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Berufen Sie es nur nicht!

in Aus der Welt der Wissenschaft 08.07.2018 16:52
von franzpeter | 9.716 Beiträge

Alles im grünen Bereich
:
Berufen Sie es nur nicht!
Von Jörg Albrecht
-Aktualisiert am 06.07.2018-11:45


Berufkraut hat trotz seines Namens nichts mit irgendwelchen Berufen zu tun. Doch die Pflanze hat eine lange Geschichte. Bild: Charlotte Wagner
Berufkraut vermehrt sich schnell und ungelenkt. Die Pflanze raubt so manchem Hobbygärtner die Nerven. Dabei galt es früher als Heilmittel gegen Unannehmlichkeiten aller Art.
Mit schöner Regelmäßigkeit sät sich bei mir im Garten das Einjährige Berufkraut aus. Erigeron annuus wächst bis zu einem Meter in die Höhe und trägt von Juni bis Oktober Büschel von Blüten, die an Gänseblümchen erinnern. Das Kraut hat einen langen Weg hinter sich. Aus dem östlichen Nordamerika stammend, gelangte es um 1625 herum nach Europa, wo es ein halbes Jahrhundert später in einem Gartenbuch des Botanikers Johann Sigismund Elsholtz am Hof des Großen Kurfürsten von Brandenburg als „Doldige Maßlieben aus Canada“ beschrieben wurde. Von da aus verbreitete es sich als Zierpflanze durch die Gärten und kam irgendwann aus der Mode. Seitdem ist es mehr oder weniger verwildert.
Das Einjährige Berufkraut übersteht Trockenheit und besiedelt als Pionierpflanze vorzugsweise Rohböden, Brachland und Schuttflächen. Es dringt aber auch in Magerwiesen und andere schützenswerte Lebensräume ein und wird in Teilen der Schweiz bekämpft, seit es sich nach dem extrem heißen Sommer 2003 explosionsartig ausgebreitet hat. Bei mir darf es gern bleiben, denn ich sehe kein Problem darin, hin und wieder ein Exemplar auszurupfen.
Früher als Heilkraut verwendet
Die Gattung der Berufkräuter umfasst insgesamt um die vierhundert Arten, und die meisten davon sind ebenfalls recht vermehrungsfreudig. Sie bilden Samen häufig durch Agamospermie, also ohne Befruchtung, was ihre Verbreitung noch befördert und Taxonomen vor Probleme stellt, denn strenggenommen sind alle Nachkommen dann genetisch isolierte Unter- und Kleinstarten. Bei ähnlich gestrickten Gewächsen wie dem Löwenzahn oder den Habichtskräutern können Spezialisten stundenlang über solche Feinheiten debattieren, der Laie hält sich da am besten raus.

Mit irgendwelchen Berufen hat das Berufkraut im Übrigen nichts zu tun. Der Name bezieht sich vielmehr darauf, dass es früher als Gegenzauber zum böswilligen Berufen beziehungsweise Beschreien von Mensch und Vieh verwendet wurde
. Wenn beispielsweise der Verdacht bestand, dass ein Neugeborenes auf diese Weise verhext sei, wurde sein Taufkleid mit dem Kraut besteckt, das dann praktischerweise gleich mit gesegnet wurde. Alternativ konnte man einen Kranken, den der Fluch getroffen hatte, in Wasser baden, das man mit dem Kraut abgekocht hatte. Verrückten wurde geraten, sich Berufkraut vor die Stirn zu binden, immerhin konnte man so auch gleich erkennen, ob jemand eine Schraube locker hatte.



Von all diesen Verwendungen ist man wieder abgekommen und hat stattdessen durch Einkreuzen und Hybridisierung mit anderen Erigeron-Arten wie dem um 1830 eingeführten bläulich blühenden Mexikanischen Berufkraut neue Gartensorten geschaffen. Sie werden heute unter dem Namen „Feinstrahlastern“ geführt. Auf den berühmten Bornimer Staudenzüchter Karl Foerster geht die Sorte ’Sommerneuschnee‘ zurück, die besonders gut remontiert, also nach dem Zurückschneiden noch einmal eine zweite Blüte hervorbringt. Auch die Sorte ’Dunkelste Aller‘ hat er Anfang der 1930er Jahre ausgelesen, eine Eigenschaft beschreibend, die nicht mehr zutrifft, denn es gibt inzwischen noch dunkler gefärbte Züchtungen. Ich bleibe aus reiner Faulheit bei dem halbwilden Kraut, das sich ganz von allein bei mir eingefunden hat.

https://de.wikipedia.org/wiki/Berufkräuter
https://www.celticgarden.de/2014/01/beru...schreikraeuter/
http://gesundpedia.de/Einjähriges_Berufkraut

Quelle: FAZ


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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