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Von den Schlaflabors oder die wuchernde Verwahrlosung des Journalismus

in Aus der Welt der Wissenschaft 11.09.2018 17:16
von franzpeter | 9.789 Beiträge

Über deutsche Medien

Von den Schlaflabors oder die wuchernde Verwahrlosung des Journalismus

"Es gibt zwei Arten von Geschichte: Die eine ist die offizielle, geschönte,
jene, die gelehrt wird, eine Geschichte ad usum delphini; und dann ist da die
andere geheime Geschichte, welche die wahren Ursachen der Ereignisse birgt, eine
beschämende Geschichte. (Balsac)"

Wolf Reiser: "Es geht mir mit diesen Bemerkungen lediglich darum, aus meinem
Erleben heraus, Außenstehenden zu erläutern, wie sich die wuchernde
Verwahrlosung des Journalismus in Schritten vollzog und wie aus Fitzgeralds
Knacks ein Scherbenhaufen werden konnte.

Schritt für Schritt haben sich seit damals die Brüder und Schwestern der
globalen Logen-Fake-News ins Geschehen eingemischt und via Atlantik-Brücke,
Aspen-Institute, der Trilateralen Kommission und German Marshall Fund, den
Bilderbergern, all diesen unerträglichen Thinktanks und regenbogenbunten NGOs
wohltätiger Milliardäre die große Hirnwäsche eingeleitet.

Hochbezahlte Edeltrolle tarnen sich als Historiker, Wissenschaftler, "Experten"
und Neurowissenschaftler und verordnen der mittlerweile komplett paralysierten
Republik je nach Tagesverfassung neue und diffuse Rezepte.

Selbst bei Redaktionen mit einem einst guten Ruf, bei der SZ, Zeit oder FAZ,
wurde jedweder weiterführende Dialog abgewürgt. Im Zentrum der
Kommunikationsbranche herrschte das bleierne Schweigen.

In diesen Schlaflabors ("Da bin ich ganz bei Ihnen") hätte kein Scholl-Latour
mehr Platz, kein Frank Schirrmacher, Jean Améry, kein Balzac, Grass oder
Goethe.

Hier sitzen die Duz-Freunde des Guten, Hayali und Seppelt und Theveßen und
Kleber und Mascolo. Die so redlichen wie unsichtbaren echten Kollegen werden in
Abwesenheit diffamiert als Verschwörungstheoretiker, Putin-Trolle, Europagegner
und Rechts- oder Links-Populisten.

Ach ja, der Journalismus: Diese hypnotisierten Top-Schreiber bei Zeit, FAZ,
Welt, Spiegel, SZ und wer sich im Wendekreis des Talentschuppens des moralisch
verwahrlosten Irrsinns sonst noch nährt, hätten es zu Willy Brandts Zeiten mit
einiger Mühe gerade noch in die Rubrik "Vermischtes" geschafft."


"Wir haben es mit einer monolithischen und ruchlosen weltweiten Verschwörung zu
tun, die ihren Einfluss mit verdeckten Mitteln ausbreitet: mit Infiltration statt
Invasion, mit Umsturz statt Wahlen, mit Einschüchterung statt Selbstbestimmung,
mit Guerillakämpfern bei Nacht, statt Armeen am Tag. Es ist ein System, das mit
gewaltigen menschlichen und materiellen Ressourcen eine komplexe und effiziente
Maschinerie aufgebaut hat, die militärische, diplomatische, geheimdienstliche,
wirtschaftliche, wissenschaftliche und politische Operationen verbindet. Ihre
Pläne werden nicht veröffentlicht, sondern verborgen, ihre Fehlschläge werden
begraben, nicht publiziert, Andersdenkende werden nicht belobigt, sondern zum
Schweigen gebracht, keine Ausgabe wird in Frage gestellt, kein Gerücht wird
gedruckt, kein Geheimnis enthüllt."

John F. Kennedy [1], 27. April 1961




telepolis 11. September 2018

Two Riders were approaching: Der Anfang vom Ende der deutschen Medien

Es gehört zum Komplettversagen der Linken, dass sie sich die Sache mit der
Lügenpresse von den Dumpfbacken der Pegida aus der Hand nehmen ließ


Wolf Reiser

Bild: 9/11 Photos/CC BY-2.0

Seit dem experimentellen Kosovo-Fake haben sich "unsere" Medien von ihrer
grundsätzlichen Funktion verabschiedet und sich schrittweise von ihrer
Existenzberechtigung befreit. Wer die "Arbeit" der öffentlich-rechtlichen
Sender und der "führenden" Tageszeitungen&Magazine über den Zeitraum 1990-
2018 verfolgen konnte oder musste und noch einen Funken historisches Bewusstsein
in sich trägt, weiß ...

Menschen, die in diesem frühen September 2018 in meinem Schwabinger Kaffeehaus
nach wenigen Minuten eines Leseversuchs ihre einst so geliebte SZ zu Seite
legen, fragen mich immer wieder - da sie gehört haben, dass ich für eine sehr
lange Zeit für viele nennenswerte Printorgane gearbeitet habe, was eigentlich
aus uns Journalisten geworden ist, wann das "irgendwie" alles begann mit dem
sittlichen Zerfall und ob sich die Branche irgendwann einmal wieder von dieser
Implosion erholen wird und ob das eine Delle ist oder eine Art Grippe, wie Aids
halt und man das wieder in den Griff bekommt.

Sicher, so antworte ich, wenn ich in Erzählstimmung bin und verweise, falls
mich der bayerische Grant im Griff hat, auf ein Buch von Sebastian Haffner, wo
der sich über Goebbels und den Umgang damals in Sachen Medienmob äußerte:



"Dieser, also Goebbels, versuchte nämlich nicht, das gesamte deutsche Volk zu
national-sozialistischen Ideen zu bekehren, sondern er verlegte seine
Anstrengungen darauf den Bürgern durch die Medien eine heile Welt
vorzuspiegeln. Er verbot die bürgerlichen Zeitungen nicht und man kann nicht
einmal sagen, dass er sie nazifizierte. Die meisten alten Redaktionen der
großen bürgerlichen Zeitungen schrieben, wie sie immer geschrieben hatten und
genau so sollten sie auch schreiben. Es gab im Dritten Reich durchaus eine Art
Pressevielfalt. Der Zeitungsleser hatte die Wahl, die Dinge so dargestellt zu
sehen, wie er es sich wünschte und gemäß seiner Stimmungslage weiter bedient
zu werden."

Sebastian Haffner



Donnerwetter, sagen dann die Leute Tage später, das hätten sie sich ganz anders
vorgestellt, mit Stürmer und Völkischen Beobachter und Lalü-Lala-Gestapo und
die ganzen Edelfedern der inneren Emigration draußen in Dachau beim
Steineklopfen oder dem Auswendiglernen von Mein Kampf.

Was haben Haffners kühle Einlassungen mit der Gegenwart zu tun, mit dem neuen
Deutschland 2018 und seiner neoliberal-zentral-öko-populistischen
Breitbandquerfront aus Zeit, Welt, SZ, Spiegel, TAZ, FAZ, Tagesspiegel und dem
kläglichen Sendemastgeqüäke von ARD, ZDF und dem Deutschlandradio?

Nach einer legendären ZDF-Anstalts-Sendung im Januar 2015 , in deren Verlauf
die Herren Uthoff und von Wagner mit ein paar Strichen die moralische
Verkommenheit vieler eingebetteten Alpha-Autoren und stets bestens informierten
Hauptstadtjournalisten an die Wand warfen und vor allem deren Nato-und CIA-PR
herausstellten, begannen in Deutschland endlich ein paar Kollegen aus ihrem
Tiefschlaf zu erwachen und gegen den Strich zu recherchieren.


Bald stießen sie im Internet auf ganz offen abgedruckte vertragliche
"Spielregeln", die zunächst mal für festen Mitarbeiter des Springer-Verlags
gelten.
Seither wird da munter herumgefummelt und kalibriert von Seiten der
Chefetagen und man möchte damit den Bürgern sagen, dass das doch alles nur
vage Betriebsanleitungen seien, Orientierungshilfen für junge Mitarbeiter und
eben nette Hinweise, Petitessen eigentlich, keiner Erwähnung wert.

Indessen gehören die gleich aufgeführten Punkte in etwa seit dem Jahre 2000
zum Deal nahezu aller großen Verlage und Sender und sind in mehr oder weniger
modifizierter Form auch Teil eines Abkommens, dessen Nichteinhaltung die
Kündigung mit allen Konsequenzen bedeutet.


Wer hierzulande als Journalist Geld verdienen möchte und vorhat, so etwas wie
eine Karriere zu machen, hat folgende Vorgaben zu bedienen:


"Das unbedingte Eintreten für den freiheitlichen Rechtsstaat, für Deutschland
als Mitglied der westlichen Staatengemeinschaft und für die Förderung der
Einigungsbemühungen der Völker Europas.

Das Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen sowie die
Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes.

Die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der
freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika.

Die Ablehnung jeglicher Art von politischem Totalitarismus und die Verteidigung
der freien sozialen Marktwirtschaft.

Die Unterstützung der EU, ihrer Politik und Einrichtungen."


In Anbetracht dieser einengenden Berufsformatierung erklärt es sich auch, dass
heute Kollegen wie die hochdortierten Hobbyaktivisten Dunja Hayali, der
ARD-Drogenbeauftragte Hajo Seppelt oder die Pool-Investigatoren rund um Georg
Mascolo als wandelnde Sturmgeschütze der Aufklärung gefeiert werden.

Es gehört zum Komplettversagen der Linken, dass sie sich die Sache mit der
Lügenpresse von den Dumpfbacken der Pegida aus der Hand nehmen ließ und
seither jede substanzielle Medienkritik mit einer umständlichen und würdelosen
Distanzierung von der AfD einleiten muss.


Da man diesen Kampf sang- und klanglos vergeigte, verliert sich das aktuelle
Rückzugsgebiet des wahrhaftigen Journalismus im parzellierten Weltreich der
Off-Medien und den Social-Media Magazinen, Blogs und Foren.

Zum einen aber füllen die Autoren dort nahezu honorarfrei Tag für Tag und
digital hübsch aufbereitet die lückenlosen Dateien für zukünftige
Gestapo-Anhörungen aus. Zum anderen rücken uns auch hier die
halbprivatisierten Zensurgauwarte des Innenministeriums, der Bertelsmann-Krake
und des NSA-Monsters unter dem Hate-Speech-Vorwand auf den Leib.


Ab wann wurde der wahrhaftige Journalismus gekapert und trojanisiert?

Doch zurück zum Thema: Wie hat das eigentlich begonnen? Und wie erklären die
"68er& Nie Wieder"-Parolendrescher ihren Kindern, warum man es nicht kommen sah
und wieso man sich nicht wehrte, damals, heute und morgen - wobei es schon 1985
fast zu spät war.

Das Jahre 1985 war - ob in Bezug auf Auflagen, Umsätze oder inhaltliche und
formale Grandezza - das Rekordjahr des deutschen Printwesens. Man kam als freier
Autor, der querbeet für Stern, Playboy, SZ oder Geo wie Vogue auf richtig gute
Honorare, man reiste mit der Carte Blanche des jeweiligen Verlags und genoss
allerorts mit diesem Presseausweis eine echte Reputation. Heute wird nur noch
gekichert, wenn man den albernen Plastikausweis in die Höhe hält.

Alle Beteiligten auf diesem Parcours ritten indessen auf einem viel zu hohem
Ross, um den Knacks zu hören, den Scott Fitzgerald beschreibt, diesen fast
unhörbaren ersten Sprung in einem alten Porzellanteller, der nach und nach zu
einem Riss wird und am Ende zerbrochene Teile hinterlässt. Und so ähnlich
verhielt sich das dann auch mit dieser sehr sachte erkaltenden Liebe zwischen
Verlag und Freelancern, Redakteuren und Autoren, Verlag und Ressortleitern.

Doch der Bruch war da und er wuchert bis heute als schleichende Entfremdung,
Irritation, als wachsendes Unbehagen im Tun und Fühlen und in Folge als eine
bodenlose Leere inkl. tapsiges Versuche, über die Bruchkante hinwegzulächeln.

Im selben Jahr, also 1985 begrüßte Kanzler Kohl die privaten Infotainer von
RTL und Sat 1, und fast alle meiner Kollegen vom Print und Funk ließen sich
einlullen vom Geschwätz einer neuen flotten bunten Medienzukunft. Seither tobt
sich das infantile Tutti-Frutti munter aus und betreibt die Berlusconisierung
der Republik.
Dann zerlegten die Reagan-Agenten die Berliner Mauer und - bezogen
auf unsere Medienlandschaft - flutete aus Österreich all der Lifestyle ins
Land, Tempo, Wiener, die Befreiung von Jesussandalen und Gewissensbissen.

Plötzlich ging es um Toskana-Weine, handgenähte Lederschuhe, Boutiquehotels,
Designreisen. Fast alle seriösen Magazine schleckten Markus Peichl&Konsorten
die Füße und betrieben innovative Kurskorrektur: weg mit dem Elend der Welt,
dem ewig Negativen, dem Apo-Opa-Muff. Techno, Dumpfrave und Ecstasy verdrängen
Kiff und Hippieideale.

Die kurz danach einsetzende Dotcomdekade machte den
Blair&Clinton&Schröder-Neoliberalismus auf allen Ebenen salonfähig.

Modriger Müll wie Focus-Money machte deutschen Spießern
Telekom-&-Infineon-Aktien schmackhaft oder listete die 50 besten Zahnärzte
Bayerns auf. Das Ranking zog ein im deutschen Blätterhaus und schicke
langbeinige PR-Agenturen diktierten nach und nach die Inhalte, bis sich nahezu
alle Redaktionen in Endabnehmer von Produktwerbung und Nachrichtenfake verwandelt
hatten.


Seit 9/11 herrscht im Zentrum der Kommunikationsbranche das bleierne Schweigen

Operation All along the Watchtower: Am 11. September 2001 implodierten in New
York mehrere Türme. Jeder Besitzer eines Resthirns kann heute die Namen der
drei bis vier beteiligten Geheimdienste nennen. Nur er tut es nicht, vor allem,
wenn er deutscher Journalist ist und die Hypotheken seiner Altbauwohnung noch
nicht abbezahlt hat.

Wie sehr die USA an Aufklärung interessiert war und ist, beweist der Fakt, dass
man für den Lewinsky-Untersuchungsausschuss zehnmal mehr ausgegeben hatte
als
zur genauen Ergründung jene Taliban-Desinfizierung der westlichen Wertewelt.

Rot-Grün, Tinte und Blut von Belgrad waren noch nicht getrocknet, stand stramm
zur Seite. Es wurde unverbrüchliche Treue geschworen, transatlantische
Einigkeit, Schweigeminuten, Schweigejahre, Hundejahre, in denen uns SPD-Genossen
und die Leitartikler der Großmagazine die Freiheit am Hindukusch besangen.

Vor Colin Powells Powerpoint-Vortrag wagten nur ein paar Greise wie Stockhausen,
Grass, Theodorakis oder Scholl-Latour Einspruch zu erheben. Sie erinnerten an so
komische Parallelen zu Tomkin, Pearl Harbor, Kosovo, an die Kennedy-Attentate,
an Kissingers Chiletricks und ähnliche Ungereimtheiten in der Wesenswelt der
angelsächsischen Pyromanie.

Ich selbst las damals zur Erholung Balzazs tolldreiste Erzählungen und stieß
dort auf eine dahin geworfene Trouvaille: "Es gibt zwei Arten von Geschichte: Die
eine ist die offizielle, geschönte, jene, die gelehrt wird, eine Geschichte ad
usum delphini; und dann ist da die andere geheime Geschichte, welche die wahren
Ursachen der Ereignisse birgt, eine beschämende Geschichte."


In Moskau kotzte Jelzin die Duma voll, während die vom Stalinismus befreiten
Länder der Balten, die Polen oder Tschechen sich darin überboten, den
lupenreinen Demokraten aus Washington und London elegant outgesourcte
Guantánamos anzubieten.


Die allmähliche Verwahrlosung des Journalismus

Uns Freien, sofern sie noch ein Funken Würde in sich verspürten und Reste
eines Gewissens wurde ohne weitere Erklärung klargemacht, woher die Winde von
nun an wehen. Es galt auf einmal, die Schönheit Deutschlands zu entdecken und
überhaupt die Wiederbesinnung auf "konstruktive Themen" zu pflegen.

Dazu gehörte es auch, beim Honorar Abstriche zu machen, denn erbauliche und
nette Sachen, die sind ja wie eine zweite Währung und auch gut für die Nerven.

In den Redaktionen kratzten sich die seltsam verstimmten Kollegen bei so was wie
politischen Themen am Köpfchen und schwärmten hingegen für "weiche" Sujets,
wie etwa alles rund um Freizeit, Kuchenbacken, Yoga, Rumreisen auf Agenturkosten,
so irgendwie Menschelndes halt, etwa über Klinsis Sommermärchen, wir hauen die
Polen weg oder was in Richtung Landlustgartenlaubenmuff, so die Art Imkerglück.

Dankbar und rotbäckig griffen die von der Not verführten Kollegen zum
vergifteten Honig - denn mit jedem Tag mehr wurde einem die alternativlose
Situation deutlich.

Once upon a time lieferten Freie mehr als die Hälfte der Inhalte. Wir waren
naturgemäß ein wenig frischer, flexibler und weisungsungebundener als
festangestellte Kollegen. Doch nun waren wir plötzlich frei zum Abschuss, hurra
Stahlgewitter, leider nie gelesen, aber Nazimist, und suchten die Fehler bei uns
selbst.

Dass die unsichtbare Trennung von Festen und Freien einem clever eingefädelten
und übergeordneten System gehorchte, wurde nur ganz wenigen Betroffenen bewusst
und die allermeisten kapieren es auch heute noch nicht.


Zwischen 1985 und 2001 hatte die große Säuberungswelle eingesetzt und die
smarten Tortentänzer setzten die alljährlichen Bilderberg-Vorgaben subtil und
perfide um. Sie zerstörten die Kommunikation zwischen Innen und Außen, sie
verteilten das Wissen und schufen Misstrauen und Neid. Die Ideen von Freien
wurden ignoriert, heruntergeputzt oder gleich gestohlen. Wer fragte oder gar
drohte, hatte sich selbst erledigt.

Selbst bei Redaktionen mit einem einst guten Ruf, bei der SZ, Zeit oder FAZ,
wurde jedweder weiterführende Dialog abgewürgt. Im Zentrum der
Kommunikationsbranche herrschte das bleierne Schweigen.

Parallel dazu wurden die Honorare halbiert und mit dem Aufkommen des
Online-Journalismus noch weiter geschreddert. Heute kann ein freier Journalist
kein menschenwürdiges Leben führen, wenn jenes allein von seiner Arbeit
abhängt.

Bei den geschätzt 30.000 Kollegen machten sich Frust, Wut, Resignation und
Selbstzweifel breit und vor allem war da diese Angst, diese allumfassende Angst,
die aktuell dazu führt, dass sich bei der SZ nach der eben erfolgten Kündigung
des Karikaturisten Dieter Hanitzsch keine Solidaritätsbekundung erfolgt. Angst
essen Seele auf.

Selbst Fritz Raddatz musste kurz vor seinem Tod feststellen, dass Menschen wie er
plötzlich überflüssig waren, nervender Sondermüll, ein Greis von gestern. Er
schrieb:

"Alles Leben hat seine Grenze. Alles Erleben auch. Wem die Töne seiner
Gegenwart nur mehr Geräusche sind, die Farben Kleckse, die Wörter klingende
Schelle: Wo wäre dessen Legitimation zu lautem Klagelied (oder, sehr selten,
leisem Lobpreis)? Ich spreche sie mir ab, fürderhin. Zu viele Gedichte sind mir
nur mehr halbgebildetes Geplinker, zu viele gepriesene Romane nur mehr
preiswerter Schotter. Der nicht mehr liebt, der räsoniere nicht. Liebeleere ist
keine Qualität. Schon gar nicht für einen Kunstrichter. Also beende ich
hiermit meine Zeitungsarbeit, die ich mit 21 Jahren begann: (…) Ich bin vor
drei Wochen 83 geworden. Time to say goodbye. Goodbye."

Fritz Raddatz


Es geht mir mit diesen Bemerkungen lediglich darum, aus meinem Erleben heraus,
Außenstehenden zu erläutern, wie sich die wuchernde Verwahrlosung des
Journalismus in Schritten vollzog und wie aus Fitzgeralds Knacks ein
Scherbenhaufen werden konnte.


Ab dem 12. September 2001 waren Fragen nicht mehr gefragt

Nach 9/11 hielten natürlich noch ein paar Freundschaften dem Schisma stand und
so trafen sich Freie und Feste privat, bei Bier- und Wurstfeiern oder den
trostlosen Verleihungen schäbig dahinmanipulierter Journalistenpreise. In fast
allen Fällen, so mein Erinnern, wurde der ökonomisch nahezu ruinierte Freie
präventiv zugeschüttet mit dem Elend des Unfreien: Überlastung, Druck von
allen Seiten, inhaltliche Verflachung, Mobbing, Intriganz, Angst vor Jobverlust,
Outsourcing, Bespitzelung, Renditegier, Blabla.


Die immer seltener werdenden Kurzvisiten in den Verlagshäusern boten eher
lächerlich- unerfreuliche Einblicke: Erwachsene Menschen starren auf Monitore
und ihre stumpfen Augen suchen das eingerahmte Farbphoto, auf dem der
Lebenspartner und Kleinwüchsige stumpf lächeln. Bald ist Freitag. Dann wird
gegrillt. Mit Sven Lorig vom Moma. Also Höchststrafe.

Erkundigte ich mich in normaler Lautstärke nach dem Verbleib von diesem oder
jenem Kollegen, zuckte der Angesprochene zusammen, legte den Finger auf den Mund
oder deutete auf eine imaginäre Figur hin, irgendwo hinter einer Wand. Es war
eine Stimmung wie damals in den Transitwirtshäusern der DDR, wo die halbe Ente
mit Rotkraut 1.99 Ostmark kostete.


Der Taylorismus der Heuschreckenverlage
https://de.wikipedia.org/wiki/Taylorismus
<https://de.wikipedia.org/wiki/Taylorismus>
hat zunächst dafür
gesorgt, dass die unberechenbaren UFO-Autoren und dann schrittweise die
unbequemen und ergrauenden Sesselhocker weggefegt wurden. In den
vollklimatisierten Edelverlagen sichteten grenzwertig parfümierte
McKinsey-Schnüffler und BWL-Psychopathen die Arbeitsverträge und empfahlen den
CEOs möglichst elegant-kluge Abfindungs-verfahren.

Da stehen wir heute nun und allen, die von links oder rechts Lügenpresse rufen,
sei dies als Fußnote angefügt. Wer also heute, im heißen September 2018, den
halbwegs integren Presseleuten so salopp wie berechtigt vorhält, ihre Seele
verkauft zu haben und der Macht aus der Nato, Bundeskanzleramt, Monsanto oder
CIA zu dienen, muss wenigstens wissen, dass die Strangulierung des Journalismus
mit eben den Vorgängen von 9/11 einsetzte, bzw. beendet wurde. Nebenbei: Wer
der offiziellen Verschwörung offen misstraute, war in absehbarer Zeit seinen
Job los.

Wer die Nagelprobe der abgespalteten Identität nicht bestand, konnte seine
Karriere als fester wie freier Journalist beenden. Wer nicht mit den
degeneriert-traumatisierten Leitwölfen mitwimmerte, war erledigt. Ab dem 12.
September 2001waren Fragen nicht mehr gefragt. Das Tabu begann seine Zaungäste
zu verschlingen. Die Schizophrenie nahm Platz im Garten der Verwirrten.

Schritt für Schritt haben sich seit damals die Brüder und Schwestern der
globalen Logen-Fake-News ins Geschehen eingemischt und via Atlantik-Brücke,
Aspen-Institute, der Trilateralen Kommission und German Marshall Fund, den
Bilderbergern, all diesen unerträglichen Thinktanks und regenbogenbunten NGOs
wohltätiger Milliardäre die große Hirnwäsche eingeleitet.


Hochbezahlte Edeltrolle tarnen sich als Historiker, Wissenschaftler, "Experten"
und Neurowissenschaftler und verordnen der mittlerweile komplett paralysierten
Republik je nach Tagesverfassung neue und diffuse Rezepte.


"Unsere Gesellschaft ist militanter, intoleranter und unnachgiebiger als je
zuvor. Es scheint nur noch eine Stimme zu geben, die, orchestriert von der
Regierung und Armeesprechern, getragen von einem Clan loyaler Massenmedien wie
den großen TV-Nachrichten-kanälen, den auflagenstarken Zeitungen und Websites,
in jedem Winkel des Landes widerhallt.

Nur diese eine Stimme wird gehört. Versuche, Widerspruch zu artikulieren, Fragen
zu stellen, zu protestieren, eine andere Farbe einzubringen als die des
Konsenses, werden bestenfalls lächerlich gemacht oder herablassend behandelt. In
anderen Fällen werden Abweichler zum Ziel von Bedrohungen, Verleumdungen und
Angriffen. Leute, die nicht 'unsere Truppen unterstützen', werden als Verräter
betrachtet.

Den Zeitungen, welche das Vorgehen der Armee hinterfragen, wird vorgeworfen, die
Moral zu untergraben."

Der israelische Musiker und Romancier Assaf Gavron über die Verfassung seiner
Heimat


Ein trüber Brei aus Neobiedermeier hat sich über Stadt, Land, Fluss gelegt und
lähmt Politik und Medien

Spätestens 2010 waren die Flure bereinigt. In den Redaktionen der meisten
Blätter saßen nun die formatierten Herrschaften fest im Sattel und sorgten
dafür, dass Geist, Courage, Phantasie und Würde eliminiert wurden. Die
Redaktionen waren gebrieft und das Juste Mileu zwischen Taz und Faz, 3 Sat und
BR, nato-affinen Grünen und sozialliberalisierter CDU&CSU war Mk-programmiert.

Das Damentrio Merkel, Mohn und Springer hatte den Boden bereinigt, auf dem sich
gelegentlich narzisstisch taumelnde Politikdarsteller wie Özdemir, Spahn, Heil,
Lindner, Dobrinth in belanglosen Grubenkämpfen tummelten und ihre Wähler mit
zeitverschobenen Zündungsmechanismen und Empörungskurven bei Laune hielten.

Ein trüber Brei aus Neobiedermeier hat sich über Stadt, Land, Fluss gelegt und
lähmt Politik und Medien, Kino und Theater, die Mode und den Sport, die
Gemüter, das Straßenbild, alles und jeden.

Abend für Abend versammeln sich in den Wahrheitskathedralen der Lüge die
Talking-Heads aus der 65-Personen- Castingbroschüre des offiziellen Populismus.
Sie bilden die Arme eines neoliberalen Groko-Kraken und werden je nach
Schwerpunkt ergänzt um eloquente Abgesandte aus diversen Stiftungen, am besten
von Bertelsmann, Instituten für irgendwelche Beziehungen, etwa Frieden und
Sicherheit und anderen Heißluft-Experten aus London und New York.

Gelegentlich wird so einer Runde ein armes Würstchen zum Fraß vorgeworfen -
ein Piratenhacker, eine IS-Anwärterin mit Burka, jemand von Pegida oder der
Roten Flora und notfalls Herr Lüders oder Herr Todenhöfer.

Anstatt im Dienst und Geist der Dialektik zu streiten - es muss ja nicht gleich
mit Hegel, Bloch und Adorno zu tun haben - und sich die Leviten zu lesen,
versanden die Debatten im verzagt altklugen Sing-sang sermonaler Konsensmessen.

In einer Endlosschleife spulen die Couchbesetzer ihre Sprachregelungen,
Tabusetzungen und neofeudalen Moralcodes ab. Mit zelotischer Verbissenheit
machen sich diese immer gleichen Infotainer jedes Thema zu eigen:
Mietpreisbremse, nervöse Märkte, Soziales, Nullzinsrisiko, Fassbomben,
hellenisches Klienteldrama und, logisch, ja, Bildung, Bürokratieabbau, Maidan,
Maut, Entlastung der mittleren Einkommen, NSU, NSA, Flüchtlinge, Videobeweis,
Biodiesel, Cum-Ex, Hitlers Sackratten und abgehängte Schlecker-Frauen.

In diesen Schlaflabors ("Da bin ich ganz bei Ihnen") hätte kein Scholl-Latour
mehr Platz, kein Frank Schirrmacher, Jean Améry, kein Balzac, Grass oder
Goethe.

Hier sitzen die Duz-Freunde des Guten, Hayali und Seppelt und Theveßen und
Kleber und Mascolo. Die so redlichen wie unsichtbaren echten Kollegen werden in
Abwesenheit diffamiert als Verschwörungstheoretiker, Putin-Trolle, Europagegner
und Rechts- oder Links-Populisten.

Zu Füßen der Raute zeigenden Freiheitsstatue in Apricot schwadroniert die
Echokammerelite von der westlichen Wertegemeinschaft, der offenen Gesellschaft,
des liberalen Pluralismus, der Entfaltung des Gender-Individuums, den freie
Märkten und der Verteidigung irgendwelcher transatlantischer Ideale.
Man kann es
nicht mehr hören und nicht mehr sehen und nur hoffen, dass der Russe und sein
Hacker endlich den Strom abstellen.

Auch kann man die staatliche Sprachverwahrlosung nicht mehr ertragen. Ich mag
nur ein Beispiel anführen, nämlich die inflationäre wie beiläufige
Erwähnung von den "Menschen, die sich abgehängt fühlen". Das bezieht sich
offenbar auf die kleinen Trottel von der Straße, die da draußen hinter der
Mattscheibe im Land herumstreunen und deren Einzelschicksale zwischen Jobcenter,
Krankschreibung, Eckkneipe, Pflegeloch, Discounthallen und Teilzeitirrsinn
verziffert werden.

Naht irgendeine Wahl überbieten sich die urplötzlich so volksnahen
Empört-und-betroffen-zugleich-Groko-Charmeure darin, jetzt endlich diese
verlorenen Seelen "abzuholen" und "einzufangen" und sie "zurück ins Boot" zu
holen.
Es ist auch die besorgte Rede von der "Augenhöhe" und davon, dass man
die Mühseligen und Beladenen "wieder ernst nehmen" wird - also diese
RTL-II-Gimpel, halb White Trash, halb dunkeldeutsches Pack.

Der Zynismus der christlich-liberalen Biomoralisten besteht darin, Millionen von
Mitbürgern bis tief in den Mittelstand hinein das Recht abzusprechen,
abgehängt zu SEIN. Mit perfider Arroganz werden die Abgehängten auf sich
selbst zurückgeworfen. Anschluss verpasst? Euer Problem.



Jämmerliche Simulation von Demokratie

Mehr leisten, mehr Ego-Shooting, mehr Anpassung an unsere schöne neue Wertewelt,
einfach mal ein bisschen durch die Institutionen marschieren wie Joschka auf
seinem langen Weg in den Schoß seiner Ziehmutter Madeleine Albright, die 1996
meinte: "Ja, ich glaube, die halbe Million Kinder, die wegen der
US-Irak-Sanktionen starben, waren den Preis wert."

Ihr rundlicher Ziehsohn, einst Vietnamkriegsgegner, dann balkanischer
Kriegstreiber und heute ein stirnrunzelnd halluzinierendes Nato-Strichmännchen
residiert in einer abgedunkelten Villa im Berliner Nobelviertel Dahlem und
bezieht Entgelte von bis zu 30.000 Euro für trostloses Geschwätz.

Fischer wie Schröder oder das Elend namens Scharping sind gloriale Beispiele
dafür, wie sich die parlamentarische Betriebsamkeit in eine jämmerliche
Simulation von Demokratie verwandelt hat.
Gerade die rotgrünen Anteile unseres
Wahrheitsregimes tun sich hervor dabei, inzwischen jedes freie frische Denken zu
konfiszieren und real-bestehende Interessengegensätze und Widersprüche zu
kaschieren.

Dieser rülpsende Konsensmoloch will kein Arm und Reich, kein Unten und Oben und
keine Diskussion über die grotesken Auswüchse von Besitz und Macht.

Er will aber Pressefreiheit, allerdings nur in Russland, Türkei, Syrien oder in
Venezuela
. Armselig und lächerlich und mit neokolonialer Selbstanmaßung
stiefelt der reanimierte wilhelminische rotgrüne Baedeker-Studienrat über den
Globus. Ernst vermisst er die Achsen des Bösen, tadelt x-beliebige
Schurkenstaaten, diktiert Wahlempfehlungen und droht anderen Nationen mit
Sanktionen und Embargos, falls nicht schleunigst die Hausaufgaben erledigt
werden.

Ach ja, der Journalismus: Diese hypnotisierten Top-Schreiber bei Zeit, FAZ,
Welt, Spiegel, SZ und wer sich im Wendekreis des Talentschuppens des moralisch
verwahrlosten Irrsinns sonst noch nährt, hätten es zu Willy Brandts Zeiten mit
einiger Mühe gerade noch in die Rubrik "Vermischtes" geschafft.

Wäre es nicht so unglaublich traurig, könnte man schmunzeln über diesen
korrupten Mascolo&NDR&WDR&SZ-Zusammenschluss zu multimedialen
Investigationspools und Rechercheteams, die nach jahrelangen und
lebensgefährlichen Untergrundermittlungen Wulffs Oktoberfestquittungen auslegen
oder ein paar klemmende Sturmgewehre oder Franz Beckenbauers Einsamkeit.

Derweil bricht Europa in sich zusammen, die finstere und ferngesteuerte USA
scheint zum inneren wie externen Armageddon entschlossen, über 100 Millionen
verwirrte Flüchtlinge allein im größeren Mittelmeerraum fressen verweste
Ratten, während unsere Elite sich in ihre neuseeländischen oder patagonischen
Atombunker verkriecht.

"Ich bin ein Berliner", hört man immer wieder Guido Knopps Kennedy sagen. Doch
ein paar Wochen später sagte er etwas anderes und allen, die wir uns fragen,
wieso keiner mehr die Wahrheit ausspricht und wohin die Welt treibt und wer denn
genau dieses Treibgut eigentlich befiehlt, möchte ich diese Worte nochmals in
Erinnerung rufen:

"Wir haben es mit einer monolithischen und ruchlosen weltweiten Verschwörung zu
tun, die ihren Einfluss mit verdeckten Mitteln ausbreitet: mit Infiltration
statt Invasion, mit Umsturz statt Wahlen, mit Einschüchterung statt
Selbstbestimmung, mit Guerillakämpfern bei Nacht, statt Armeen am Tag. Es ist
ein System, das mit gewaltigen menschlichen und materiellen Ressourcen eine
komplexe und effiziente Maschinerie aufgebaut hat, die militärische,
diplomatische, geheimdienstliche, wirtschaftliche, wissenschaftliche und
politische Operationen verbindet. Ihre Pläne werden nicht veröffentlicht,
sondern verborgen, ihre Fehlschläge werden begraben, nicht publiziert,
Andersdenkende werden nicht belobigt, sondern zum Schweigen gebracht, keine
Ausgabe wird in Frage gestellt, kein Gerücht wird gedruckt, kein Geheimnis
enthüllt."

John F. Kennedy [1], 27. April 1961



"Well, the train left the station. With two lights on behind
<http://www.youtube.com/v/-BkPm8JIJJQ?version=3&autohide=1> ."
Robert Johnson wurde nicht sehr alt.


Quelle: http://www.heise.de/-4158735
<http://www.heise.de/-4158735%20>

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[1]
https://www.heise.de/tp/features/Two-Rid....html?seite=all
<https://www.heise.de/tp/features/Two-Riders-were-approaching-Der-Anfang-vom-Ende-der-deutschen-Medien-4158735.html?seite=all>


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franzpeter
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