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Klimwandel - Quecksilber, die Bombe im Eis

in Aus der Welt der Wissenschaft 23.03.2018 13:17
von franzpeter | 9.719 Beiträge

SZ 23. März 2018

Klimwandel

Die Bombe im Eis

Durch den Klimawandel und das Auftauen können große Mengen an toxischem
Quecksilber in die Nahrungskette gelangen.


- Laut Messungen von Forschern lagern im Eisboden der nördlichen Hemisphäre
zwischen 330 000 und 800 000 Tonnen Quecksilber.


- Noch ist das Gift im Eis eingeschlossen, doch wenn die Böden durch die globale
Erwärmung auftauen, könnten große Mengen freigesetzt werden.

- Das Quecksilber könnte über Grundwasser und Flüsse in die Meere und damit in
die Nahrungskette der Meeresbewohner und schließlich der Menschen gelangen.



Von Susanne Götze

Permafrostböden, hier in Kanada, bedecken ein Viertel der Landfläche. (Foto:
Michael Fritz/dpa)

Als Paul Schuster begann, im Eis von Alaska zu bohren, hielten ihn seine
Kollegen für verrückt. Der Klimaforscher hatte einen Verdacht - und wollte
Gewissheit. Nach acht Jahren mühsamer Suche und 588 Eiskernproben später
erschrak der Hydrologe dann selbst über seinen Fund: "Wir waren entsetzt über
unsere eigenen Datensätze."

Die Ergebnisse seiner Messreihen sind tatsächlich beunruhigend: In den
Permafrostgebieten der Erde ist doppelt so viel Quecksilber gespeichert wie in
allen anderen Böden und der Atmosphäre zusammen.

Bisher waren die Forscher nur von geringen Konzentrationen des Schwermetalls in
der Arktis ausgegangen. Noch ist das Gift im Eis eingeschlossen, doch wenn die
Böden durch die globale Erwärmung auftauen, könnten große Mengen freigesetzt
und zum toxischen Methyl-Quecksilber werden. "Die Permafrostböden sind die
weltgrößte Senke von Quecksilber", fasst der Hydrologe seine Ergebnisse
zusammen.

Laut den Messungen lagern mindestens 330 000 Tonnen und maximal etwa 800 000
Tonnen im Eisboden der nördlichen Hemisphäre. Zum Vergleich: Besorgt ist das
Umweltprogramm der Vereinten Nationen schon über die 2000 Tonnen, die jährlich
durch Industrie und Energiewirtschaft ausgestoßen werden.

Würde der Vorrat in den Permafrostböden freigesetzt, käme nach und nach
mindestens die 150-fache Menge des Schwermetalls frei.

Erst im vergangenen Jahr trat das Minamata-Übereinkommen der UN
https://de.wikipedia.org/wiki/Minamata-%C3%9Cbereinkommen
<https://de.wikipedia.org/wiki/Minamata-%C3%9Cbereinkommen> in
Kraft, durch das die Staaten die menschengemachten Quecksilber-Emissionen
beispielsweise infolge der Kohleverbrennung eindämmen sollen. Hohe Dosen
Methyl-Quecksilber können das Nervensystem schädigen, zu
Lähmungserscheinungen und zum Tod führen.

Am Ende könnte es bedenklich werden, überhaupt noch Fisch oder Meerestiere zu
essen

Seit den 1990er Jahren forscht Schuster für den Geologischen Dienst der USA
(USGS) über historische Quecksilberablagerungen in Böden. Durch den Bergbau
setzten Menschen schon in antiken Zeiten große Mengen frei. Hinzu kommen
Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüche, die das Schwermetall aus der Erde in die
Atmosphäre schleudern. Einmal in die Luft geblasen, sinken die Partikel dann
wieder auf Böden und in Gewässer und werden von Tieren und Pflanzen
aufgenommen. Auf diesem Weg gelangt Quecksilber auch in menschliche Nahrung,
beispielsweise gelten vor allem Fisch und Meerestiere als besonders belastet.

Durch diesen globalen Quecksilberkreislauf könnte das Gift aus der Arktis auch
in Lebensmitteln in Deutschland landen. Die zusätzliche Belastung durch den
Metallaustrag aus den getauten Permafrostböden könnte gar dazu führen, dass
es bedenklich und gefährlich wird, Fisch zu essen. "Alles landet am Ende im
Meer", sagt Schuster.

Das durch den tauenden Boden mobilisierte Quecksilber brauche etwa zwei Jahre,
um über Grundwasser und Flüsse in die Meere und damit in die Nahrungskette der
Meeresbewohner und schließlich der Menschen zu gelangen. "Weltweit leben allein
drei Milliarden Menschen nur vom Fischfang - das wäre eine Katastrophe", so der
Forscher.


In der Arktis kommt aufgrund atmosphärischer Reaktionen besonders viel
Quecksilber an

Anfangs ging es dem Forscherteam um Schuster nur darum zu untersuchen, auf welche
Weise sich das Schwermetall über Jahrhunderte im Boden eingelagert hat - je nach
Vegetation und klimatischen Verhältnissen. Sie entdeckten, dass sich die
Quecksilberteilchen in den vergangenen 10 000 bis 20 000 Jahren im Sommer auf der
aufgetauten Oberfläche des arktischen Bodens auf Pflanzen und Tieren
ansammelten. Mit jedem Winter wurden die Partikel dann in eine Eisdecke
eingeschlossen. "Diese Schichten konnten wir Jahrtausende zurückverfolgen."

Sie erklären auch die hohe Menge des toxischen Metalls: "Weil die Arktis von
Tieren und Menschen kaum bevölkert ist, blieb das Quecksilber auf dem Boden und
wurde dann unter dem Eis eingeschlossen." In der Arktis kommt zudem aufgrund
atmosphärischer Reaktionen besonders viel Quecksilber an, vermutet Schuster.
Nach dieser Entdeckung befürchtet der Wissenschaftler nun, dass die Mengen sogar
noch weitaus größer sein könnten.

Seiner Studie liegen nur Proben aus Alaska zugrunde. Nach den spektakulären
Ergebnissen und der Aufmerksamkeit, die seine Ergebnisse vor allem in den USA
erregt hat, will er nun auch in Sibirien und Grönland Proben nehmen.

Permafrostböden sind dort zu finden, wo die Jahresdurchschnitts-Temperatur
minus ein Grad Celsius und die Jahresniederschlagsmenge 1000 Millimeter nicht
übersteigen. Die größten Permafrostgebiete liegen in Russland, Kanada, Alaska
und Grönland - insgesamt umfassen sie ein Viertel der gesamten Landfläche der
Erde. Der Boden ist in diesen Regionen teils hunderte Meter tief durchgefroren.


Klimaforscher sind sich einig, dass durch den Anstieg der globalen Temperaturen
weite Teile des Eisbodens tauen und zu Schlammwüsten werden könnten. In
einigen Teilen Russlands und Grönlands hat die große Schmelze bereits
begonnen.


"Wie schnell der Permafrost taut, hängt davon ab, wie viel wir für den
Klimaschutz tun", meint Schuster. Kaum jemand könne abschätzen, wie robust das
arktische Ökosystem ist. "Die Wissenschaft ist sich allerdings einig, dass mit
jedem Grad mehr Flächen betroffen sind.
"



Quelle:
http://www.sueddeutsche.de/wissen/klimaw...frost-1.3913661
<http://www.sueddeutsche.de/wissen/klimawandel-quecksilber-permafrost-1.3913661>

Anmerkung:
Bevor wir also ertrinken (Holland etc.) bzw. verhungern (Klima), werden wir durch Quecksilber vergiftet werden (https://de.wikipedia.org/wiki/Minamata-Krankheit
Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, später Ataxie, Lähmungen, Psychosen, in schweren Fällen Koma. Die Krankheit endet nicht selten tödlich. wikipedia)


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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