GKR-Forum

a_6.jpg a_6.jpg

#1

Donald Trump, die Nato, Russland und die Energiepolitik

in Aus der Welt der Wissenschaft 12.07.2018 17:08
von franzpeter | 8.947 Beiträge

Ziel ist, dass die EU sich vom russischen Gas- und Ölnabel lösen und an die
von den USA kontrollierten oder eigenen Energieströme andocken soll.


telepolis 12. Juli 2018

Donald Trump, die Nato, Russland und die Energiepolitik

Der US-Präsident strebt die Kontrolle über die europäische Energieversorgung
an, weswegen er Deutschland und Nord Stream 2 bekämpft


Florian Rötzer



Auch wenn US-Präsident Donald Trump scheinbar das Spiel mitzumachen scheint, ist
er immer gut dafür nachzutreten. In der Abschlusserklärung des Nato-Gipfels
wurde das 2-Prozent-Ziel für die Militärausgaben noch einmal bekräftigt, auch
wenn klar ist, dass dies etwa für Kanada und Deutschland nur pro forma geschah.
Trump will aber keinen Frieden, sondern Uneinigkeit in der Nato säen, weswegen
er schnell noch forderte, dass alle Nato-Staaten doch 4 Prozent[1] des jeweiligen
BIP für das Militär ausgeben sollten, wie das die USA machen.


Das rief nicht gerade Begeisterungsstürme hervor, aber Trump geht es sowieso
nicht nur um das Militär, sondern auch um den Handel und die Energie. Daher
verknüpfte er alles miteinander
, vielleicht auch im Vorblick auf das Treffen mit
Wladimir Putin.

Deutschland als das mächtigste EU-Land steht im Mittelpunkt der Attacken von
Donald Trump, der ganz offensichtlich beabsichtigt, die von Berlin dominierte EU
zu destabilisieren.


Sein letzter Tweet[2] stellt eine Forderung auf, von der er wohl weiß, dass sie
nicht unmittelbar zu erfüllen ist: "What good is NATO if Germany is paying
Russia billions of dollars for gas and energy
? Why are there only 5 out of 29
countries that have met their commitment? The U.S. is paying for Europe's
protection, then loses billions on Trade. Must pay 2% of GDP IMMEDIATELY, not by
2025."

Es ist schon lange her, als Donald Trump seine Einstellung zur Energiepolitik
deutlich machte, die auch er auch noch heute verfolgt: "Fracking wird zur
amerikanischen Energieunabhängigkeit führen",
schrieb[3] er 2012 in einem
Tweet. "Wenn der Preis von Gas kontinuierlich sinkt, kann das für uns ein
gewaltiger Vorteil sein." Und wo es ums Geld geht, kennt Trump keine Freunde.

Kaum war Trump an der Macht, hat er möglichst schnell alle Entscheidungen aus
der Obama-Zeit gekippt. Erneuerbare Energie ist in Trumps Weltbild ähnlich dem
Klimaabkommen, aus dem er auch ausgestiegen ist. Im Gegensatz dazu macht Kohle
und schrankenlose Ausbeutung von heimischen Öl- und Gasressourcen Amerika
wieder groß.


Hindernisse wie Naturreservate oder Schutzzonen in den Meeren wurden
beseitigt[4], gebremste Pipelines weiter gebaut, die Fracking-Betreiber müssen
auch nicht mehr angeben, was sie in ihren Chemie-Mix mischen.


Und um die USA zu einem einflussreichen Exporteur von Öl und Gas zu machen, was
eine Jahrzehnte lange Politik im Nahen Osten umkehrt, soll nun das iranische Öl
und Gas aus dem Welthandel verbannt werden, während auch Katar mit den weltweit
drittgrößten Erdgasressourcen in die Zange genommen wurde, ebenso Venezuela,
das sich aber auch aus internen Gründen herabgewirtschaftet hat.

Ziel ist, dass die EU sich vom russischen Gas- und Ölnabel lösen und an die von
den USA kontrollierten oder eigenen Energieströme andocken soll
.




Verständlich wird so der harsche Ton, mit dem Trump gegen die auch in der EU
höchst umstrittene Pipeline Nord Stream 2 wettert und erklärte: "Deutschland
wird total von Russland kontrolliert." Geschickt verband Trump seine Kritik an
den für ihn geringen deutschen Militärausgaben mit der russischen Pipeline, die
wie die erste Nord-Stream-Pipeline das Ziel hat, die Gasversorgung vor allem
Deutschlands zu verbessern und unabhängig von der Ukraine und anderen
osteuropäischen Staaten wie Polen zu machen.


Trump wirft der deutschen Regierung vor, damit Milliarden an die Russen zu
zahlen, während sie beim Militär spart und deswegen in Anspruch nimmt, dass die
USA Deutschland bzw. die EU schützen.
Dabei dürfte es ihm allerdings weniger um
die Ukraine gehen, als um den Versuch, die Energieversorgung der EU zum Vorteil
der USA umzubauen. So sagte er denn auch, der Handel mit Energie sei etwas ganz
anderes als der normale Handel (Der Krieg um das Gas: Polens Pipeline-System mit
US-Unterstützung[5], Wie die Fracking-Industrie entstand[6]).

Allerdings setzt Trump außenpolitisch durchaus die amerikanische Politik fort.
Washington hat seit dem Ukraine-Konflikt auf die Gunst der Stunde gesetzt, die
Energieversorgung der EU durch Russland abzuschnüren, um selbst deren Kontrolle
über Verbündete und eigene Exporte übernehmen zu können.


So wurde bereits die Pipeline South Stream gecancelt. Moskau versucht auch mit
der Unterstützung der Türkei mit der Turk Stream eine Gaspipeline direkt von
Russland durch das Schwarze Meer zur Türkei zu realisieren, um von dort aus
über Griechenland Anschluss an den EU-Raum zu gewinnen.


Nachdem 2015 nach einem ersten Rekord der Fracking-Produktion in den USA mit
fast 10 Millionen Barrel täglich, womit diese in etwa ebenso viel Öl
förderten wie die größten Erdölproduzenten Saudi-Arabien oder Russland, die
amerikanische Fracking-Industrie wegen des Preisverfalls ihren Ausstoß senkte,
ist man nun wieder auf Rekordkurs. Nach Angaben[7] der U.S. Energy Information
Administration ist die Rohölförderung im Juni auf 10,9 Millionen Barrel pro
Tag gestiegen. Geschätzt wird, dass sie 2018 auf einer durchschnittlichen Höhe
von 10,8 Millionen bleibt, 2017 waren es noch 9,4 Millionen. Auch die
Gasproduktion ist auf Rekordhoch. Und die EIA schätzt, dass die Förderung 2019
noch einmal in die Höhe klettert und auf 11,8 Millionen Barrel anwächst. Im
gleichen Maße sinken die Importe von 3,7 Millionen Barrel am Tag in 2017 auf
2,4 Millionen 2018 und auf nur noch 1,6 Millionen im Jahr 2019.

Die schon vor dem Nato-Gipfel bekannt gewordene gemeinsame Erklärung wurde
nicht verändert und behielt den antirussischen Charakter. So wurden die
"illegale und illegitime Annexion der Krim" und die Destabilisierung der
Ukraine, die Verletzung des internationalen Rechts, die Ausführung provokativer
militärischer Aktionen und der Versuch, unsere Institutionen zu untergraben und
Zweitracht zu säen", Russland vorgeworfen.


Beschlossen wurde denn auch, mit der Osterweiterung fortzufahren und
Aufnahmeverhandlungen mit Mazedonien zu beginnen, während man die Verbindung
mit Moldawien, Georgien und der Ukraine fördern und die Präsenz in der Ostsee
und im Schwarzen Meer stärken will. Alles nicht gerade Gesprächsangebote an
Russland.


Nicht ins Konzept passen Trump jedoch die gestiegenen Energiepreise. Sie können
das Wirtschaftswachstum bremsen und die Inflation fördern[8], vor allem auch die
Chancen der Republikaner bei den Midterm-Wahlen senken.
Unklar ist auch, welche
Folgen der von Trump angezettelte Handelskrieg für Folgen haben könnte. Der
US-Präsident hatte sich daher an Saudi-Arabien gewandt, wieder mehr Öl zu
fördern. Das Königreich hat im Juni die Förderung auch um 500.000 Barrel pro
Tag auf jetzt 10,5 Millionen Barrel erhöht[9]. Auch in anderen OPEC-Ländern
wurde mehr gefördert, insgesamt wirkte sich aber das noch kaum aus, weil die
Förderung vor allem in Libyen einbrach und in Venezuela und Angola weiter
zurückging.

Um dem Preisverfall entgegenzuwirken hatte die OPEC mit Russland und anderen
Ländern 2017 beschlossen, die Fördermengen herunterzusetzen. Bei einem Treffen
wurde bereits beschlossen, die Fördermengen ab Juli wieder hochzufahren, womit
einige Länder offenbar gleich angefangen haben.


Quelle dieses Artikels: http://www.heise.de/-4108346
<http://www.heise.de/-4108346>

Links in diesem Artikel:

[1]
https://www.theguardian.com/world/2018/j...-gdp-on-defence
<https://www.theguardian.com/world/2018/jul/11/donald-trump-tells-nato-allies-to-spend-4-of-gdp-on-defence>

[2] https://twitter.com/realDonaldTrump/stat...093020783710209
<https://twitter.com/realDonaldTrump/status/1017093020783710209>
[3]
https://twitter.com/realdonaldtrump/stat...3984515?lang=en
<https://twitter.com/realdonaldtrump/status/198131842593984515?lang=en>

[4] https://www.blm.gov/policy/im-2018-034
<https://www.blm.gov/policy/im-2018-034>
[5]
https://www.heise.de/tp/features/Der-Kri...ng-3977565.html
<https://www.heise.de/tp/features/Der-Krieg-um-das-Gas-Polens-Pipeline-System-mit-US-Unterstuetzung-3977565.html>

[6]
https://www.heise.de/tp/features/Wie-die...nd-3379326.html
<https://www.heise.de/tp/features/Wie-die-Fracking-Industrie-entstand-3379326.html>

[7] https://www.eia.gov/outlooks/steo/
<https://www.eia.gov/outlooks/steo/>
[8]
https://www.wsj.com/articles/rising-gas-...nomy-1531301401
<https://www.wsj.com/articles/rising-gas-prices-raise-concerns-for-u-s-economy-1531301401>

[9]
https://www.cnbc.com/2018/07/11/opecs-oi...s-the-taps.html
<https://www.cnbc.com/2018/07/11/opecs-oil-output-jumps-in-june-as-saudi-arabia-opens-the-taps.html>



Quelle:
https://www.freitag.de/autoren/der-freit...-muessen-da-weg
<https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/sie-muessen-da-weg>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
nach oben springen


Besucher
0 Mitglieder und 3 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Rether
Forum Statistiken
Das Forum hat 2850 Themen und 13207 Beiträge.

Heute waren 3 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 71 Benutzer (12.03.2015 19:47).

Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen | ©Xobor.de