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#1

Krim-Sanktionen: So bestraft der Westen unschuldige Menschen

in Aus der Welt der Wissenschaft 22.07.2019 13:00
von franzpeter | 9.562 Beiträge

Und täglich grüßt das Murmeltier

Jetzt, da Schulferien sind und die Leser urlauben, haben sie auch mehr Zeit sich
umfassender zu informieren, sie sind nicht mehr abhängig vom täglich politisch
- einseitig - gefärbten Nachplappern der TV-Regierungsender. EMails oder
Newsletter werden - heutzutage - durch Roaming in der EU über Smartphones
empfangen. Schauen Sie sich beispielhaft nur einmal die desinteressierten
Abgeordnetennasen (derzeit 709) über den Smartphones im Bundestag an, ein
Diskurs ist dort so nahezu unmöglich - mithin gleich Null.

FS


Infosperber.ch -21.07.2019

Recherche vor Ort auf der Krim - Teil 1

Krim-Sanktionen: So bestraft der Westen unschuldige Menschen

Die USA, die EU und auch die Schweiz geben vor, Putin zu bestrafen. Opfer sind
andere. Ein persönlicher Augenschein auf der Krim.

Christian Müller

Zur Erleichterung des Lesens eine leider undatierte - Karte der Krim von
Wikipedia mit den Ortsnamen in lateinischen Lettern. Die Halbinsel Krim im
Schwarzen Meer ist mit 28'000 Quadratkilometern etwas grösser als die Hälfte
der Schweiz, von Sewastopol bis Kertsch sind es etwa 280 Kilometer, der höchste
Berg ist 1545m hoch. Die Krim hat 2,4 Millionen Einwohner.

Wenn zwei dasselbe tun ...

Putin habe, so die Wortwahl westlicher Politiker und der meisten grossen
westlichen Medien, die Krim annektiert - widerrechtlich, weil das Referendum
ohne Einwilligung «Kiews» stattgefunden habe. Haben die Krimeer, hat Putin die
Loslösung eines Teils von einem Staat und damit die Ziehung neuer Grenzen
innerhalb Europas frei erfunden?

Wie war es denn im Jahr 2008, also nur sechs Jahre vorher, als das Parlament in
Pristina den Kosovo ohne Einwilligung Belgrads von Serbien abtrennte und für
unabhängig erklärte? Und die westliche Welt diese «Unabhängigkeit» des
Kosovo grossmehrheitlich anerkannte?


Die NATO operierte damals in Jugoslawien mit massiven Bombardierungen - unter
Einsatz, wie man mittlerweile weiss, sogar von Uranmunition. «Humanitarian
Bombing» nannte man das damals.


Heute, zwanzig Jahre nach den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien und elf Jahre
nach der Unabhängigkeitserklärung, muss der Kosovo noch immer mit einer
Spezialtruppe unter Kontrolle gehalten werden, um zu verhindern, dass es zu
neuen Bürgerkriegen kommt.

Allein die Schweiz, die sich an dieser Abtrennung des Kosovos von Serbien ohne
Einwilligung Belgrads an vorderster Front engagiert hatte, zahlt noch heute 42
Millionen Schweizer Franken pro Jahr an diese Spezialtruppe, die ihrerseits
wieder der NATO unterstellt ist.


Aber weil die Bevölkerung der Krim von der Ukraine abgetrennt und mit Russland
wiedervereinigt werden wollte und darüber sogar eine Volksabstimmung
durchgeführt hat mit mehr als eindeutigem Ergebnis, ob ein paar Prozent mehr
oder weniger Ja-Stimmen , verhängt der Westen schwere Wirtschaftssanktionen.
Wirtschaftssanktionen, die in erster Linie die Bevölkerung treffen. Auch die
neutrale Schweiz, kein EU-Mitglied, macht bei diesen Wirtschaftssanktionen mit.
Leider.



Autor:

Der Autor Christian Müller, Mitglied der Redaktionsleitung von Infosperber.ch,
ist promovierter Historiker und Staatsrechtler und arbeitete über Jahrzehnte
als Journalist und Redakteur und zuletzt als Medienmanager. Er besuchte die Krim
zum ersten Mal im Jahr 2006 und wollte wissen, was sich seither verändert hat
und wie die Situation auf der Krim für die dort lebenden Menschen heute ist:
vor Ort auf der Krim recherchiert.


Um unabhängig zu sein und unabhängig informieren zu können, bestimmte
Christian Müller alles selber: den Zeitpunkt seiner Reise, die Reiseroute, die
Aufenthaltsorte (inkl. Hotels), von wem er sich informieren lassen und mit wem
er reden wollte. Und er hat die ganze dreiwöchige Informationsreise aus eigener
Tasche bezahlt.


Das Einzige, wozu er die Unterstützung der Krim-Administration brauchte, waren
der Besuch der neuen Schule für die Tataren in Simferopol, der Besuch des TV-
und Radio-Senders der Tataren in Simferopol und die Besichtigung der sich noch
im Bau befindlichen Moschee der Tataren (auch im Inneren), ebenfalls in
Simferopol. Und aufgrund des aufgenommenen Kontakts mit den Behörden wurde er,
da zeitlich zufällig übereinstimmend, zum fünften Forum zum Thema russische
Sprache in Jalta eingeladen.


Als Dolmetscherin diente Christian Müller seine Ehefrau Anna Wetlinska, die die
russische Sprache studiert hat, sie lückenlos versteht und ebenso perfekt
spricht. Etliche der Gesprächspartner auf der Krim waren aber ihrerseits in der
Lage, auch englisch zu kommunizieren.

Christian Müller hat auch die in den Krim-Konflikt involvierten Länder Russland
und die Ukraine seit Mitte der 1980er Jahre mehrmals besucht.


Mehr auf:
https://www.infosperber.ch/Artikel/Polit...herchen-vor-Ort
<https://www.infosperber.ch/Artikel/Politik/Krim-Crimea-Sanktionen-Russland-Ukraine-Recherchen-vor-Ort>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#2

RE: Krim-Sanktionen: So bestraft der Westen unschuldige Menschen

in Aus der Welt der Wissenschaft 01.08.2019 17:23
von franzpeter | 9.562 Beiträge

Recherche vor Ort auf der Krim - Teil 2

Gemeinsam gegen Russland - vor über 150 Jahren ...

Sewastopol, von den Russen gegründet, von den Russen verwaltet, von den Russen
verteidigt. Ein persönlicher Augenschein vor Ort.

Christian Müller / 27. Jul 2019

Zum Bild: Im eindrücklichen «Panorama» in Sewastopol wird der Angriff der
Osmanen, Briten und Franzosen gezeigt, im Vordergrund mit echtem Kriegsgerät,
im Hintergrund als Gemälde. Steht man mitten im kreisrunden Gebäude, kann man
den Übergang vom echten Material im Vordergrund zum Gemälde im Hintergrund
kaum sehen. (Foto Christian Müller)


Das «Panorama» zeigt einen Tag eines ersten Weltkrieges
Wenn in Sewastopol ausgesprochen mit Betonung auf dem ersten o vom Panorama die
Rede ist, denkt kaum einer an die Aussicht aufs Meer, aber an ein grandioses
Monument, wie man seinesgleichen weltweit kaum finden kann: das «Panorama».

Im Andenken an die zweijährige Belagerung der Stadt 1854/55 durch die Briten,
Franzosen und Osmanen und die schliessliche Niederlage der die Stadt
verteidigenden Russen unter ihren Soldaten zeitweise auch Leo Tolstoi - wurde zum
50-Jahr-Jubiläum 1904 in einem speziell dafür gebauten Palast ein
360°-Rundgemälde geschaffen: in der vollen Runde 115 Meter lang und 14 Meter
hoch.


Es zeigt die Schlacht am 6. Juni 1855, als zum Andenken an die fürchterliche
Niederlage der Franzosen bei Waterloo im Juni 1815 die Franzosen vor Sewastopol
alles daran setzten, hier einen Sieg zu erringen - mit Erfolg.


Der Krimkrieg war übrigens nicht nur ein erster Weltkrieg, es war auch der erste
Krieg, der von einem Journalisten der Londoner Times vor Ort begleitet wurde - es
war der Beginn der journalistischen Kriegsberichterstattung.
Die Alliierten waren die Sieger, die Russen die Verlierer, aber, wie bei vielen
Kriegen, es gab eigentlich nur Verlierer. Der Krimkrieg forderte weit über
100'000 Kriegsopfer und die Staatskassen in London und Paris waren leer. Russland
war finanziell sogar so ausgeblutet, dass es ein paar Jahre später Alaska, das
damals noch zum russischen Zarenreich gehörte, an die USA verkaufte - für
lächerliche 7,2 Millionen Dollar, was kaufkraftmässig heute etwa 120 Millionen
Dollar wären.



Auch die Nazis zerstörten Sewastopol

Noch grauenvoller waren die Schlachten um Sewastopol im Zweiten Weltkrieg. Für
Hitler war klar, dass die Krim erobert, von Juden, Tataren und Russen gesäubert
und von Deutschen besiedelt werden musste.

Sogar die künftigen Namen der Halbinsel Krim und ihrer Städte waren schon klar:
für die Krim Gotenland, für Sewastopol Theoderichshafen und für Simferopol
Gotenburg.


Ab Herbst 1941 griffen die deutschen Truppen Sewastopol vom Meer aus und
gleichzeitig auch auf dem Land an, mit kleineren Erfolgen, aber immer wieder mit
Rückschlägen.
Anfang Juni 1942 kam es zur Grossoffensive, bei der die deutsche Wehrmacht auch
von rumänischen Truppen unterstützt wurde. Insgesamt waren auf der
Angreifer-Seite der Achsenmächte über 200'000 Mann im Einsatz, mit 600 schweren
Geschützen und mit 200 Kampfflugzeugen. Auf Seite der verteidigenden Rotarmisten
waren es etwas über 100'000 Mann mit ähnlich vielen Geschützen, aber nur 53
Flugzeugen.

Am 4. Juli war die Stadt Sewastopol erobert, besetzt und vor allem total
zerstört. Die NZZ wusste zu berichten, dass da kein Haus mehr stand, das
bewohnbar war, alle waren zerbombt oder ausgebrannt. Die Eroberung der Krim
kostete die deutschen und rumänischen Truppen etwa 12'000 Tote und Verletzte,
auf sowjetischer Verteidiger-Seite etwa 10'000 Tote und Verletzte, aber
zusätzlich fast 100'000 Kriegsgefangene.

Die Rückeroberung der Krim zwei Jahre später durch die sowjetischen Truppen war
nicht minder grauenvoll. Trotz raschem Vormarsch der zahlenmässig diesmal
überlegenen Sowjettruppen vom Nordosten der Halbinsel Richtung Südwesten und
der Eroberung von Simferopol und Jalta und anderen Städten verbot Hitler die
Evakuierung der deutschen Truppen aus Sewastopol, weil er diese strategisch
wichtige Festung unter allen Umständen halten wollte. So endete die
Rückeroberung der Krim mit der Rückeroberung der Stadt Sewastopol, wo nicht nur
wieder Zehntausende von Soldaten in der Schlacht umkamen, sondern zusätzlich
Zehntausende von deutschen Soldaten im Schwarzen Meer ertranken, als sie auf
Schiffen fliehen wollten, die Schiffe aber versenkt wurden. .....

Die USA waren damals der Sowjetunion für ihren Abwehr- und Verteidigungskrieg
gegen die Hitler-Truppen äusserst dankbar. Das wird heute gerne vergessen, zum
Beispiel in den Berichten zum 75-Jahr-Jubiläum der «Landung in der Normandie»
-oder es wird sogar bewusst weggelassen.


Die Leute in Westeuropa werden heute gerne mit der Mär berieselt, wir
verdankten die «Befreiung» von Hitler den USA.


.....

Ein Kriegshafen, eine russische Stadt, eine verteidigungsbereite Bevölkerung,
das ist Sewastopol. Freiwillig wird Sewastopol nie zur Ukraine zurückkehren. Und
Russland wird die Stadt nie an die Ukraine zurückgeben, zu wichtig sind die
Stadt und der Hafen als Zugang zum Schwarzen Meer - zivil und militärisch.



.....


Autor:

Der Autor Christian Müller, Mitglied der Redaktionsleitung von Infosperber.ch,
ist promovierter Historiker und Staatsrechtler und arbeitete über Jahrzehnte
als Journalist und Redakteur und zuletzt als Medienmanager. Er besuchte die Krim
zum ersten Mal im Jahr 2006 und wollte wissen, was sich seither verändert hat
und wie die Situation auf der Krim für die dort lebenden Menschen heute ist:
vor Ort auf der Krim recherchiert.

Um unabhängig zu sein und unabhängig informieren zu können, bestimmte
Christian Müller alles selber: den Zeitpunkt seiner Reise, die Reiseroute, die
Aufenthaltsorte (inkl. Hotels), von wem er sich informieren lassen und mit wem er
reden wollte. Und er hat die ganze dreiwöchige Informationsreise aus eigener
Tasche bezahlt.

Das Einzige, wozu er die Unterstützung der Krim-Administration brauchte, waren
der Besuch der neuen Schule für die Tataren in Simferopol, der Besuch des TV-
und Radio-Senders der Tataren in Simferopol und die Besichtigung der sich noch im
Bau befindlichen Moschee der Tataren (auch im Inneren), ebenfalls in Simferopol.
Und aufgrund des aufgenommenen Kontakts mit den Behörden wurde er, da zeitlich
zufällig übereinstimmend, zum fünften Forum zum Thema russische Sprache in
Jalta eingeladen.

Als Dolmetscherin diente Christian Müller seine Ehefrau Anna Wetlinska, die die
russische Sprache studiert hat, sie lückenlos versteht und ebenso perfekt
spricht. Etliche der Gesprächspartner auf der Krim waren aber ihrerseits in der
Lage, auch englisch zu kommunizieren.

Christian Müller hat auch die in den Krim-Konflikt involvierten Länder Russland
und die Ukraine seit Mitte der 1980er Jahre mehrmals besucht.


Mehr:
https://www.infosperber.ch/Artikel/Polit...rieg-Sanktionen
<https://www.infosperber.ch/Artikel/Politik/Krim-Sewastopol-Krimkrieg-Sanktionen>




Teil 1

Krim-Sanktionen: So bestraft der Westen unschuldige Menschen

Die USA, die EU und auch die Schweiz geben vor, Putin zu bestrafen. Opfer sind
andere. Ein persönlicher Augenschein auf der Krim.


Mehr:
https://www.infosperber.ch/Artikel/Polit...herchen-vor-Ort
<https://www.infosperber.ch/Artikel/Politik/Krim-Crimea-Sanktionen-Russland-Ukraine-Recherchen-vor-Ort>



Dazu:

Infosperber-Dossier zum Thema Krim-Sanktionen

Krim: Annexion oder Selbstbestimmung

Der Volkswille auf der Krim zählt nicht, weil die Ukraine an die
Volksabstimmung nicht gebunden ist.

Gegen Russland werden wegen der «Annexion» der Krim einschneidende Sanktionen
verhängt. Die Türkei dagegen kann kurdische Gebiete in Syrien - gegen den
Willen der kurdischen Bevölkerung - militärisch besetzen und annektieren, ohne
dass die EU und die USA die Türkei sanktionieren.



Mehr:
https://www.infosperber.ch/Dossier/Krim-...elbstbestimmung
<https://www.infosperber.ch/Dossier/Krim-Annexion-oder-Selbstbestimmung>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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