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#1

Mark Zuckerberg sagt, wir seien alle Idioten.

in Aus der Welt der Wissenschaft 15.04.2018 21:26
von franzpeter | 9.689 Beiträge

*Unsere Daten liegen wie auf dem Wühltisch. *Vor dem US-Kongress weicht
Facebook-Boss Zuckerberg den brisanten Fragen zum Facebook-Skandal aus. Wir
wollen ihn in Europa haben, damit wir echte Antworten bekommen.
Jetzt Unterschreiben! [1]

Lieber Peter Schaffarth,

*"Sie 'vertrauen mir' ...dumme Idioten."* So redete Mark Zuckerberg, Chef
von Facebook, im Jahr 2004.
[1]

*Als Zuckerberg diese Woche vor dem US-Kongress über die Einflussnahme auf
die Wahlen aussagte*, da hat er freundlichere Worte gefunden. *Seine
Einstellung jedoch ist offensichtlich immer noch dieselbe. *

Er wurde befragt, auf welche Weise Facebook daran beteiligt war, den
Ausgang der US-Präsidentschaftswahl und vom Brexit zu beeinflussen. Er
sollte erklären, wie sehr er Datenschutz missachtet.* Seine Antworten
wirkten bisweilen perfekt einstudiert und oberflächlich, manchmal gar
herablassend.*[2]

Wir sind darüber erschrocken, wie Facebook mit unseren persönlichen Daten
umgeht. Aber unser neues Wissen verleiht uns auch Macht. Und das wollen wir
jetzt nutzen, um unsere Privatsphäre und unsere persönlichen Daten besser
zu schützen. *Wir wollen private Unternehmen dauerhaft davon abhalten,
Wahlergebnisse zu manipulieren.*

*Weltweit schauen die Menschen auf den Facebook-Skandal.* Dass Zuckerberg
vom US-Kongress zu Rede gestellt wurde, ist dem öffentlichen Druck zu
verdanken. Einige Mitglieder des Europäischen Parlaments fordern jetzt,
dass Zuckerberg auch in Europa Rede und Antwort stehen muss.[3] Es liegt
nun an uns, eine Vorladung durchzusetzen. *Zuckerberg soll spüren, dass
wir echte Antworten wollen.*


*Fordern Sie mit uns, dass Mark Zuckerberg in Europa befragt wird! [1]*

*Der Facebook-Skandal hat gezeigt, dass Ihre Daten quasi auf dem
Ramschtisch angeboten werden *- Ihr aktueller und alle vergangenen
Standorte genauso, wie die Produkte, die Sie kaufen, bis hin zu den
Gruppen, denen Sie angehören. [4]


Es ist inzwischen bekannt, dass die Agentur *Cambridge Analytica*, sich
mittels einer App und gegen Bezahlung an Facebook solche Informationen von
über 87 Millionen Menschen verschafft hat. Cambridge Analytica ist darauf
spezialisiert, psychografische Profile von Menschen wie Ihnen und mir zu
erstellen.[5] Mit unseren Daten, können sie uns mit gezielten Botschaften
beeinflussen. Cambridge Analytica hatte das Ziel, *Millionen davon zu
überzeugen, für Trump zu stimmen. Sie werden auch mit der denkbar knappen
Entscheidung für den Brexit in Verbindung gebracht.*[6]


*Facebook *war nicht einfach nur unvorsichtig beim Datenschutz, *sondern
wusste schon über zwei Jahre Bescheid und unternahm nichts.* Anstatt sich
auf das vorsätzliche Fehlverhalten von Cambridge Analytica zu
konzentrieren und die eigenen Datenschutzstandards zu prüfen, drohte
Facebook damit, den Guardian zu verklagen, falls dieser diese Informationen
veröffentlichen sollte. [7]


Die Anhörung Mark Zuckerbergs vor dem US-Kongress war ein weiterer Beweis
für die Verhöhnung der Demokratie
- *und es gibt keinen Hinweis darauf,
dass es Konsequenzen für seinen unvorsichtigen Umgang mit unseren Daten
geben wird*.

Wir als Europäer haben noch immer nicht die Antworten erhalten, die uns
zustehen. Mark Zuckerberg musste nicht der harten Befragung
gegenüberstehen, die er verdient. Gemeinsam können wir das ändern.


*Fordern Sie mit uns, dass Mark Zuckerberg in Europa befragt wird! [1]*

Es mag so aussehen, als würde Ihre einzelne Unterschrift keinen
Unterschied machen, aber das stimmt nicht. *Der Erfolg unserer Bewegung
hängt genau davon ab - wir sind die Summe von Unterschriften von Leuten
wie Sie und ich.
*Wenn Sie nicht unterschreiben und ich nicht
unterschreibe, dann sinkt unsere Chance, einen Wechsel herbeizuführen.
Also bitte, nehmen Sie sich eine Minute Zeit und schließen Sie sich uns
an, um unsere Demokratie und unsere Privatsphäre zu schützen.

Wir grüßen aus vielen Teilen Europas

Jörg Rohwedder (Lübeck)
Virginia López Calvo (Madrid)
Julia Krzyszkowska (Warschau)
Fernando Vasco Chironda (Bologna)
Mika Leandro (Bordeaux)
David Schwartz (Brüssel)
für das gesamte *WeMove.EU-Team [2]*

PS: Zuckerberg wurde nach Großbritannien eingeladen, um auf die Befragung
vor britischen Abgeordneten zu antworten. Diese Einladung hat er jedoch
abgelehnt
.[8] *Gemeinsam können wir sicherstellen, dass er sich einem
Verhör in Europa nicht entziehen kann.* *Unterschreiben Sie jetzt!* [1]

Referenzen

[1] Frankfurter Allgemeine Zeitung: Netzwerk löscht persönliche
Nachrichten von Zuckerberg,
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...63&qid=89068166
[2] ZEIT online: Zwischen Zuckerbergs Zeilen,
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...64&qid=89068166
[3] tagesschau.de: EU drängt Zuckerberg zur Aussage,
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...65&qid=89068166
[4]
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...66&qid=89068166
[5]CRN: Facebook-Datenskandal größer als angenommen,
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...67&qid=89068166
[6] ZEIT online: Facebook-Whistleblower soll über Brexit informieren,
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...68&qid=89068166
[7]
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...69&qid=89068166
[8] SPIEGEL online: Zuckerberg lässt sich entschuldigen,
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...70&qid=89068166


WeMove.EU [3] ist eine Bürgerbewegung, die sich für ein besseres Europa
einsetzt; für eine Europäische Union, die sich sozialer Gerechtigkeit
verpflichtet fühlt; die für ökologische Nachhaltigkeit und bürgernahe
Demokratie steht. Wir sind Menschen unterschiedlicher Lebensläufe,
Kulturen und Religionen, die Europa ihr Zuhause nennen – egal, ob wir in
Europa geboren wurden oder anderswo. Wenn Sie sich aus unserem Verteiler
austragen möchten, klicken Sie bitte hier [4].

WeMove.EU finanziert sich aus Spenden unserer Unterstützer aus ganz
Europa. Wir würden uns freuen, wenn Sie unsere unabhängige Arbeit
finanzieren helfen. Spenden [5]

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WeMove Europe SCE mbH | Planufer 91 Berlin | www.wemove.eu/de [3]
|
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Links:
------
[1]
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...55&qid=89068166
[2]
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...56&qid=89068166
[3]
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...57&qid=89068166
[4]
https://www.wemove.eu/de/civicrm/mailing...0c4b0ea9e2be5df
[5]
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...58&qid=89068166
[6]
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...59&qid=89068166
[7]
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...60&qid=89068166
[8]
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...61&qid=89068166
[9]

Anmerkung:
Gut,dass ich mich bereits vor Jahren von Facebook abgemeldet habe.
Aus heutiger Sicht sind tatsächlich alle Facebook Fans "***", da hat Zuckerberg irgendwie wohl Recht.


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#2

Mark Zuckerberg: "Alles nur Blablabla"

in Aus der Welt der Wissenschaft 23.05.2018 08:27
von franzpeter | 9.689 Beiträge

Mark Zuckerberg: "Alles nur Blablabla"
Eike Kühl vor 1 Std.

Die Fraktionschefs im EU-Parlament haben Facebook-Chef Mark Zuckerberg zum Datenskandal gehört. Das Ganze war eine Farce, aber das lag nicht an den Fragen der Politiker.


Vielleicht hatte es einen einfachen Grund, weshalb Facebook-Chef Mark Zuckerberg letztlich doch einwilligte, das Treffen mit den Fraktionsspitzen des Europäischen Parlaments öffentlich zu machen. Anstatt jedem Abgeordneten Frage und Antwort zu stehen wie vor dem US-Kongress, formulierten die europäischen Vertreter und Vertreterinnen am Dienstagabend in Brüssel alle ihre Fragen nacheinander. Erst am Ende, als planmäßig nur noch 15 Minuten übrig waren, gab Zuckerberg einige ausgewählte Antworten. Dieses Format habe der Präsident des EU-Parlaments, Antonio Tajani, Facebook zugesichert, twitterte der Grünen-Sprecher Sven Giegold. Und natürlich half es Zuckerberg, unbequemen Fragen einfach auszuweichen.

Das Ergebnis war eine bemerkenswerte, ja bizarre Veranstaltung. Ein Dutzend Abgeordnete aller Fraktionen hatten jeweils etwa fünf Minuten Zeit, ihre Fragen zu stellen. Zuckerberg schrieb fleißig mit, fragte sogar einmal höflich nach, und beantwortet am Ende in 30 Minuten – fast nichts. Zumindest nichts, was er nicht schon vorher fast wortgetreu gesagt hätte. Nachfragen? Keine Chance. Stattdessen beendete Zuckerberg das Treffen praktisch selbst mit einer aus dem US-Kongress nur allzu bekannten Phrase: "Wir liefern den Rest schriftlich nach."

Das Europarlament hat sich mit dem ungewöhnlichen Format einen Bärendienst erwiesen. Wochenlang hatten sich die Vertreter darum bemüht, Zuckerberg nach Europa einzuladen. Er sollte noch einmal vor den europäischen Politikern erklären, wie der Datenskandal um Cambridge Analytica zustande kam, welche Änderungen Facebook im Hinblick auf die Datenschutz-Grundverordnung trifft, die am Freitag in Kraft tritt, und wie es eigentlich seine eigene Verantwortung sieht. "Wir brauchen neue Regeln für soziale Netzwerke", sagte Tajani in seinem Eingangsstatement.

Muss Facebook zerschlagen werden?
Im Gegensatz zu den US-amerikanischen Abgeordneten, die in langwierigen zehn Stunden Anhörung vor allem ihr eigenes Unwissen preisgaben, waren die europäischen Abgeordneten besser vorbereitet. Bis auf einige schiefe literarische Vergleiche und die Behauptung des EU-Skeptikers Nigel Farage, Facebooks Algorithmus unterdrücke konservative Stimmen, bezogen sich viele Fragen auf wichtige Aspekte.
Guy Verhofstadt von der liberalen Fraktion ALDE etwa ging auf das Thema Regulierung ein. Zuckerberg habe sich in den vergangenen Jahren schon bestimmt 15-mal öffentlich entschuldigt. Man müsse sich deshalb fragen, ob er überhaupt noch die Kontrolle über sein Unternehmen habe und ob die von ihm häufig genannte Selbstregulierung funktioniere. "Auch die Banken haben in der Finanzkrise gesagt, sie würden sich selbst regulieren, was sie aber nicht getan haben", sagte Verhofstadt. Er wollte außerdem wissen, ob Facebook mit den europäischen Wettbewerbsrichtern kooperieren würde – und ob es eine Option sei, etwa Facebook und den Messenger oder Instagram aufzuteilen, sprich Facebook zu zerschlagen.

Das ist nicht so weit hergeholt wie es klingt. Anders als in den USA hat die EU ein weitaus strengeres Wettbewerbsrecht, was in den vergangenen Jahren vor allem amerikanische Technikunternehmen zu spüren bekamen. Nach hohen Strafen für Google und Microsoft musste im vergangenen Jahr auch Facebook 110 Millionen Euro zahlen weil sich die EU von der Übernahme des Messengers WhatsApp getäuscht sah. Die amtierende EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager gilt als harte Kritikern der Technikkonzerne und eine Regulierung in Europa könnte Facebook empfindlich treffen.

Zuckerberg wich den konkreten Fragen aus: "Ich glaube, die Frage ist nicht, ob man regulieren sollte oder nicht. Sondern, wie man es richtig macht". Er sehe auch weiterhin Facebook nicht als Monopol, denn gefühlt jeden Tag entstünden neue Konkurrenten mit Millionen Nutzern. Facebook müssen sich deshalb immer weiter entwickeln.

Der Brite Syed Kamall wollte mehr über sogenannte Schattenprofile erfahren: Jene Datensammlungen von Menschen, die gar kein Facebook-Konto haben, aber etwa über Werbetracker und Cookies trotzdem von Facebook erfasst werden. "Ist der einzige Weg, Facebook zu entkommen, das Internet komplett zu vermeiden", fragte der Abgeordnete.

Schon vor dem US-Kongress versuchte Zuckerberg, dieses Thema möglichst zu vermeiden. Man müsse Daten auch von Nicht-Nutzern aufzeichnen, "um die Sicherheit der Facebook-Nutzer zu garantieren", sagte er nun in Brüssel denkbar knapp auf Nachfrage des Grünen-Datenschutzexperten Jan Philipp Albrecht und wirkte dabei für einen Moment auffällig nervös. Man hätte sich gewünscht, die Abgeordneten hätten noch die Chance für Nachfragen gehabt. Denn Schattenprofile sind auch vor dem Hintergrund der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ein brisantes Thema: Wie soll Facebook die Einstimmung zur Datenverarbeitung von Nutzern einholen, die gar nicht auf seiner eigenen Seite unterwegs sind?
DSGVO, alles kein Problem

Die DSGVO war ein dritter großer Themenkomplex. Der deutsche Sozialdemokrat Udo Bullman wollte wissen, ob Facebook die neuen Regularien umsetze. "Facebook wird ab dem 25. Mai DSGVO-konform sein", sagte Zuckerberg. Schon in den vergangenen Monaten hätte das Netzwerk entsprechende Änderungen getroffen.

Weitaus interessantere Fragen, etwa ob Facebook gemäß der DSGVO seinen Nutzern bei Datenmissbrauch Schadensersatz zahle, blieben dagegen unbeantwortet. Auch Albrechts Frage, ob Zuckerberg garantiere könne, die Daten von Facebook und WhatsApp nicht zusammenzuführen, umging der Firmenchef. Dabei dürfte die geplante Einführung von Werbung in WhatsApp noch zu großen Diskussionen führen und möglicherweise neben Datenschützern auch Wettbewerbshüter alarmieren.
Die Fragen sagten mehr als die Antworten

Auf alle weiteren Fragen, etwa zur Bekämpfung von Bots und Hasskommentaren, griff Zuckerberg auf seine vorgestanzten Antworten zurück. Man nutze neue Technologien wie künstliche Intelligenz, stelle mehr Personal ein und nehme die Gefahr von Wahlmanipulationen sehr ernst. Was Cambridge Analytica angehe, so habe man inzwischen stärkere Kontrollen für den Datenzugriff durch Dritte eingeführt. Es sei aber denkbar, dass noch andere Apps in der Vergangenheit übermäßigen Datenzugriff hatten. Das müssten weitere Untersuchungen klären.

Immerhin bleibt die Erkenntnis, dass Facebook in der europäischen Union ein stärkerer Wind entgegen bläst als in den USA. Die Fragen der Abgeordneten waren allerdings aussagekräftiger als Zuckerbergs Antworten. Schließlich enthielten sie Hinweise darauf, was in den kommenden Monaten und Jahren noch auf das soziale Netzwerk zukommen könnte.


Umso unverständlicher ist die Entscheidung des Parlamentspräsidiums, Zuckerberg selbst auswählen zu lassen, welche Fragen er beantwortet und welche er ignoriert. Selbst die Fraktionsspitzen konnten das nicht nachvollziehen und reagierten zum Abschluss ungehalten: "Ich habe ihnen sechs Ja-oder Nein-Fragen gestellt und nicht eine Antwort erhalten!", klagte der Grüne Philippe Lamberts. "Alles nur Blablabla" konnte man seinen Kollegen Guy Verhofstadt noch sagen hören, bevor der Livestream endete. Es war eine treffende Zusammenfassung.

Quelle: MSN


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#3

RE: Mark Zuckerberg: "Alles nur Blablabla"

in Aus der Welt der Wissenschaft 23.05.2018 13:46
von franzpeter | 9.689 Beiträge

Zuckerberg vor dem EU-Parlament
Ein Desaster vor allem für Facebook
Vor dem EU-Parlament hat Mark Zuckerberg den PR-Kampf wohl gewonnen. Inhaltlich sieht es allerdings anders aus: Der Facebook-Chef hat die Macht der EU unterschätzt. Das kann teuer werden.

Eine Kolumne von Sascha Lobo

Mittwoch, 23.05.2018 12:58 Uhr
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Kolumne
Mark Zuckerberg wurde von EU-Parlamentariern befragt. Das Format erschien unglücklich, unter den Echtzeitexperten auf Twitter und den meisten Journalisten herrscht die Meinung vor: ein Debakel, die EU hat sich blamiert. Meine Einschätzung ist eine diametral andere.


Natürlich legte sich eine mehltauhafte Schicht der Blamage über das Event. Aber das ist oft so, wenn das umständliche Prozedere der EU-Bürokratie auf die aufmerksamkeitsökonomische Öffentlichkeit trifft. Echte, harte, demokratisch zähe Politik ist ohnehin schwierig vermittelbar. Und es ist ein Problem, dass die einzige Institution, die sich schlechter vermarktet als die EU, der Berliner Flughafen sein dürfte.
Aber das hat nur den Blick auf das wahre Debakel verstellt.
Die Anhörung war ein Desaster für Facebook. Zuckerberg hätte kaum eine bessere Vorlage liefern können für eine aggressive Regulierung durch die EU. In einer Mischung aus Nichtantworten, Ausweichen und "Keine Zeit"-Gebaren ist nicht nur eine Missachtung des EU-Parlaments offenbar geworden. Zuckerberg hat auch bewiesen, dass er die Konfrontation noch immer als PR-Kampf sieht.
Diesen Teil des Kampfs hat er in der Tat gewonnen, aber er hat in dramatischer Weise die Macht der EU unterschätzt. Deshalb wird fast zwingend früher oder später ein Exempel an Facebook statuiert werden. Leider eignen sich die meisten, gravierenden Probleme mit Facebook kaum dazu, als Großexempel behandelt zu werden. Sie sind fast alle komplex und vertragen keine Holzhammerregulierung. Die Notwendigkeit sowohl zur Regulierung wie auch zur Differenzierung lässt sich an drei konkreten Punkten aus der Anhörung erklären:
1. Micro-Targeting

"Werden Sie Nutzern erlauben, 'targeted advertising' abzustellen?" Diese Frage wurde in verschiedenen Variationen gestellt, sie bezieht sich vor allem auf Micro-Targeting, also Werbung für sehr spezielle Nutzergruppen, genau darum ging es auch beim Cambridge-Analytica-Skandal. Eine Antwort hat Zuckerberg nicht gegeben, aber sie lautet: Nein. Denn genau das ist die Essenz des Geschäftsmodells von Facebook.


Das Thema ist wesentlich vielschichtiger als es scheint. Zum Beispiel hört sich verstörend an, dass Facebook die Wahrscheinlichkeit einer Krebsbetroffenheit abschätzen kann und genau in diesem Sinn Werbung erlaubt. Allerdings könnte ein schlichtes Verbot für die Betroffenen desaströs wirken. Eva Schumacher-Wulf hat das Magazin "Mamma Mia!" gegründet, es versteht sich als Interessenvertretung von Menschen mit Brustkrebs. Sie sagt: "Wir haben wenig Budget, deshalb ist es wichtig, in unserer Kommunikation keinen allzu großen Streuverlust zu haben. Somit ist für uns das hilfreich, was häufig kritisiert wird." Sie hat mit Micro-Targeting zu einem der delikatest denkbaren Themen eine Gemeinschaft von 20.000 Menschen aufgebaut.
Die falsche Regulierung oder gar das Verbot von Micro-Targeting, was auch schon als "Lösung" für das Cambridge-Analytica-Problem gehandelt wird, droht enorm kontraproduktiv zu werden. Gerade in Bereichen, die so plakativ regulierbar erscheinen: Targeting für Krebskranke, OMG! Natürlich kommt Werbebudget-Konkurrenten, etwa klassischen Medien, eine Beschränkung der Fähigkeiten der Digitalkonzerne sehr entgegen. Aber faktisch lassen sich viele Zielgruppen fast ausschließlich durch Micro-Targeting erreichen, und dabei geht es eben nicht nur um sinnlose Quatschprodukte. Mit seinen Nicht-Erklärungen und seinem völligen Versagen auf die Nachfragen zur Datenspeicherung von Nichtnutzern (Stichwort "Schattenprofile") hat Zuckerberg begünstigt, dass die Regulierung zum Micro-Targeting bitter undifferenziert ausfallen wird.

2. Hetze und Zensur

Eine der schlimmsten Figuren des Parlaments, die Brexit-Hupe Nigel Farage, war enttäuscht: "Politische Ansichten rechts der Mitte" würden seit Jahresanfang irgendwie zensiert. Die klassische Opferpose der Rechten und Rechtsextremen. In der Antwort von Zuckerberg aber verbarg sich ein bisheriges und auch künftiges Drama: "Wir haben und werden niemals Entscheidungen über erlaubte Inhalte [...] treffen anhand politischer Orientierung."

Das ist objektiv falsch, und es muss auch objektiv falsch sein. Man muss schon eine merkwürdige Vorstellung haben von "politischer Orientierung", um implizit zu behaupten, dass alle Politik okay sei. Und alles Verbotene deshalb keine Politik. Es handelt sich um eine argumentative Sackgasse, in die sich Facebook selbst manövriert hat. Wahrscheinlich, weil mit Trump in den USA regelmäßig menschenverachtender Dreck Teil offiziöser politischer Verlautbarungen ist. Da fährt man einfacher mit der Behauptung, Politik sei Politik und Hetze sei Hetze, das ließe sich in absoluten Begriffen trennen.

Leider ist eine Lösung notwendig, aber extrem komplex. Die EU wird eine Art europäisches Netzwerkdurchsetzungsgesetz anstreben; das jedoch war schon in Deutschland gut gemeint und schlecht gemacht. Bei der gegenwärtigen Dynamik der EU zwischen rechten und rechtsextremen Regierungskräften in Polen, Ungarn, Österreich, Italien - wird eine Meinungsregulierung ein Alptraum in jeder Hinsicht. Zuckerberg hat mit seinen ausweichenden Statements die Chancen darauf deutlich erhöht.

3. Monopol
Den für Facebook gefährlichsten Fehler hat Mark Zuckerberg beim Thema Monopol gemacht. Einer der mächtigsten Männer der EU, Manfred Weber (CSU), Fraktionsvorsitzender der konservativen Parteien, sagte: "Ich glaube an Märkte und Regeln, aber ich möchte auch alle Arten möglicher Monopole stoppen. Deshalb denke ich, es ist Zeit, die Zerschlagung des Facebook-Monopols zu diskutieren." Das ist vielsagend konkret. Auch Guy Verhofstadt, der Manfred Weber der liberalen Parteien, forderte die europäische Kartellbehörde auf, tätig zu werden.
Zuckerbergs Antwort war die gleiche wie für den US-Senat: "Wir existieren in einem sehr kompetitiven Raum, wo Menschen viele verschiedene Instrumente zur Kommunikation nutzen." Das ist strategische Irreführung, Verhofstadt verglich es mit einem Auto-Monopol, das sich mit dem Verweis auf Flugzeuge und Eisenbahnen rausredet. Hier ist essenziell, wer gefragt hat: Die wichtigsten Stimmen von Konservativen und Liberalen - eigentlich also diejenigen, die traditionell etwas konzernfreundlicher agieren als andere Parteien.

Aber Facebook lässt sich von Europa aus kaum zerschlagen. Deshalb wird die Monopol-Diskussion zunächst zu einer Entflechtungsdiskussion (Richtung WhatsApp und Instagram) und dann zu einer Frage der Strafe. Und hier, im Bereich des Kartellrechts, versteht Europa extrem wenig Spaß. Die höchste Strafe, die je von der EU verhängt wurde, bezog sich darauf. Sie war zehnstellig und wurde 2017 gegen Google verhängt. Solche Beträge schmerzen sogar Digitalkonzerne, und weil die EU ausdrücklich auf "Abschreckung" setzt, sind noch höhere Summen vorstellbar.
Die wichtigste Frage der Anhörung kam von Weber: "Können Sie mich überzeugen, Facebook nicht zu zerschlagen?" Ich kann nicht erkennen, dass Zuckerberg das gelungen ist, und bätschi, das wird teuer.

Fazit

Zuckerbergs Desaster liegt vermutlich begründet in der Diskrepanz zwischen amerikanischer, öffentlichkeitsfixierter und europäischer, prozessual geprägter Politik. Man sollte diesen Unterschied der Kontinente nicht für sich werten, beide haben ihre Vorzüge und Probleme. Aber man kann mit Instrumenten, die auf die amerikanische Politik zugeschnitten sind, keine EU-Operation nebenbei durchführen. Zuckerberg hat amerikanische Antworten auf europäische Fragen gegeben. Ein EU-Exempel kommt auf uns zu, es wird teuer für Facebook und trotzdem wird es dabei nur Verlierer geben.

"Ich habe sechs Ja-Nein-Fragen gestellt und keine einzige Antwort bekommen. Sie wollten dieses Format nicht ohne Grund", sagte ein Parlamentarier. Zuckerberg antwortete: "Ich werde sicherstellen, dass [...] Ihnen [schriftlich] die Antworten auf diese Fragen zugehen." Dann macht Zuckerberg mit beiden Händen eine irritierend gesprächsbeendende Geste. Er hat den PR-Teil gewonnen, glaubt er. Stimmt. Vielleicht denkt Zuckerberg, es sei jetzt vorbei. Ist es nicht.

Quelle: spiegel online


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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