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US dominiert - Minenfeld Monsanto

in Aus der Welt der Wissenschaft 15.05.2019 20:19
von franzpeter | 9.523 Beiträge

NDS 15.05.2019

US dominiert

In vielen aktuellen Artikeln fehlen auch die zum Verständnis des Vorgangs
wichtigen Informationen zur US-dominierten Eigentümerstruktur,
die Jens Berger
in diesem Artikel beschreibt
<https://www.nachdenkseiten.de/?p=50355> :

"Die Bayer AG war und ist zumindest gemessen an den Besitzverhältnissen gar kein
deutsches Unternehmen.

Vor der Fusion mit Monsanto waren die größten Bayer-Aktionäre die
US-Vermögensverwaltungen BlackRock, Vanguard und die Capital Group. Genau diese
drei Unternehmen waren übrigens auch - wenn auch in anderer Reihenfolge - die
größten Aktionäre von Monsanto.


Heute stammen nur noch 20% des Aktienkapitals aus Deutschland, die Bayer AG
gehört also zu vier Fünftel internationalen Investoren wie BlackRock,
Vanguard, Fidelity, Dodge & Cox oder den Staatsfonds von Singapur und Norwegen.


Diese Akteure waren es auch, die für die Fusion mit Monsanto direkt
verantwortlich zeichneten."


https://www.nachdenkseiten.de/?p=51700#h01
<https://www.nachdenkseiten.de/?p=51700#h01>

SZ 14. Mai 2019

Bayer

Minenfeld Monsanto

Der nächste Sprengsatz explodiert: Schon wieder fällt ein spektakuläres
Urteil in den USA gegen Monsanto. Die Übernahme beschädigt Bayer mehr und
mehr.


Kommentar von Elisabeth Dostert

Der Unkrautvernichter von Monsanto. (Foto: AFP)

Monsanto ist für Bayer ein Minenfeld. Den Lageplan der Sprengsätze haben
Monsanto-Chef Hugh Grant und die anderen Manager nicht verraten. Sie sind mit
vollen Taschen davongezogen.
Bayer-Chef Werner Baumann und seine Mannschaft sind
hohe Risiken eingegangen, die sie glaubten beherrschen zu können. Die Anleger
haben sie dafür schon abgestraft, wie der Kurseinbruch der vergangenen Monate
zeigt. Die Quittung der Aktionäre folgte Ende April auf der Hauptversammlung in
Bonn. Sie verweigerten dem Vorstand die Entlastung, das hatte es vorher in einem
Dax-Konzern nicht gegeben.


Und nun der nächste Sprengsatz. Es handelt sich um eine weitere Klage in den
USA, die Bayer schlecht aussehen lässt. Ein Gericht im kalifornischen Oakland
sprach einem Ehepaar, die beide an Krebs erkrankt sind, Schadenersatz in Höhe
von insgesamt mehr als zwei Milliarden Dollar zu. Auch wenn
Wiedergutmachungssummen in den USA in späteren Berufungsverfahren oft wieder
deutlich reduziert werden, ist das ein weiterer Rückschlag, der wegen der
Milliardensumme auch noch besonders spektakulär klingt.


Das erstinstanzliche Urteil ist allein in den USA schon das dritte, bei dem ein
Gericht einen direkten Zusammenhang zwischen der Krebserkrankung eines Klägers
und der Verwendung von Roundup hergestellt hat.
In den beiden vorangegangenen
Fällen hatten die Geschädigten Schadenersatz- und Wiedergutmachungszahlungen in
Höhe von jeweils rund 80 Millionen Dollar zugesprochen bekommen.

Zu den Klagen wegen des Unkrautvernichters Glyphosat, mehr als 13 400 wurden
mittlerweile in den USA eingereicht, drohen nun die Klagen wegen Verletzung des
Datenschutzes. Monsanto hat im Jahr 2016 in Frankreich geheime Listen mit
Informationen über Politiker, Wissenschaftler, Verbraucherschützer,
Journalisten und vielen andere Personen geführt, die sich an der Debatte um den
umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat und um Gentechnik beteiligten.


Die Daten sollen als willige bezahlte Helfer die PR-Agentur Fleishman Hillard und
ihre Partner zusammengetragen haben, alles was sich fand: Name, die
Büro-Adresse, aber auch persönliche Daten wie geheime Telefonnummern und
Hobbys, berichteten am Wochenende die französische Zeitung Le Monde und der
öffentlich-rechtliche Sender France 2. Ihnen waren Dokumente zugespielt worden.
Auf Basis der Informationen wurden die Personen klassifiziert. Die ehemalige
französische Umweltministerin Ségolène Royal wurde als "null beeinflussbar"
eingestuft. Menschen derartig einzustufen, sei "pervers", kommentierte die
Sozialistin am Wochenende die Praktiken. Dem ist nichts hinzuzufügen.


Mithilfe der Daten sollten personalisierte Strategien entwickelt werden, wie die
Gegner "erzogen" und "überwacht" werden können.
Die jüngsten Enthüllungen
sind ein weiterer Beleg dafür, wie aggressiv Monsanto seinen Markt bearbeitet
und wie der Konzern mit Kritikern umgeht. Schon früher gab es Berichte, wie
Monsanto versucht, die öffentliche Stimmung und Meinung zu seinen Gunsten zu
beeinflussen und den Profit zu mehren.

Im Auftrag von Monsanto lancierte die aggressive irische PR-Agentur Red Flag die
Kampagne "Freedom to Farm". Dazu gehört laut Medienberichten auch, dass Bauern
mit falscher Identität in Netzwerken wie Twitter und Facebook für Glyphosat
warben.
Die Kampagne hat Bayer vor ein paar Monaten beendet.

Die jüngste Nachricht ist ein weiteres Steinchen im hässlichen Mosaik von
Monsanto. Solche Listen habe es vermutlich in allen EU-Ländern gegeben, gestand
Matthias Berninger, der bei Bayer seit Jahresanfang den neuen Bereich Public
Affairs und Nachhaltigkeit leitetet. Der ehemalige Spitzenpolitiker der Grünen
hat viel zu tun. Der Ruf von Monsanto war Jahrzehnte lang schlecht, und er klebt
nun an Bayer.
Wissentlich hat sich der Dax-Konzern für 63 Milliarden Dollar ein
schlechtes Image gekauft, auch in der überheblichen Annahme, mit dem Namen
Monsanto könne man einfach mal so die Altlasten loswerden. Der Versuch ist
kläglich gescheitert.


Bayer wusste wohl nicht so recht, wie giftig die US-Pille ist, die der Konzern
schluckte


Die Enthüllungen in Frankreich und die Reaktionen darauf zeigen noch mehr. So
recht wusste Bayer wohl nicht, wie giftig die US-Pille ist, die der Konzern
freiwillig schluckte. In ersten Berichten zu den Vorwürfen in Frankreich lässt
sich Bayer noch mit den Worten zitieren, "keine Kenntnis" von den Listen gehabt
zu haben.


Am Sonntagnachmittag folgte dann eine Mitteilung, die die Existenz der Listen
bestätigt, verknüpft mit einer halben Entschuldigung. "Auch wenn es derzeit
keine Hinweise gibt, dass die Erstellung dieser Listen gegen gesetzliche
Vorschriften verstoßen hat", sei eine Anwaltskanzlei damit beauftragt worden,
das "von Monsanto verantwortete Projekt zu untersuchen." Berninger entschuldigt
sich, kritisiert die rabiaten Praktiken von Monsanto und verspricht Besserung.


Die Glyphosat-Klagen und der Datenschutz-Ärger können den Konzern Millionen,
vielleicht sogar Milliarden Euro kosten. Die Rechtsstreitigkeiten können sich
Jahre hinziehen. Und ist das alles? Welcher Sprengstoff steckt noch in den Akten
von Monsanto? Dass es dem US-Konzern in dem ein oder anderen Fall gelungen ist,
Politiker, Wissenschaftler oder Journalisten mit Geld und intimen Daten auf seine
Seite zu ziehen? Dass Personen korrumpiert und Studien manipuliert wurden? Eine
Entschuldigung reicht da nicht.



Quelle:
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/b...entar-1.4444051
<https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bayer-monsanto-urteil-glyphosat-kommentar-1.4444051>




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SZ 14. Mai 2019

Bayer

Minenfeld Monsanto

Der nächste Sprengsatz explodiert: Schon wieder fällt ein spektakuläres
Urteil in den USA gegen Monsanto. Die Übernahme beschädigt Bayer mehr und
mehr.

Kommentar von Elisabeth Dostert

Der Unkrautvernichter von Monsanto. (Foto: AFP)


Monsanto ist für Bayer ein Minenfeld. Den Lageplan der Sprengsätze haben
Monsanto-Chef Hugh Grant und die anderen Manager nicht verraten. Sie sind mit
vollen Taschen davongezogen.


Bayer-Chef Werner Baumann und seine Mannschaft sind hohe Risiken eingegangen, die
sie glaubten beherrschen zu können. Die Anleger haben sie dafür schon
abgestraft, wie der Kurseinbruch der vergangenen Monate zeigt. Die Quittung der
Aktionäre folgte Ende April auf der Hauptversammlung in Bonn. Sie verweigerten
dem Vorstand die Entlastung, das hatte es vorher in einem Dax-Konzern nicht
gegeben.
Und nun der nächste Sprengsatz. Es handelt sich um eine weitere Klage in den
USA, die Bayer schlecht aussehen lässt. Ein Gericht im kalifornischen Oakland
sprach einem Ehepaar, die beide an Krebs erkrankt sind, Schadenersatz in Höhe
von insgesamt mehr als zwei Milliarden Dollar zu. Auch wenn
Wiedergutmachungssummen in den USA in späteren Berufungsverfahren oft wieder
deutlich reduziert werden, ist das ein weiterer Rückschlag, der wegen der
Milliardensumme auch noch besonders spektakulär klingt.

Das erstinstanzliche Urteil ist allein in den USA schon das dritte, bei dem ein
Gericht einen direkten Zusammenhang zwischen der Krebserkrankung eines Klägers
und der Verwendung von Roundup hergestellt hat. In den beiden vorangegangenen
Fällen hatten die Geschädigten Schadenersatz- und Wiedergutmachungszahlungen in
Höhe von jeweils rund 80 Millionen Dollar zugesprochen bekommen.

Zu den Klagen wegen des Unkrautvernichters Glyphosat, mehr als 13 400 wurden
mittlerweile in den USA eingereicht, drohen nun die Klagen wegen Verletzung des
Datenschutzes. Monsanto hat im Jahr 2016 in Frankreich geheime Listen mit
Informationen über Politiker, Wissenschaftler, Verbraucherschützer,
Journalisten und vielen andere Personen geführt, die sich an der Debatte um den
umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat und um Gentechnik beteiligten.

Die Daten sollen als willige bezahlte Helfer die PR-Agentur Fleishman Hillard und
ihre Partner zusammengetragen haben, alles was sich fand: Name, die
Büro-Adresse, aber auch persönliche Daten wie geheime Telefonnummern und
Hobbys, berichteten am Wochenende die französische Zeitung Le Monde und der
öffentlich-rechtliche Sender France 2. Ihnen waren Dokumente zugespielt worden.
Auf Basis der Informationen wurden die Personen klassifiziert. Die ehemalige
französische Umweltministerin Ségolène Royal wurde als "null beeinflussbar"
eingestuft. Menschen derartig einzustufen, sei "pervers", kommentierte die
Sozialistin am Wochenende die Praktiken. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Mithilfe der Daten sollten personalisierte Strategien entwickelt werden, wie die
Gegner "erzogen" und "überwacht" werden können. Die jüngsten Enthüllungen
sind ein weiterer Beleg dafür, wie aggressiv Monsanto seinen Markt bearbeitet
und wie der Konzern mit Kritikern umgeht. Schon früher gab es Berichte, wie
Monsanto versucht, die öffentliche Stimmung und Meinung zu seinen Gunsten zu
beeinflussen und den Profit zu mehren.

Im Auftrag von Monsanto lancierte die aggressive irische PR-Agentur Red Flag die
Kampagne "Freedom to Farm". Dazu gehört laut Medienberichten auch, dass Bauern
mit falscher Identität in Netzwerken wie Twitter und Facebook für Glyphosat
warben. Die Kampagne hat Bayer vor ein paar Monaten beendet.

Die jüngste Nachricht ist ein weiteres Steinchen im hässlichen Mosaik von
Monsanto. Solche Listen habe es vermutlich in allen EU-Ländern gegeben, gestand
Matthias Berninger, der bei Bayer seit Jahresanfang den neuen Bereich Public
Affairs und Nachhaltigkeit leitetet. Der ehemalige Spitzenpolitiker der Grünen
hat viel zu tun. Der Ruf von Monsanto war Jahrzehnte lang schlecht, und er klebt
nun an Bayer. Wissentlich hat sich der Dax-Konzern für 63 Milliarden Dollar ein
schlechtes Image gekauft, auch in der überheblichen Annahme, mit dem Namen
Monsanto könne man einfach mal so die Altlasten loswerden. Der Versuch ist
kläglich gescheitert.


Bayer wusste wohl nicht so recht, wie giftig die US-Pille ist, die der Konzern
schluckte

Die Enthüllungen in Frankreich und die Reaktionen darauf zeigen noch mehr. So
recht wusste Bayer wohl nicht, wie giftig die US-Pille ist, die der Konzern
freiwillig schluckte. In ersten Berichten zu den Vorwürfen in Frankreich lässt
sich Bayer noch mit den Worten zitieren, "keine Kenntnis" von den Listen gehabt
zu haben.

Am Sonntagnachmittag folgte dann eine Mitteilung, die die Existenz der Listen
bestätigt, verknüpft mit einer halben Entschuldigung. "Auch wenn es derzeit
keine Hinweise gibt, dass die Erstellung dieser Listen gegen gesetzliche
Vorschriften verstoßen hat", sei eine Anwaltskanzlei damit beauftragt worden,
das "von Monsanto verantwortete Projekt zu untersuchen." Berninger entschuldigt
sich, kritisiert die rabiaten Praktiken von Monsanto und verspricht Besserung.

Die Glyphosat-Klagen und der Datenschutz-Ärger können den Konzern Millionen,
vielleicht sogar Milliarden Euro kosten. Die Rechtsstreitigkeiten können sich
Jahre hinziehen. Und ist das alles? Welcher Sprengstoff steckt noch in den Akten
von Monsanto? Dass es dem US-Konzern in dem ein oder anderen Fall gelungen ist,
Politiker, Wissenschaftler oder Journalisten mit Geld und intimen Daten auf seine
Seite zu ziehen? Dass Personen korrumpiert und Studien manipuliert wurden? Eine
Entschuldigung reicht da nicht.


Quelle:
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/b...entar-1.4444051
<https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bayer-monsanto-urteil-glyphosat-kommentar-1.4444051>


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