entführung. Auch ihr Ehemann Wael
Hamada und die Aktivisten Samira Al-Khalil und Nazim Al-Hamadi sind seitdem
verschwunden. Im September 2013 berichtete die Anwältin, dass sie und ihr
Zentrum von lokalen bewaffneten Gruppen in Douma bedroht worden seien. Drei
Monate später verschwand sie. Im April 2014 machte die Familie von Razan
Zeitouneh die "Armee des Islam" und ihren Anführer Zahran Alloush für das
Wohlergehen der vier Entführten verantwortlich. Eine Antwort gab es nicht, die
vier Menschenrechtsaktivisten kehrten nie zurück.

Während Nahrungsmittel und Medikamente knapp sind in den östlichen Vororten
von Damaskus, gelangen modernste Waffen und Munition, Kommunikationsgeräte,
Kameras und Drohnen weiter zu den Kämpfern.


Ein Nachschubweg führt durch Tunnelsysteme, die die Vororte miteinander
verbinden. Die meisten wurden inzwischen allerdings von der syrischen Armee und
ihren Verbündeten gekappt. Die Tunnel gehörten ursprünglich zu einem
weitverzweigten unterirdischen Wasserversorgungssystem des Barada-Flusses, der
die östliche Ghouta bewässert.

Basierend auf Berichten von Bewohnern, deren Ehemänner und/oder Söhne
verschwanden oder von den Kampfverbänden entführt wurden, mussten Gefangene und
Geiseln die unterirdischen Tunnelanlagen ausbauen und befestigten, so dass man
heute von einer unterirdischen Stadt in Teilen der östlichen Ghouta spricht. Die
Tunnelsysteme dienen als "Schutzräume" vor Angriffen der syrischen Armee,
gleichzeitig wurden durch die Tunnel einige der schwersten Anschläge auf die
syrischen Streitkräfte verübt.

Die Kämpfer der beschriebenen Gruppen bilden gemeinsam ein Heer von mehreren
Tausend Gotteskriegern. Wiederholte Verhandlungen über deren Abzug blieben
erfolglos. Ein im Sommer 2017 vereinbarter Waffenstillstand und die Einstufung
der östlichen Vororte von Damaskus als "Deeskalationsgebiet" scheiterten,
nachdem von den o.g. Gruppen im September und im Dezember 2017 - durch die
Tunnelsysteme - zwei schwere Anschläge auf die syrischen Streitkräfte mit weit
über 100 Toten verübt worden waren.
##

Der an den Verhandlungen um das "Deeskalationsgebiet" und den Waffenstillstand
beteiligte syrische Minister für nationale Versöhnung, Ali Haidar, erklärte
nach den Anschlägen, die Kampfverbände hätten offensichtlich kein Interesse an
einem Waffenstillstand. Man bleibe dafür offen, sehe allerdings wenig Chancen
für ernsthafte Vereinbarungen.

Hunderte syrische Soldaten, Regierungsbeamte und deren Angehörige werden von
den o.g. Gruppen als Geiseln gehalten.
In den vergangenen sieben Wochen wurden
aus den Gebieten der östlichen Ghouta mehr als 1500 Granaten und Raketen auf
Wohnviertel in Damaskus gefeuert. Dutzende Menschen starben, Hunderte wurden
verletzt.

Die Türkei, westliche und Golfstaaten haben seit 2011 den bewaffneten Aufstand
in den östlichen Vororten von Damaskus unterstützt.
Bei einem Putschversuch im
Sommer 2012 drangen Kampfverbände weit ins Zentrum von Damaskus ein, wurden
aber wieder zurückgeschlagen.

Das Ziel war ursprünglich, die Aufständischen aus der östlichen Ghouta nach
Damaskus einmarschieren zu lassen, um die Regierung zu stürzen. Heute
kontrollieren die Kampfgruppen noch ein Gebiet von ca. 100km². Das gesamte
Gebiet von Damaskus und Umland (Rif) umfasst 18.000 km².


Der Kampf um Afrin und das Euphrat-Tal

Die Lage im Norden Syriens wird aktuell von zwei Fronten bestimmt.

Im Westen von Aleppo https://de.wikipedia.org/wiki/Aleppo , in
und um die Kleinstadt Afrin https://de.wikipedia.org/wiki/Afrin
, haben die türkischen Streitkräfte mit dschihadistischen Verbündeten eine
Offensive gegen die kurdische Selbstverwaltung der angestrebten "Demokratischen
Föderation Nordsyrien" gestartet
. Die Türkei gibt an, sich gegen kurdische
Terroristen verteidigen zu müssen. Der vom UN-Sicherheitsrat geforderte
Waffenstillstand wird von Ankara ignoriert.


Bereits im Sommer 2016 waren türkische Truppen mit dschihadistischen
Verbündeten nördlich von Aleppo nach Syrien einmarschiert und hatten dort
zwischen den Städten Azaz, Al Bab und Jarabulus eine "Sicherheitszone" gegen
das Vordrängen der kurdisch geführten "Syrischen Demokratischen Kräfte" (SDK)
markiert.


Besonders irritiert zeigte sich Ankara über die Haltung des NATO-Verbündeten
USA, dessen Streitkräfte seit 2014 (seit dem Kampf um Kobane/Ain al Arab) mit
den kurdischen Volksverteidigungskräften YPG/YPJ im Nordosten Syriens
kooperieren.


Washington bewaffnet die kurdischen Einheiten und bildet sie aus und bezeichnet
sie als "Partner der Anti-IS-Koalition" im Kampf gegen den "Islamischen Staat"
(IS).


Da der IS weitgehend zerschlagen ist, könnte die USA sich aus Syrien
zurückziehen, doch
US-Außenminister Rex Tillerson verkündete Mitte Januar 2018
die neue US-Strategie für Syrien.

Danach werden die US-Streitkräfte in den Gebieten nordöstlich des Euphrat in
Syrien bleiben, um a) ein Wiederauferstehen des IS zu verhindern, b) den
Einfluss des Iran zurückzudrängen und c) die syrische Zivilgesellschaft zu
unterstützen, um das Land, nach dem Sturz von Präsident Assad, neu aufzubauen.

Um diesen Plan umzusetzen, soll eine 30.000 Mann (und Frau) starke
Grenzschutztruppe aufgebaut werden, wofür das Weiße Haus bereits 4 Milliarden
US-Dollar pro Jahr bewilligt hat. Programme für die Stärkung der syrischen
Zivilgesellschaft sind darin ebenso enthalten wie weitere Bewaffnung und
Ausbildung.

Die USA und ihre Partner kontrollierten nordöstlich des Euphrats 30 Prozent des
syrischen Territoriums, so Tillerson vor Journalisten in Kuwait. Man kontrolliere
die darin lebende Bevölkerung ebenso wie einen Großteil der syrischen Öl- und
Gasvorkommen.
Das sei ausreichend, um auf die Genfer Gespräche über die Zukunft
Syriens Einfluss zu nehmen.

Um diesem Plan Nachdruck zu verleihen, wurden wiederholt syrische Truppen und
verbündete paramilitärische Kräfte aus Russland und Iran von Kampfflugzeugen
der US-geführten Anti-IS-Allianz angegriffen, sobald sie versuchten, den
Euphrat zu überqueren und die staatliche syrische Kontrolle syrischer Gas- oder
Ölförderanlagen zu sichern.


Die USA und ihre Verbündeten - Großbritannien, Frankreich, Deutschland
inklusive - wollen Syrien entlang des Euphrat-Tals zerteilen.


20 US-Militärbasen und -flughäfen wurden in den Gebieten östlich des Euphrats
errichtet, um die auf lange Zeit angelegte Besatzung (Tillerson: Wir haben Zeit)
durchzusetzen. Die kurdischen Volksverteidigungskräfte werden weiterhin
militärisch und finanziell unterstützt. Die syrischen nationalen Gas- und
Ölressourcen werden besetzt, die syrische Bevölkerung de facto als Geiseln
genommen.

Für Ankara ist das Vorgehen der USA unakzeptabel, daher die Invasion gegen
Afrin und die Drohung, weitere Gebiete im Nordosten von Aleppo - allerdings nur
westlich des Euphrat - zu besetzen Euphrat - zu besetzen. Die Unterstützung
kurdischer Kräfte, die Ankara als Staatsfeind Nummer Eins ansieht, wird als
massiver Affront des NATO-Partners USA angesehen. Ein militärischer Konflikt
zwischen den beiden NATO-Staaten auf syrischem Territorium ist nicht
ausgeschlossen.

Die direkten Nachbarländer Syriens, der Libanon, Türkei und Irak wollen eine
Aufteilung Syriens verhindern, ebenso Russland und der Iran, die mit der
syrischen Regierung und Armee verbündet sind
.
Die Syrer haben mit mehr als 2500
lokalen Waffenstillständen ihren Wunsch nach Frieden und Wiederaufbau ihres
verwüsteten Landes deutlich manifestiert. Die USA allerdings verfolgt andere
Pläne und Washington hat seine Partner entsprechend informiert und instruiert.

Syrien soll zerschlagen werden, um dessen Bündnispartner Russland und Iran
ebenso wie die libanesische Hisbollah zu schwächen.


Dem Protokoll eines Treffens der "Kleinen Syriengruppe", zu der die USA Anfang
Januar 2018 zunächst Großbritannien, Frankreich, Jordanien und Saudi Arabien
nach Washington eingeladen hatte, ist zu entnehmen, dass der Druck auf Russland
aufrechterhalten oder auch erhöht werden soll, um den US-Plan umzusetzen
(libanesische Tageszeitung Al Akhbar, 22.2.2018).

Dafür sollen UNO-Einrichtungen, auch der UN-Sonderbeauftragte für Syrien,
Staffan De Mistura angewiesen werden.


Sollte Moskau sich weigern, den US-Forderungen "an das syrische Regime"
nachzugeben, werde man weitermachen, wie man bereits begonnen habe (Druck auf
Moskau auszuüben): "Die humanitäre Lage in Syrien und die russische
Komplizenschaft bei den Luftangriffen" sollen angeprangert werden.

Bis zu den Präsidentschaftswahlen in Russland habe man noch viele
Möglichkeiten, den Druck auf Russland und den Kreml zu erhöhen.


Quelle: http://www.nachdenkseiten.de/?p=42716
<http://www.nachdenkseiten.de/?p=42716>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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