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BUND weist multiresistente Keime in Gewässern nach - Intensivtierhaltung als Quelle

in Aus der Welt der Wissenschaft 25.05.2018 13:27
von franzpeter | 9.719 Beiträge

BUND NRW 25.05.018


+++ Presseinformation +++



BUND weist multiresistente Keime in Gewässern nach - Intensivtierhaltung als
Quelle

Düsseldorf, 25. Mai 2918 | Stichprobenartige Gewässeruntersuchungen des
nordrhein-westfälischen Landesverbandes des Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND) in den Kreisen Borken und Viersen haben in allen Fällen den
Nachweis multiresistenter Keime erbracht. 4

Der Umweltverband sieht einen klaren Zusammenhang mit der dort praktizierten
Intensivtierhaltung.


Im direkten Vergleich sind die Wasserproben aus den beiden Kreisen stärker und
deutlich breiter mit antibiotikaresistenten Erregern durchsetzt als die aus der
Ruhr. Hier hatte unlängst der WDR eigene Untersuchungen veröffentlicht. Der
Umweltverband fordert die Landesregierung auf, landesweite Untersuchungen zu
veranlassen und das Problem an der Wurzel anzugehen. Der Einsatz von Antibiotika
in der Tierhaltung müsse weiter reduziert werden.

Der BUND hatte insgesamt acht Proben aus Bächen im Kreis Borken und aus der
Nette (Kreis Viersen) genommen und von der Ruhruniversität Bochum auf
multiresistente Keime untersuchen lassen. Alle Probenahmestellen liegen in der
Nähe von Mastanlagen für Schweine, Kälber oder Geflügel. Die höchst
belastete Probe wies Keime auf, die gegen 10 Antibiotika resistent sind.

„Obwohl es schwierig ist, aus Stichproben generelle Aussagen zu treffen,
sprechen die Ergebnisse dafür, dass wir offenbar ein flächendeckendes Problem
haben“, sagt der BUND-Gewässerschutzexperte Paul Kröfges. „Es gibt einen
konkreten Zusammenhang zwischen den hohen Besatzdichten an Schweinen und dem
Nachweis antibiotikaresistenter Keime. Ursache dafür ist der noch immer zu hohe
Einsatz von Antibiotika bei der Tierhaltung.“


So zeichnet sich der Kreis Borken durch extrem hohe Tierdichten aus, das heißt
zu viele Tiere auf zu wenig Fläche. Die BUND-Proben weisen darauf hin, dass
sogar Reserveantibiotika wie Piperacillin oder Imipenem in der Tierhaltung
eingesetzt wurden oder werden.


„In die Gewässer gelangen diese Keime wohl im Wesentlichen über die
Gülleausbringung auf die angrenzenden Flächen. Der nächste Regen wäscht die
Keime hinein, befördert durch insgesamt nicht ausreichende Abstände zu den
untersuchten Gewässern“, so Kröfges.

Auch in den aus der Nette entnommenen Proben konnten Keime (E. Coli) nachgewiesen
werden, die gegen drei Reserveantibiotika resistent sind. Der stärkste Befund
ergab sich oberhalb der Kläranlage Dülken, im Einzugsbereich einer neueren
Schweinemastanlage. Diese liegt im Wasserschutzgebiet Dülken-Boisheim und war
vom Kreis Düren erst vor drei Jahren genehmigt worden.


„Das Beispiel zeigt, dass in Bezug auf Antibiotika-Resistenzen offenbar nicht
der Einfluss von Kläranlagen entscheidend ist, sondern die Art der
Tierhaltung“, so BUND-Experte Kröfges.
Erschreckend sei auch der Befund im
Badesee Heidweiher, der ebenfalls mit multiresistenten Colibakterien belastet
ist. Der BUND fordert deshalb das zuständige Gesundheitsamt zu einer kritischen
Überprüfung der Nutzung als Badegewässer auf.

Angesichts fast 15.000 Toten jährlich in Deutschland durch nicht mehr
behandelbare Infektionen und die sich abzeichnende Resistenz auch der letzten
Reserve-Antibiotika fordert der BUND die Politik auf, endlich zu handeln. Die
Landesregierung müsse ihre zögerliche Haltung aufgeben und sofort ein
umfassendes landesweites Untersuchungsprogamm starten.

„Intensivtierhaltung, so wie diese im Kreis Borken und Viersen exemplarisch und
tausendfach in Deutschland betrieben wird, ist für Tiere, Mensch und Umwelt ein
großes Problem.
Hier sind dringendst Veränderungen erforderlich“, sagte der
Gewässerschutzexperte Kröfges.


Von daher müsse die Anwendung von für Menschen besonders wichtigen
Reserveantibiotika für Nutztiere verboten werden
.


Damit Tierärzte wenig Anreiz haben, große Antibiotikamengen an Betriebe mit
Nutztierhaltung zu verkaufen, müsse gesetzlich untersagt werden, dass
Pharmakonzerne beim Verkauf von Medikamenten an Tierärzte Mengenrabatte erlassen
dürfen.


Auch sei die Erstellung von Analysen, ob bereits Antibiotikaresistenzen vorliegen
(Antibiogramme), vor jeder Antibiotikaanwendung verpflichtend vorzuschreiben.
„Letztendlich aber muss die Tierhaltung so umgebaut werden, dass die
Tiergesundheit verbessert und damit Medikamentengaben auf das absolute Minimum
reduziert werden können“, so Kröfges.



Mehr Infos: Die Tabelle mit den Ergebnissen der Gewässerproben finden Sie
…hier
https://www.bund-nrw.de/fileadmin/nrw/do...ntibiogramm.pdf


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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