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Die Millionen, die gingen

in Aus der Welt der Wissenschaft 14.05.2019 16:34
von franzpeter | 9.444 Beiträge

Der Hinweis auf Zeit Online und eine Anmerkung von JK auf den NDS:

" Entgegen allem Wiedervereinigungsjubel wird hier deutlich wie das Gebiet der
ehemaligen DDR Ziel einer neoliberalen Schock-Therapie wurde.

Mit Hilfe der Treuhand wurde die neoliberale Ideologie radikal umgesetzt, mit
zerstörerischen Folgen für die soziale Struktur der Gesellschaft, die bis
heute noch nicht überwunden sind, die sich auch in den Wahlerfolgen der AfD und
dem Zulauf zu rechtsextremen Gruppierungen manifestieren.

Es ist zudem vermutlich nicht völlig von der Hand zu weisen, dass neben der
Gelegenheit auf einem Staatsgebiet in einem Großexperiment die neoliberale
Agenda durchzusetzen auch weitere Ideologische Gründe eine Rolle gespielt haben
und zwar die völlige Auslöschung aller Institutionen der DDR-Gesellschaft als
sozialistischen Gegenentwurf zum kapitalistischen System der Bundesrepublik.

Zu diesem Artikel soll nicht unerwähnt bleiben, dass es sich um gute
journalistische Arbeit handelt, die nüchtern die Fakten recherchiert und für
sich sprechen lässt."


https://www.nachdenkseiten.de/?p=51682#h03
<https://www.nachdenkseiten.de/?p=51682#h03>



Zeit Online 02.05.2019

Die Millionen, die gingen

Seit der Wende verließen Millionen Menschen den Osten und lösten eine
demografische Krise aus. Erstmals zeigen Daten, was genau geschah - und warum es
Hoffnung gibt.

Kurz nach der Wende befragte das Emnid-Institut die Ostdeutschen nach ihrer
Lebenssituation. Die Demoskopen stellten fest, dass unter den Ostdeutschen eine
depressive Stimmung herrsche wie sie noch nie und nirgends zuvor gemessen worden
war.

Mehr als ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung hatte das Gefühl, "in dieser
Gesellschaft nicht mehr gebraucht zu werden".

Der Soziologe Paul Windolf schätzt, dass in den fünf Jahren nach der Wende bis
zu 80 Prozent der erwerbstätigen Ostdeutschen vorübergehend oder auf Dauer
ihren Job verloren. Es gab schon damals Erfolgsgeschichten im Osten, aber an
vielen Orten breiteten sich Armut, Angst und Resignation aus.

Doch nicht nur die Wanderung nach Westen hat die ostdeutsche Demografie
verschoben.

Die sozialen Verwerfungen nach der Wiedervereinigung ließen die Geburtenrate in
Ostdeutschland drastisch einbrechen. Von 1990 bis 1994 sank die Geburtenziffer
fast um die Hälfte. Viele Frauen und Männer, die nicht wussten, ob sie ihren
Job behalten konnten, verschoben die Familiengründung oder verzichteten ganz
auf Kinder.

Mittlerweile werden im Osten wieder etwas mehr Kinder geboren als im Westen.
Doch die Lücke, die in den Neunzigerjahren entstand, hat sich noch lange nicht
geschlossen, und viele Orte überaltern.

Am Beispiel der Kleinstadt Suhl kann man die Folgen wie unter einem Mikroskop
beobachten.

Keine andere Region hat seit 1991 so viele Menschen verloren wie die frühere
Bezirksstadt in Thüringen. Zu DDR-Zeiten florierte Suhl durch den Fahrzeug- und
Waffenhersteller Ernst Thälmann, der unter anderem Motorräder der Marke Simson
produzierte. Nach der Wende wurde der Betrieb privatisiert, Motorräder der Marke
Simson werden nicht mehr hergestellt. Mehr als ein Drittel der Einwohnerinnen und
Einwohner ist gegangen. Unter dem Strich verlor Suhl rund 15 Prozent an den
Westen und 24 Prozent an andere ostdeutsche Regionen.


Mehr:https://www.zeit.de/politik/deutschland/...e=pocket-newtab
<https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-05/ost-west-wanderung-abwanderung-ostdeutschland-umzug?utm_source=pocket-newtab>

Quelle: zeit online


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 15.05.2019 15:45 | nach oben springen


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