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#1

Toxische Mikroplastikteilchen über Nahrung

in Aus der Welt der Wissenschaft 22.06.2018 13:27
von franzpeter | 9.685 Beiträge

Zentraler Recyclinghof des Planeten ist geschlossen

Reichere Länder wie die USA oder Deutschland haben ihren Müll in ärmere
Länder wie China oder Indien exportiert, 2016 etwa 70 Prozent ihres
Plastikmülls, Hauptexporteur ist die EU. Die USA, Japan und Deutschland haben
2016 am meisten exportiert, die USA über 25 Millionen Tonnen, Japan 22
Millionen, Deutschland 18 Millionen, andere EU-Länder wie Großbritannien,
Frankreich, die Niederlande oder Belgien höchsten die Hälfte des von
Deutschland verursachten Mülls.


Die Wissenschaftler sagen, die zu erwartende Plastikmüllflut mache die
Notwendigkeit für ein globales Übereinkommen für die Nutzung, den Umgang und
das Recyceln von Plastik noch einmal deutlich. Der Großteil des Mülls lande in
Mülldeponien oder verschmutze die Umwelt.



Biologisch nicht abbaubaren Plastikmüll haben sich in der Umwelt angesammelt

Nicht nur die Meere und Gewässer sind von teils toxisch wirkenden
Mikroplastikteilchen kontaminiert

<https://www.heise.de/tp/features/Kleinste-Plastikteilchen-koennten-global-terrestrische-Oekosysteme-negativ-veraendern-3961703.html>
, sondern wahrscheinlich in weit höherem Maße auch die Böden - und über die
Nahrung nehmen die Menschen sie auf.



In jedem Lebensmittelladen, auch in Bio-Läden, ist Plastik allgegenwärtig, auch
wenn nun eher symbolisch zum Einpacken auch Papiertüten angeboten werden.


In den Haushalten, in der Technik und in der Industrie ist Plastik
allgegenwärtig. Mehr als 8 Milliarden Tonnen Plastik wurden weltweit in 60
Jahren hergestellt, fast 5 Milliarden Tonnen sind bislang in der Umwelt oder auf
Müllhalden gelandet (Milliarden Tonnen an biologisch nicht abbaubaren
Plastikmüll haben sich in der Umwelt angesammelt)
.




telepolis 21. Juni 2018

Ohne die billige Müllhalde China verschärft sich das weltweite
Plastikmüllproblem


China hat bis Anfang des Jahres seit 1992 fast die Hälfte des weltweiten
Plastikmülls aufgenommen, in den nächsten Jahren werden über 100 Millionen
Tonnen anderweitig entsorgt werden müssen

Florian Rötzer

Bild: Jenna Jambeck, University of Georgia

China hat zu Beginn des Jahres die Tore mit dem "Grünen Zaun" für den
weltweiten Plastikmüll geschlossen (Zentraler Recyclinghof des Planeten ist
geschlossen[1]).


Das Land, das die Maßnahme vorab angekündigt hatte, wollte nicht mehr
Müllplatz für die Staaten werden, in denen weiter in Massen Plastik produziert
und verwendet wird, während der Abfall in die Umwelt gelangt oder exportiert
wird. Nun stehen die Länder, allen voran die EU und die USA, vor dem Problem,
wohin mit den Plastikbergen, die weiter anwachsen, weil die Recyclingrate gering
ist und nur Teile verbrannt werden.


Dabei ist Plastik bereits überall vorhanden (Noch mehr Plastikmüll in den
Meeren[2], Müllhalde Ozean[3]), Mikroplastikteilchen finden sich in allen
Gewässern und im Grundwasser, in Böden und in Organismen (Kleinste
Plastikteilchen könnten global terrestrische Ökosysteme negativ
verändern[4]).

Wissenschaftler der University of Georgia haben die möglichen Folgen der
chinesischen Entscheidung untersucht und gehen davon aus, dass vor allem die USA
und die EU im nächsten Jahrzehnt von einer Plastikflut überschwemmt werden.


Bis 2030 wird sich der Plastikmüll nach den Schätzungen, wie sie in ihrem
Beitrag für Science Advances schreiben[5], noch einmal um weitere 110 Millionen
Tonnen anwachsen, die nicht mehr exportiert werden können.


China hat zwischen 1992 und 2016 mit 106 Millionen Tonnen fast die Hälfte des
weltweiten Mülls aufgenommen. Auch Recyceln verschiebt das Problem eigentlich
nur und löst es nicht wirklich, auch wenn dadurch weniger Plastik produziert
werden muss.


China hat, wie die Wissenschaftler aus Angaben der United Nations Comtrade
Database herausfanden, zwischen 1992 und 2017 45,1 Prozent des Plastikabfalls
der Welt oder 106 Millionen Tonnen aufgenommen.
Allerdings gehen aus den Daten
nicht alle Importe und Exporte und auch nicht die Transporte zwischen Ländern
hervor. China und Hongkong haben zusammen 72,4 Prozent importiert, der Großteil
des Mülls aus Hongkong floss jedoch weiter nach China. Es war aufgrund der
geringen Kosten billiger, den Plastikmüll nach China zu verschiffen, als ihn in
den Ländern mit Bahn oder Lastwagen zu transportieren.


Lindsay Robinson, University of Georgia

Auch von China aus geht ein guter Teil des Plastikmülls in die Meere, jährlich
zwischen 1,3 und 3,5 Millionen Tonnen.


Da China schon mit dem im Land anfallenden Plastikmüll, der in den letzten
Jahren gleichfalls zunahm, nicht zurechtkam, verstärkte der Import von 7,35
Millionen Tonnen Plastik oft von schlechterer Qualität 2016 das Müllproblem,
auch wenn nur etwas mehr als 10 Prozent ausmachte. China produzierte zum
Recyceln letztlich selbst genug Plastik und konnte an den Importen nichts mehr
verdienen.

Reichere Länder wie die USA oder Deutschland haben ihren Müll in ärmere
Länder wie China oder Indien exportiert, 2016 etwa 70 Prozent ihres
Plastikmülls, Hauptexporteur ist die EU. Die USA, Japan und Deutschland haben
2016 am meisten exportiert, die USA über 25 Millionen Tonnen, Japan 22
Millionen, Deutschland 18 Millionen, andere EU-Länder wie Großbritannien,
Frankreich, die Niederlande oder Belgien höchsten die Hälfte des von
Deutschland verursachten Mülls.

Ein Problem ist, dass die produzierten Plastikmengen explosiv angewachsen sind,
nicht aber die Kapazitäten, diese zu entsorgen. 1950 wurden weltweit gerade
einmal 2 Millionen Tonnen hergestellt, 2015 schon 322 Millionen. Insgesamt
wurden bislang um die 8,3 Milliarden Tonnen produziert - davon sind 6,3
Milliarden Tonnen zu Abfall geworden. Nur 9 Prozent wurde weltweit recycelt, der
Rest landete in Mülldeponien oder in der Umwelt. Jährlich gelangen bis zu 12
Millionen Tonnen Plastikmüll in die Meere.

Die Wissenschaftler sagen, die zu erwartende Plastikmüllflut mache die
Notwendigkeit für ein globales Übereinkommen für die Nutzung, den Umgang und
das Recyceln von Plastik noch einmal deutlich. Der Großteil des Mülls lande in
Mülldeponien oder verschmutze die Umwelt.


Quelle dieses Artikels: http://www.heise.de/-4089451
<http://www.heise.de/-4089451>

Links in diesem Artikel:

[1]
https://www.heise.de/tp/features/China-Z...en-3935462.html
<https://www.heise.de/tp/features/China-Zentraler-Recyclinghof-des-Planeten-ist-geschlossen-3935462.html>

[2]
https://www.heise.de/tp/features/Noch-me...en-4003183.html
<https://www.heise.de/tp/features/Noch-mehr-Plastikmuell-in-den-Meeren-4003183.html>

[3] http://MüllhaldeOzean <http://m%C3%BCllhaldeozean/>
[4]
https://www.heise.de/tp/features/Kleinst...rn-3961703.html
<https://www.heise.de/tp/features/Kleinste-Plastikteilchen-koennten-global-terrestrische-Oekosysteme-negativ-veraendern-3961703.html>

[5] http://advances.sciencemag.org/content/4/6/eaat0131
<http://advances.sciencemag.org/content/4/6/eaat0131>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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