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#1

Cartoon des Tages

in Aus der Welt der Wissenschaft 05.08.2018 11:50
von franzpeter | 9.167 Beiträge

Cartoon des Tages
Thomas Plaßmann

Angefügte Bilder:
kassel 2025.jpg

Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#2

Politiker verweigern sich aus faktischer Unfähigkeit um der eigenen Interessen willen

in Aus der Welt der Wissenschaft 10.08.2018 12:54
von franzpeter | 9.167 Beiträge

Bürger müssen nun endlich "Aufstehen" - Politiker verweigern sich aus
faktischer Unfähigkeit um der eigenen Interessen willen

Kein Programm zur Reduzierung von Emissionen in Sicht, die eine Klimakatastrophe
verhindern

David Wallace-Wells: Ich verspreche Ihnen, dass es schlimmer ist, als Sie
denken. Wenn Ihre Angst vor dem Klimawandel von der Sorge um steigende
Meeresspiegel bestimmt wird, kratzen Sie gerade an der Oberfläche dessen, was
an schrecklichen Dingen bereits im Leben eines heutigen Teenagers möglich ist.


Die ansteigenden Meere - und die Städte, die in ihnen versinken - haben das Bild
der Erhitzung der Erde derart geprägt, dass wir andere damit verbundene
Bedrohungen gar nicht mehr wahrnehmen. Steigende Meeresspiegel sind schlecht,
sogar sehr schlecht, aber es wird nicht damit getan sein, von der Küste
wegzuziehen.


Dieser Text ist das Ergebnis von Dutzenden Interviews mit Klimatologen und
Wissenschaftlern. Er berücksichtigt Hunderte Studien und Aufsätze zum
Klimawandel.

Was Sie hier lesen, ist - nach bestem Wissen und Gewissen - eine Darstellung,
worauf unser Planet zusteuert, wenn wir nicht aggressive gegensteuern.
Es ist
unwahrscheinlich, dass alle Szenarien vollständig eintreten werden. Vor allem
weil die absehbaren Zerstörungen uns aus jeder Bequemlichkeit reißen werden.

Dennoch: die Szenarien sind die Zukunft, nicht das heutige Klima. Dabei ist die
Gegenwart des Klimawandels erschreckend genug. Die meisten Leute denken, Miami
und Bangladesch hätten noch eine Chance. Viele Wissenschaftler, mit denen ich
gesprochen habe, gehen aber davon aus, dass wir diese Städte noch vor Ende des
Jahrhunderts verlieren werden - selbst wenn wir sofort aufhören, fossile
Brennstoffe zu verbrennen.


Milliarden von Menschen müssten ihren Lebensstil konsequent anpassen, um das
Schlimmste zu verhindern. Das aber geschieht nicht. Daher werden wahrscheinlich
bereits am Ende dieses Jahrhunderts Teile der Erde unbewohnbar werden.


aus: "Der Planet schlägt zurück von David Wallace-Wells - Apokalypse: Hunger,
Stürme, Kriege und eine Sonne, die uns kocht:
Wie der Klimawandel die Welt
verändern wird."


Quelle:
https://www.freitag.de/autoren/der-freit...chlaegt-zurueck
<https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/der-planet-schlaegt-zurueck>




taz 10.08.2018

Debatte Hitze und Gerechtigkeit

Im postkolonialen Treibhaus

Die Erderwärmung ist ein Gerechtigkeitsthema - die Täterschaft ist weiß. Wir
brauchen unbedingt eine Vision vom Teilen im globalen Maßstab.

Charlotte Wiedemann

Viele spüren in diesem endlos langen Sommer erstmals die Angst. Es ist die
Angst, die Grundlagen unseres Lebens könnten sich auf eine Weise ändern, die
wir für die nähere Zukunft keineswegs in Betracht gezogen hatten.

Mit stummer Gewalt hat der Klimawandel

https://www.swr.de/swr2/programm/sendung...5gtd/index.html
<https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/klima-klipppunkte/-/id=660374/did=20516614/nid=660374/v65gtd/index.html>
unsere Vorgärten betreten, ein ungebetener Gast, der sich das Recht auf
dauerhaften Aufenthalt durch einen Tritt gegen den Gartenzaun genommen hat.

Dass die Hitze gerade in diesem Sommer derart auf den Plan tritt, auf unsere
schlechten Pläne, hat etwas Alttestamentarisches. Als reckte sich eine
rächende Faust aus der Sonne, weil wir nicht dafür gesorgt haben, dass sich
die Wasser des Meeres für Bedürftige teilten, und weil wir Seebrücken nur aus
luftigen Metaphern bauen.

Schlichter und glaubensfern formuliert: Dieser Sommer hält eine Botschaft
bereit, nicht nur in Gestalt eines ökologischen Alarmsignals, sondern als eine
Hilfe zur Selbsterkenntnis. Zur Erkenntnis, was wir sind und haben, und wie wir
sein müssten, um es zu bewahren.

Niemand hungert in diesem Land, wenn tonnenweise toter Fisch aus Gewässern
geschaufelt wird. Niemanden dürstet, wenn Seen in sich zusammensacken, und
keine Familie wird aus(wandern?) wenn Wälder brennen.

Wirklich knapp werden nur die Plätze in Freibädern, und deswegen lagen manchen
bereits die Nerven blank. Polizei wurde gerufen, um etwas zu bekämpfen, was wir
vielleicht später, wenn es richtig ernst wird, Hitze-Riots nennen werden.


In einem überfüllten Bus, dessen Lüftung nicht funktionierte, waren die
erregt Schwitzenden kaum mehr bereit, gegenüber den Schwächsten Rücksicht
walten zu lassen; jeder war sich nur noch selbst der Nächste.


Eine solche Szene enthält einen mikroskopischen Teil der Botschaft dieses
Sommers
, und ich würde mir wünschen, dass viele sie verstehen. (Man muss
dafür gar nicht so derb sein und den Bus der fehlenden Rücksicht mit einem
Schlauchboot auf hoher See vergleichen.)

Es bedarf nur weniger Grade permanenter Erwärmung, und alles, was wir als
haltbar und belastbar erachten, kann im Nu zerschellen - auch der
zivilisatorische Grund, auf dem wir zu stehen glauben.


Wer sich in diesem Sommer von der Angst um die Grundlagen unseres Lebens
berühren lässt, mag besser nachvollziehen können, wie es passiert, dass
Menschen zu Flüchtlingen werden, ohne die Kategorien nördlicher Weltbetrachtung
passgenau erfüllen zu können. Klimawandel kann ein Grund zur Flucht sein,
obwohl die Geflüchteten keinen Nachweis erbringen können, von der Sonne
individuell verfolgt zu werden.

Zwischen dem sogenannten Wirtschaftsflüchtling einerseits und dem
klassisch-politisch Verfolgten andererseits klafft etwas großes Namenloses: all
jenes kollektive Schicksal, das aus globalem Unrecht resultiert.


Überschrittene Grenzen

Die Erderwärmung ist ein Gerechtigkeitsthema, denn es handelt sich hier wohl
vor allem um weiße Täterschaft - der Klimawandel hat eine unverkennbar
postkoloniale Note. Der Hinweis, was sich durch Chinas Aufstieg ändert, kann
nicht davon ablenken, dass für das bereits Geschehene die alten
Industriestaaten eine ungleich große Verantwortung tragen.


Wir haben schon lange die Grenze dessen überschritten, was uns zusteht. Solange
wir diesen Umstand nicht anerkennen und zur Grundlage aller Überlegungen machen,
wie wir mit den physischen, geografischen Grenzübertritten anderer umgehen,
werden wir keine rationale Haltung zur Migration finden können. Man kann nicht
oft genug unterstreichen, dass es hier um Ratio geht, um das Anerkennen von
Fakten und um die Konsequenzen aus dieser Anerkennung.

Die gegenwärtige Konfrontation mit dem Rechtspopulismus ist unter diesem
Gesichtspunkt eine tragische Verschwendung von Zeit und Energie - der Zwang,
Umwege einzuschlagen, die wir uns objektiv nicht leisten können. Und es ist ja
kein Zufall, dass viele Rechtsautoritäre den Klimawandel ebenso leugnen wie die
Notwendigkeit einer zukunftstauglichen Migrationspolitik. Sie versichern ihrer
Klientel, es gäbe so etwas wie ein weißes Recht auf Nicht-Zurkenntnisnahme des
Offensichtlichen.


Wie wenig wir als eine nördliche oder westliche, jedenfalls wohlhabende
Gesellschaft auf der Höhe der globalen Herausforderung sind, beweisen die
disparaten emotionalen Erhitzungen dieser Tage: Der Jahrtausendsommer ist unser
Sommer der Debatte über den mangelnden Respekt untereinander. Denn um nichts
anderes handelt es sich beim Alltagsrassismus, wenn er die gebildeten und
arrivierten Migranten trifft, die sich nun in großer Zahl bei #MeTwo äußern.
Einem Teil der Bewohner unserer sich erwärmenden Hemisphäre wird Respekt
verweigert, weil sie keine Ureinwohner aus kalten, grauen Vorzeiten sind.


Begrenzte Reichweite

Wer hierzulande als eine Person of color gegen Rassismus kämpft, mag leicht
vergessen, dass er oder sie aufgrund der Beteiligung an der hiesigen
Wirtschafts- und Lebensweise zugleich Teil einer globalen weißen Täterschaft
ist.

Wer die Dinge derart zusammendenkt, sieht: Reinweg aus individueller
Betroffenheit (oder Opferschaft) Politik abzuleiten, ist ein Ansatz von
begrenzter Reichweite.


Wir brauchen eine Vision von Respekt und von Teilen im globalen Maßstab; es muss
die Vision eines machbaren Teilens sein, das prinzipiell akzeptabel ist - was
heißt: Jene, die sich dennoch widersetzen, sollten möglichst wenige Gründe
finden, in Faschismus zu verfallen
. Nur durch ein solches Teilen finden wir
Antworten auf die Angst, die in diesen Monaten ihre Hand auf unsere Schultern
gelegt hat.

Wenn es gelänge, eine Vision globaler Gerechtigkeit mit dem Kampf gegen
einheimische Armut und deutsches Lohndumping zu verbinden, wäre dies eine
Bewegung des "Aufstehens" auf der Höhe der Zeit. Der Versuch, Gerechtigkeit
national zu definieren, kann nicht gelingen.
Das könnte man am Ende dieses
Sommers wirklich wissen.


Quelle:
http://www.taz.de/Debatte-Hitze-und-Gerechtigkeit/!5526884/
<http://www.taz.de/Debatte-Hitze-und-Gerechtigkeit/%215526884/>

Anmerkung:
Milliarden von Menschen müssten ihren Lebensstil konsequent anpassen, um das
Schlimmste zu verhindern. Das aber geschieht nicht. Daher werden wahrscheinlich
bereits am Ende dieses Jahrhunderts Teile der Erde unbewohnbar werden


Ich vermute eher, dass die meisten denken werden: Heiliger St. Florian, verschon mein Haus - zünd' Nachbars an!

Die Politik wird sich solange rausmogeln, bis sie aufgrund von Bürgerkriegen Militär einsetzen muss.
Da wären doch rechtzeige Maßnahmen weniger grausam.


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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