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Willy Wimmer: Großer Raketenmann in Singapur

in Aus der Welt der Wissenschaft 13.06.2018 12:52
von franzpeter | 8.711 Beiträge

Süddeutsche Zeitung - Videokommentar des Chefredakteurs Stefan Kornelius vom
12.06.2018:

"Das Treffen von Kim und Trump war erbärmlich"

"Der US-Präsident und der Machthaber Nordkoreas hätten sich vieles sagen
können. Stattdessen ging es um Autos und ein wertloses Stück Papier. Es war
ein Schauspiel des außenpolitischen Kontrollverlustes."

http://www.sueddeutsche.de/politik/singa...h-war-1.4013270
<http://www.sueddeutsche.de/politik/singapur-gipfel-warum-das-treffen-von-kim-und-trump-erbaermlich-war-1.4013270>



Dazu ein Kommentar von Jens Berger, NDS:

"Ja, der Vertragstext ist vage. Ja, Sicherheitsgarantien der USA sind nicht das
Papier wert, auf dem sie stehen. Dennoch stellt der Gipfel den bislang
weitestgehenden Ansatz für eine friedliche Lösung des Korea-Konflikts dar und
ist daher im Kern zu begrüßen.


Hätte statt Trump Obama mit Kim verhandelt, wäre sicher die gesamte westliche
Presse aus dem Häusschen und in Washington könnten sich schon die Steinmetze
für den Auftrag eines neuen Denkmals bereit machen.

Bei Trump sieht dies freilich ganz anders aus. Hört man beispielsweise dem
großen Transatlantiker Stefan Kornelius zu, könnte man glatt denken, er hätte
mit Trump noch eine persönliche Rechnung offen …"


https://www.nachdenkseiten.de/?p=44385#h01
<https://www.nachdenkseiten.de/?p=44385#h01>



NDS 13. Juni 2018

Großer Raketenmann in Singapur

Deutschlands Medien sind sich bei der Bewertung des Gipfeltreffens zwischen
Donald Trump und Kim Jong Un im Großen und Ganzen mal wieder einig - kein
großer Wurf sei das gewesen, man könne den beiden doch ohnehin nichts glauben
<http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-und-kim-jong-un-ein-truegerischer-erfolg-a-1212595.html>
, das Ganze sei "
<http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-und-kim-jong-un-ein-truegerischer-erfolg-a-1212595.html>
bizarr
http://www.taz.de/Ex-Diplomat-ueber-Trum...fen/%215509383/
", Trump habe "
<http://www.taz.de/Ex-Diplomat-ueber-Trump-Kim-Treffen/%215509383/>
ohne Not einen Diktator hoffähig gemacht
https://www.tagesschau.de/kommentar/kore...chen-101.htm>;
" und dies sei "
https://www.tagesschau.de/kommentar/kore...erchen-101.html
erbärmlich https://www.nachdenkseiten.de/?p=44385#h01 ".
<https://www.nachdenkseiten.de/?p=44385#h01>

Von Gastautor Willy Wimmer

Es lebe die Meinungsvielfalt. Die NachDenkSeiten möchten mit einem Kommentar
unseres regelmäßigen Gastautoren Willy Wimmer da einen Kontrapunkt setzen. Man
muss Wimmer sicher nicht in allen Punkten zustimmen, zuhören sollte man ihm
jedoch alle Male. Denn nur wer unterschiedliche Meinungen kennt, kann sich eine
eigene Meinung bilden.



Die Bilder aus Singapur sind atemberaubend. Gestern wusste niemand nach
Sonnenuntergang, wie die Welt heute nach dem Treffen zwischen dem amerikanischen
Präsidenten Donald Trump und dem Machthaber aus Nordkorea, Kim Yong Un aussehen
würde. Die Ungewissheit hat sich heute gelegt und vielleicht verflüchtigt. Man
hat fast den berühmten Song von Frank Sinatra im Ohr, nachdem man es auf der
Welt überall schafft, wenn man es in New York hingekriegt hatte. Spricht für
Trump und seinen Wagemut, den er sich als Person nicht nur in New York zugelegt
hatte.

Der noch vor Monaten als "kleiner Raketenmann" gescholtene Kim Yong Un ist
dagegen am Ziel seiner nordkoreanischen Träume, die er familienseitig in dieser
quasi-sozialistischen Erbmonarchie von seinem Großvater und Vater mit auf den
Weg bekommen hatte, gen-technisch gleichsam vererbt.


Es besteht kein Zweifel mehr an der über Jahrzehnte hinweg angestrebten
"gleichen Augenhöhe" zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea.

Das "Modell Kim" dürfte auf der Welt Schule machen und einen neuen
Handlungsspielraum nicht nur für den amerikanischen Präsidenten Donald Trump
ausmachen. Er hat das Momentum der Geschichte für sich und das im Gegensatz zu
vielen anderen Staatsführern, die sich in den Spannungen zwischen Staaten
gleichsam eingegraben haben und nicht anderes fertigbringen, als Spannungen nur
zu vertiefen.

Alles das, was in Singapur hingelegt wurde, wird jetzt einer Globalüberprüfung
unterzogen. Selbst die heute vorgelegte Gipfelerklärung muss erst unter Beweis
stellen, dass sie mehr ist als eine flüchtige Momentaufnahme. Ein Indiz dafür
dürfte sein, ob und in welchem Umfang in den nordkoreanischen Medien alles so
übertragen wird, wie wir es in dieser Nacht und am heutigen europäischen Morgen
bei den großen internationalen Medienhäusern gesehen haben. Was wird unter
Umständen dabei ausgelassen und was wird gegebenenfalls hinzugefügt? Daran wird
man sich ebenso festhalten können wie an den aus der Vergangenheit bei beiden
Partnern festzustellenden Absetzbewegungen von den angeblich erreichten
Vereinbarungen.

In der Luft liegen andere Umstände, die aufhorchen lassen. Das gilt zunächst
einmal für Singapur selbst. Dieser Nachweis asiatischer Effizienz findet sich
gleichsam in zwei Welten wieder. Schon der ehemals starke Mann Singapurs, Lee
kwan yu, hat immer wieder deutlich gemacht, wie eng Singapur dem chinesischen
Kosmos verbunden ist.

Bei einer gemeinsamen Reise mit Lee kwan yu und dem ehemaligen deutschen
Bundeskanzler, Dr. Helmut Kohl, zu "Global-Universitäten" im Süden Chinas
konnte ich das miterleben.

Auf der anderen Seite befand sich der amerikanische Präsident Trump in Singapur
geradezu auf heimischem Boden. Die amerikanische Pazifikflotte hat in Singapur
fast einen Heimathafen zur Verfügung und bei allen Rivalitäten im
Südchinesischen Meer mit China ist dieser Umstand ebenso bemerkenswert wie der
Verbleib amerikanischer Nuklearwaffen an Bord amerikanischer Kriegsschiffe, wenn
diese im Hafen von Hongkong vor Anker gehen.

Atmosphärisch hat der Gipfel in Singapur die asiatische Welt verändert. Dazu
reicht es, sich die letzten Monate vor Augen zu führen. Trump drohte mit der
Vernichtung eines ganzen Volkes. Kim ließ sich nicht lumpen, was eine nicht
hinnehmbare Bedrohung des amerikanischen Staatsgebietes anbetraf. Eine
Fortsetzung des Korea-Krieges und ein daraus resultierender Weltkrieg schienen
nicht ausgeschlossen zu sein. Das wird in jedem Jahr bis zum dafür nötigen
vorletzten Schuss bei südkoreanisch-amerikanischen Großmanövern auch so
geübt. Jetzt steht eine Einladung von Kim Yong Un ins Weiße Haus nach
Washington an. Dramatischer kann eine Wandlung nicht sein.

Dabei darf man fast davon ausgehen, dass die Erziehung von Kim Yong Un in der
Schweiz so nachhaltige Spuren hinterlassen hat, dass in der Kombination mit
asiatischer Höflichkeit keine exzentrischen Ausschläge zu erwarten sein
dürften.

Aber eines ist mit Singapur klar geworden. Der südkoreanische Präsident Moon
hat in den letzten Monaten und damit unmittelbar nach seiner Wahl eine
atemberaubende Dynamik entwickelt
. Das kann man nur, wenn es nicht nötig ist,
sich in eine bedeutende Materie erst einarbeiten zu müssen.

Die machtvolle Anwesenheit amerikanischer Truppen in Südkorea und die
aufgezwungene Stationierung amerikanischer Abfangsysteme haben ihn auch nicht
hindern können, weltpolitische Umstände zu nutzen. Dies für sein Korea, damit
auch in Tokio kein Zweifel besteht. Tokio scheint ohnehin am Straßenrand zu
stehen und mehr oder weniger ungefragt den Ereignissen in Singapur zuschauen zu
dürfen.

Selbst japanische Beobachter der Szenen von Singapur waren nicht in der Lage,
andere Argumente als jene zu finden, die Sand ins Getriebe hätten streuen
können. So ganz anders, als das für China und die Russische Föderation gesagt
werden kann. Kim Yong Un war sichtbar genug in Beijing, Präsident Putin fährt
demnächst nach Nordkorea.

Ein möglicher Nuklearkrieg auf der koreanischen Halbinsel und die daraus
resultierende Betroffenheit von Russisch-Fernost haben die Konfliktlage für
alle Beteiligten deutlich gemacht. Rechtzeitig zum Gipfel Kim/Trump kam auch die
Warnung von Putin/Xi, keine völkerrechtswidrigen Kriege der USA und ihrer
Hintersassen als Verstoß gegen die Charta der Vereinten Nationen mehr hinnehmen
zu wollen.


Deutlicher konnte man es nicht sagen.

In trockenen Tüchern ist nach der Gipfelerklärung, die der Welt präsentiert
werden konnte, zunächst nichts
. Die Fallstricke kommen erst jetzt. Sie bemessen
sich in den Vereinigten Staaten danach, wie die Nebenregierung im Kongress ihre
Möglichkeiten bewertet, das bisherige Konzept der "Amerikanisierung des Globus"
umsetzen und fortführen zu können. Änderungen der Militärpräsenz in
Südkorea verschärfen die Neigung, sich zum "Mac Arthur" gegenüber dem eigenen
Präsidenten aufzuschwingen.

Gerade wegen des amerikanischen Verhaltens in Asien hat der ehemalige
amerikanische Oberbefehlshaber, General Mac Arthur, sich auf der Pazifikinsel
Guam in bemerkenswerter Weise seinem Präsidenten Trump gegenüber aufgespielt,
vom Einsatz von Nuklearwaffen in Korea und gegen China ganz zu schweigen. Das
Modell "General Patton" ist in den USA hoffähig und wird von der aufmerksamen
Weltgemeinschaft unter die Lupe genommen werden.

Kim Yong Un wird bedenken, wo der Niedergang Nordkoreas als erstes Opfer der
weltweiten Klimaveränderung über das Wetterphänomen "el nino" und dem
nuklearen Vernichtungsschlag der USA hätte enden können und sollen.

Bei Präsident Trump wird man sehen können, ob der Weg der Vereinigten Staaten,
seit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 auf Krieg gegen andere Staaten zu
setzen,
in Korea ein Ende findet
. Dann wird auch die Frage danach zu beantworten
sein, ob derjenige, der es in Singapur schafft, dies auch mit Teheran und Tel
Aviv macht.

Diejenigen, die noch nicht einmal die eigenen Grenzen schützen können oder ein
Flughafen bauen können, stehen da, wo sie hingehören: in der Schmoll-Ecke.


Quelle: https://www.nachdenkseiten.de/?p=44393#more-44393
<https://www.nachdenkseiten.de/?p=44393#more-44393>

Anmerkung:

Zitat
Es besteht kein Zweifel mehr an der über Jahrzehnte hinweg angestrebten
"gleichen Augenhöhe" zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea.


Ist das jetzt pure Ironie? Näh, ne.

Zitat
Diejenigen, die noch nicht einmal die eigenen Grenzen schützen können oder einen
Flughafen bauen können, stehen da, wo sie hingehören: in der Schmoll-Ecke.


Das wird Merkel hart treffen.


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 13.06.2018 12:55 | nach oben springen


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