GKR-Forum

a_6.jpg a_6.jpg

#1

Heiner Flassbeck über Merkels Euro-Pläne

in Aus der Welt der Wissenschaft 05.06.2018 17:57
von franzpeter | 9.011 Beiträge

taz 05.06.2018

Heiner Flassbeck über Merkels Euro-Pläne

"Das ist alles Kleinkram"

Heiner Flassbeck kann Angela Merkels Reformplänen für die Eurozone wenig
abgewinnen. Die neue italienische Regierung lobt der Wirtschaftswissenschaftler
hingegen.

Jörg Wimalasena

im Interview:Heiner Flassbeck war bis Ende 2012 Chefökonom der Unctad, der
Welthandels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen in Genf.
Er lebt
in Frankreich. Sein jüngstes Buch heißt "Nur Deutschland kann den Euro
retten". betreibt das Wirtschaftsportal Makroskop
https://makroskop.eu/>; . <https://makroskop.eu/

taz: Ein Europäischer Währungsfonds soll her, sagt Kanzlerin Merkel. Können
Sie dem Vorschlag etwas abgewinnen?

Heiner Flassbeck: Nein, überhaupt nicht. Einen Währungsfonds braucht man nur,
wenn Länder sich in ausländischer Währung verschuldet haben und unter
Abwertungsdruck stehen. Das bedeutet, dass sie ausländische Währung brauchen,
um ihre eigene Währung zu stabilisieren. In der Eurozone hat sich naturgemäß
niemand in ausländischer Währung verschuldet.

Aber ein Europäischer Währungsfonds könnte Staaten vor der Pleite bewahren.

Dafür gibt es die Europäische Zentralbank. Die hat gefälligst alle zu retten,
die des Rettens würdig sind, was immer und jederzeit für Staaten gilt. Diese
ganzen Konstruktionen, die jetzt ins Spiel gebracht werden, braucht man in einem
einheitlichen Währungsgebiet überhaupt nicht.

Merkel, Macron und die EU-Kommission wollen zumindest mehr Geld für
Investitionen bereitstellen. Kann das verschuldeten Staaten nicht helfen?

Das ist alles Kleinkram. Mehr Investitionen sind zwar gut, aber keine Lösung
für die Probleme der Eurozone. Sie bringen höchstens eine kleine Verbesserung
der schlechten Lage.

Was würde denn einen Unterschied machen?

Bei der Konstruktion der Eurozone ging man dem monetaristischen Dogma nach, das
nur die Geldmenge stabil bleiben müsse, um die Inflation im Griff zu halten.
Heute weiß fast jeder, dass das falsch ist. Stattdessen brauchen wir eine
Koordination der Lohnpolitik
und eine Korrektur von Deutschlands grundfalscher
Politik der letzten fünfzehn Jahre.

Sie meinen die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse.

Ganz genau. Deutschland hat die Konstruktion der Eurozone schamlos ausgenutzt und
Lohndumping betrieben. Wir brauchen Institutionen, die im Zweifel dafür sorgen,
dass Mitgliedstaaten ihre Löhne an der Produktivität orientieren. Hier
verstößt Deutschland gegen die entscheidenden Regeln.

In Brüssel fürchtet man, dass Italien sich mit der geplanten expansiven
Sozialpolitik nicht mehr an die gemeinsamen Regeln zur Staatsverschuldung hält.
Kann Italien den Euro gefährden?

Italien ist überhaupt nicht gefährlich für den Euro. Die Menschen dort sind
verzweifelt, weil sie genau wissen, was als Nächstes kommt, wenn sich jetzt
nichts ändert. Lohnkürzungen, weniger Sozialleistungen genau wie in
Griechenland. Und die wirtschaftliche und soziale Lage in Griechenland ist immer
noch katastrophal. Das wollten die Wähler in Italien verhindern.

Die neue Regierung plant eine niedrigere Einkommensteuer und eine Art
Grundeinkommen. Damit sind neue Schulden programmiert …

Man muss Schulden machen, damit die Wirtschaft in Gang kommt. Die italienische
Regierung will etwas anders machen, und damit hat sie vollkommen recht. Einige
Ökonomen und Politiker dort haben erkannt, dass es mit der Sparpolitik so nicht
weitergehen kann.
Sie wollen die europäischen Verträge ändern und mehr Geld
ausgeben. Und das ist das Einzige, was Italien und den Euro retten kann.


Quelle:
http://www.taz.de/Heiner-Flassbeck-ueber...laene/!5510298/
http://www.taz.de/Heiner-Flassbeck-ueber...ene/%215510298/


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 05.06.2018 17:58 | nach oben springen


Besucher
0 Mitglieder und 3 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Retherr
Forum Statistiken
Das Forum hat 2873 Themen und 13277 Beiträge.

Heute waren 5 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 71 Benutzer (12.03.2015 19:47).

Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen | ©Xobor.de