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#1

Wie Elitendemokratie und Neoliberalismus unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen zerstören

in Aus der Welt der Wissenschaft 02.10.2018 07:38
von franzpeter | 9.789 Beiträge

Buchtipp

Rainer Mausfeld

Warum schweigen die Lämmer?

Wie Elitendemokratie und Neoliberalismus unsere Gesellschaft und unsere
Lebensgrundlagen zerstören



Indoktrination statt Information

In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Demokratie in einer beispiellosen Weise
ausgehöhlt.


Demokratie wurde durch die Illusion von Demokratie ersetzt, die freie
öffentliche Debatte durch ein Meinungs- und Empörungsmanagement, das Leitideal
des mündigen Bürgers durch das des politisch apathischen Konsumenten.


Wahlen spielen mittlerweile für grundlegende politische Fragen praktisch keine
Rolle mehr. Die wichtigen politischen Fragen werden von politisch-ökonomischen
Gruppierungen entschieden, die weder demokratisch legitimiert noch demokratisch
rechenschaftspflichtig sind.


Die destruktiven ökologischen, sozialen und psychischen Folgen dieser Form der
Elitenherrschaft bedrohen immer mehr unsere Gesellschaft und unsere
Lebensgrundlagen.

Rainer Mausfeld deckt die Systematik dieser Indoktrination auf, zeigt dabei auch
ihre historischen Konstanten und macht uns sensibel für die vielfältigen
psychologischen Beeinflussungsmethoden.

Autor:

Rainer Mausfeld ist Professor an der Universität Kiel und hatte bis zu seiner
Emeritierung den Lehrstuhl für Wahrnehmung- und Kognitionsforschung inne. In
seinen gesellschaftspolitischen Beiträgen beschäftigt er sich mit der
neoliberalen Ideologie, der Umwandlung der Demokratie in einen autoritären
Sicherheitsstaat und psychologischen Techniken des Meinungs- und
Empörungsmanagements.
Mit seinen Vorträgen (u.a. "Wie werden Meinung und
Demokratie gesteuert?" und "Die Angst der Machteliten vor dem Volk") erreicht er
Hunderttausende von Zuhörern.

https://www.westendverlag.de/buch/warum-...-laemmer-ebook/
<https://www.westendverlag.de/buch/warum-schweigen-die-laemmer-ebook/>



Dazu:

NDS 01.10.2018

Auszug

In den vergangenen Jahrzehnten kam es zu einer schleichenden aber äußerst
tiefgreifenden Einschränkung des öffentlichen Debattenraumes, die weitgehend
durch die Medien hervorgebracht wurde. Sie war eine Folge der neoliberalen
Ideologie, die zu einer massiven ideologischen Homogenisierung ökonomischer und
politischer Eliten führte und damit einhergehend auch der Massenmedien.

Dies spiegelt sich auch in unseren täglichen Erfahrungen wider: Bei sämtlichen
Themen, die vitale Interessen der ökonomischen und politischen Zentren der
Macht berühren - sei es Syrien, Iran, Israel, Ukraine, Russland oder Venezuela
- weisen die Auswahl von Fakten und ihre Einbettung in ein politisches Narrativ
in den Konzernmedien praktisch keine erwähnenswerten Variationen auf.

Diese massive Einschränkung des öffentlichen Debattenraumes unterminiert
grundlegend die Bedinder Möglichkeit von Demokratie. Eine demokratische
Gesellschaft beruht wesentlich auf den Möglichkeiten der Bürgern, in geeigneten
Gruppierungen und sozialen Organisationsformen zusammenzukommen und ihre
unterschiedlichen Interessen zu artikulieren, zu formulieren und zu diskutieren,
um damit eine kollektive Basis für einen Interessensausgleich und für ein
politisches Handeln zu finden. Ist der auf diese Weise entstehende öffentliche
Diskussionsraum in systematischer Weise eingeschränkt, so wird damit das
Fundament der Demokratie zerstört. ....

Da die jeweils Mächtigen zwangsläufig ein Interesse daran hatten und haben, die
für sie mit der Demokratie verbundenen Risiken zu minimieren, war und ist der
öffentliche Debattenraum stets massiven Angriffen ausgesetzt. ....

Im Zuge der neoliberalen Revolution haben sich auch die traditionellen
Volksparteien grundlegend gewandelt, weil ihre gesellschaftliche Verankerung in
dem Maße schwand, wie sie sich in den Dienst der neoliberalen Revolution
stellten. Sie haben sich daher zur Selbsterhaltung zunehmend in die staatlichen
Machtapparate, von deren Finanzierung sie abhängig sind, integriert und in den
Parteienspitzen untereinander verflochten, sodass sie weitgehend austauschbar
geworden sind. ....

Dieser Parteienwandel ist empirisch gut studiert. Die Parteienforscher Richard
S. Katz und Peter Mair prägten für diesen neu entstandenen Typus politischer
Großparteien den Begriff "Kartellpartei".

Die Kartellparteien dienen staatlichen Apparaten als Wahlmaschinen zur
Legitimitätssicherung und als Dienstleistungsbetriebe für eine mediale
Inszenierung von Positionsdifferenzen. Zudem dienen sie der Organisation der
Ämterbesetzung. In enger Verbindung mit der Medienindustrie organisieren sie
politische 'Produktwerbung' in dem Wettbewerb um Wählerstimmen.

Die Mitwirkung der Parteien bei der politischen Willensbildung reduziert sich auf
ein mit staatlichen Mitteln und mit industriellen Großspenden finanziertes
Produkt-Marketing medial inszenierter politischer 'Positionen'.

Diese sind tatsächlich jedoch nur noch leere Hülsen und haben kaum noch etwas
mit irgendwelchen relevanten Inhalten zu tun. Die Parteibasis darf sich dabei
weitgehend auf eine Rolle als Cheerleader und Plakatkleber in den periodisch
inszenierten Wahlspektakeln beschränken. ....

Es ist angesichts der immensen sozialen und ökologischen Zerstörungen, welche
die neoliberalen Elitendemokratien in den vergangenen Jahrzehnten hinterlassen
haben, nicht zu erwarten, dass die politischen und ökonomischen Eliten zu
Alternativen, die für Lösungen der drängendsten Probleme der Gegenwart
erforderlich sind, bereit wären oder solche Alternativen auch nur denken
könnten.

Im Gegenteil: Sie reagieren zunehmend unberechenbar und scheinen vor den von
ihnen angerichteten Problemen selbst kapituliert zu haben - sei es der immer
destruktiver und unkontrollierbarer werdende Finanzkapitalismus, seien es die
nicht mehr reversiblen ökologischen Schäden, seien es die soziale Zersetzung
von solidarischer Gemeinschaft und die mit ihnen einhergehenden psychischen
Verwüstungen und Verformungen, sei es die immer autoritärer werdende Verwaltung
der politisch ‚Irrelevanten', die nur noch als Konsumenten benötigt werden,
und die Disziplinierung der ökonomisches 'Überflüssigen', die nicht einmal
mehr als Konsumenten benötigt werden. ....

Die gesellschaftlichen Lösungsmöglichkeiten, die die Menschheit nach den
Erfahrungen schlimmster zivilisatorischer Katastrophen in einem mühsamen
kollektiven Prozess gewonnen hat, also die Leitideale der Aufklärung, liegen
nach den massiven Einschränkungen des öffentlichen Debattenraumes der letzten
Jahrzehnte weit außerhalb des als 'vernünftig' oder 'zulässig' deklarierten
Debattenraumes.

Solange dies der Fall ist, werden wir keine Chance haben, die drängenden
Probleme der Gegenwart zu lösen und uns vor weiteren und vermutlich schlimmeren
Katastrophen zu schützen. Daher gehört es zu unseren vordringlichen Aufgaben,
diese systematisch herbeigeführte Degeneration des öffentlichen Debattenraumes
zu überwinden. Nur dadurch können wir wieder die notwenDenk- und
Handlungsalternativen gewinnen.


Mehr: https://www.nachdenkseiten.de/?p=46317
<https://www.nachdenkseiten.de/?p=46317>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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