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VIPS: Fehleinschätzung der Geheimdienste über den Iran

in Aus der Welt der Wissenschaft 06.08.2018 19:56
von franzpeter | 9.009 Beiträge

VIPS: Fehleinschätzung der Geheimdienste

Three members of Veteran Intelligence Professionals for Sanity: former CIA
analyst Ray McGovern (left), former NSA Technical Director William Binney
(center), former NSA Senior Executive Thomas Drake (right).

Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS)
https://de.wikipedia.org/wiki/Veteran_In...nals_for_Sanity
ist eine Gruppe von meist pensionierten US-amerikanischen Geheimdienstlern, die
sich nach eigener Sichtweise gegen Missbrauch von Geheimdienstinformationen
einsetzt.

VIPS: "Herr Präsident ... Kurz gesagt, wenn Sie der Ansicht sind, dass es
glaubwürdige Beweise dafür gibt, dass der Iran aktiv an einem
Atomwaffenprogramm arbeitet, dann sind wir überzeugt, dass Sie getäuscht
wurden. Und wenn Sie aufgrund falscher Informationen Entscheidungen über den
Iran fällen, wird das unvermeidliche Ergebnis viel schlimmer sein als das
Bush-Cheney-Debakel im Irak."



NDS 6. August 2018

VIPS-Memorandum an Trump
https://consortiumnews.com/2018/05/07/tr...n-nuclear-deal/
: Geheimdienstinformation über Iran könnte katastrophale Auswirkungen haben

Wieder werden die Kriegstrommeln gerührt - diesmal gegen den Iran. Falls die
Warnung der Veterans Intelligence Professionals for Sanity (VIPS) erneut
ignoriert wird wie vor dem Irakkrieg, werden diesmal die Folgen noch
katastrophaler sein. Ein Memorandum der Veteran Intelligence Professionals for
Sanity, für die NachDenkSeiten aus dem Englischen übersetzt von Josefa
Zimmermann.

MEMORANDUM AN: Den Präsidenten
VON: Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS)
BETREFF: Fehleinschätzung der Geheimdienste über den Iran


Herr Präsident,

als die Regierung George W. Bush vor 15 Jahren den Angriff auf den Irak
vorbereitete, konnten wir keinen zwingenden Grund für einen Krieg erkennen. Wir
beschlossen aber dennoch, Präsident Bush zuzugestehen, dass er sich von
Vizepräsident Dick Cheney und anderen hat täuschen lassen. Wir gingen von der
Möglichkeit aus, dass er den Beweisen des Geheimdienstes vertraute, die Colin
Powell den Vereinten Nationen als "unwiderlegbaren und unleugbaren" Beleg für
Massenvernichtungswaffen im Irak und für eine "dunkle Verbindung" zwischen
Saddam Hussein und al-Qaida vorgelegt hatte.


Für uns Mitglieder von VIPS war jedoch klar, dass Powells "Geheimdienstbeweise"
falsch waren. So legten wir Präsident Bush am selben Nachmittag, dem 5. Februar
2003, ein Memorandum wie dieses vor und empfahlen ihm dringend, sich beraten zu
lassen, und zwar "über den Kreis jener Berater hinaus, die eindeutig Krieg
wollen, für den wir keinen zwingenden Grund erkennen können und von dem wir
glauben, dass die unbeabsichtigten Folgen katastrophal sein werden".

Es ist für uns keine Genugtuung, dass wir mit unserer Prognose einer
politischen und humanitären Katastrophe im Irak Recht behielten, auch wenn
niemand auf uns hörte. Die meisten Amerikaner erfuhren nur, die Geheimdienste
hätten sich geirrt. Das trifft aber nicht zu. Es war ein totaler Betrug, an dem
leider einige unserer früheren Kollegen beteiligt waren.


Fünf Jahre nach der Rede Powells nahm der Vorsitzende des
Geheimdienstausschusses kein Blatt vor den Mund, als er das wichtigste
gemeinsame Ergebnis einer fünf Jahre arbeitenden Komission bekannt machte. Er
sagte: "Indem sie die Argumente für einen Krieg vorbrachte, stellte die
Regierung wiederholt Informationen als Tatsache dar, obwohl sie in Wirklichkeit
unbegründet, widersprüchlich oder gar nicht existent waren. Infolge dessen
ließ sich das amerikanische Volk davon überzeugen, dass die Bedrohung durch
den Irak viel größer sei als sie tatsächlich war."



Jetzt ist der Iran im Fadenkreuz

Da nun wieder die Kriegstrommeln gerührt werden, diesmal mit dem Angriffsziel
Iran, werden wir als Veterans Intelligence Professionals für Sanity und andere
erfahrene, objektive Analysten, wieder einmal ignoriert werden. Und diesmal
fürchten wir noch KATASTROPHALERE Folgen als im Fall Irak.

In unseren Memoranden an Sie in den letzten anderthalb Jahren haben wir Sie
darauf hingewiesen, dass erstens die Unterstürzung des internationalen
Terrorismus durch den Iran weit geringfügiger ist als noch vor Jahrzehnten und
zweitens, dass Sie von Premierminister Benjamin Netanjahu über den Iran
getäuscht werden. Netanjahus Informationen basieren auf Geheimdienstberichten,
die schon vor mehreren Jahren als betrügerisch entlarvt wurden.


Interessanterweise wartete Netanjahu, bis Ihr neuer Sicherheitsberater drei
Wochen im Amt war, bevor er seine Diashow am 30. April präsentierte, mit der er
behauptete, dass der Iran ein geheimes Atomwaffenprogramm betreibt. Für den
Fall, dass unsere Analyse von Netanjahus Diavortrag Sie nicht erreicht haben
sollte, nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass der israelische Premierminister
Informationen aus nachgewiesenen Fälschungen aufbereitet hat, wie wir Ihnen im
letzten Frühjahr in einem Memorandum berichteten.

Sollte unser Memorandum vom 7. Mai irgendwo im Westflügel verloren gegangen
sein, hier unsere wichtigsten Punkte:

Die Beweise, die der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu am 30. April
mit seinem sogenannten "iranisches Atomarchiv" präsenterte, zeigen eklatante
Anzeichen einer Fälschung.
Diese "Beweise" basieren auf Dokumenten, mit denen
die Bush-Regierung schon mehr als ein Jahrzehnt zuvor ein geheimes iranisches
Atomwaffenprogramm beweisen wollte. Auch diese Dokumente wurden eindeutig
gefälscht.


In unserem Memorandum vom 7. Mai 2018 erklärten wir außerdem: "Wir können
beweisen, dass die echten Dokumente ursprünglich nicht aus dem Iran stammten,
sondern aus Israel.
Außerdem wurden die Dokumente nie von der CIA oder der
Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) authentifiziert."


Der Iran war 2008 schon beinahe Angriffsziel

Bereits vor einen Jahrzehnt gab es die konkrete Gefahr eines Krieges mit dem
Iran. Bush und Cheney planten 2008, in ihrem letzten Amtsjahr, in enger
Absprache mit Israel den Iran anzugreifen.
Zum Glück kam ein ehrliches National
Intelligence Estimate (NIE) [gemeinsames Gutachten der amerikanischen
Geheimdienste] vom November 2007 zu dem Ergebnis, dass der Iran seit 2003 nicht
mehr an einem Atomwaffenprogramm arbeitet, und dieses Schlüsselgutachten wurde
veröffentlicht. Damit brachte das NIE die Kriegsmaschinerie abrupt zum
Stillstand, die sich bereits in Bewegung gesetzt hatte.


Das Schlüsselgutachten über die Einstellung der Arbeit an einem Atomprogramm
war das Ergebnis eines mühsamen Beratungsprozesses, wie er früher bei der
Erstellung eines NIE üblich war. Am Ende dieses einjährigen Beratungsprozesses
wurde das NIE im November 2007 von allen US-Geheimdiensten einstimmig
beschlossen.


(Mit anderen Worten, es war definitiv KEIN stümperhaftes "Gutachten", wie das
innerhalb weniger Wochen von "handverlesenen" Analysten dreier ausgewählter,
einer Agenda verpflichteter Geheimdienste zusammengeschusterte über die
russische Einmischung.
Wir beziehen uns hierbei auf das beweisfreie und
fälschlich "Intelligence Community Assessment" genannte Papier der Direktoren
von FBI, CIA und NSA vom 6. Januar 2017. Der Militärgeheimdienst DIA und der
Geheimdienst des State Department gehörten zu den 13 Geheimdiensten, die an
diesem "Intelligence Community Assessment" nicht beteiligt waren.)

Was die Pläne der Bush-Cheney-Regierung zum Angriff auf den Iran 2008 anbelangt,
so schrieb Präsident George W. Bush in seiner Autobiographie "Decision Points"
über seine Verärgerung über das, was er als das "ins Auge stechende" Ergebnis
des NIE bezeichnete, die Entlarvung der verbreiteten Meinung, der Iran sei kurz
davor, Atomwaffen zu besitzen. Bush fügte bedauernd hinzu: "Wie sollte ich
erklären, dass das Militär die Nuklearanlagen eines Landes zerstört hat, von
dem die Geheimdienste behaupten, dass es gar kein Atomwaffenprogramm gab?"


Herr Präsident, wir wissen nicht, ob ein neues Geheimdienstgutachten über
Atomwaffen im Iran erstellt wurde und falls ja, ob es genau so glaubwürdig ist
wie das NIE vom November 2007, das dazu beigetragen hat, den Beginn eines
weiteren unnötigen Krieges im Folgejahr zu verhindern. Wir stehen zu unseren
Dokumenten.


Kurz gesagt, wenn Sie der Ansicht sind, dass es glaubwürdige Beweise dafür
gibt, dass der Iran aktiv an einem Atomwaffenprogramm arbeitet, dann sind wir
überzeugt, dass Sie getäuscht wurden. Und wenn Sie aufgrund falscher
Informationen Entscheidungen über den Iran fällen, wird das unvermeidliche
Ergebnis viel schlimmer sein als das Bush-Cheney-Debakel im Irak.



Für die Steuerungsgruppe

Veteran Intelligence Professionals for Sanity

- William Binney, ehem. NSA Technical Director for World Geopolitical & Military
Analysis; Mitgründer des Signals Intelligence Automation Research Center der NSA
(i.R.)
- Sen. Richard H. Black, 13th District of Virginia; Colonel US Army (i. R.);
ehem. Chief, Criminal Law Division, Office of the Judge Advocate General,
Pentagon (associate VIPS)
- Marshal Carter-Tripp, Foreign Service Officer (i. R.) und Division Director,
State Department Bureau of Intelligence and Research
- Kathleen Christison, Senior Analyst on Middle East, CIA (i. R.)
- Bogdan Dzakovic, ehem. Team Leader of Federal Air Marshals and Red Team, FAA
Security (i. R.) (associate VIPS)
- Philip Giraldi, CIA, Operations Officer (i. R.)
- Larry C. Johnson, ehem. CIA and State Department Counter-terrorism officer
- Michael S. Kearns, Captain, USAF (i. R.); Wing Commander, RAAF (i. R.);
Intelligence Officer & ex-Master SERE Instructor
- Linda Lewis, WMD preparedness policy analyst, USDA (i. R.) (associate VIPS)
- Edward Loomis, NSA Cryptologic Computer Scientist (i. R.)
- David MacMichael, Capt., USMC (i. R.); ehem. Senior Estimates Officer, National
Intelligence Council
- Ray McGovern, ehem. US Army Infantry/Intelligence Officer & CIA analyst; CIA
Presidential briefer (i. R.)
- Elizabeth Murray, ehem. Deputy National Intelligence Officer für den Nahen
Osten, National Intelligence Council & CIA political analyst (i.R.)
- Todd E. Pierce, MAJ, US Army Judge Advocate (i.R.)
- Scott Ritter, ehem. MAJ., USMC; ehem UN-Waffeninspekteur im Irak
- Coleen Rowley, FBI Special Agent und ehem. Minneapolis Division Legal Counsel
(i.R.)
- Sarah G. Wilton, Intelligence Officer, DIA (i. R.); Commander, US Naval Reserve
(i. R.)
- Robert Wing, ehem. Foreign Service Officer (associate VIPS)
- Ann Wright, Colonel, US Army (i. R.); Foreign Service Officer (Rücktritt wegen
Ablehenung des Irakkrieges)


Quelle: https://www.nachdenkseiten.de/?p=45338#more-45338
<https://www.nachdenkseiten.de/?p=45338#more-45338>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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