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#1

"Klimaschutz ist die Überlebensfrage der Menschheit"

in Aus der Welt der Wissenschaft 03.12.2018 07:47
von franzpeter | 9.302 Beiträge

Uno-Klimakonferenz in Katowice
"Klimaschutz ist die Überlebensfrage der Menschheit"
Deutsche Politiker erhoffen sich von der Uno-Klimakonferenz in Katowice Fortschritte im Kampf gegen den Klimawandel. Die Weltbank sagt dafür nun 200 Milliarden Dollar zu - doppelt so viel wie bisher.

Kohlebergwerk in Katowice
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur...-a-1241585.html

Montag, 03.12.2018 06:15 Uhr


Die Weltbank will den Kampf gegen den Klimawandel mit doppelt so hohen Investitionen wie bisher unterstützen. Von 2021 bis 2025 sollen 200 Milliarden Dollar fließen (umgerechnet etwa 177 Milliarden Euro), um vor allem den ärmsten Ländern der Welt zu helfen. Das teilte die in Washington ansässige Entwicklungsbank am Sonntag mit. Das sei doppelt so viel wie in der laufenden fünfjährigen Finanzierungsperiode. Die Weltbank versah ihre Mitteilung mit dem Aufruf an die internationale Gemeinschaft, ebenfalls die Finanzmittel zu erhöhen.

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung kommt nicht von ungefähr: Begleitet von Warnungen vor einer massiven Erderhitzung beginnt an diesem Montag in Polen offiziell die Uno-Klimakonferenz. Vertreter aus knapp 200 Staaten verhandeln in Katowice zwei Wochen lang darüber, wie die als historisch eingestuften Beschlüsse der Pariser Klimakonferenz von 2015 durch klare Regeln zur Umsetzung und Überprüfung ergänzt werden können.

In Paris war beschlossen worden, die Erderwärmung auf unter 2 Grad, möglichst sogar auf 1,5 Grad zu begrenzen. Die bisher weltweit zugesagten Maßnahmen zur Reduzierung klimaschädlicher Treibhausgase reichen dazu aber bei weitem nicht aus.
Uno-Klimakonferenz in Katowice

Bereits am Sonntag kamen in Katowice Klima-Diplomaten zu einer ersten Plenumssitzung zusammen. "Wir müssen in den nächsten zwei Wochen Kreativität und Flexibilität an den Tag legen, um die Zeit klug zu nutzen und die Vereinbarungen zu liefern, nach denen wir alle streben", sagte Polens Vize-Umweltminister Michal Kurtyka, der im Namen Polens die Präsidentschaft der zweiwöchigen Konferenz übernahm.

Bei den Bemühungen zur Verhinderung einer Überhitzung der Welt geht es im Kern darum, möglichst bald und vollständig die Freisetzung von Treibhausgasen zu stoppen. Die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, bei der Kohlendioxid frei wird, steht dabei im Mittelpunkt.
Alexander Epp / Der Spiegel
Der Appell des Entwicklungsministers
Am Montagvormittag gegen 11 Uhr werden in Katowice auch Umweltministerin Svenja Schulze und Entwicklungsminister Gerd Müller darüber sprechen, was sie von dem Gipfel erwarten.
Vorab sagte Gerd Müller: "Wir können so tun, als bekämen wir von den katastrophalen Folgen des Klimawandels nichts mit. Aber nichts würde dadurch besser." Der Klimaschutz sei die Überlebensfrage der Menschheit, sagte der CSU-Politiker der "Passauer Neuen Presse". In Katowice müssten die Entscheidungen dafür getroffen werden, das Paris-Abkommen verbindlich umzusetzen. Er finde es enttäuschend, dass von 184 Ländern nur 17 im Plan liegen und auch Deutschland hinter den eigenen Zielen zurückliegt. Doch die Bundesrepublik werde ehrgeizig aufholen und vorangehen.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte die Bundesregierung auf, "tragfähige Konzepte dafür vorzulegen, wie Klimaschutz und wirtschaftliche Modernisierung Hand in Hand gehen". Wer international den Ton angeben wolle, müsse selbst mit gutem Beispiel voran gehen.


Deutschland hat angekündigt, seinen jährlichen Beitrag zum Grünen Klimafonds der Vereinten Nationen ab 2019 auf 1,5 Milliarden Euro zu verdoppeln. In den Fonds zahlen wohlhabendere Länder ein, finanziert werden Klimaschutzprojekte in Schwellen- und Entwicklungsländern.



Svenja Schulze sagte vor dem Start der Klimakonferenz, sie setze auf Fortschritte. "Jeder soll nach dieser Konferenz wissen, was er zu tun hat, wie er Fortschritte beim Klimaschutz misst und transparent macht. Und jeder soll nachvollziehen können, was der andere tut", sagte die SPD-Politikerin der "Süddeutschen Zeitung". Die Staaten dürften sich nicht davon beirren lassen, wenn sich große Länder wie die USA oder Brasilien vom Pariser Klimaabkommen abwenden, sagte Schulze. "Die Großen, die sich kurz wegducken, werden wiederkommen. Die Vernunft wird sich nicht dauerhaft aufhalten lassen."

Die USA haben sich als einer der größten Verursacher von Treibhausgasen aus dem Pariser Abkommen zurückgezogen. Beim G20-Gipfel in Buenos Aires stand US-Präsident Donald Trump damit weiter isoliert da - alle anderen Teilnehmer betonten am Samstag aber, das Klimaabkommen sei unumkehrbar.
aar/dpa/AFP
Quelle: spiegel online


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#2

Gipfel mit schlechten Vorzeichen

in Aus der Welt der Wissenschaft 03.12.2018 09:12
von franzpeter | 9.302 Beiträge

Gipfel mit schlechten Vorzeichen

Von Michael Bauchmüller vor 5 Min.

G20: USA tragen Klima-Erklärung nicht mit

Diese UN-Klimakonferenz in Polen wird die wichtigste seit dem Pariser Klimaabkommen von 2015. Doch die Chancen auf einen erfolgreichen Abschluss sind gering.
• Staats- und Regierungschefs haben sich im polnischen Kattowitz angekündigt, zur Eröffnung des UN-Klimagipfels am Montag.
• Dort wollen die Staaten in den kommenden Tagen ein verbindliches Regelwerk für den Klimaschutz ausarbeiten.
• Ein schwieriges Unterfangen, denn die Konferenz steht vor einem Berg ungelöster Fragen.
Angela Merkel hat Besseres vor an diesem Montag. Mehr als zwei Dutzend Staats- und Regierungschefs haben sich im polnischen Kattowitz angekündigt, zur Eröffnung des UN-Klimagipfels. Doch der deutschen Bundeskanzlerin waren die 460 Kilometer Luftlinie zu weit. Schließlich empfängt sie im Kanzleramt Oberbürgermeister zum Dieselgipfel. Man muss Prioritäten setzen. Die Gastgeber sind verbittert.



Merkels Ausbleiben ist symptomatisch für die Konferenz. Nie waren die politischen Vorzeichen für einen Klimagipfel so schlecht. Und das bei einer Konferenz, die über den Wert des Pariser Klimaabkommens von 2015 entscheidet. Zwar haben sich die Staaten darin vorgenommen, die Erderwärmung möglichst weit unterhalb der Schwelle von plus zwei Grad Celsius zu stabilisieren. Offen ließen sie aber, wie sie sich gegenseitig kontrollieren wollen. Geplant sind nationale Klimaschutzpläne, die alle fünf Jahre überprüft und nachgebessert werden sollen. Doch könnten diese Pläne schnell wertlos sein, wenn niemand ihre Wirkung überprüfen kann. Notwendig ist also ein Regelwerk, auszuhandeln in Kattowitz, binnen zwei Wochen.
Die Bedingungen dafür hatten sich schon durch die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten verschlechtert. Das aber hatte bisher keine schlimmen Folgen für die Verhandlungen: Die USA wollen zwar auf Bundesebene nichts mehr vom Klimaschutz wissen, aber dafür sind einige US-Staaten umso entschlossener. Und die US-Klimadiplomaten haben die Gespräche zumindest nicht blockiert.

Brasilien fällt als Vermittler zwischen Industrie- und Schwellenländern aus
Umso schwerer wiegt der jüngste Rückschlag in Brasilien. Dort tritt im Januar Jair Bolsonaro als Präsident an, ein erklärter Gegner des Pariser Abkommens. Der Ultrarechte fürchtet um die nationale Souveränität des Landes, etwa bei der Ausbeutung der Amazonas-Wälder.
Sein designierter Außenminister sieht im Pariser Abkommen das Werk "kultureller Marxisten", die letztlich die westlichen Staaten zugunsten Chinas schwächen wollten. Brasilien galt in den letzten Jahren als wichtiger Vermittler zwischen Industrie- und Schwellenländern, auch als Mitarchitekt des Pariser Abkommens. Das ist nun vorbei. In vorauseilendem Gehorsam hat die scheidende Regierung vorige Woche schon einmal die Klimakonferenz für das kommende Jahr abgesagt: Brasilien wollte sie ausrichten, jetzt fehlt angeblich das Geld.
Die miese Stimmung spiegelt sich in vielen Ländern, auch in Europa. In Deutschland kann die AfD keinen menschlichen Einfluss aufs Klima ausmachen, im Gastgeberland Polen regieren Freunde der Kohle. Von multilateralen Abkommen halten die Populisten Europas wenig.
Dem "Grünen Klimafonds" geht das Geld aus
Das sind miserable Bedingungen für eine Konferenz, die vor vielen ungelösten Fragen steht. Zweimal haben sich die Verhandler in diesem Jahr schon getroffen. Herausgekommen ist nur Stückwerk. "Das Kuddelmuddel ist ziemlich groß derzeit", sagt Susanne Dröge, die bei der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik die internationale Klimapolitik verfolgt. "Es gibt Vorschläge für Regeln, die alles andere als einheitlich und nachvollziehbar sind." Schon jetzt zeichne sich ab, dass nicht alle Fragen in Kattowitz gelöst werden könnten. "Die Frage ist dann nur: Sind es ausgerechnet die schwierigsten Themen, die ins nächste Jahr verschoben werden?"
Vieles hängt am Geld. Über den "Grünen Klimafonds" wollen Industrieländer dem Rest der Welt dabei helfen, rechtzeitig in saubere Technologien zu investieren. Vor allem private Investoren sollen das Geld aufbringen, unterstützt aus öffentlichen Kassen. Doch dem Fonds gehen die Mittel aus, die erste Runde zur Auffüllung ist gerade angelaufen. "Für die Entwicklungsländer ist ganz entscheidend, dass die Industriestaaten zu ihren Versprechen stehen", sagt Christoph Bals, Klimaexperte bei Germanwatch. "Da geht es um Glaubwürdigkeit." Das Ziel ist hoch: Die reichen Staaten sollen auf die Weise jährlich 100 Milliarden Dollar mobilisieren. Deutschland will dazu seinen bisherigen Beitrag verdoppeln, von 750 Millionen auf 1,5 Milliarden Euro. "Nun müssen andere dem Beispiel folgen", sagt auch Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU). Reaktionen stehen noch aus.
Gastgeber Polen provoziert schon mit dem Austragungsort

In anderer Hinsicht dagegen dürfte Deutschland kleinlaut auftreten. In Kattowitz sollen die Staaten auch darlegen, was sie seit der Konferenz in Paris 2015 erreicht haben - und was sie sich bis 2020 vorgenommen haben. Deutschland, das sein Klimaziel absehbar verfehlt, hat da nur eine Kohlekommission vorzuweisen. Doch die hat ihr Ergebnis soeben vertagt. Und die EU wird auf ihre neue "Langfriststrategie" verweisen statt auf Konkretes. Geplant ist eine klimaneutrale Union - im Jahr 2050.

Als wäre das alles nicht vage genug, bleibt der Gastgeber das größte Rätsel. Eine Konferenz mitten im schlesischen Kohlerevier ist eigentlich eine Provokation für Klimadiplomaten. Polen will so den "gerechten Umbau" ins Zentrum stellen - in der Tradition der Solidarność, die für Rechte der Arbeiter stritt. Zu viel von dieser Tradition allerdings will Polen auch nicht: "Spontane Versammlungen" am Rande der Konferenz wurden durch ein Sondergesetz verboten.

Quelle: MSN


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#3

Öko-Routine statt Öko-Diktatur

in Aus der Welt der Wissenschaft 06.12.2018 12:49
von franzpeter | 9.302 Beiträge

Die bisherige Agonie wird in Panik umschlagen


Es bedarf keiner Prophetie, um vorherzusagen, dass angesichts der zu erwartenden
Zunahme der Wetterkatastrophen die bisherige Agonie irgendwann in eine weltweite
Panik umschlagen wird. Wenn bis dahin nicht alles getan ist, um die Minderung der
Emissionen zur alltäglichen Routine zu machen, dann wird sie kommen, die
Öko-Diktatur.


Und sie wird hart, ungerecht und undemokratisch sein.
der tagesspiegel 05.12.2018

Klimaschutz

Öko-Routine statt Öko-Diktatur

Wir sind beim Thema Klimaschutz in eine kollektive Angststarre verfallen. Damit
sich das ändert, müssen zwei Irrtümer ausgeräumt werden. Ein Kommentar.

Von Harald Schumann

Das größte Missverständnis: es sei ohnehin zu spät für Klimaschutz.Foto:
Christophe Gateau/dpa

Todbringende Waldbrände in Kalifornien und verdorrende Getreidefelder in Europa,
in der Arktis schwindet das Eis und der Rhein verkommt zum Rinnsal: Der
Klimawandel, die größte menschengemachte Umweltveränderung, hat unwiderruflich
begonnen.
Die Folgen, so viel steht fest, werden viele Millionen Opfer fordern
und die Ordnung der Welt grundlegend erschüttern.

Doch merkwürdig: Die Regierenden aller Länder, genauso wie ihre Bürger,
machen weiter wie bisher
.


Die einen betreiben seit drei Jahrzehnten die Klimapolitik nach dem Prinzip
"international verhandeln, national aufschieben", so wie jetzt wieder bei der
Klimakonferenz im polnischen Kattowitz. Man denke nur an die in Deutschland
eisern verfolgte Regel "Autoschutz vor Klimaschutz".
Und passend dazu machen die
Bürger keine Abstriche bei Flugreisen, dem Fleischkonsum oder ihren ins Groteske
gewachsenen Blechpanzern,
obwohl sie um die katastrophalen Konsequenzen wissen.
Die Weltgesellschaft hat sich offenkundig im Zustand der kognitiven Dissonanz
eingerichtet, geradeso, als gäbe es keinen Ausweg.


Die kollektive Angststarre beruht auf zwei Irrtümern

Doch diese kollektive Angststarre wird nicht mehr lange anhalten. Denn sie beruht
auf zwei Irrtümern, die bald der besseren Erkenntnis weichen werden.


Das größte - vielleicht auch dümmste - Missverständnis lautet, es sei ohnehin
zu spät, darum lohne sich alle Anstrengung für den Klimaschutz nicht. Dazu
tragen nicht zuletzt die immer verzweifelter klingenden Warnungen der
Wissenschaft bei, wie sie jüngst etwa Petteri Taalas, Chef der Weltorganisation
für Meteorologie, zum Besten gab. "Die Chance, noch einzugreifen, ist fast
vertan", erklärte er zur Bekanntgabe des neuesten Rekords beim Bestand von
Treibhausgasen in der Atmosphäre.



Richtig daran ist nur die Erkenntnis, dass sich der Wandel vermutlich nicht mehr
auf jene 1,5 Grad globaler Erwärmung begrenzen lässt, die als tolerierbar
gelten. Denn dafür müsste die Nutzung der planetaren Lufthülle als Abgashalde
spätestens 2050 vollständig beendet sein.



"Die Bürger wollen das nicht", ist ein gerne vorgebrachter Einwand


Aber ganz gleich ob das gelingt oder nicht, die politische Maxime bleibt
unverändert. Je heißer es wird, umso schlimmer werden die Folgen. Darum ist
jede Senkung der Emissionen sinnvoll, um dieses Schlimmere zu verhindern.
Nichtstun ist nur für jene eine Option, die sich ohnehin nach dem Ende der
Zivilisation sehnen.


Das zweite große Missverständnis ist unter Politikern weitverbreitet. Demnach
bietet die Demokratie keinen Raum für einen wirksamen Klimaschutz. "Die Bürger
wollen das nicht", ist ein gerne vorgebrachter Einwand. Das zeige nicht zuletzt
deren Konsumverhalten.

Aber diese Schlussfolgerung ist nur eine Ausrede für Führungsschwäche.


Das hat Michael Kopatz, einer der klügsten Köpfe der Umweltwissenschaft, in
seiner Studie zur "Öko-Routine" überzeugend herausgearbeitet. Die Bereitschaft
zum Wandel sei längst vorhanden, sagt er. Tatsächlich bestätigen Umfragen
regelmäßig, dass gut zwei Drittel der Bürger in Europa mehr Klimaschutz
wollen. Dass sie trotzdem im Alltag nicht anders handeln, entwerte das Bekenntnis
keineswegs, sondern sei ganz normal, weiß Kopatz: "Verhalten ändert sich erst,
wenn sich die Verhältnisse ändern."
Das sei auch beim Rauchverbot in
öffentlichen Räumen, bei der Anschnallpflicht oder der Mülltrennung nicht
anders gewesen. Wenn erst jeder weiß, was eigentlich notwendig ist, werden auch
die daraus folgenden Gesetze und Standards zur "Routine" für jeden - und damit
auch leichter zu ertragen.


Die bisherige Agonie wird in Panik umschlagen

Folglich harren die notwendigen Maßnahmen nur des politischen Mutes. Das beginnt
beim Stopp für Start- und Landeslots auf den Flughäfen und die jährlich acht
Milliarden Euro teuren Diesel-Subventionen und reicht bis zum Ende des
Autobahnausbaus und der Massentierhaltung durch vorgeschriebene Auslaufräume
für das arme Vieh.

Gewiss, eine solche Politik birgt politische Risiken. Die Betroffenen würden den
Vorwurf erheben, eine Öko-Diktatur werde eingerichtet, die Debatte würde hart.
Darum ist die zentrale Aufgabe aller künftigen Regierungen die Aufklärung
darüber, dass Nichthandeln das weitaus größere Risiko heraufbeschwört.

Es bedarf keiner Prophetie, um vorherzusagen, dass angesichts der zu erwartenden
Zunahme der Wetterkatastrophen die bisherige Agonie irgendwann in eine weltweite
Panik umschlagen wird. Wenn bis dahin nicht alles getan ist, um die Minderung der
Emissionen zur alltäglichen Routine zu machen, dann wird sie kommen, die
Öko-Diktatur.

Und sie wird hart, ungerecht und undemokratisch sein.


Quelle:
https://www.tagesspiegel.de/politik/klim...r/23712588.html
<https://www.tagesspiegel.de/politik/klimaschutz-oeko-routine-statt-oeko-diktatur/23712588.html>



Siehe: https://www.oekoroutine.de/das-buch/
<https://www.oekoroutine.de/das-buch/>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 06.12.2018 12:50 | nach oben springen

#4

UN-Klimakonferenz: Die Welt brennt, der Gipfel streitet

in Aus der Welt der Wissenschaft 13.12.2018 09:18
von franzpeter | 9.302 Beiträge

UN-Klimakonferenz: Die Welt brennt, der Gipfel streitet

Alexandra Endres vor 9 Std.

Nächste Hiobsbotschaft bei der Bahn


© Bereitgestellt von AFP Bei der Klimakonferenz im polnischen Kattowitz hat UN-Generalsekretär Guterres vor dramatischen Fehlentwicklungen im Kampf gegen den Klimawandel gewarnt. Die Welt sei bei ihren Bemühungen zum Stopp der Erderwärmung "vom Kurs abgekommen", sagte er.

Alle auf dem Klimagipfel wissen, was die Forschung sagt: Der Klimaschutz verlangt mehr Ehrgeiz. Doch bisher gibt es keinen Aufbruch. Dafür kehren alte Konflikte zurück.

Klarer als Hoesung Lee hätte man die Botschaft kaum in Worte fassen können. "Jedes bisschen Erwärmung macht einen Unterschied", sagte der Vorsitzende des Weltklimarats IPCC und redete den Delegierten in Katowice damit ins Gewissen. "Jedes Jahr macht einen Unterschied. Jede Wahl (die wir treffen), macht einen Unterschied!"
Lee sprach zur Eröffnung des High-Level-Segments des Klimagipfels – so wird im Konferenzjargon die Phase genannt, in der die Ministerinnen und Minister die Verhandlungen von ihren technischen Fachleuten übernehmen. Dieser Teil begann am Dienstag. Streng genommen erzählte Lee den Anwesenden nichts Neues, sondern wiederholte nur die wichtigsten Erkenntnisse des IPCC-Sonderberichts zum 1,5-Grad-Ziel. In Paris hatten die 195 Unterzeichner vereinbart, den Temperaturanstieg auf eine Marke "deutlich unter zwei Grad Celsius" zu beschränken und "Anstrengungen in Richtung 1,5 Grad zu unternehmen".
Doch an ebendiesem 1,5-Grad-Bericht hat sich vor einigen Tagen ein Streit entzündet, der den Gipfel immer noch belastet. Lees Rede war deshalb vor allem eine politische Mahnung an die Delegierten, es in Katowice nicht zu versemmeln.

Denn diese Konferenz ist wichtig: Zwar werden auf ihr vordergründig technische Details verhandelt. Doch wenn die nicht stimmen, kann aus dem Pariser Klimavertrag keine sinnvolle praktische Klimapolitik werden. Und wie sehr die Zeit drängt, hat gerade der 1,5-Grad-Bericht gezeigt. "Wir können es uns nicht leisten, noch ein Jahr zu verlieren", sagte Vanessa Pérez-Cirera von der Umweltorganisation WWF in Katowice. "Wenn wir jetzt keinen politischen Willen aufbringen, wann dann? Die Welt brennt."

Streit um 1,5 Grad
Dennoch weigerten sich am Wochenende in Katowice die USA, Saudi-Arabien, Russland und Kuwait, den Report zu "begrüßen". Sie bestanden darauf, dass der Gipfel den Bericht nur "zur Kenntnis nehmen" solle. Dazu waren die Diplomatinnen und Diplomaten anderer Länder aber nicht bereit. Sie fanden das Ansinnen absurd, zumal die Unterzeichnerländer des Pariser Vertrags den Bericht selbst beim Klimarat bestellt und ihn bei seiner Veröffentlichung auch alle angenommen hatten – auch die USA. Auch Saudi-Arabien.
"Begrüßen" oder "zur Kenntnis nehmen"? Was wie Haarspalterei klingt, verhagelt den Delegierten auch am Mittwoch noch die Stimmung. Jetzt feilscht man hinter den Kulissen darüber, mit welcher Formulierung alle Seiten leben könnten.
Saudi-Arabien argumentiert, der Bericht lasse Fragen offen. Unterhändler Ayman Shasly fordert, bei aller klimapolitisch gebotenen Eile müsse klar sein, dass die Industrieländer den größten Teil der Kosten für den Klimaschutz tragen müssten – das Ölland Saudi-Arabien gilt trotz seines Reichtums auf dem Klimagipfel als Entwicklungsland, und es möchte sein Öl noch möglichst lange verbrennen.
Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hingegen will schlicht jede politische Anerkennung klimawissenschaftlicher Befunde vermeiden. Jean-Pascal van Ypersele, Klimaforscher an der Katholischen Universität Löwen und Mitglied des Weltklimarats, kommentierte das mit leisem Spott: "Nicht einmal die Supermächte können mit dem Klima verhandeln", sagte er.
Streit um Ehrgeiz
Der Streit um die 1,5 Grad ist symptomatisch für Katowice. Wie weit die Welt von den in Paris vereinbarten Zielen entfernt ist, hatte am Dienstag der Carbon Action Tracker gezeigt, ein Zusammenschluss von wissenschaftlichen Instituten. Deren Forscher hatten ausgerechnet: Selbst wenn alle Länder ihre Pariser Versprechen hielten, würde sich die Welt mit großer Wahrscheinlichkeit eher um drei statt um 1,5 Grad Celsius erwärmen. Die Klimaziele Deutschlands und der EU führten eher zu drei Grad plus. Die von Russland, Saudi-Arabien und den USA zu mehr als vier Grad.

Mehr Ehrgeiz – im Gipfeljargon "Ambition" – wäre deshalb dringend geboten. Doch drei Tage vor dem Ende der Konferenz ist in Katowice von "Ambition" nicht viel zu spüren. Selbst die Europäische Union, die sich seit Paris zur einer Koalition der "hochambitionierten" Länder zählt, vermeidet den Begriff.
Lieber spricht Energiekommissar Miguel Arias Cañete über die Regeln zum Pariser Abkommen. Deutschland immerhin hat den Entwicklungsländern mehr Geld und weitere Unterstützung versprochen. "Geld hilft", sagt dazu Vanessa Pérez-Cirera vom WWF. "Aber ohne mehr Ambition bleibt das Regelbuch zu Paris ohne Sinn."
Umweltschützer sagen, in Katowice seien längst überwunden geglaubte Gräben wieder aufgebrochen. Vor zwei Jahren herrschte in Paris noch Aufbruchsstimmung. Das Abkommen war historisch, weil Industrie- und Entwicklungsländer sich darin versprachen: Künftig würden sie gemeinsam gegen den Klimawandel vorgehen.

Doch mittlerweile fühlten die Entwicklungsländer sich verraten, sagt Adam Pawloff, der für Greenpeace die Verhandlungen verfolgt. "Sie fordern, dass die Industrieländer schon vor 2020 eine ehrgeizigere Klimapolitik betreiben. Aber da passiert nicht viel." Deutschland und Österreich verfehlten selbst die bisher vereinbarten Klimaziele, "und von den USA müssen wir gar nicht reden".
Nach Paris sei das ein "massiver Vertrauensbruch". Zumal die schon gegebenen Versprechen zur Klimafinanzierung nicht verlässlich gehalten würden. "Man deklariert einfach Mittel als Klimageld, die sowieso fließen würden. Transparenz gibt es nicht", sagt Pawloff.
Man könnte es auch so formulieren: Alle sind sich darüber einig, dass es mehr Transparenz geben muss. Aber alle verlangen sie von den anderen – und sagen, sie könnten selbst nichts verbessern.

Streit um Berichtspflichten
Es ist ein Déjà-vu: In Katowice kommen genau die Streitpunkte wieder auf den Tisch, um die es vor Jahren schon ging. Und manche Konflikte werden schärfer. Zum Beispiel wollen China und Indien, dass für Schwellenländer wie sie bestimmte Berichts- und Transparenzpflichten nicht gelten sollen. Und die armen Länder bestehen darauf, dass die Schäden und Verluste durch den Klimawandel im Abschlussdokument gebührend berücksichtigt werden – im Gegensatz zu früher scheinen sie diesmal nicht zu Zugeständnissen bereit.
"Es geht hier nicht um neue Technologien", rief Harjeet Singh, Klimaexperte von ActionAid, auf einer Pressekonferenz zum Stand der Verhandlungen. "Wir reden nicht über neue Solarpaneele. Wir reden über Menschen!"

Ob die Gräben überwunden werden können, liegt jetzt an den Ministerinnen und Ministern. Die polnische Gipfelpräsidentschaft hat Schweden und Costa Rica den Auftrag erteilt, als Vermittler eine Lösung im Streit um die 1,5 Grad und die Ambitionsfrage zu finden. Doch in Katowice rechnen viele damit, dass der Gipfel sich bis weit ins Wochenende zieht.
Mehr auf MSN


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#5

Jugendprotest in 15 Städten

in Aus der Welt der Wissenschaft 15.12.2018 14:20
von franzpeter | 9.302 Beiträge

"Auf die Politik können wir uns nicht verlassen als junge Menschen."


Lange Reden oder die Logos von Verbänden und Parteien, die das Bild vieler
Demonstrationen prägen, gibt es in Berlin kaum. Stattdessen viele selbst gemalte
Pappschilder. "Grünkohl statt Braunkohle" ist darauf zu lesen, "Denkt nicht
immer nur an die Kohle" oder "There is no planet B."

taz 14.12.2018

Jugendprotest in 15 Städten

Hüpfen gegen die Kohle

Weltweit streiken SchülerInnen für mehr Klimaschutz. An diesem Freitag ist die
Welle erstmals auch in Deutschland angekommen.


Malte Kreutzfeldt

Reichstag statt Klassenzimmer: SchülerInnen demonstrieren in Berlin für
Klimaschutz Foto: dpa


BERLIN taz | Es ist kalt an diesem Freitagmittag in Berlin. Doch die rund 300
SchülerInnen, die sich vor dem Reichstagsgebäude versammelt haben, frieren
nicht. Denn sie springen. "Hey, hey! Wer nicht hüpft, der ist für Kohle!" ruft
die Menschenmenge. Und für Kohle ist hier niemand. "Kohle stoppen - Klima
schützen" skandieren die Jugendlichen.


Für mehr Klimaschutz demonstrieren statt zur Schule zu gehen: Damit hatte die
Schwedin Greta Thunberg
https://www.jetzt.de/politik/greta-thunb...n-klimabewegung
im September begonnen. Jeden Freitag steht sie seitdem in Stockholm vor dem
Reichstag - und immer mehr SchülerInnen weltweit schlossen sich ihrem Protest
an. An diesem Freitag, an dem die UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz in
ihre finale Phase geht, ist die Bewegung erstmals auch in größerem Rahmen in
Deutschland angekommen.


In mindestens 15 Städten fanden am Freitagvormittag Aktionen statt. Die größte
Beteiligung gab es in Kiel, wo sich rund 500 Jugendliche vor dem Landtag
versammelten, und in Berlin mit etwa 300 Beteiligten. Kleinere Proteste gab es in
Aachen, Erfurt, Frankfurt, Göttingen, Hamburg, Karlsruhe, Köln, Landau,
Lüneburg, Marburg, München, Osnabrück und Stuttgart. Organisiert wurden sie
zumeist von Einzelpersonen über soziale Medien - unter den Stichworten
#ClimateStrike und #FridaysforFuture. Unterstüzung kam teilweise von den
Jugendverbänden von BUND, WWF oder Greenpeace.


Lange Reden oder die Logos von Verbänden und Parteien, die das Bild vieler
Demonstrationen prägen, gibt es in Berlin kaum. Stattdessen viele selbst
gemalte Pappschilder. "Grünkohl statt Braunkohle" ist darauf zu lesen, "Denkt
nicht immer nur an die Kohle" oder "There is no planet B."


Nach dem Hüpfen wird auch noch gesungen - "It's getting hot in here" von Nelly
was zwar nicht wirklich zum Wetter, aber doch zum Thema der Aktion passt. Die
17-jährige Roudi ist extra aus Potsdam gekommen. "Eigentlich habe ich an einem
Projekt gearbeitet und wollte die anderen nicht im Stich lassen", berichtet sie.
Doch dann habe sie sich gedacht: "Man lässt ja das Klima im Stich, wenn man
nicht herkommt". Nachdem auch ihr Lehrer keine Einwände hatte, sei sie kurz
entschlossen gefahren.

Die 15-jährige Zoe Kappel ist wegen der fehlenden Ergebnisse aus Kattowitz vor
den Bundestag gekommen. „Ich verstehe nicht, warum die immer nur diskutieren,
anstatt zumindest schon mal anzufangen, konkret zu handeln, sagt sie im
taz-Interview.


Unter den Demonstrierenden ist auch die 22-jährige Geographie-Studentin Luisa
Neubauer. Sie hat gerade in Kattowitz die Schulstreik-Initiatorin Greta getroffen
- und war extrem irritiert von den Debatten auf der Kimakonferenz.


"Als wäre das eine Verhandlungssache, ob man sich jetzt mit dem Klima
auseinandersetzt oder nicht." Darum sei sie unmittelbar nach ihrer Rückkehr in
die Organisation des Klimastreiks eingestiegen, sagt sie. "Auf die Politik
können wir uns nicht verlassen als junge Menschen."

Quelle: http://www.taz.de/Jugendprotest-in-15-Staedten/!5558862/
<http://www.taz.de/Jugendprotest-in-15-Staedten/!5558862/>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#6

UN-Klimakonferenz in Kattowitz - 133 Seiten gegen die Erderwärmung

in Aus der Welt der Wissenschaft 16.12.2018 12:42
von franzpeter | 9.302 Beiträge

SZ 16. Dezember 2018

Klimaschutz

133 Seiten gegen die Erderwärmung

- Bei der UN-Klimakonferenz in Kattowitz ist am Samstagabend ein Regelbuch zur
konkreten Umsetzung des Pariser Klimaabkommens beschlossen worden.

- Die Vertreter von knapp 200 Staaten einigten sich auf einen Vertragstext von
133 Seiten, der grundsätzlich für alle gilt. Entwicklungsländer können aber
Ausnahmen für sich geltend machen
- "im Lichte ihrer Fähigkeiten".

- Die Aussichten für die Konferenz waren eigentlich recht düster. Viele sehen
das Ergebnis deshalb als Lebenszeichen des Multilateralismus.

Analyse von Michael Bauchmüller

Am Ende hat das Werk nur noch 133 Seiten, aber anders wäre es auch nicht
gegangen. 133 Seiten, die das Pariser Abkommen ins Werk setzen sollen: Aus
großen Worten sollen große Taten werden. "Jetzt wissen alle, dass wir große
Veränderungen vor uns haben, auf der ganzen Welt", sagt Umweltministerin Svenja
Schulze (SPD) - nach einem Tag voller Warten.

Der Vertragstext war länger, ursprünglich. Neben den Regeln für das Pariser
Abkommen sollte es auch klären, wie in Zukunft Staaten untereinander Klimaschutz
verrechnen können. Wenn etwa Länder das Klima schützen wollen, indem sie am
Amazonas oder sonstwo Wälder aufforsten. Doch der entsprechende Passus gefiel
Brasilien nicht
, stundenlang lähmte die Frage die Konferenz in Kattowitz, bis in
den späten Samstagabend. Am Ende vertagte die Konferenz den strittigen Punkt -
auf den nächsten Klimagipfel. Sie hatte bis dahin ja auch schon genug anderes
erreicht.


Denn das Pariser Klimaabkommen von 2015 war bei genauem Hinsehen nur eine schöne
Hülle. Viele Absichten, viel guter Wille - aber wie der Klimaschutz genau
aussehen soll, das ließen die Staaten offen
. Eigene Klimaschutzpläne sollte
jeder Staat vorlegen, zusammen sollen diese Pläne den Ausstoß von
Treibhausgasen senken und die Erderwärmung stabilisieren. Die Regeln dafür
finden sich nun auf den 133 Seiten von Kattowitz.


Die neuen Regeln gelten grundsätzlich für alle

Schöne Ziele reichen damit nicht mehr, die nationalen Pläne müssen künftig
nach gemeinsamen Vorgaben erstellt werden. Von 2024 an muss jeder Staat genau
darlegen, was er machen will für den Klimaschutz. Das wiederum muss er an die
anderen Staaten berichten, und zwar nach detaillierten Regeln.
Das soll
sicherstellen, dass eine Tonne Treibhausgas in Peru genauso gemessen wird wie in
Pakistan oder Polen. Eine Kommission kann zudem einschreiten, wenn Staaten nicht
liefern, was sie versprechen - das allerdings nur mit einer freundlichen
Erinnerun
g.


Die Regeln gelten grundsätzlich für alle. Entwicklungsländer können aber
Ausnahmen für sich geltend machen - "im Lichte ihrer Fähigkeiten". Große
Schwellenländer wie China müssen künftig auch alle Zahlen offenlegen,
erstmals. Denn bislang galten die Regeln nur für Industriestaaten. "Wir haben
erreicht, dass sich zum ersten Mal nicht nur die halbe, sondern die ganze Welt
beim Klimaschutz in die Karten schauen lässt", sagt Schulze.


Alle fünf Jahre machen die Staaten zudem eine Bestandsaufnahme: Hier müssen sie
Soll und Haben offenlegen, das erste mal 2023.
Der Druck der Staatengemeinschaft,
so die Idee, soll die Säumigen dazu bringen, sich mehr anzustrengen. Auch
müssen die Staaten dann überprüfen, ob ihre gemeinsamen Anstrengungen
überhaupt ausreichen.
Schon jetzt ist klar, dass die Welt mit den derzeitigen
Plänen der Staaten auf eine Erwärmung von mehr als drei Grad zuläuft.
Und
damit auf das doppelte dessen, was der Weltklimarat IPCC in seinem jüngsten
Bericht zum 1,5-Grad-Ziel empfohlen hatte, um katastrophale Folgen des
Klimawandels zu verhindern.

"Das kann ein Motor für das Pariser Klimaabkommen werden", sagt Martin Kaiser,
Deutschland-Chef von Greenpeace. "Dieser Motor muss jetzt nur noch mit
erneuerbarer Energie gefüllt werden." Davon allerdings sei hier wenig zu spüren
gewesen.



Zumindest die EU hat sich bewegt

Tatsächlich ist auf den 133 Seiten wenig davon zu lesen, dass die Staaten sich
mehr anstrengen wollen für den Klimaschutz. Hinweise, auf die sie sich irgendwie
festnageln lassen könnten, vermieden sie. Auch deshalb hielten sie sich mit
Würdigungen des Weltklimarats und seines 1,5-Grad-Berichts zurück. Sonst
müssten sie sich ja fragen lassen, warum sie nicht längst viel mehr tun im
Kampf gegen die Erderwärmung.

Zumindest die EU hat sich aber nun in diese Richtung bewegt. Sie belebte ein
altes Bündnis mit Staaten, die besonders vom Klimawandel betroffen sind. Für
viele von ihnen ist schon jetzt jedes Zehntel Grad Erwärmung eines zu viel -
schon deshalb treten sie für eine Begrenzung auf 1,5 Grad ein.


Und auch diejenigen, die besonders vom Klimaschutz betroffen sind, fanden sich in
Kattowitz zusammen: Sie schufen die "Kattowitz-Kommission für Strukturwandel".
Experten sollen dort darüber beraten, wie sich der Umbau der fossilen Wirtschaft
so gestalten lässt, dass er nicht massive soziale Probleme aufwirft. Im
oberschlesischen Kohlerevier, in dem die Konferenz stattfand, ist das für viele
auch ein existenzielles Thema. "Wir müssen die soziale und die ökologische
Frage stärker zusammendenken"
, sagt auch Christoph Bals, Kopf der
Entwicklungsorganisation Germanwatch. Das allerdings sei auf einem Klimagipfel
leichter als etwa bei der deutschen Kohlekommission, weil bei einer UN-Konferenz
eben auch die Opfer des Klimawandels mit am Tisch sitzen.


Die Aussichten für die Konferenz waren eigentlich recht düster. Nach Donald
Trump hatte erst kurz vorher auch in Brasilien ein Gegner des Pariser Abkommens
an die Macht gekommen, Jair Bolsonaro. Viele sehen das Ergebnis von Kattowitz
deshalb als Lebenszeichen des Multilateralismus. "Dass das gelungen ist, ist
eigentlich ein kleines Wunder", sagt auch eine deutsche Verhandlerin.


Wie weit der gute Wille reicht, wird sich im September kommenden Jahres zeigen.
Dann lädt UN-Generalsekretär António Guterres Staats- und Regierungschefs nach
New York. Wenige Monate bevor das Paris-Abkommen ab 2020 zu wirken beginnt,
sollen sie dort noch einmal nachlegen für den Klimaschutz - mit höheren Zielen.
Er habe, ließ er das Plenum zum Abschied wissen, für 2019 genau fünf
Prioritäten im Klimaschutz: Ehrgeiz, Ehrgeiz, Ehrgeiz, Ehrgeiz, Ehrgeiz.



Quelle:
https://www.sueddeutsche.de/politik/klim...owitz-1.4254967
<https://www.sueddeutsche.de/politik/klimaschutz-kattowitz-1.4254967>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#7

Grüne kritisieren Klimagipfel als "herbe Enttäuschung"

in Aus der Welt der Wissenschaft 16.12.2018 16:07
von franzpeter | 9.302 Beiträge

Grüne kritisieren Klimagipfel als "herbe Enttäuschung"

vor 2 Std.



© Bereitgestellt von AFP Die Grünen-Bundestagsfraktion hat die UN-Klimakonferenz in Kattowitz als "herbe Enttäuschung" kritisiert. Die zentrale Frage, was die einzelnen Staaten zur Erreichung des 1,5 Grad-Ziels beitragen, sei "vollkommen unbeantwortet" geblieben.
Die Grünen haben die UN-Klimakonferenz in Kattowitz als "herbe Enttäuschung" kritisiert. Zwar habe es mit der Einigung auf Regeln zur regelmäßigen Berichterstattung bei den "technischen Aspekten" Fortschritt gegeben, erklärten Fraktionschef Anton Hofreiter und die klimapolitische Sprecherin Lisa Badum am Sonntag. Die zentrale Frage, was die einzelnen Staaten zur Erreichung des 1,5 Grad-Ziels beitragen, sei aber "vollkommen unbeantwortet" geblieben.

Fatal sei auch, dass es keine Lösung im Streit um den Handel mit Verschmutzungsrechten gegeben habe. "Wie Klimaschutz international konkret umgesetzt werden soll, bleibt damit weiter offen", kritisierten Hofreiter und Badum. Schuld daran sei "auch die Bundesregierung, die den Kohleausstieg vertagt, die Verkehrswende verschläft und die EU-Klimaziele immer wieder verwässert". Wer selber nicht liefere, könne anderen keine Zugeständnisse abringen.
Quelle: msn


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#8

Schüler streiken bundesweit für den Klimaschutz

in Aus der Welt der Wissenschaft 18.01.2019 16:29
von franzpeter | 9.302 Beiträge

spiegel.de 18. Januar 2019

#FridaysForFuture

Schüler streiken bundesweit für den Klimaschutz

Weniger Treibhausgase, weniger Erderwärmung: In mehr als 50 deutschen Städten
und europaweit schwänzen Kinder und Jugendliche an diesem Vormittag den
Unterricht, um für den Klimaschutz zu demonstrieren.

In Dutzenden deutschen Städten demonstrieren an diesem Vormittag Schüler für
den Klimaschutz. Unter dem Motto #FridaysForFuture versammelten sich bundesweit
Kinder und Jugendliche, um ein Zeichen gegen Treibhausgas-Emissionen und den
Abbau von Kohle, Öl und Gas zu setzen.


Auf der Webseite der Organisatoren sind mehr als 50 deutsche Städte aufgeführt,
in denen an diesem Freitag Demos geplant waren - ebenso wie in Genf, Zürich,
Basel und anderen Schweizer Städten.

Am Donnerstag gingen mehrere Tausend Schüler in der belgischen Hauptstadt
Brüssel für den Klimaschutz auf die Straße. Sie forderten einen Klimaplan mit
dem Ziel, die Erderwärmung auf weniger als 1,5 Grad gegenüber der
vorindustriellen Zeit zu begrenzen.

12.500 Kinder und Jugendliche nahmen laut der Nachrichtenagentur Belga teil. Die
Demo wurde von der Organisation Youth Climate Movement organisiert und war die
zweite Auflage des Marschs in Brüssel. Beim ersten Mal hatten 3000 Schüler
mitgemacht.

In den vergangenen Wochen hatten große Schülermärsche auch in anderen Ländern
stattgefunden, zum Beispiel Ende November in Australien. Sie gehen auf die
schwedische Schülerin Greta Thunberg zurück, die seit Monaten freitags die
Schule schwänzt, um für den Klimaschutz zu kämpfen.

Nach und nach haben sich ihr immer mehr junge Menschen angeschlossen. Vor
Weihnachten gab es unter anderem in Köln, Hamburg, München, Aachen, Karlsruhe
und Osnabrück Protestaktionen vor den Rathäusern.


Auch für den kommenden Freitag sind Proteste geplant. Dann tagt in Berlin die
Kohlekommission, um über den Ausstieg aus der Kohleförderung zu sprechen.


Die Organisatoren von #FridaysForFuture haben zu einem Streik vor dem
Bundeswirtschaftsministerium aufgerufen, um den schnellstmöglichen Kohleausstieg
zu fordern. Aus vielen Städten seien Busanreisen geplant, hieß es.

lov/dpa

Quelle:
http://www.spiegel.de/lebenundlernen/sch...-a-1248693.html
<http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/fridaysforfuture-schueler-streiken-fuer-den-klimaschutz-a-1248693.html>

Anmerkung:
Wie war das? Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt?
Diese Schüler werden sehr bald betroffen sein, wenn die zuständigen Politiker längst in Altenheimen residieren.


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 18.01.2019 16:30 | nach oben springen

#9

Klimawandel? Es schneit doch - Nur Vollpfosten zeigen jetzt auf die Alpen

in Aus der Welt der Wissenschaft 19.01.2019 17:00
von franzpeter | 9.302 Beiträge

taz 18.01.2019

Geht's noch?

Klimawandel? Es schneit doch

In Australien wütet die Hitze. Ja, Wetter ist nicht gleich Klima. Aber: Das
Gesamtbild bestätigt die Forscher. Nur Vollpfosten zeigen jetzt auf die Alpen.

Kolumne Heiko Werning

Sydney: Fußgänger schützen sich mit Sonnenschirmen. Die Hitze lässt sogar
den Asphalt schmelzen Foto: dpa

Armageddon liegt in Australien. Täglich wird es dort derzeit heißer.

Gut, wenn man sich nachts ein wenig Abkühlung verschaffen kann. Immerhin: Am
frühen Freitagmorgen fiel die Temperatur in Noona auf 35,9 Grad - als
nächtlichen Minimalwert.
Ein neues Allzeit-Hoch auf dem ohnehin gut
durchgebackenen Kontinent, der seit Wochen einen Hitzerekord nach dem anderen
einstellt.

Mit geradezu biblischen Folgen: Während Flughunde - das sind etwas
überdimensionierte Fledermäuse - in Sydney durch die Hitze so gestresst sind,
dass sie Menschen angreifen und dabei lebensbedrohliche Lyssaviren übertragen,
fallen sie im tropischen Norden von Queensland gleich zu Tausenden tot vom Baum.

In nur zwei Tagen ist in der Vorweihnachtszeit vermutlich ein Drittel der
gesamten australischen Population des Brillenflughundes den Hitzetod gestorben -
mehr als 23.000 Tiere
. Die Folgen sind schwer absehbar, denn Flughunde
übernehmen im Regenwald Nordostaustraliens für viele Pflanzenarten die Rolle
des Bestäubers.

Tausende Kadaver von Riesenfledermäusen - eine bessere Visualisierung hätte
man sich für einen endzeitlichen Katastrophenfilm kaum ausdenken können. Für
die Wissenschaftler*innen gibt es keinen Zweifel an der Ursache: Wir sind
bereits mitten drin im Klimawandel. Und es wird kein Spaziergang werden
.


Natürlich, Wetter ist nicht gleich Klima, und Hitzewellen gab es schon immer.

Dennoch ergibt die Gesamtschau ein eindeutiges Bild: Global jagt ein Klimaextrem
das nächste, Ablauf und Frequenz stimmen mit allen Prognosen der
Klimaforscher*innen bestens überein, mit denen sie die Weltöffentlichkeit seit
Jahren nerven.


Trotzdem zeigen nun irgendwelche Vollpfosten auf die Alpen und machen den Trump,
indem sie fragen, wo die Erderwärmung denn bleibe, wo man sie angesichts des
"Schnee-Chaos" mal brauche.
Schon flirren lustige Memes dazu durchs Netz.

Da lacht der Klimawandelleugner: Erderwärmung und Schnee - hoho!

Dabei sind auch die Schneemassen im Alpenraum nur die Kehrseite desselben
Phänomens. Wärmere Luft nimmt mehr Feuchtigkeit auf, die dann abschneit - und
der Schnee ist wegen der milden Temperaturen besonders schwer und gefährlich.


Ja, Extremwetter hat es schon immer gegeben. Aber wenn eine
Extremwettersituation die nächste ablöst, dann ist es eben kein Extremwetter
mehr, sondern eine neue Normalität
illustriert mit Schubkarren voller toter
Flughunde.


Quelle: http://www.taz.de/Kolumne-Gehts-noch/!5564105/
<http://www.taz.de/Kolumne-Gehts-noch/!5564105/>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#10

Meteorologen erwarten sibirische Kältewelle

in Aus der Welt der Wissenschaft 19.01.2019 18:18
von franzpeter | 9.302 Beiträge

Wetter in Deutschland
Meteorologen erwarten sibirische Kältewelle
Es drohen Temperaturen von bis zu minus 20 Grad: In Deutschland müssen sich die Menschen ab nächster Woche auf eine Kältewelle einstellen. Sie könnte sogar vier Wochen andauern.

Samstag, 19.01.2019 16:23 Uhr


Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet von Mitte kommender Woche an mit einer Kältewelle, die bis zu vier Wochen dauern könnte. "Ich habe es selten erlebt, dass alle Rechenmodelle so eindeutig auf eine gleiche Entwicklung hinweisen", sagte DWD-Sprecher Andreas Friedrich.



Besonders streng dürfte die Kälte an Orten ausfallen, wo jetzt bereits Schnee liegt. Dort kann es den Prognosen zufolge in den Nächten minus zehn bis minus zwanzig Grad kalt werden. Auch andernorts könnte es vor allem nachts sehr frostig werden: "Tagsüber können die Temperaturen zwischen minus drei und vier Grad plus liegen, nachts zwischen minus elf Grad und null Grad", so Friedrich.

Deutschland: Es wird kalt!
Auch Schnee wird erwartet. Zu Beginn der kommenden Woche ströme Luft aus Sibirien ein, die sehr kalt und trocken sei, sagte Friedrich. Tiefausläufer aus dem Westen könnten dann in der zweiten Wochenhälfte Niederschläge zunächst im Westen bringen. "Am Wochenende kann dann durchaus ein großer Teil Deutschlands auch im Tiefland unter einer Schneedecke liegen", sagte der Sprecher des Deutschen Wetterdienstes.
bam/dpa
Quelle: spiegel online


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#11

Sie sagen immer sie lieben uns....

in Aus der Welt der Wissenschaft 29.01.2019 12:46
von franzpeter | 9.302 Beiträge

Sie sagen immer sie lieben uns....

Angefügte Bilder:
image-1388672-galleryV9-hecv-1388672.jpg

Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#12

Reicht das, Deutschland? ...

in Aus der Welt der Wissenschaft 29.01.2019 16:43
von franzpeter | 9.302 Beiträge

Reicht das, Deutschland?
2038 soll das letzte Kohlekraftwerk in Deutschland vom Netz gehen. Hier beantworten Wissenschaftler die Schlüsselfrage: Reicht der Plan der Kohlekommission aus, um den Klimavertrag von Paris zu erfüllen?
Von Christoph Seidler und Jörg Römer

Dienstag, 29.01.2019 14:30 Uhr


Von einem "historischen Kraftakt" ist die Rede. Zumindest die Kommentare der deutschen Tageszeitungen zum Verhandlungsergebnis der Kohlekommission sparen nicht mit netten Worten. Zwar sehen einige Medien auch Belastungen auf die Bürger zukommen. Aber dass nun endlich ein Beschluss zur weiteren Umsetzung der Energiewende vorliegt, wird allgemein begrüßt.



Das letzte Kohlekraftwerk in Deutschland wird spätestens im Jahr 2038 vom Netz gehen, so das Votum der Experten nach 21-stündiger Marathonsitzung am Samstag. Und schon bis zum Jahr 2022 werden Stein- und Braunkohlekraftwerke mit einer Leistung von rund 12,5 Gigawatt abgeschaltet, bis 2030 sollen dann weitere Blöcke mit noch einmal 13 Gigawatt Gesamtleistung folgen.
Für den Klimaschutz ist die Empfehlung grundsätzlich eine gute Nachricht. Doch was bedeutet sie im Detail? Vier Wissenschaftler geben dem SPIEGEL Auskunft.

Was bedeutet der Kohlekompromiss für das Erreichen von Deutschlands nationalen Klimazielen?
Deutschland hat sich vorgenommen, die CO2-Emissionen bis zum Ende des kommenden Jahrzehnts im Vergleich zum Jahr 1990 um mindestens 55 Prozent zu senken. Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hält das mit dem Kohleausstiegsplan durchaus für machbar. "Die Klimaziele der Bundesregierung bis 2030 werden nach dem aktuellen Plan sehr wahrscheinlich erreicht", sagt der Wirtschaftswissenschaftler. "Positiv sind etwa die angemessen hohen Ziele zum Start des Ausstiegsprogramms bis 2022. Die 12,5 Gigawatt sind ein starker Start, den ich begrüße."


"Der Kohlekonsens ist ein guter Anfang für mehr Klimaschutz in Deutschland", lobt auch Patrick Graichen, Chef des Berliner Thinktanks Agora Energiewende. Doch im Gegensatz zu Edehofer beklagt er, der Beschluss reiche eben nicht aus, "um das deutsche Klimaschutzziel von 55 Prozent weniger CO2-Emissionen bis 2030 zu erreichen".

Dazu müssten die Emissionen im Gebäudebereich und - "vor allem", wie der Forscher sagt - im Verkehrssektor ebenfalls deutlich gesenkt werden. "Und auch die Industrie wird ihren Beitrag leisten müssen", so Graichen.

Auch die Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin äußert sich ähnlich.
Wie sieht es auf internationaler Ebene mit dem Klimavertrag von Paris aus?
Die Antwort auf diese Frage ist kompliziert. Das liegt unter anderem daran, dass der Vertrag von Paris mehr als ein Ziel festhält. Die Staaten der Welt hatten sich Ende 2015 zwar dazu verpflichtet, die Erderwärmung "deutlich unter 2 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau" halten zu wollen. Gleichzeitig hatten sie aber auch versprochen, dass "Anstrengungen unternommen werden", um das Plus auf nur 1,5 Grad zu begrenzen.
https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/D...abkommen_bf.pdf

So sollen die Auswirkungen des Temperaturanstiegs auf die Ökosysteme, auf die Korallenriffe, auf Meeresspiegelanstieg und Ozeanversauerung möglichst gering gehalten werden. (Den Volltext des Vertrages können Sie hier nachlesen.)
Und zumindest die Einhaltung des strengeren 1,5-Grad-Ziels sei mit dem Ergebnis der Kohlekommission nicht zu machen, warnt Klimaforscherin Brigitte Knopf vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change in Berlin: "Wenn man die Messlatte von nur 1,5 Grad Temperaturanstieg anlegt, ist die Strategie der Kohlekommission nicht Paris-kompatibel." Die für diesen Fall weltweit noch erlaubte Menge an CO2-Ausstoß sei insgesamt so gering, dass "für die Kohle da kein Spielraum mehr ist", so Knopf.

So hatten auch die Experten des Weltklimarates (IPCC) in einem Sondergutachten im vergangenen Jahr erklärt, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen, seien "schnelle und weitreichende" Veränderungen nötig. Weitreichend ist der geplante Ausstieg aus der Braunkohle in Deutschland gewiss, sonderlich schnell erfolgt er dagegen nicht. Der Berliner Think Tank Climate Analytics hatte im vergangenen Herbst ein komplettes Ende der Kohleverstromung bis spätestens 2030 gefordert, um das 1,5-Grad-Ziel noch zu erreichen.

Kann es auch ganz anders kommen?
Ja. "Zum Beispiel könnten aktuell nicht ausgelastete Steinkohlekraftwerke einspringen, wenn Braunkohlekraftwerke vom Netz genommen werden", so Knopf. Ähnliche Befürchtungen äußert auch PIK-Direktor Edenhofer. Das heißt: Aktuell mag sich der Betrieb mancher Steinkohle-Kraftwerksblöcke nicht lohnen, weil Braunkohlestrom billiger ist - geht das Braunkohlekraftwerk dann aber vom Netz, kann der Steinkohlemeiler für eine bestimmte Zeit aber wieder finanziell attraktiv werden. Das Problem: Die CO2-Emissionen würden in diesem Fall nur minimal sinken.
Fotostrecke

Grönland: Wo der Klimawandel auch Vorteile bringt
"Die Klimaziele werden nur eingehalten werden können, wenn die Empfehlungen der Kohlekommission so rasch wie möglich umgesetzt werden", sagt Wirtschaftsforscherin Kemfert. Alte und ineffiziente Kohlekraftwerke müssten so schnell wie möglich vom Netz gehen. Außerdem müsse "eine deutliche Drosselung der restlichen Kapazitäten" stattfinden - damit eben nicht nur ein Braunkohle durch ein Steinkohlekraftwerk ersetzt wird.

Wie lässt sich die Kohle dauerhaft aus dem Markt drängen?
Eine Möglichkeit wäre die Einführung eines Mindestpreises für die Verschmutzung der Atmosphäre mit Kohlendioxid. Dieser würde den Betrieb von Kohlekraftwerken unrentabel machen. Er könnte aber nur im europäischen Verbund eingeführt werden. Im Papier der Kohlekommission ist von solch einem Mindestpreis bestenfalls indirekt die Rede.


Bereits im vergangenen Herbst hatte PIK-Chef Edenhofer zusammen mit Christoph Schmidt, dem Chef der Wirtschaftsweisen, im SPIEGEL einen detaillierten Plan für den CO2-Mindestpreis vorgelegt. Nach den Berechnungen sollte der CO2-Preis im Jahr 2020 bei 20 Euro je Tonne starten und dann schrittweise bis auf 35 Euro im Jahr 2030 steigen.

Umgerechnet auf das neue Konzept zum Kohleausstieg könnte er noch einmal etwas höher liegen. "Zwischen 35 und 45 Euro je Tonne - je nachdem, wie sich die Brennstoffpreise für Gas und Kohle entwickeln", sagt Edenhofer. "Damit könnte man für Investoren Planungssicherheit schaffen, und die Einnahmen gerecht an die Menschen zurück geben - was beides die wichtigste Ressource überhaupt schaffen würde: Vertrauen."

Klimaschutz-Vorreiter Skandinavien

Der Vertrag von Paris basiert auf freiwilligen Zusagen der Staaten zur CO2-Minderung. Diese sollen mit der Zeit immer weitreichender werden, dazu haben sich die Länder verpflichtet. Doch wie viel sie genau reduzieren, hängt jeweils von ihnen selbst ab. Die aktuellen Zusagen würden laut den Experten des Climate Action Tracker bis zum Ende des Jahrhunderts zu einem durchschnittlichen globalen Temperaturplus von etwa drei Grad führen.
"Der Status quo bei den Zielen reicht nicht aus", warnt Carl-Friedrich Schleußner von Climate Analytics. Von einer Verschärfung der deutschen Klimaziele sei im Papier der Kohlekommission allerdings nicht die Rede. Wie man es besser machen könne, zeigten die fünf skandinavischen Länder. Sie haben Ende vergangener Woche in Aussicht gestellt, ihre nationalen Anstrengungen für den Klimaschutz bis 2020 noch einmal zu verstärken.
Quelle: spiegel online


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#13

Der Polarwirbel, das Raubtier aus dem Norden

in Aus der Welt der Wissenschaft 31.01.2019 14:13
von franzpeter | 9.302 Beiträge

31. Januar 2019, 12:34 Uhr
Arktische Kälte in den USA
Der Polarwirbel, das Raubtier aus dem Norden
https://www.sueddeutsche.de/wissen/usa-k...andel-1.4310718

Luftdruck und Winde rund um die Arktis beeinflussen den Polarwirbel und damit das Winterwetter (Foto: NOAA)

Die derzeitige Rekordkälte in Nordamerika hat ihre Ursache in Luftströmungen über der Arktis, dem sogenannten Polarwirbel.
Diese eiskalte Zone wird vom Jetstream begrenzt, einem Band von Höhenwinden.
Gelegentlich können kalte Luftmassen ausbrechen, die Folge ist extremes Winterwetter. Der Klimawandel kann dieses Phänomen verstärken.

Von Patrick Illinger
Man muss sich die Luftmasse über der Arktis vorstellen wie ein Raubtier. Im Winter wirbelt sie besonders heftig im Kreis. Ständig will die Luft ausbrechen und ihr Gehege verlassen. Ständig schlagen die Klauen dieser Bestie in Form heftiger, rotierender und eiskalter Luftwirbel nach Süden aus. Die rotierende Kaltluft versucht, gewaltsam in wärmere Breiten vorzudringen. Dabei wird sie von einer natürlichen Umzäunung zurückgehalten. Diese besteht aus einem Band heftiger Höhenwinde, welche in mehreren Kilometern Höhe wehen und die gesamte Nordhalbkugel der Erde umschlingen, der sogenannte Jetstream.
Schlägt die Polarluft gegen diese Begrenzung, kann sie das Band der Höhenwinde ausbeulen bis es Windungen bildet. Mitunter beult sich eine Schleife weit nach Süden aus, gelegentlich durchschlägt sogar ein kalter Polarwirbel die natürliche Begrenzung, löst sich vom Rest der arktischen Luftmassen und wandert als vagabundierender kalter Luftwirbel nach Süden.


Eisige Temperaturen mit rekordverdächtigen Minuswerten herrschen in weiten Teilen der USA, wie hier in Chicago (Foto: dpa)
Der Jestream verliert an Kraft, damit kann die Polarluft leichter ausbrechen
Die Form dieses Höhenwind-Bandes entscheidet somit darüber, wie weit die Polarluft in wärmere Regionen vordringt. Und manchmal erlangen polare Luftmassen die Oberhand. Dann können sie, so wie in diesen Tagen, den Norden Amerikas in eine klirrend kalte arktische Landschaft verwandeln. Tritt der Effekt in Mitteleuropa auf, wird häufig der alberne Begriff der "Russenpeitsche" benutzt. Meteorologisch ist es das Gleiche: Die Polarluft hat dem Jetstream ein Schnippchen geschlagen und ist weiter als üblich nach Süden vorgedrungen.
Irrwitzigerweise bedeuten solche Wetterextreme immer, dass irgendwo anders das Gegenteil passiert. Tatsächlich ist es in Alaska in diesen Tagen ungewöhnlich warm. Doch solche Meldungen können die von eisiger, teils lebensbedrohlicher Kälte bedrohten Menschen in Kanada und den nördlichen US-Bundesstaaten nicht trösten.
Und anders als es der in Klimafragen ideologisch verbohrte US-Präsident Trump in den vergangenen Tagen twitterte, ist die aktuelle Kälte rund um die Great Lakes der USA kein Gegenbeweis für die globale Erwärmung, sondern eine von Klimatologen längst berechnete Folge. Die wärmer werdende Arktis führt nämlich zu einer Abschwächung des Jetstreams, der als natürliches Band zwischen den großräumigen Polarwirbeln und den Luftmassen in südlicheren Gefilden funktioniert. Dass der Jetstream seine Kraft verliert und damit seine Fähigkeit, die Polarluft in Zaum zu halten, ist nach Berechnungen der Klimaforscher ein klares Anzeichen für den Klimawandel und nicht dessen Widerlegung.
Quelle: sz


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#14

Klima? Lieber Kapitulation!

in Aus der Welt der Wissenschaft 06.02.2019 21:27
von franzpeter | 9.302 Beiträge

taz 06.02.2019

Globale Erwärmung

Klima? Lieber Kapitulation!

Die globalen Temperaturen steigen und diejenigen, die dagegenhalten könnten,
schaffen es nicht. Es wäre ehrlicher, einfach aufzugeben.


Kommentar Ingo Arzt


So ein rauchender Schornstein ist ja irgendwie auch romantisch Foto:
imago/blickwinkel


Die Menschheit ist zu dumm, um zu überleben. Momentan deutet leider sehr viel
darauf hin: Der Homo sapiens ist nicht in der Lage, sich so zu organisieren, dass
all seine Milliarden Exemplare in Frieden leben können.

Anlass zu diesem Gedanken ist eine Meldung, so gewöhnlich katastrophal, dass sie
nur Resignation hervorruft: Die vergangenen vier Jahre waren weltweit die vier
heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die globale Erwärmung schreitet
voran und raubt der Zivilisation, wie wir sie kennen, die Grundlage.


Vermutlich wird dieser Text auch von Leuten gelesen, die den Klimawandel für
eine Propagandabehauptung der Öko-Illuminaten halten.

Ja, genau ihr seid mit dem ersten Satz gemeint.

Aber sagen wir mal so: Ein paar Verwirrte wären nicht weiter schlimm, gäbe es
da nicht die, die wissen, dass der Klimawandel ein von Menschen gemachtes Problem
ist. Die wissen, wie man ihn stoppen kann. Die wissen, dass die Technologien da
sind, die politischen und ökonomischen Rezepte, die Verträge, die
Institutionen. Und es trotzdem einfach nicht schaffen, schnell genug zu handeln.


Man kann das Problem seitenweise analysieren: Da gibt es dieses verdammte globale
Wirtschaftssystem und seine Mechanismen des ewigen Mehr, des ewigen Wachstums.
Wer da nach oben selektiert wird, kann wunderbare Fensterreden zum Klimaschutz
halten und dann auf den erbarmungslosen Konkurrenzdruck verweisen, der leider ein
entschlosseneres Handeln verhindert.


Wenn es nur mal ein klein wenig wehtut, dann geht gleich das Abendland unter.

Nehmen wir mal die deutsche Debatte über einen Kohleausstieg bis 2038: zu
langsam, um die Pariser Klimaschutzziele einzuhalten, voller Schlupflöcher, um
noch später auszusteigen. Würden alle so handeln, der Klimawandel wäre nicht
zu stoppen.


Ach so, Moment. Leider handeln alle so.
Wenn das selbst in Deutschland mit seiner Umweltbewegung das Maximum ist, dann
war es das wohl.

Also seien wir ehrlich: Der moralverliebte Teil der globalen Mittel- und
Oberschicht lügt sich was vor. Es wäre ehrlicher, einfach zu kapitulieren.


Einfach die ganze konsequenzenlose globale Verantwortungsethik über Bord zu
werfen. Für einen Teil der Weltbevölkerung wird das 21. Jahrhundert eben
infolge der Klimaerwärmung geprägt sein von Extremwetter, Flucht, Krieg und
Hunger.


Geben wir uns also der Wollust hin. Dem Konsum. Als letzte Generation, die das
noch kann.


Fröhlich dem Untergang entgegenfahren, -fliegen, -schmausen. Yeah. (Aber psst!)
Sagt es nicht den vielen wegen Klima und Gedöns demonstrierenden Schüler*innen. Lasst die
einfach mal


Quelle: http://www.taz.de/Kommentar-Globale-Erwaermung/!5568480/
<http://www.taz.de/Kommentar-Globale-Erwaermung/!5568480/>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 07.02.2019 07:53 | nach oben springen


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