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#1

Trump-Enthüllungsbuch von James Comey

in Aus der Welt der Wissenschaft 15.04.2018 21:38
von franzpeter | 9.173 Beiträge

spiegel.de 15. April 2018

Trump-Enthüllungsbuch von James Comey

Die Rache des Juristen

Das Buch des früheren FBI-Chefs James Comey trägt den Titel "Größer als das
Amt". Es ist die Abrechnung mit einem Hochstapler, der im Weißen Haus sitzt.


Von Christoph Scheuermann, Washington

https://www.droemer-knaur.de/
https://www.droemer-knaur.de/buch/959757...ser-als-das-amt

Schwer zu sagen, wann genau James Comey bemerkte, dass er es mit einem
Hochstapler zu tun hatte. Vielleicht war es im Januar 2017, fünf Wochen nach der
Wahl.


Comey, damals noch FBI-Chef, saß in einem Konferenzraum des Trump Tower in New
York, die Direktoren von CIA und NSA waren gekommen, dazu der innerste Zirkel des
designierten Präsidenten. Die Geheimdienstleute sollten Donald Trump in Fragen
der nationalen Sicherheit unterrichten, aber alles, woran Comey denken konnte,
war die Mafia.

Comeys Karriere begann als junger Staatsanwalt mit der Cosa Nostra der
Achtziger- und Neunzigerjahre in Manhattan. Die Mafia war sein erster großer
Fall, schreibt Comey in seinem Buch "Größer als das Amt".

Die Ähnlichkeit zwischen den Familien der Cosa Nostra und Trumps Leuten habe ihn
schockiert.

Trump habe ihn bei diesen ersten Treffen in seinen inneren Kreis lotsen wollen,
so schien es, als Freund, als Teil der Familie, als Vertrauten. Wie Don Corleone
in "Der Pate". Trump versuchte, "uns alle im Handumdrehen zu einem Teil seines
Clans zu machen", so Comey.

"Größer als das Amt" erscheint erst am kommenden Dienstag, aber seit Tagen
schon jagen Auszüge als "Breaking News" über die Bildschirme. Trump beschimpfte
Comey am Freitag auf Twitter als "verlogenen Schleimbolzen" - was dem Werk nur
noch mehr Aufmerksamkeit brachte.

Bessere Werbung hätte sich kein Verlag der Welt wünschen können. Am Sonntag
startet Comey seinen Interview-Marathon auf ABC, es folgen Auftritte bei Stephen
Colbert, auf CNN, Fox News, MSNBC, die große Rache beginnt.



Comey war das erste große Trump-Opfer

Denn dieses Buch ist vor allem eines: der Feldzug eines Mannes, der aus seiner
Sicht zu Unrecht fortgejagt wurde, die Rache eines Verdammten. "Größer als das
Amt" ist der erste lange Augenzeugenbericht aus dem Innern des Orkans, die
präzise, gestochen scharfe Erzählung eines Traumatisierten.

Trump hatte Comey voriges Jahr im Mai als FBI-Chef entlassen, nachdem dieser
sich geweigert hatte, die Ermittlungen in der Russland-Affäre

http://www.spiegel.de/politik/ausland/do...-a-1198655.html
einzustellen. Comey war das erste große Trump-Opfer.


Es war die wahnwitzigste Entscheidung dieser an Skandalen reichen Anfangszeit,
ein Zeichen dafür, dass diese Präsidentschaft noch viel dunklere Züge annehmen
würde.

Comey erlaubte sich zudem die Frechheit, dem Don im Weißen Haus die Loyalität
zu verweigern. Das war sein Todesurteil. Durch die Zeilen schimmert deshalb auch
eine Prise Verbitterung vermischt mit der Genugtuung, am Ende doch Recht zu
behalten.


Comey enthüllt wenig, was er voriges Jahr nicht schon in groben Zügen den
Mitgliedern des Kongresses erzählt hatte. Aber er webt das, was er mit dem
Präsidenten durchlebte, in eine größere Erzählung. Außerdem ist er ein
exzellenter Beobachter und Dramaturg, man blickt mit seinen Augen in einen
Abgrund. So nah kommt man Trump selten.


Der Autor gibt sich keine Mühe, seine Verachtung für den Präsidenten und
dessen Clique zu kaschieren. Schon bei einem der ersten Treffen fällt ihm die
ästhetische Zumutung auf, die Trump vor allem darstellt: das Jackett offen, die
Krawatte zu lang, das Gesicht orangefarben schimmernd mit hellen Halbmondrändern
unter den Augen. Comey fragt sich, woher die Halbmonde kommen. "Ich nehme an, er
trägt eine Schutzbrille, wenn er ins Solarium geht."


Comey war der meistgehasste Mann in Washington

Natürlich gibt es einen stolzen, aufrechten Helden. Es ist der Autor mit all
seinen Zweifeln und inneren Konflikten, ob er auch wirklich immer das Richtige
tut, Wahre, Gute. Vermutlich inszeniert sich Comey völlig zu Recht als
unkorrumpierbar und überparteilich, seine Feinde saßen überall.


Man darf aber nicht vergessen, dass es eine Zeit im Wahlkampf gab, in der er der
meistgehasste Mann in Washington war, was in jenen an Hass nicht armen Zeiten
eine Leistung war.

Denn neben der Russland-Sache war das FBI auch mit dem E-Mail-Skandal von Hillary
Clinton befasst. Clinton hatte als Außenministerin Staatsgeheimnisse über ihre
private Mailadresse diskutiert, was strafbar ist und eine Lawine von Ermittlungen
auslöste.

Im Juli 2016 trat Comey schließlich vor die Presse und erklärte die Sache aus
seiner Sicht für beendet. Dann aber, im Herbst, tauchten neue E-Mails auf und
Comey änderte seine Haltung. Am 28. Oktober schrieb er einen Brief an den
Kongress und teilte mit, dass der Fall neu aufgerollt würde. Clinton ist bis
heute davon überzeugt, dass sie Präsidentin wäre, wenn es den Comey-Brief
nicht gegeben hätte.

Comey ist gewohnt, auf der richtigen Seite des Gesetzes zu stehen, daran ändert
auch sein Buch nichts. Fehler sind, was andere machen. Würde er in der
Clinton-Sache heute genauso entscheiden?

Vermutlich ja. Comey ist der Mann, der alles richtigmachen wollte. Die Frage ist:
Hat er übertrieben? Kann man etwas zu richtig machen? Kann ein Mann zu wahrhaftig
sein, zu ehrlich, zu vernarrt in das Gesetz?

Drei Jahre, acht Monate und fünf Tage lang war er FBI-Chef. Sein Buch macht
klar, dass er noch lange nicht fertig ist. Comey will mehr. Es gibt
Spekulationen, er strebe nach einem Amt, bislang äußert er sich dazu nicht.


Sein letzter Satz lautet, nach den Danksagungen, auf Seite 378: "Die Reise ist
noch nicht zu Ende." Es klingt wie eine Drohung.



Quelle:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/do...-a-1202990.html
<http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-enthuellungsbuch-von-james-comey-die-rache-des-juristen-a-1202990.html>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#2

RE: Trump-Enthüllungsbuch von James Comey

in Aus der Welt der Wissenschaft 16.04.2018 08:03
von franzpeter | 9.173 Beiträge

Ex-FBI-Chef James Comey über Donald Trump: "moralisch ungeeignet"
Interview für US-Fernsehsender
Ex-FBI-Chef nennt Trump "moralisch ungeeignet" fürs Präsidentenamt
Attacke zur besten Sendezeit: Ex-FBI-Chef Comey hat US-Präsident Trump in einem Interview mit dem US-Sender ABC aufs Schärfste kritisiert: Eine Person, die ständig lüge, sei moralisch ungeeignet für das Amt.


Montag, 16.04.2018 05:55 Uhr


Ex-FBI-Chef James Comey hält US-Präsident Donald Trump für "moralisch ungeeignet", das Präsidentenamt auszuüben. "Ich glaube nicht an diese Geschichten, wonach er mental inkompetent oder in einer frühen Phase der Demenz ist", sage Comey in einem Interview mit dem US-Sender ABC am Sonntag: "Er scheint mir eine Person von überdurchschnittlicher Intelligenz zu sein, die Gespräche verfolgt und weiß, was vor sich geht", sagte der 57-Jährige. "Ich denke nicht, dass er aus medizinischer Sicht ungeeignet ist, ich denke, dass er moralisch ungeeignet ist, Präsident zu sein", sagte Comey laut einer Mitschrift des ABC-Interviews.


"Unser Präsident muss Respekt verkörpern und für die Werte stehen, die unser Land ausmachen. Das Wichtigste ist die Wahrheit", sagte Comey weiter. "Dieser Präsident ist nicht in der Lage, das zu tun."
Trump hatte Comey im Mai 2017 gefeuert und das später mit den Russland-Ermittlungen des FBI in Zusammenhang gebracht. Beide überziehen sich bereits seit mehreren Tagen gegenseitig mit Schmähungen. Der US-Präsident hatte erst am Sonntagmorgen in mehreren Twitternachrichten gegen den ehemaligen FBI-Chef ausgeteilt und ihn einen schleimigen Typen genannt. Es sei ihm "eine Ehre gewesen, Comey zu feuern", schrieb Trump:


Comey wurde von ABC-Moderator George Stephanopoulos gefragt, ob er glaube, dass Russland etwas gegen Trump in der Hand habe. Er antwortete, dass er dies für möglich halte, und räumte wenig später ein, dass dies eine bemerkenswerte Aussage sei. Er könne aber nicht ausschließen, dass Russland kein kompromittierendes Material habe. "Es ist überwältigend, und ich wünschte, ich würde es nicht sagen, aber es ist die Wahrheit", erklärte er. "Ich habe es immer für unwahrscheinlich gehalten, und ich halte es immer noch für unwahrscheinlich, und ich wäre bei jedem anderen Präsidenten, mit dem ich zu tun hatte, in der Lage gewesen, es mit fester Überzeugung zu sagen, aber ich kann es nicht. Es ist möglich."
Hat Trump die Justiz behindert? Auch das ist möglich, sagt Comey

In dem Interview ging es um ein wichtiges Gespräch zwischen dem Präsidenten und dem FBI-Chef im Februar 2017. Bei diesem äußerte Donald Trump nach Comeys Darstellung den Wunsch, dass die Ermittlungen des FBI gegen den damaligen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn eingestellt werden. Trump bestreitet das. Manche Beobachter sehen darin einen Versuch der Justizbehinderung.
Auch Ex-FBI-Chef James Comey hält es für möglich, dass Donald Trump die Justiz behindert haben könnte. Es gebe sicherlich Beweise dafür, sagte Comey auf eine entsprechende Frage des Interviewers George Stephanopoulos. Er verwies aber darauf, dass er in dem Fall nicht der Ermittler oder Staatsanwalt sei, sondern nur ein Zeuge.



AP
US-Ausgabe des Comey-Buchs "A Higher Loyalty: Truth, Lies and Leadership"

Derzeit sorgt Comey mit seinem Buch "Größer als das Amt: Auf der Suche nach Wahrheit - der Ex-FBI-Direktor klagt an" für Schlagzeilen. (Die wichtigsten Aussagen des Buchs finden Sie hier, eine Analyse des eskalierenden Streits zwischen Trump und Comey lesen Sie hier.) Darin schildert er den Präsidenten als Mann ohne moralischen Kompass, als notorischen Lügner, der das Land im Stil eines Mafiabosses führt. Comey schreibt: "Der Boss hat absolute Kontrolle. Die Treueschwüre. Die Wir-gegen-sie Weltsicht. Das Lügen über alle Dinge, groß und klein, im Dienst eines Loyalitätskodexes, der die Organisation über die Moral und die Wahrheit stellt. Trump lebe in einem "Kokon einer alternativen Realität", in den er die Menschen in seinem Umfeld hineinziehen wolle.

Das Buch erscheint am Dienstag.
oka/AFP/dpa


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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