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#1

Aktuelle Klimapolitik - “Wir werden verarscht was das Zeug hält“

in Aus der Welt der Wissenschaft 25.05.2019 15:47
von franzpeter | 9.562 Beiträge

"Wasser ist die Kohle der Zukunft" - Jules Verne (1874)

"Wir leben in einer Zeit, in der kriminelle Industriesyndikate mit ihren
politischen Helferleinen die Lebensgrundlagen von Mensch, Tier, Pflanze und Pilz
systematisch zerstören."

"Wasser ist die Kohle der Zukunft", schrieb Jules Verne bereits 1874 in seinem
Buch DIE GEHEIMNISVOLLE INSEL. "Die Energie von morgen ist Wasser, das durch
elektrischen Strom zerlegt worden ist. Die so zerlegten Elemente des Wassers,
Wasserstoff und Sauerstoff, werden auf unabsehbare Zeit hinaus die
Energieversorgung der Erde sichern."


Buchtipp:

Koch, Timm:

Das Supermolekül. Wie wir mit Wasserstoff die Zukunft erobern.

Das Feuer des Wassers

Wasserstoff ist der Energieträger der Zukunft: Man kann Brennstoffzellen für
Autos mit ihm antreiben oder ganze Kraftwerke, die Wohnhäuser gleichzeitig mit
Wärme und Strom versorgen - dezentral und sicher.


Als Kerosinersatz kann Wasserstoff als Treibstoff für Düsenflugzeuge und sogar
Raketen eingesetzt werden. Als Speichermedium ist er die kostengünstige Lösung
für eine nachhaltige und flächendeckende Versorgung mit Energie. Das riesige
Potenzial von Wasserstoff ist in der Wissenschaft schon längst bekannt.


Die deutsche Automobilindustrie scheut dennoch Investitionen und setzt mit
Akku-Autos auf den falschen Trend.
Gleichzeitig hat sich die Politik von der
Fossil-Lobby hoffnungslos kapern lassen und versucht mit allerlei Tricks, die
Entstehung einer Wasserstoff-Gesellschaft auszubremsen.


Timm Koch hat mit tapferen Pionieren und besonnenen Wissenschaftlern gesprochen,
die keinen Zweifel lassen: Die Chance, das fossile Zeitalter zu beenden und der
Schlüsseltechnologie Wasserstoff endlich zum Durchbruch zu verhelfen, ist zum
Greifen nahe.


Westend Verlag. 2. Mai 2019. 176 Seiten. 18 Euro.

https://www.westendverlag.de/buch/das-supermolekuel/
<https://www.westendverlag.de/buch/das-supermolekuel/>



NDS 25. 05.2019

"Wir werden verarscht was das Zeug hält"

Ist Wasserstoff der Energieträger der Zukunft? Ja, meint Autor Timm Koch. Im
NachDenkSeiten-Interview führt Koch aus, warum Wasserstoff als Energiespender
eine echte Alternative sein kann und geht zugleich scharf mit der aktuellen
Klimapolitik ins Gericht.


Einer Politik, die sich tatsächlich an den Interessen der Umwelt und dem Wohl
der Menschen orientiere, finde nicht statt, weil tatsächlicher Umweltschutz den
Interessen "äußerst mächtige Institutionen" entgegenstehe.


Von Marcus Klöckner


Herr Koch, Bundeskanzlerin Merkel wurde lange als Kanzlerin gefeiert, die etwas
für das Klima tut. Zu Recht?

Merkel wurde in den Medien als Klimakanzlerin Bezeichnet. So tituliere ich sie
auch - allerdings mit Gänsefüßchen, denn die sind angebracht. Wäre die Lage
nicht so ernst, könnte man in lautes Lachen ausbrechen.



Wie ist das zu verstehen?

Ich erinnere an Merkels Reise nach Brasilien im Jahre 2015 und ihre
Ethanol-Deals zum Wohle des E10 Kraftstoffs.


Und?

Da fällt am Amazonas der Regenwald, damit bei uns die Autos Alkohol tanken, der
aus Zuckerrohr destilliert wird. Das freut die Mineralölkartelle, die das
Geschäft kontrollieren ebenso wie die Agrokartelle à la Bayer-Monsanto, welche
die Pestizide beisteuern.


Ganz sicher profitiert nicht unser Klima und noch weniger die Artenvielfalt oder
die Umwelt.

Bei "Bio"-Sprit, "Bio-Diesel und "Bio"-Gas sind wir ganz schnell beim Thema
Wasserstoff angekommen. Den braucht man nämlich für die sogenannte
Ammoniaksynthese nach dem Haber-Bosch Verfahren.



Das klingt kompliziert.

Ja, Zeit für etwas Chemieunterricht, aber das, was ich jetzt anführe, ist
wichtig, man muss es verstehen.


Gut, klären Sie uns auf.

Bei der Ammoniaksynthese nach dem Haber-Bosch Verfahren verbindet sich
Wasserstoff mit dem atmosphärischen Stickstoff, der knapp achtzig Prozent
unserer Luft ausmacht. Aus Ammoniak wird Kunstdünger gewonnen. Den kippt man
dann auf die Felder, damit die Monokulturen sprießen können. Etwa die Hälfte
des weltweit produzierten Wasserstoffs wird für die Ammoniaksynthese
verbraucht.


Wo ist jetzt das Problem?

Bei dem Wasserstoff handelt es sich keinesfalls um den sogenannten "grünen"
Wasserstoff, der per Elektrolyse aus regenerativen Energiequellen wie etwa Wind,
Sonne oder Wasserkraft gewonnen wird. Vielmehr entsteht er zum allergrößten
Teil per Kohle-, Erdgas- oder Erdölreformation. Man zwackt ihn also diesen
Kohlenwasserstoffen ab und erzeugt dabei Unmengen an CO2.



Die Förderung von Energiepflanzen…

... sei es nun heimischer Mais oder Raps oder indonesische Ölpalmen oder
brasilianisches Zuckerrohr ist daher klimatechnisch ein absoluter Irrsinn, für
skrupellose Geschäftemacher indes hochinteressant.
Das ist nur ein Aspekt von
vielen. Sämtliche Verfehlungen der kläglichen „Klimakanzlerin aufzuzählen
würde den Rahmen dieses Interviews sprengen.


Sie sind darüber erzürnt?

Ja, bin ich. Denn für das Zeug, das uns als "Bio" verkauft wird sterben ganz
real die Orang-Utans genauso wie unsere Vogel- und Insektenwelt - und zwar ohne
dass sich hierfür das Klima erst wandeln muss.

Wer jetzt noch Zweifel an Merkels Versagen hegt, der denke einfach an die
unwürdigen Szenen rund um den Hambacher Forst, wo die Regierung ihre Schergen
auf die Klimaschützer hetzte oder an ihr Engagement für die
Nordstream-Pipelines, jene gigantischen Schläuche für den Kohlenwasserstoff
Erdgas, bei dessen Verbrennung immense Mengen CO2 entstehen. - Selbst wenn die
Klimabilanz von Erdgas immer noch besser als die von Kohle ist - Zero-Emission
sieht anders aus.



Was hätte Merkel tun sollen, um tatsächlich etwas für das Klima zu tun?

Den Kohleausstieg auf den Sankt-Nimmerleins-Tag zu verschieben war wohl schon mal
keine so gute Idee. Auch ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) handwerklich
schlecht gemacht. Wenn an einem windigen Tag die Sonne scheint, wird der Strom
für Schleuderpreise ins Ausland exportiert.

Teilweise zahlen wir den Nachbarländern sogar Geld dafür, dass sie ihn
abnehmen.


Windräder werden aus dem Wind gedreht oder "abgeregelt". Dieser Strom wird vom
deutschen Verbraucher natürlich trotzdem bezahlt.

Deshalb ist Elektrizität bei uns ja so teuer. Uns wird dabei vorgegaukelt,
Ökostrom könne nicht oder nur sehr schlecht gespeichert werden. Deshalb
bräuchten wir die Braunkohlekraftwerke, die in Wahrheit mit ihrem dreckigen
Strom die Netze verstopfen. Stichwort Grundlastlüge.


Wenn auf der anderen Seite Player wie Greenpeace Energy hingehen und mittels
Elektrolyseur auf Power-to-Gas setzen, also beispielsweise Windstrom in Form von
Wasserstoff speichern, müssen sie den so teuer bezahlen, als wären sie
Endverbraucher.


Auch die Fixierung staatlicher Förderung auf die elenden Akku-Autos muss ein
Ende haben. Die Batterietechnologie wird niemals in der Lage sein, die Sonne aus
- sagen wir einmal - der Sahara zu "ernten" um sie ins energiehungrige Europa zu
schippern. Die Wasserstofftechnologie ist nach heutigem Stand der Technik aber
durchaus dazu in der Lage.



Sie möchten, dass diese Technologie gefördert wird?

Absolut. Was wir brauchen ist eine industrielle Massenfertigung von
PEM-Brennstoffzellen und PEM-Elektrolyseuren. Hier brauchen wir gezielte
staatliche Förderungen. Momentan sind wir im Begriff unseren technologischen
Vorsprung auf diesem Gebiet an Japan, Süd-Korea und China zu verlieren.
Was das
für die Arbeitsplätze der Zukunft bedeutet, kann sich jeder unschwer
vorstellen.


Derzeit reden alle von Elektroautos. Das scheint die Zukunft. E-Mobilität
gleich saubere Umwelt, heißt es. Oder ist das Falsch?

Ein Brennstoffzellenauto ist ein Elektroauto. Die Brennstoffzelle erzeugt
elektrischen Strom. Wenn dieser emissionsfrei gewonnen wurde, so gewinnen wir
eine saubere Umwelt und damit die Zukunft.


Denkbar wäre ein in die Wägen integriertes System:
Solarzelle-Elektrolyseur-Brennstoffzelle. Der Elektrolyseur könnte auch beim
Bremsvorgang anspringen und so Strom in Wasserstoff umwandeln. Man tankt bis zu
einem gewissen Maß also nur noch Wasser
.



Die Mineralölkartelle dürften darüber aber nicht erfreut sein?

Natürlich nicht. Durch Wasserstoff haben wir die Chance die Macht der
Fossilkartelle zu brechen und uns aus der Abhängigkeit von diesen Kriminellen
zu befreien. Dann wird es Zeit für eine historische und juristische
Aufarbeitung deren Verbrechen an Mensch und Natur.


Aber was stört Sie jetzt an den E-Autos?

Die Schweinereien, mit denen man an die nötigen Rohstoffe für die
Hochvoltbatterien kommt, werden achselzuckend hingenommen. Elon Musk benimmt
sich im Kongo wie ein König Luitpold 2.0. Der Rest von der Bande, allen voran
Herr Diess von VW, ist kaum besser.


Das Akku-Auto erinnert mich ein bisschen an die Sache mit dem Grünen Punkt.

Hier zahlt der Verbraucher für das Versprechen, dass seine Plastikverpackungen
recycelt werden. In Wahrheit wird unser Müll aber einfach als Rohstoff
umdeklariert und nach Malaysia oder sonst ein verarmtes Land geschafft um dann
dort ins Meer gekippt zu werden. Anstatt ernsthaft die Probleme der menschlichen
Gattung anzugehen, werden wir - entschuldigen Sie die drastische Wortwahl
verarscht was das Zeug hält.



Sie sehen in der Verwendung von Wasserstoff unsere Zukunft. Können Sie bitte
unsere Leser, die mit der Thematik nicht vertraut sind, an sie heranführen. Was
genau ist Wasserstoff?

Wasserstoff steht mit dem Buchstaben H (Hydrogen) an prominenter, erster Stelle
in unserem Periodensystem. Im Normalfall besitzt er neben dem Proton nämlich
nur ein einziges Elektron.


Er ist so reaktionsfreudig, dass er in seiner Reinform in der Natur nicht atomar
vorkommt, weil er mit sich selbst reagiert und so das berühmte H2 Molekül
bildet, das wir unter anderem von der Verbindung H2O (Wasser) her kennen.


Man schätzt, dass etwa 75% der Materie unseres Universums aus Wasserstoff
bestehen. Wahrscheinlich hat bereits Paracelsus den Stoff im 16. Jahrhundert
entdeckt. Seitdem fasziniert er wegen seiner vielfältigen
Anwendungsmöglichkeiten die Wissenschaft.



Warum sollte Wasserstoff als Treibstoff verwendet werden?

"Wasser ist die Kohle der Zukunft", schrieb Jules Verne bereits 1874 in seinem
Buch DIE GEHEIMNISVOLLE INSEL. "Die Energie von morgen ist Wasser, das durch
elektrischen Strom zerlegt worden ist. Die so zerlegten Elemente des Wassers,
Wasserstoff und Sauerstoff, werden auf unabsehbare Zeit hinaus die
Energieversorgung der Erde sichern."


Treffender hätte ich es nicht formulieren können. Diese Zukunft, die der
französische Vorreiter des Science-Fiction Romans visualisierte, hat soeben
begonnen.


Wie ist der Stand der Entwicklung?

Technisch gesehen könnten wir schon heute loslegen mit unserem Weg in die
Wasserstoffgesellschaft. Vor allem die Forschungen von Professor Peter
Wasserscheid an den LOHC (liquid organic hydrogen carrier) - Verfahren haben uns
einen großen Schritt nach vorne gebracht.


Hierin wird Wasserstoff per Katalyse chemisch in ein Wärmeträgeröl
eingelagert und kann umgekehrt per Katalyse dort auch wieder herausgezaubert
werden. Diese Substanz lässt sich im Pfandflaschensystem immer wieder
verwenden, ist weder explosiv, noch leicht entzündlich und birgt den riesigen
Vorteil, dass wir mit ihr die bestehende Infrastruktur aus Tankern, Pipelines,
Tankstellen, etc. nutzen könnten.


Wasserscheid und sein Team wurden mit ihrem Projekt 2018 für den Deutschen
Zukunftspreis nominiert. Pünktlich zum Beginn der Kattowitz-Klimakonferenz hat
der Ex-Lakai vom Gasprom-Mann Gerhard Schröder, Bundespräsident Walter
Steinmeier, ihm den Preis nicht verliehen.



Vor welchen Problemen stehen diejenigen, die Wasserstoff breitflächig verwendet
sehen möchten?

Der für die Gesellschaft wünschenswerte Effekt einer Dezentralisierung des
Energiesektors ist Gift für die Konzerne.


Wenn jedermann den Sonnenstrom auf seinem Dach per Elektrolyseur in Form von
Wasserstoff speichern kann, um ihn bei Bedarf rückzuverstromen, sein Haus damit
heizt, oder sein Auto damit betankt, werden auch dem Staat die Einnahmen aus der
Mineralölsteuer genauso fehlen wie die Abgaben auf Elektrizität.


Das Interesse der Weltgemeinschaft, den Klimawandel zu stoppen und zukünftigen
Generationen eine Welt zu hinterlassen, in der ein Leben wie wir es kennen auch
weiterhin möglich ist, steht also diametral gegen die Interessen einiger
äußerst mächtiger Institutionen
.


Welche Herausforderungen gibt es noch?

Geopolitisch gesehen werden Staaten wie Russland oder Saudi-Arabien, die ihr
Wirtschaftsmodell fast vollständig auf die Ausbeutung fossiler Energieträger
ausgerichtet haben, in schwere Turbulenzen geraten, wenn das auf dem Pariser
Klimaschutzgipfel erklärte Ziel einer Zero-Emission-Welt, Wirklichkeit wird.


Es ist zu überlegen, wie diese Staaten mitgenommen werden können, in die neue
Zeit. Die Produktion "grünen" Wasserstoffs kann auch hier Teil der Lösung
sein. Das energiehungrige Europa wird nicht in der Lage sein, seinen Bedarf aus
eigener Kraft mit Erneuerbaren zu decken.


Die "Verspargelung" unserer Landschaften ist ja jetzt bereits hart am Limit.
Russland mit seinen großen Flüssen und die Arabische Halbinsel mit ihrer Sonne
können da sehr von Hilfe sein.



Sie sehen im Wasserstoff eine echte Alternative. Aber: Wie realistisch ist es,
dass diese Technologie irgendwann tatsächlich so zum Einsatz kommt, wie Sie es
sich vorstellen?

Ich bin überzeugt, dies ist keine Frage des ob, sondern des wann. Die
Menschheit hat begriffen, dass wir nicht weitermachen können wie gehabt.


Mit der Wasserstofftechnologie können wir alle Bequemlichkeiten erhalten, die
uns bisher die fossile Energie beschert hat. Denken wir nur einmal daran, dass
Airbus bereits im Jahr 2000 fertige Pläne für das Projekt "Cryoplane" hat
anfertigen lassen. Flugzeugdüsen mögen Wasserstoff lieber als Kerosin, weil er
absolut sauber verbrennt.


"Cryoplane" sollte als Treibstoff auf - 253°C heruntergekühlten
Flüssigwasserstoff in seinen Tanks transportieren. Wegen des hohen Tankvolumens
würden 30% Abstriche an entweder der Passagierzahl oder der Reichweite fällig
werden. Dafür könnte man dann hinfliegen, wohin man wollte, ohne das Klima zu
belasten.


Die heutigen Flieger blasen ja tragischerweise ihr schädliches Kohlendioxid
genau dorthin, wo es am meisten wehtut: in unsere Atmosphäre
!


"Cryoplane" verschwand in den Schubladen mit dem Argument, dass auf absehbare
Zeit nicht genügend "grüner" Wasserstoff verfügbar sein würde, damit das
Projekt klimatechnisch Sinn mache. Je mehr Aufklärung wir in der Bevölkerung
erreichen, desto realistischer wird Jule Vernes Vision der Wasserstoffzukunft.



Von welchem Zeitraum reden wir überhaupt?

Wenn wir an den rasant verlaufenen Siegeszug des Smartphones auf unserer
globalisierten Welt denken, sehen wir wie schnell sich eine technische
Entwicklung durchsetzen kann, wenn alle an einem Strang ziehen. Die Zukunft ist
jedenfalls noch nicht geschrieben. The future is unwritten. Je schneller wir den
Weltenbrand austreten, desto besser.



Sie befassen sich immer wieder mit unserer Umwelt. Wie dramatisch ist die Lage
auf unserem Planeten?

Wir leben in einer Zeit, in der kriminelle Industriesyndikate mit ihren
politischen Helferleinen die Lebensgrundlagen von Mensch, Tier, Pflanze und Pilz
systematisch zerstören
.


Allein wenn ich das Wort "Milliardär" höre, werde ich aggressiv. Diese
schädlichen Individuen mit ihrer Profitgier sind ein Problem. Wasserstoff
allein wird nicht ausreichen, ihrem Treiben ein Ende zu setzen.


Wie wäre es mit einer globalen 100% Steuer auf Vermögen von - sagen wir mal -
über einer Million Dollar?

Mehr braucht ja wohl niemand zum Leben. - Das wäre doch mal einen Versuch wert,
um so die Ausbeutung unserer Ressourcen, der Mitmenschen und der Tiere
einzudämmen. Diese Steuer durchzusetzen wäre mal eine lohnenswerte Aufgabe
für die UNO.


Mit dem so erwirtschafteten Geld könnte man eine Menge Bäume pflanzen und
vielen Menschen Zugang zur Wasserstofftechnologie ermöglichen. Ich bin
überzeugt, die überwältigende Mehrheit der Menschheit fände diese Idee gut
.




Quelle: https://www.nachdenkseiten.de/?p=52045
<https://www.nachdenkseiten.de/?p=52045>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#2

Wie hält es welche Partei mit dem Klima?

in Aus der Welt der Wissenschaft 27.05.2019 23:52
von franzpeter | 9.562 Beiträge

Wie hält es welche Partei mit dem Klima? Die Frage hat gestern die Europawahl
entschieden
. Das kann der Start für eine andere Politik sein. Campact-Vorstand
Christoph Bautz meint: Wir müssen die Klimafrage jetzt ganz neu denken -
radikaler, sozialer, ungehorsamer


Hallo,

die Europawahl wird zur Klimawahl. Für 48 Prozent der deutschen Wähler*innen
war gestern der Klimaschutz das wahlentscheidende Thema.[1] Die Grünen feiern
bundesweit ihr bestes Ergebnis aller Zeiten - SPD und Union erleben ihr
schlechtestes
.[2] Das unterstreicht, was Bewegungen erreichen können: Die
vielfältigen Proteste am Hambacher Wald, die mutigen Streiks der Schüler*innen
und zuletzt das Youtube-Video von Rezo mit seinen 12 Millionen Views haben das
Thema Klimaschutz in die Mitte der Gesellschaft getragen
und die Wahl
entschieden.

Doch Wahlergebnisse allein ändern nichts. Jetzt muss die Politik handeln. Und
zwar so konsequent, wie es Schüler*innen und Klimawissenschaftler*innen zurecht
fordern
: Die Politik muss das 1,5-Grad-Ziel einhalten, damit sich die Erde nicht
über diese kritische Grenze hinaus erhitzt. Wir haben vier Thesen entwickelt,
was es dafür jetzt braucht. Und wir möchten diese gerne mit Ihnen, Peter
Schaffarth, teilen.


Die Schüler*innen haben recht: Unsere Forderungen müssen viel konsequenter
sein.

Klimaschutz spüren Arme mehr als Reiche. Deshalb müssen wir Ökologie und
soziale Gerechtigkeit zusammendenken.

Die nächste Bundestagswahl muss zur Klimawahl werden: Wir müssen Parteien, die
nicht auf Klimaschutz setzen, abstrafen.

Nur indem sie streikten, wurden die Schüler*innen gehört: Wir wollen unsere
Aktionsformen auch um gewaltfreien Zivilen Ungehorsam ergänzen.

Unsere Forderungen müssen konsequenter sein

Es ist ein Fakt aus dem Physikunterricht: Wir dürfen die Erde nicht über die
kritische Schwelle von 1,5 Grad hinaus fiebern lassen. Denn dahinter wird es
richtig gefährlich. Mit jedem zusätzlichen Zehntel Grad wird es
wahrscheinlicher, dass die Klimakrise kritische Kipppunkte überschreitet: Der
Amazonas-Regenwald sowie die Permafrostböden in Sibirien kollabieren - und
setzen jede Menge gespeicherte Treibhausgase frei
.[3] Die Krise beschleunigt sich
selbst. Sie wird unaufhaltbar. Genau das meint Greta Thunberg, die Initiatorin
der Schulstreiks, wenn sie sagt: "Ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr
die Angst spürt."[4]

Was das für uns alle bedeutet? Die Schüler*innen haben die
Klimawissenschaftler*innen gefragt. Die Antwort: Bis 2035 muss unser Land bei
null CO2-Emissionen sein, wenn wir die kritische 1,5-Grad-Grenze nicht
überschreiten wollen.[5] Was für eine immense Herausforderung. Und doch ist es
lediglich das, wozu sich Deutschland mit dem Pariser Klimaabkommen
völkerrechtlich verpflichtet hat.[6] Da die CO2-Emissionen in Deutschland in den
vergangenen zehn Jahren nahezu konstant geblieben sind, müssen wir jetzt so
drastisch CO2 reduzieren.[7]


Bis 2035 klimaneutral - die erste Reaktion bei Ihnen ist jetzt vielleicht: Das
schaffen wir doch nicht. Das ist zu radikal, die Folgen sind zu drastisch. Aber
ist dieses Ziel in Wirklichkeit nicht das einzig Realistische?
Denn wir sollten
uns klar machen, was passiert, wenn wir jetzt nicht alles geben. Mit jedem
Zehntel Grad mehr wird es bedrohlicher, werden immer größere Bereiche der Welt
unbewohnbar. Dürren, so wie voriges Jahr, werden bei uns der Normalfall. Und
woanders führen sie zu Millionen Toten.[8] Küstenregionen müssen geräumt
werden, zwingen Menschen zur Flucht.[9] Je stärker sich der Planet erhitzt,
desto mehr geht es letztlich um das Überleben unserer Zivilisation.

Die Klimakrise ist nicht irgendeine Krise. Sie hat das Zeug zur existentiellen
Krise der Menschheit. So wie es die 70 Youtuber in ihrem Video formulierten, das
in den vergangenen Tagen Millionen schauten: "Nach der Risiko-Hierarchie hat die
potentielle Zerstörung unseres Planeten offensichtlich die höchste
Priorität."[10] Genau diese Sorge um ihre eigene, um unser aller Zukunft hat am
Freitag 320.000 Schüler*innen alleine in Deutschland auf die Straße
getrieben.[11] Sie sagen, dass bei der Lösung dieser Krise eines nicht mehr
funktioniert: ein bisschen. Ein bisschen über Klimaschutz reden. Ein bisschen
einsparen. Ein bisschen umsteuern. Es braucht die ganz große Veränderung, eine
Transformation.


Dafür müssen wird schnell handeln, einschneidend und konsequent. Genaue Ziele
müssen wir zusammen mit unseren Bündnispartnern noch ausarbeiten, aber in die
hier skizzierte Richtung muss es gehen. Wir fordern:

- Einen Kohleausstieg bis allerspätestens 2030 - und eine Abschaltung der
Hälfte der Kraftwerke bis Ende nächsten Jahres [12]
- Einen Preis auf alle Treibhausgasemissionen, der schnell 180 Euro pro Tonne CO2
beträgt [13]
- Ein Verbot der Neuzulassung von PKW-Verbrennungsmotoren bis 2025 und massive
Investitionen in eine gute Fahrrad-Infrastruktur sowie attraktive öffentliche
Verkehrsmittel, ergänzt um Elektroautos [14]
- Den Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energieversorgung bis 2035. Dafür muss
das Ziel der Regierung, den Anteil der Erneuerbaren bis 2030 auf 65 Prozent zu
erhöhen, schon 2025 erreicht sein. Hierfür muss der Ausbaudeckel für Sonnen-
und Windkraft sofort weg.
- Öffentliche Milliarden-Investitionen in eine Dämmoffensive für den
Gebäudebestand und den Ausbau der solaren Wärme-Erzeugung
- Eine Agrarwende zu einer ökologischen und bäuerlichen Landwirtschaft mit
einer regionalen Erzeugung von guten Lebensmitteln

Ambitioniert sagen Sie? Stimmt. Aber auch der Größe der nötigen Transformation
angemessen. Eine Herausforderung, deren Umsetzung besonders bei der industriellen
Fertigung und beim Flugverkehr schwer wird. Aber für die es sich lohnt, zu
kämpfen. Mit der unser Land und unsere Welt ein besserer Ort werden könnte.

Ökologie und soziale Gerechtigkeit zusammendenken

Klimapolitik darf drastisch sein - aber niemals ungerecht. Wir können nicht
zulassen, dass Reiche sich leisten können, das Klima zu verpesten
. Und Arme mit
höheren Preisen und Mieten, mit weniger gesellschaftlicher Teilhabe belastet
werden - Klimaschutz für sie zur Bedrohung wird.
Genau deshalb ist Klimaschutz
auch ein Frage der sozialen Gerechtigkeit
. Ökologie und Soziales sind zwei
Seiten derselben Medaille. Schon jetzt müssen arme Menschen prozentual mehr Geld
für den Klimaschutz ausgeben. Autofahrten zur Arbeit kosten Steuern - Flugreisen
in ferne Länder nicht.


Damit Klimaschutz keine soziale Schlagseite bekommt, braucht es eine
sozial-ökologische Transformation. Die Reichtum umverteilt. Mehr
gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht. Ein langfristiger Klimaschutz schließt
die immer weiter auseinander gehende Schere zwischen Arm und Reich. Nur mit einem
solchen großen Wurf wird Klimaschutz eine breite gesellschaftliche
Unterstützung erfahren.

Hier ein paar erste Annäherungen, was das konkret heißen könnte:

- Die Einnahmen aus einer CO2-Steuer könnten vom Staat an alle Bürger*innen
wieder zurückgegeben werden - pro Kopf gleich viel. Da Menschen mit geringerem
Einkommen meist weniger die Umwelt belasten, hätten sie am Ende des Jahres mehr
Geld im Portemonnaie. So funktioniert es in der Schweiz.[15]

- Klimafreundliches Sanieren von Gebäuden ist teuer. Vermieter*innen wollen das
investierte Geld wieder reinholen und erhöhen die Miete. Indem die
Modernisierungsumlage gesenkt wird, muss verhindert werden, dass sich viele
Bewohner*innen ihre Wohnung nicht mehr leisten können. Stattdessen muss die
Sanierung mit öffentlichen Investitionen und besseren
Abschreibungsmöglichkeiten gefördert werden.

- Der Nahverkehr wird ticketfrei und gleichzeitig massiv ausgebaut - finanziert
über Abgaben, die vor allem die wohlhabenden Teile der Gesellschaft aufbringen.
Damit wird der Umstieg vom Auto auf den Nahverkehr für Bürger*innen attraktiver
und allen wird unabhängig von der Höhe ihres Einkommens der gleiche Zugang zu
Mobilität eröffnet.

Eine gesellschaftliche Transformation, die Ökologie und Soziales miteinander
verbindet, birgt enorme Chancen.
Sie kann zu einem gesellschaftlichen Aufbruch
werden, der viele Menschen begeistert. Sie kann uns hinter einer Vision einer
anderen Gesellschaft vereinen. Millionen von guten Arbeitsplätzen und eine
moderne Infrastruktur schaffen. So entsteht für alle ein besseres Leben, und
unser Land - wie zu Beginn der Energiewende - wird international zum Vorbild. Auf
dass wir weltweit umsteuern.

Die Bundestagswahl wird zur Klimawahl

Das katastrophale Wahlergebnis für SPD und Union von Sonntag hat es
wahrscheinlicher gemacht, dass die Große Koalition nicht bis 2021 durchhält.
Neuwahlen könnten bald anstehen - etwa nach den Wahlen in mehreren ostdeutschen
Bundesländern oder der Halbzeitbilanz der Koalition im Dezember
.[16] Vielleicht
hält die Koalition aber auch noch zwei Jahre durch, denn bei dem Ergebnis der
EU-Wahl dürfte sich bei Union und SPD die Begeisterung für Neuwahlen sehr in
Grenzen halten. Egal, wann sie stattfindet: Die nächste Bundestagswahl müssen
wir zur Klimawahl zu machen. Damit keine neue Regierung umhin kommt, Klimaschutz
zum zentralen Projekt auszurufen.


Denn eines ist klar: Die Große Koalition wird das Klima nicht retten. Mit dem
Klimaschutzgesetz von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) liegt zwar ein guter
Aufschlag vor. Aber dieser bleibt von der Ambition, wie schnell Deutschland
klimaneutral werden muss, weit zurück. Und mit der Union in der Regierung droht
das Gesetz zu einem reinen Alibi-Beschluss verwässert zu werden
. Genau deshalb
müssen wir verhindern, dass das Klimathema durch faule Kompromisse vor der
nächsten Wahl weggefegt wird.

Bei Bildung einer neuen Regierung wird es besonders auf eine Partei ankommen: die
Grünen. Schwarz-Grün, Jamaika, Ampel oder Rot-Rot-Grün - sie nehmen in allen
derzeit denkbaren Koalitionsoptionen jenseits der GroKo ein Schlüsselrolle ein.
Ohne sie wird es keine Regierung geben. Deshalb könnten sie entsprechend hart
verhandeln. Nur: Dafür müssen sie auch mit Forderungen in Verhandlungen gehen,
die der Dramatik der Klimakrise angemessen sind. Und nicht mit ein bisschen
Kohleausstieg und etwas mehr Elektromobilität wie bei den jüngsten
Jamaika-Verhandlungen. Die Grünen haben einen klaren Auftrag: eine
sozial-ökologische Transformation.


Wenn ein solcher Wandel mit den Grünen kommen soll, dann muss das jetzt in ihr
neues Grundsatzprogramm - in einer ähnlichen Konsequenz wie das die
Schüler*innen einfordern. Und es muss in dieser Klarheit auch Kernbestandteil
eines neuen Wahlprogramms sein. Ein bisschen Grün in der Regierung - das reicht
nicht für unseren Planeten.

Aktionsformen auch um gewaltfreien Zivilen Ungehorsam ergänzen

Jeden Freitag nicht zur Schule gehen. Fürs Klima nicht nur am Nachmittag
demonstrieren, sondern während der Schulzeit streiken - nur durch diese
konsequente Aktionsform gelang es den Schüler*innen, dass eine breite
Öffentlichkeit auf sie und ihre Forderungen aufmerksam wurde. Sie haben zu den
Mitteln des Zivilen Ungehorsams gegriffen. Haben gegen ein Gesetz - die
Schulpflicht - verstoßen, um damit symbolisch auf viel größeres Unrecht
hinzuweisen. Damit Aktionen Zivilen Ungehorsams in einer parlamentarischen
Demokratie legitim sind, braucht es gute Gründe. Aber sie sind berechtigt, wenn
es um unser aller Überleben geht - und die Politik nichts tut.

Unzählige historische Beispiele zeigen, wie kraftvoll diese Aktionsform ist -
und wie sie zu gesellschaftlichem Wandel führt. Mahatma Gandhi boykottierte beim
legendären Salzmarsch mit Millionen Unterstützer*innen die Salzerzeugung
Indiens - es bedeutete das Ende der britischen Kolonialherrschaft. Rosa Parks
räumte ihren Platz im Bus nicht für Weiße - und läutete den Durchbruch der
Schwarzen Bürgerrechtsbewegung gegen die Diskriminierung in den USA ein.

Zehntausende Anti-Atom-Aktivist*innen blockierten Castor-Transporte nach Gorleben
- und erreichten den Atomausstieg und das Ende des geplanten Atommülllagers. Und
zuletzt blockierten Tausende Bürger*innen im Rahmen von Ende Gelände
Kohlebagger - und befeuerten die Debatte um den Kohleausstieg.

Auf solche Erfahrungen können wir aufbauen, wenn wir uns für eine
sozial-ökologische Transformation mit mächtigen Wirtschaftslobbys anlegen. Was
wir brauchen, sind Aktionsformen, die - mal spielerisch, mal provozierend, mal
analytisch - die Dramatik der Lage glasklar vermitteln und trotzdem Mut machen.
Die überall in der Fläche Menschen einladen, vor Ort aktiv zu werden.

Genau zu solch einer Aktion laden die Schüler*innen uns alle als nächsten
großen Schritt ein - für Freitag, den 20. September 2019. Sie schreiben uns:
"Wir haben das Gefühl, dass viele Erwachsene noch nicht ganz verstanden haben,
dass wir jungen Leute die Klimakrise nicht alleine aufhalten können. Tut uns
leid, wenn Sie das nicht wahrhaben wollen. Aber das ist keine Aufgabe für eine
einzelne Generation. Das ist eine Aufgabe für die gesamte Menschheit." Und sie
fordern uns auf: "Es geht darum, Linien zu überschreiten - es geht darum, zu
rebellieren, wo immer man rebellieren kann. Es geht nicht darum zu sagen,
’Yeah, was die Kids da tun, ist großartig, wäre ich noch jung, würde ich so
was von mitmachen’. Das hilft uns nicht weiter, aber jeder kann und muss
mithelfen."[17]

Sie sind gefragt: Am Freitag, den 20. September irgendwann am
Vormittag auf einem Platz bei Ihnen vor Ort. Es sind noch über drei Monate bis
dahin. Was es für Sie einfacher machen sollte, dabei zu sein - egal, welche
Pflicht ruft. Tragen Sie es sich jetzt fest im Kalender ein! Kündigen Sie es
Ihrer*Ihrem Chef*in schon mal an, planen Sie Ihren Urlaub drumherum, fragen Sie
Ihre Kinder, ob sie mitkommen. Hauptsache, Sie sind am 20. September dabei.

Jetzt habe ich noch eine Bitte: Das Klima geht uns alle etwas an. Nur, wenn wir
auch nach der Wahl weiter dranbleiben, handelt die Politik. Informieren Sie jetzt
Ihre Freund*innen und Bekannten über diese Vorschläge.


https://campact.org/aly-tw

Mit hoffnungsvollen Grüßen
Christoph Bautz, Campact-Vorstand

PS: Vielleicht sagen Sie auch: Alles nur auf die Politik schieben, das ist doch
zu einfach. Warum ruft Campact nicht dazu auf, dass jede*r selbst mit dem
Klimaschutz anfängt - etwa nicht mehr fliegt, kein Fleisch oder gar keine
tierischen Nahrungsmittel mehr isst, das Auto stehen lässt. Ja, das ist wichtig.
Aber damit allein wird die Transformation bis 2035 nicht zu schaffen sein. Wir
müssen vor allem die Politik ändern.
Dafür die beste Strategie haben und das
Richtige fordern. Informieren Sie deshalb bitte Menschen in Ihrem Umfeld über
diese Forderungen!



Hier klicken und Nachricht per Whatsapp teilen
https://campact.org/aly-wa

Hier klicken und Nachricht per Twitter teilen
https://campact.org/aly-tw

[1] "Direkt zu den Wahlen am 26.05.2019", wahl.tagesschau.de, 26. Mai 2019
[2] "Europawahlen 2019. Deutschland. Vorl. amtl. Endergebnis",
wahl.tagesschau.de, 26. Mai 2019
[3] "Kipppunkte im Klimasystem. Welche Gefahren drohen?", Umweltbundesamt, Juli
2008.
[4] "‘I want you to panic': 16-year-old issues climate warning at Davos",
Guardian News, www.youtube.com, 25. Januar 2019
[5] "Unsere Forderungen an die Politik", fridaysforfuture.de, 2019
[6] "Rede von Dr. Barbara Hendricks anlässlich des Gesetzes zur Ratifikation des
Pariser Klimaabkommens", BMU, 22. September 2016
[7] "Treibhausgas-Emissionen in Deutschland", Umweltbundesamt (UBA), 25. April
2019
[8] "250,000 deaths a year from climate change is a 'conservative estimate,'
research says", editon.cnn.com, 16. Januar 2019
[9] "Climate Change, Migration, and Displacement The Underestimated Disaster",
Studie der Universität Hamburg im Auftrag von Greenpeace, Oktober 2011.
[10] "Ein Statement von 90+ Youtubern", youtube.com, 24. Mai 2019
[11] "Hunderttausende bei "Klimastreik" zur EU-Wahl", Zeit online, 24. Mai 2019
[12] "BUND-Abschaltplan: Der Kohleausstieg vor 2030 ist möglich!", Bund für
Umwelt- und Naturschutz Deutschland, www.bund.net, 2018
[13] "Gesellschaftliche Kosten von Umweltbelastungen", Umweltbundesamt, 17.
Januar 2019
[14] "Verkehrswende für Deutschland. Der Weg zu CO2-freier Mobilität bis 2035",
Greenpeace 2017
[15] "Die CO2-Abgabe in der Schweiz, Frankreich und Großbritannien Mögliche
Modelle einer CO2-Abgabe für Deutschland", Sachstand Deutscher Bundestag, 2018
[16] "SPD setzt Union Frist bis Dezember", FAZ, 29. Oktober 2018
[17] "Kampf um die Zukunft",Süddeutsche Zeitung, 23. Mai 2019

--

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Anmerkung

Fehlt da nicht etwas?
Grün ist immerhin ein Weg in Richtung Klimapolitik, auch wenn es mittlerweile eine Farbe der Besitzenden (und der damit verbundenen Gesellschaftspolitik) geworden ist (welche Gesellschaftsschicht nunmehr einzusehen scheint, dass die realen Machthaber auf sie keine Rücksicht nimmt.
Wenn da nicht auch die unverständliche Unterstützung der amerikanischen Wirtschaftspolitik wäre (deren Öl- und Rohstoffkriege), und letztlich die Unterstützung der (amerikagesteuerten) NATO.
Mit dem Grundsatzprogramm von 2002 verabschiedete sich Bündnis 90/Die Grünen vom strikten Pazifismus und schloss völkerrechtlich legitimierte Gewalt gegen Völkermord und Terrorismus nicht länger kategorisch aus. Wikipedia
Denn was macht Deutschland (die NATO)? Siehe Ramstein. Und wer ist aus dem UN Menschenrechtsrat ausgetreten? Na?
Seit 2002 ist für mich Grün nicht mehr wählbar (was nutzt es, CO² zu mindern und massenhaft durch Rohstoffkriege CO² zu erzeugen? So gesehen stehen die Grünen auf Seiten der CDU/CSU und der SPD.
Aber immerhin - sie wollen überleben.


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#3

Politische Energie for Future

in Aus der Welt der Wissenschaft 28.06.2019 15:26
von franzpeter | 9.562 Beiträge

telepolis 28. Juni 2019

Politische Energie for Future

Ziviler Ungehorsam gegen eine verantwortungslose Klimapolitik ist angemessen und
notwendig. Schließlich geht es um nichts weniger als um die Zukunft der jungen
Generation. Ein Kommentar

Franz Alt - http://Sonnenseite.com
<http://sonnenseite.com/>

FFF-Klimastreik am 24.5. in New York. Bild: Felton Davis/CC BY-SA-2.0

Zwölf Städte in Deutschland haben bereits den "Klimanotstand" ausgerufen -
meist wurden sie von der "Fridays for Future"-Bewegung dazu gedrängt.

Hierzulande wurden im Juni die höchsten Temperaturen aller Zeiten gemessen. Auch
die CDU-Vorsitzende AKK sagt inzwischen: "Wir können so nicht weiterleben."

Bis zu 40.000 junge Menschen aus 16 Ländern haben in Aachen für Klimaschutz
demonstriert und 6000 Aktivisten haben gut vorbereitet im Rheinland Aktionen
für einen raschen Kohleausstieg unternommen.


Selbst der bayerische Ministerpräsident Söder will jetzt einen Kohleausstieg
schon 2030 anstatt wie die Bundesregierung erst 2038. Was für ein Erfolg der
neuen jungen Klimaschutz-Bewegung - parteiübergreifend.



Das Klima-Thema hat politische Hochkonjunktur. Es bringt neue Energie in die
Politik

Kein Wunder! Denn die Alt-Parteien CDU/CSU, SPD und FDP haben dieses
Überlebensthema in den letzten Jahren komplett verpennt.


Wer aber trotz eindeutiger Warnungen der Klimawissenschaft alle Weckrufe über
Jahrzehnte ignoriert und seine Hausaufgaben nicht macht, darf sich über
Schulstreiks der Jungen nicht wundern. Beim Thema Hausaufgaben können und sollen
Schüler und Schülerinnen mitreden. Der Vorsitzende der Grünen, Robert Habeck,
wird zurzeit bei Umfragen doppelt so oft als nächster deutscher Kanzler
gewünscht wie die CDU-Vorsitzende.

Wer heute Schüler fragt, warum sie wegen des Klimas die Schule schwänzen,
bekommt diese Antwort: "Warum in der Schule lernen, wenn wir eh keine Zukunft
haben!"


Ziviler Ungehorsam gegen eine verantwortungslose Klimapolitik ist angemessen und
notwendig. Schließlich geht es um nichts weniger als um die Zukunft der jungen
Generation. So viel ziviler Ungehorsam ist auch vom Grundgesetz Artikel 20
gedeckt.


Erst durch die Freitags-Demonstrationen wachen jetzt in Deutschland und in vielen
anderen Ländern immer mehr Menschen auf: Nach der "Fridays for Future"-Bewegung
entstanden "Scientists for Future", "Parents for Future", "Grandparents for
Future", Journalists for Future", "Farmers for Future". Wann folgen "Churches for
Future"?


Kirchen sollten eine Schöpfungs-Spiritualität lernen und verkünden. Stoff
genug dafür finden Sie bei Jesus, bei Buddha und bei Mohamed und bei vielen
Heiligen wie bei Franziskus von Assisi. Allen Religionsstiftern ging es um die
Bewahrung der Schöpfung. Zum Glück zeigen sich sowohl Papst Franziskus wie auch
der Dalai Lama solidarisch mit der 16-jährigen Greta Thunberg und bezeichnen sie
als großes Vorbild.



Schulstunden "Freitag for Future"

Schulen sollen und wollen auf das Leben vorbereiten. Und zwar konkret und
praktisch. Claus Leggewie, der als Professor seit vielen Jahren zum Thema
Klimawandel als Kulturwandel forscht, schlägt vor, den "Freitag for Future" in
allen Schulen einzuführen.

Dabei könnte es in Theorie und Praxis um die Zukunftsthemen Energiewende,
Verkehrswende, Bauwende, Wasserwende, Raumpolitik, Landwirtschaftswende sowie
Arbeitswende in der globalisierten und digitalisierten Welt gehen. Also darum,
wie eine nachhaltige Wirtschaft organisiert werden kann.

Wir brauchen noch viele Freitage für eine gute Zukunft. So lernen schon Kinder
und Jugendliche ein Grundvertrauen in ihre eigene Zukunft. Ihre jetzt wachsende
Fähigkeit zur Empörung auf den Straßen ist schon mal eine gute Voraussetzung
dafür. Diese Fähigkeit könnte sogar den Ideen-Wettbewerb der politischen
Parteien für mehr Klimaschutz beflügeln. Nur zu!


Quelle:
https://www.heise.de/tp/features/Politis...html?view=print
<https://www.heise.de/tp/features/Politische-Energie-for-Future-4456966.html?view=print>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#4

Grüner Wasserstoff als Klimaschützer

in Aus der Welt der Wissenschaft 13.07.2019 23:34
von franzpeter | 9.562 Beiträge

Grüner Wasserstoff als Klimaschützer
Der Sauberstoff
Wasserstoff, hergestellt aus Ökostrom, ist für die Industrie nahezu die einzige Möglichkeit, klimaneutral zu wirtschaften. Der Aufwand für Stahlwerke und Raffinerien wäre enorm, und die Hürden sind hoch.
Von Ralph Diermann

Samstag, 13.07.2019 16:00 Uhr

Wenn es nach Minister Andreas Scheuer (CSU) geht, sollen Benzin- und Dieselmotoren auch in einigen Jahrzehnten noch das Straßenbild prägen. Dumm nur, dass ausgerechnet der Verkehrsbereich unter erheblichem Druck steht, die CO2-Emissionen zu senken, um die Vorgaben aus dem Klimaschutzabkommen von Paris zu erfüllen. Das Wundermittel, das diesen Widerspruch in Luft auflösen soll, heißt: grüner Wasserstoff.

Wenn sich Kraftstoffe synthetisch herstellen lassen, bliebe der Autoindustrie die Verbrennertechnologie trotz höchster Klimaschutzansprüche erhalten. Kein Wunder also, dass Andreas Scheuer das Verfahren zuletzt als Alternative zu Elektroautos ins Spiel gebracht hat.
Grün darf man Wasserstoff nennen, wenn er mit erneuerbarer Energie erzeugt wird. Das geschieht in einem Elektrolyseur, der Wasser (H2O) unter Strom setzt, sodass sich Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O) voneinander trennen. In einem zweiten Schritt lässt sich der Wasserstoff zu synthetischem Erdgas, Benzin, Diesel oder Kerosin verarbeiten. "Power to X" heißt dieses Konzept.


Power-to-Gas
Die verschleppte Energierevolution

Was im Verkehr allenfalls eine Option unter vielen wäre, könnte im Industriesektor zur letzten Rettung werden: Bis 2050 soll Deutschland fast vollständig klimaneutral wirtschaften, ohne grünen Wasserstoff dürfte das nur schwer möglich werden.

"Für die Industrie gibt es keine Alternative zu Power to X", sagt Michael Sterner, Professor für Energiespeicher und -systeme an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH).
In der Herstellung von Grundchemikalien, bei Düngemitteln oder in der Glas- und Metallindustrie, führe der Ersatz fossiler Brennstoffe immer zu grünem Wasserstoff, so der Experte.
Klimaneutraler Stahl als langfristiges Ziel
Zu den Industriezweigen mit den höchsten Kohlendioxidemissionen zählt die Stahlbranche. Sie setzt jährlich 56 Millionen Tonnen CO2 frei - und ist damit für gut sechs Prozent des gesamten Treibhausgasausstoßes Deutschlands verantwortlich. Konzerne wie ArcelorMittal oder ThyssenKrupp wollen nun mit grünem Wasserstoff experimentieren, um ihre Klimabilanz zu verbessern.
Die Salzgitter AG zählt zu den Pionieren. Schon seit zwei Jahren wird im Hüttenwerk Salzgitter, zweitgrößter Stahlstandort der Bundesrepublik, Wasserstoff aus einem eigenen Elektrolyseur bei der Veredelung von Rohstahl eingesetzt. Bis Mitte des nächsten Jahres werden nach den Plänen des Unternehmens zwei weitere, größere Elektrolyseure dazukommen.
Die Salzgitter AG hat die weitgehende Dekarbonisierung des gesamten Werks im Visier. So soll grüner Wasserstoff langfristig die Kokskohle ablösen - die mit Abstand wichtigste Emissionsquelle eines Stahlwerks. Auf dem Weg dahin will das Unternehmen die Produktion so umbauen, dass parallel zum Wasserstoff als Zwischenschritt auch Erdgas eingesetzt werden kann.
"Bereits mit einem Drittel Wasserstoff und zwei Dritteln Erdgas können wir gegenüber der heute verwendeten Technologie zwei Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr einsparen", sagt Volker Hille, Leiter Corporate Technology bei der Salzgitter AG. "Daran lässt sich ablesen, wie viel die Stahlindustrie für den Klimaschutz bewegen könnte."
Umstellung der Produktion derzeit nicht wirtschaftlich
Allerdings müsse es "Anreize geben, klimafreundlich produzierten Stahl zu verwenden", fordert Hille. "Technisch gesehen könnten wir schon morgen damit anfangen, unsere Produktion auf fast komplett CO2-freie Verfahren umzustellen, weil die nötigen Technologien bereits etabliert sind. Dafür müssen aber die Rahmenbedingungen stimmen." Denn grüner Stahl ist teurer als konventioneller.
Ein Problem, vor dem auch Raffinerien stehen - einige wollen grünen Wasserstoff für die Entschwefelung von Kraftstoffen einsetzen, wofür bislang Erdgas verwendet wird. BP hat bereits in Lingen im Emsland einen Pilotversuch durchgeführt, Shell will im rheinischen Wesseling demnächst einen eigenen Elektrolyseur errichten. Doch bislang rechnet sich die Umstellung nicht, da Erdgas preiswerter ist als Strom.

Grüner Wasserstoff aus dem Ausland
Die größte Hürde bei der Umstellung ist jedoch die Beschaffung des Ökostroms für die Elektrolyse. Allein die Salzgitter AG bräuchte Elektrolyseure mit einer Leistung von 960 Megawatt, um ihre Stahlwerke zu dekarbonisieren. Ein modernes Windrad an Land liefert höchstens drei Megawatt Strom. Für eine klimaneutrale Stahlindustrie müssten also viele Tausend Windräder installiert werden.


"Daher wird der Import von grünem Wasserstoff und anderen Power-to-X-Energieträgern kommen", prophezeit Wissenschaftler Michael Sterner. "Es gibt viele Regionen auf der Welt, die sich hervorragend als Quelle eignen".

Klimaschutz wäre dann also von Energieimporten abhängig - für die Industrie aber keine neue Situation - denn auf die Einfuhr von Kohle, Öl und Erdgas ist sie schon heute angewiesen.
Quelle: spiegel online


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#5

Wie ernst nimmt die Bundesregierung die Klimapolitik wirklich?

in Aus der Welt der Wissenschaft 02.08.2019 13:11
von franzpeter | 9.562 Beiträge

2. August 2019, 10:18 Uhr
Umweltschutz
Wie ernst nimmt die Bundesregierung die Klimapolitik wirklich?
https://www.sueddeutsche.de/politik/klim...erung-1.4547592


Politiker der Regierungsparteien überschlagen sich angesichts der Fridays-for-Future-Bewegung mit Forderungen zum Klimaschutz.
Bisher tat sich die Bundesregierung allerdings nicht gerade als Vorkämpferin beim Thema Umweltschutz hervor und bremste auch auf EU-Ebene.
Entsprechend groß sind die Erwartungen an den 20. September - jenen Tag, an dem das Klimakabinett ein ganzes Paket schnüren soll.
Dort wird sich zeigen, wie ernst es der Koalition nun tatsächlich ist und ob es über bloße Lippenbekenntnisse hinausgeht, wie es in der Vergangenheit der Fall war.

Von Michael Bauchmüller, Berlin
"Pillepalle" ist ein heftiges Urteil, aber die Kanzlerin hat das Wort offenbar selbst benutzt. Sie wolle in der Klimapolitik "kein Pillepalle mehr", wird Angela Merkel aus einer Sitzung ihrer Unionsfraktion Anfang Juni zitiert. Was einerseits nur heißen kann, dass sie in der Klimapolitik nun wirklich ernst machen will. Andererseits aber auch einiges darüber sagt, was sie von der eigenen Klimapolitik davor hält.
Tatsächlich ist die Koalition mittlerweile kaum wiederzuerkennen. Die SPD verfasst eilig einen Zehn-Punkte-Plan für mehr Klimaschutz, die CDU setzt eine Arbeitsgruppe gegen das Pillepalle von gestern ein, in der CSU schwingt sich Parteichef Markus Söder zum Vorkämpfer für den Klimaschutz auf. Ein eigenes Klimakabinett ist eingesetzt, es soll bis zum 20. September das erste bundesdeutsche Klimaschutzgesetz auf die Beine stellen. Bei einem Preis auf klimaschädliche Emissionen von Verkehr und Gebäuden geht es plötzlich nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie. Was für ein Wandel.
Rückblende: Bei den Koalitionsverhandlungen im vorigen Jahr gestalten sich die Gespräche zum Klima außerordentlich zäh. Gleich zu Beginn müssen Union und SPD einräumen, dass sich die Ziele für 2020 nicht halten lassen - obwohl Merkel selbst ihren Wählern im Fernsehen das Gegenteil versprochen hatte. Die SPD fordert ein Klimaschutzgesetz, aber auf Betreiben der Union darf es diesen Namen nicht tragen. Am Ende heißt es verkorkst "Gesetz, das die Einhaltung der Klimaschutzziele 2030 gewährleistet". Auch einen nationalen Preis auf Kohlendioxid hätten Umweltpolitiker der SPD gern gehabt, doch die CSU ist dagegen. Am Ende landet er quasi in einer Fußnote des Vertrags. Und der Ausstieg aus der Kohle wird, nicht zuletzt auf Betreiben der SPD, an eine Kommission ausgelagert. Immerhin, die liefert später.

SZ-Grafik; Quelle: Umweltbundesamt
"Das Klimathema rangierte für viele in Union und SPD in der Rubrik Gedöns", sagt Ottmar Edenhofer, Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und mittlerweile einflussreicher Berater der Bundesregierung. "Die SPD hatte Angst, dass sie über den Klimaschutz die Arbeiter verliert, die Union sorgte sich um die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft." Die Wucht des Problems sei vielen einfach nicht klar gewesen. Das sehen Umweltschützer ähnlich. "Keine der Regierungsparteien hat eine schlüssige Erzählung für den Klimaschutz", sagt Michael Schäfer, Klimaexperte bei der Umweltstiftung WWF. "Bis heute nicht." Der Koalitionsvertrag sei ein "absoluter Tiefpunkt" gewesen.



Entsprechend agiert die Bundesregierung auch auf europäischer Ebene, über Monate hinweg. Als sich mehrere europäische Staaten daran machen, die EU-Ziele für Energieeffizienz und erneuerbare Energien zu verschärfen, tritt das Bundeswirtschaftsministerium mit aller Kraft auf die Bremse. Man solle sich nur Ziele setzen, die sich auch erreichen lassen, erklärt CDU-Wirtschaftsminister Peter Altmaier seinen Amtskollegen, ausgerechnet der Vertreter des selbsterklärten Energiewende-Vorreiters. Deutschland wird überstimmt.
Als die EU neue, schärfere Klimaschutzvorgaben für Autos machen will, legt sich das Verkehrsministerium quer; und bei den Beratungen zu Schadstoffgrenzwerten bei Lastwagen vereitelt das Kanzleramt buchstäblich in letzter Minute, dass die SPD-Umweltministerin Svenja Schulze zustimmt. In beiden Fällen setzen sich die ehrgeizigeren unter den Europäern durch. Einen Entwurf Schulzes für ein Klimaschutzgesetz lassen ihre Kabinettskollegen im Frühjahr kalt abtropfen. Dann beginnt die Wende.

SZ-Grafik; Quelle: Umweltbundesamt
*Gewerbe, Handel, Dienstleistung, Abfall, Abwasser und Militär

Als sich im Mai acht EU-Staaten, darunter Frankreich, Spanien und die Benelux-Staaten, für eine klimaneutrale EU bis spätestens 2050 starkmachen, verzichtet Berlin noch auf eine Unterschrift. Einen Monat später ist Deutschland plötzlich dabei. Die Bundesrepublik könne und werde bis 2050 die Klimaneutralität erreichen, sagt Merkel beim Evangelischen Kirchentag im Juni. "Das ist unsere Verpflichtung." Die Äußerung fällt nur zwei Wochen nach "Pillepalle". Was ist geschehen?
Die Bundesregierung, sagt Klima-Ökonom Edenhofer, habe sich im Winter zunehmend eingeklemmt gesehen zwischen der Gelbwesten-Bewegung in Frankreich und den Freitagsdemos der Schüler in Deutschland. In Frankreich legten Demonstranten in gelben Westen den Verkehr lahm, um gegen steigende Spritpreise zu demonstrieren. Doch in allen großen deutschen Städten gingen Freitag für Freitag Schülerinnen und Schüler auf die Straße, um für genau solche Maßnahmen zu kämpfen: härtere Einschnitte für den Klimaschutz. "Dann wurde klar, diese Bewegung kommt aus der Mitte der Gesellschaft", sagt Edenhofer. "Das hat alles verändert." Ganz zu schweigen vom Erfolg der Grünen bei der Europawahl Ende Mai. Hinter der Union werden sie zur zweitstärksten Kraft, weit vor der SPD.


Und plötzlich gibt es andere Bilder: Markus Söder präsentierte sich im Sommer 2018 als Autofreund im Dingolfinger BMW-Werk (links), nun schlug er vor, die Steuer auf Bahntickets zu senken. (Foto: Peter Kneffel, Matthias Balk/dpa)
Dass sich eine Bundesregierung plötzlich des Klimaschutzes annimmt, ist nicht neu. Schon frühere Koalitionen verfassten lange Maßnahmenpakete, um nicht mit leeren Händen zu großen Klimakonferenzen zu reisen. Bewirkt allerdings hatten sie jeweils wenig. Diesmal allerdings liegen die Dinge anders. Einmal, weil erstmals spürbarer Druck von der Straße kommt, zum anderen, weil Deutschland auch in der EU zunehmend alt aussieht, verglichen mit Franzosen, Niederländern oder Spaniern. Und schließlich, weil die Sache auch finanziell brenzlig werden könnte. Verfehlt der Bund dauerhaft seine Klimaziele, werden nach EU-Regeln empfindliche Strafzahlungen fällig. Diejenigen hingegen, die Klimaschutz schon immer als lästige Erschwernis für den Standort Deutschland sahen, hat der Hitzesommer 2018 oder spätestens die jüngste Rekordhitze vorerst leiser werden lassen.
"Es bewegt sich etwas, keine Frage", sagt Claudia Kemfert, Energieexpertin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). "Die Frage ist nur, was am Ende real für das Klima dabei herausspringt." Viele Vorschläge, die nun auf dem Tisch liegen, würden ja schon seit vielen Jahren diskutiert - aber stets ergebnislos. Einfach ist die Aufgabe ohnehin nicht. Ein Preis auf Kohlendioxid-Emissionen etwa brächte für das Klima erst dann etwas, wenn er sich an Zapfsäulen und auf der Heizöl-Rechnung bemerkbar macht. Dann aber läge er so hoch, dass er Pendler und Mieter ernsthaft belastet. Es muss also ein sozialer Ausgleich her. Zudem ist schon jetzt klar, dass ein CO₂-Preis, so beliebt er auch plötzlich ist, kein Allheilmittel sein wird. Es braucht also noch mehr. Umweltministerin Schulze hat eine Verdopplung der Luftverkehrsteuer ins Gespräch gebracht, CSU-Chef Söder würde gerne die Mehrwertsteuer bei der Bahn senken. Ein Steuerbonus für Gebäudesanierung steht im Raum, an der allerdings schon mehrere Koalitionen gescheitert sind. "Besser eine geläuterte Politik als gar keine Politik", sagt Kemfert.

Denn schon von dem wenigen, was sich die Regierung bisher für den Klimaschutz vorgenommen hatte, hat sie nicht besonders viel umgesetzt. Als tragende Säule ihrer Klimapolitik definierten Union und SPD im Koalitionsvertrag die Energiewende. Die traurige Wahrheit ist: Im ganzen ersten Halbjahr wurden in Deutschland 86 Windräder aufgestellt, so wenig wie nie in diesem Jahrtausend. Antworten darauf hat das zuständige Wirtschaftsministerium bisher nicht. "Im Gegenteil, es ist politisch gewollt, dass die Energiewende ausgebremst wird", glaubt Kemfert.


Als Bundesumweltminister ließ sich Peter Altmaier 2012 vor neuen Braunkohlekraftwerken ablichten (links), 2019 sucht er als Wirtschaftsminister das Gespräch mit Demonstranten der Fridays-for-Future-Bewegung vor seinem Ministerium in Berlin. (Foto: Odd Andersen, Henning Kaiser)
Für den Ausstieg aus der Kohle, ein anderer wichtiger Baustein, fand die beauftragte Kommission zwar Ende Januar einen Kompromiss. Von einem Gesetz für den Kohleausstieg aber fehlt sechs Monate später jede Spur. Die Regierung verständigte sich lediglich auf ein milliardenschweres Strukturprogramm, um den Ausstieg abzufedern, wohl auch wegen bevorstehender Wahlen in Ostdeutschland. Eine Kommission, die Vorschläge für klimafreundlicheren Verkehr erarbeiten sollte, kam nie über einen Zwischenbericht hinaus. Und eine Arbeitsgruppe, die sich über Klimaschutz bei Gebäuden den Kopf zerbrechen sollte, wurde erst gar nicht eingesetzt.
Entsprechend groß sind die Erwartungen an den 20. September - jenen Tag, an dem das Klimakabinett ein ganzes Paket schnüren soll. Das soll dann sicherstellen, dass Deutschland sein Ziel für 2030 einhält, eine Minderung der Emissionen um 55 Prozent gegenüber 1990. Erreicht ist davon etwas mehr als die Hälfte. Zufällig ist dieser 20. September ein Freitag - und globaler Aktionstag von Fridays for Future.
Wenige Tage nach der "Pillepalle"-Äußerung machte sich die Kanzlerin auf den Weg nach Potsdam, zu Ottmar Edenhofer und seinen Kollegen. Zwei Stunden lang saß man beisammen. "Die Koalition meint es jetzt schon ernst", sagt Edenhofer, der seinerseits kürzlich zu Gast im Klimakabinett war, als Experte zum Thema CO₂-Preis. Der Druck allerdings sei hoch, denn hinter das Klimaziel könne die Regierung nicht zurückfallen. "Wenn die Koalition auf dem Gebiet nicht ernsthaft liefert", sagt Ökonom Edenhofer, "dann zeigt sie, dass sie zu nichts mehr in der Lage ist."

Quelle:sz


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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