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Die Gefahr direkter Feindseligkeiten zwischen Russland und den USA in Syrien ist höher als je

in Aus der Welt der Wissenschaft 14.09.2018 17:38
von franzpeter | 8.948 Beiträge

NDS 14. September 2018

Moskau erhöht den Einsatz gegen Syrien

Während die syrischen Streitkräfte mit Unterstützung Russlands den
endgültigen Showdown gegen die dschihadistischen Extremisten in der Provinz
Idlib in Angriff nehmen, war die Gefahr für eine Konfrontation zwischen den USA
und Russland nie größer, warnt die Gruppe Veteran Intelligence Professionals
for Sanity (VIPS) am 9.9.2018 in diesem Memorandum an den amerikanischen
Präsidenten.


Veteran Intelligence Professionals für Sanity (VIPS) besteht aus ehemaligen
Geheimdienstlern, Diplomaten, Militärs und Kongressabgeordneten. Die 2002
gegründete Organisation war einer der ersten Kritiker von Washingtons
Rechtfertigung des Krieges gegen den Irak.


VIPS befürwortet eine US-amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik, die auf
echten nationalen Interessen basiert, und nicht auf erfundenen Bedrohungen, die
aus politischen Gründen gefördert werden
.


Ein Archiv von VIPS-Memoranden ist unter Consortiumnews.com
https://consortiumnews.com/ verfügbar.

Josefa Zimmermann hat das Memorandum
https://consortiumnews.com/2018/09/09/mo...-ante-in-syria/
für die NachDenkSeiten ins Deutsche übertragen:


MEMORANDUM AN: Den Präsidenten
VON: Veteran Intelligence Professionals für Sanity
THEMA: Moskau erhöht den Einsatz gegen Syrien

Herr Präsident,

wir sind besorgt, dass Sie möglicherweise nicht ausreichend über die
zunehmenden Konflikte im Nordwesten Syriens informiert wurden, wo syrische
Streitkräfte mit russischer Unterstützung eine umfassende Kampagne zur
Rückeroberung der von Al-Nusra / Al-Qaida / ISIS eroberten Provinz Idlib
gestartet haben.


Genau wie in Aleppo Ende 2016 werden die Syrer mit ziemlicher Sicherheit
erfolgreich sein. Genau wie in Aleppo wird dies ein unsägliches Gemetzel
bedeuten, es sei denn, jemand sagt den Aufständischen, dass sie bereits
verloren haben.

Dieser Jemand sind Sie.

Die Israelis, die Saudis und andere, die bereit sind, dieses Chaos zu ertragen,
werden die Aufständischen anstacheln und ihnen versichern, dass Sie, Herr
Präsident, die US-Truppen zum Schutz der Aufständischen in Idlib einsetzen
werden und vielleicht auch Bomben auf Damaskus regnen lassen.

Wir glauben, dass Ihre Spitzenberater die Aufständischen zu diesen Gedanken
ermutigen und dass diese Spitzenberater sich Ihren kürzlichen Strategiewechsel
vom Truppenrückzug aus Syrien zum zeitlich unbefristeten Krieg als Verdienst
anrechnen.


Diesmal ist es anders

Zur Zeit werden mit russischen Raketen bewaffnete Marine- und
Luftwaffeneinheiten in noch nie dagewesener Anzahl stationiert, um diejenigen
anzugreifen, die die syrischen und russischen Streitkräfte daran hindern
wollen, Ildib von Terroristen zu säubern.

Wir gehen davon aus, dass Sie darüber informiert wurden - zumindest in gewissem
Umfang. Wichtiger noch wir wissen, dass Ihre Berater die russischen Fähigkeiten
und Absichten in gefährlicher Weise unterschätzen.

Wir wollen nicht, dass Sie von russischen Raketen überrascht werden. Die Gefahr
direkter Feindseligkeiten zwischen Russland und den USA in Syrien ist höher als
je zuvor. Wir sind nicht sicher, ob Ihnen das bewusst ist.

Noch instabiler wird die Situation dadurch, dass die Kremlführer nicht sicher
sind, wer in Washington das Sagen hat. Es ist nicht das erste Mal, dass
Präsident Putin mit einer so unsicheren Situation konfrontiert ist. (siehe
Anhang unten). Es ist jedoch das erste Mal, dass kampfbereite russische
Streitkräfte in so großer Zahl in das Gebiet entsandt wurden. Der Einsatz ist
sehr hoch.

Wir hoffen, dass John Bolton Ihnen von dem scharfen Ton der Gespräche mit seinem
russischen Amtskollegen in Genf vor ein paar Wochen berichtet hat. Wir gehen jede
Wette ein, dass der Kreml unsicher ist, ob Bolton Ihren Standpunkt oder seinen
eigenen vertritt.

Der beste Weg, Herrn Putin zu versichern, dass Sie die US-Politik gegenüber
Syrien unter Kontrolle haben, wäre, wenn Sie möglichst bald die Gelegenheit
ergreifen, sich öffentlich zu äußern und Ihre Absichten verdeutlichen. Wenn
Sie aber einen größeren Krieg wollen, hat Bolton Sie auf den richtigen Weg
gebracht.

Wenn Sie die Lage beruhigen wollen, sollten Sie etwas in Erwägung ziehen, das
man als präventive Waffenruhe bezeichnen könnte.

Damit meinen wir die öffentliche Verpflichtung der Präsidenten der USA und
Russlands, Vorkehrungen zu treffen um die einen offenen Konflikt zwischen den
Streitkräften der USA und Russlands zu verhindern. Wir glauben, dass unter den
gegenwärtigen Umständen ein solcher außerordentlicher Schritt erforderlich
ist, um einen größeren Krieg zu verhindern
.



Unterzeichner der VIPS-Steuerungsgruppe:

William Binney, Richard H. Black, Marshall Carter-Tripp, Philip Giraldi, Mike
Gravel, James George Jatras, Michael S. Kearns, John Kiriakou, Matthew Hoh,
Edward Loomis, Linda Lewis, David MacMichael, Ray McGovern, Elizabeth Murray,
Todd E. Pierce, Coleen Rowley, Sarah G. Wilton, Robert Wing, Ann Wright.


Anhang:

- 12.September 2016: Der eingeschränkte Waffenstillstand tritt in Kraft. Zu den
Bestimmungen gehört die Trennung der gemäßigten Rebellen von den anderen.
Minister John Kerry hatte zuvor behauptet, er habe "raffinierte" Wege
entwickelt, um die Trennung zu erreichen, aber nichts ist passiert. Zu den
Bestimmungen gehörte auch der sichere Zugang zur Befreiung von Aleppo.

- 17. September 2016: Bombenangriffe der US-Luftwaffe auf Stellungen der
syrischen Armee, bei denen 64 bis 84 syrische Soldaten getötet wurden; Etwa 100
weitere Verletzte - Beweis genug, um die Russen davon zu überzeugen, dass das
Pentagon eine sinnvolle Zusammenarbeit mit Russland verhindern will.

- 26. September 2016: Wir können davon ausgehen, dass das, was Lawrow seinem
Chef privat erzählt hat, seinen unverblümten Worten am 25. September im
russischen Fernsehen nahe kommt. (In öffentlichen Äußerungen, die an die
selbstbewussten hochrangigen Vertreter des Pentagon vor ein paar Tagen
erinnerten, wurde ungewöhnlich offene Skepsis in Bezug auf Schlüsselaspekte des
Kerry-Lawrow-Abkommens deutlich, wie den Austausch von Geheimdienstinformationen
mit den Russen - einer Schlüsselbestimmung des von Obama und Putin genehmigten
Abkommens).

Das sind Lawrows Worte vom 26. September: "Mein guter Freund John Kerry ... wird
vom US-Militärapparat heftig kritisiert. Trotz der Tatsache, dass ihm, wie
immer, versichert wurde, dass der US-Oberbefehlshaber Barack Obama ihn bei seinen
Kontakten mit Russland unterstützt (er bestätigte das bei seinem Treffen mit
Präsident Wladimir Putin), scheint das Militär nicht wirklich auf den
Oberbefehlshaber zu hören. "

Lawrow ging über bloße Rhetorik hinaus. Er kritisierte den JCS-Vorsitzenden
Joseph Dunford ausdrücklich dafür, dass er dem Kongress mitgeteilt hatte, die
Weitergabe von Geheimdienstinformationen an Russland abzulehnen "nach den
Vereinbarungen, die auf direkten Anweisung des russischen Präsidenten Wladimir
Putin und des US-Präsidenten Barack Obama über den Austausch von Informationen
geschlossen wurden. Es ist schwierig mit solchen Partnern zu arbeiten. ... "

- 27. Oktober 2016: Putin spricht im Valdai International Discussion Club

Im Valdai sprach der russische Präsident Putin über den aufgeheizten Zustand
der internationalen Beziehungen und beklagte: "Meine persönlichen Vereinbarungen
mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten führten zu keinen Ergebnissen."

Er beschwerte sich über "Menschen in Washington, die alles in ihrer Macht
Stehende tun würden, um zu verhindern dass diese Vereinbarungen in die Praxis
umgesetzt werden" und er kritisierte in Bezug auf Syrien das Fehlen einer
"gemeinsamen Front gegen den Terrorismus nach so langen Verhandlungen, enormen
Anstrengungen und schwierigen Kompromissen ".


https://consortiumnews.com/2018/09/09/mo...-ante-in-syria/
<https://consortiumnews.com/2018/09/09/moscow-has-upped-the-ante-in-syria/>



Quelle: https://www.nachdenkseiten.de/?p=46001#more-46001
<https://www.nachdenkseiten.de/?p=46001#more-46001>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 14.09.2018 17:40 | nach oben springen


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