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#1

Sonderbericht des Weltklimarats IPCC:

in Aus der Welt der Wissenschaft 08.08.2019 15:05
von franzpeter | 9.562 Beiträge

Sonderbericht des Weltklimarats IPCC:
https://www.ipcc.ch/report/srccl/
<https://www.ipcc.ch/report/srccl/>


SZ 8. August 2019

Klimawandel

Weltklimarat: Nahrungsmittelproduktion gefährdet die Erde

Intensive Landwirtschaft auf einem Sojafeld in Tangara da Serra, Brasilien.
(Foto: REUTERS)

Laut dem Weltklimarat IPCC muss die Menschheit nicht nur die Verbrennung
fossiler Brennstoffe drastisch zurückfahren, sondern auch die Nutzung der
Landflächen schnell und grundsätzlich verändern, um dramatische und
potenziell irreversible Schäden durch Klimawandel und Übernutzung sowie
massive Nahrungsmittelknappheit zu vermeiden.


In dem am Donnerstag veröffentlichten "Spezialbericht über Klimawandel,
Wüstenbildung, Landverschlechterung, nachhaltiges Landmanagement,
Ernährungssicherheit und Treibhausgasflüsse in terrestrischen Ökosystemen"
haben rund 60 Wissenschaftler aus aller Welt den aktuellen Stand der Forschung
zusammengetragen.
In Genf wurde der Text der politischen Zusammenfassung in den
vergangenen Tagen mit den UN-Regierungsvertretern verhandelt, der finalen Version
haben alle beteiligten Staaten zugestimmt.

Der Bericht betrachtet die Zusammenhänge zwischen Landnutzung und Klimawandel.
Land- und Forstwirtschaft tragen derzeit knapp ein Viertel zum
Treibhausgasausstoß der Menschheit bei. Da die Emissionen insgesamt bis zur
Mitte des Jahrhunderts auf null fallen müssten, wenn das Zwei-Grad-Ziel
realistisch bleiben soll, müsste auch die Landwirtschaft einen Beitrag leisten.
Zugleich rechnen die meisten Modelle für ambitionierten Klimaschutz auch mit
Maßnahmen wie Bioenergie und Aufforstung kombiniert mit CO2-Einlagerung, was
zusätzliche Landflächen erfordern würde und Konkurrenz mit der
Nahrungsmittelproduktion mit sich brächte. Und schließlich sind auch Äcker,
Wälder und Land-Ökosysteme stark von den Folgen des Klimawandels betroffen.

Mehr:
https://www.sueddeutsche.de/wissen/klima...chaft-1.4556956
<https://www.sueddeutsche.de/wissen/klimawandel-ipcc-landwirtschaft-1.4556956>




spiegel.de 08. August 2019

Sonderbericht

Weltklimarat mahnt zur Kehrtwende beim Fleischkonsum

Der Mensch bedroht eine seiner wichtigsten Lebensgrundlagen: Böden, Wälder und
damit auch die Landwirtschaft. Der Weltklimarat warnt vor Gefahren für die
Lebensmittelversorgung und mahnt zu einem Wandel unserer Ernährung.

Von Manuel Berkel

Oktoberfest in München: "Eine ausgewogene Ernährung, die reich an pflanzlichen
Bestandteilen ist" - Johannes Simon/ Getty Images

Steigende Temperaturen, veränderte Niederschläge und häufigere Wetterextreme
haben schon heute weltweit Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit. Umgekehrt
sind Land- und Forstwirtschaft und andere Formen der Landnutzung für 23 Prozent
des menschengemachten Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich.
So steht es im
neuen Sonderbericht zu Klimawandel und Landsystemen, den der Weltklimarat IPCC
am Donnerstag in Genf vorgelegt hat. Ein internationales Team aus 107
Wissenschaftlern hat dafür in dreijähriger Arbeit über 7000 Studien
ausgewertet.

In vielen Regionen der Erde sind dem Weltklimarat zufolge die Getreideernten
bereits zurückgegangen. "Der Klimawandel und vor allem die damit einhergehenden
Wetterextreme wie Hitze, Trockenheit und Flut sind vielerorts ein Risiko für
Ernteausfälle", sagt Almut Arneth vom Karlsruher Institut für Technologie und
Mitautorin des Berichts.


Die Klimaeffekte unterscheiden sich allerdings je nach Region: Manche Gegenden in
höheren Lagen profitieren dem IPCC zufolge sogar von steigenden Ernteerträgen.
Mit häufigeren Wetterextremen werde das weltweite Angebot an Nahrungsmitteln
aber insgesamt mit hoher Gewissheit instabiler. Höhere CO2-Konzentrationen
könnten außerdem Qualität und Nährwert von Nutzpflanzen mindern.


Modellrechnungen zufolge könnte der Klimawandel die Getreidepreise bis zur Mitte
des Jahrhunderts um durchschnittlich 7,6 Prozent nach oben treiben. Die Folge
wäre ein höheres Risiko für Hungersnöte

https://www.spiegel.de/thema/welthunger/ .


Wechselwirkungen zwischen Naturzerstörung und Klimawandel

Sogar wenn das Klimaziel von Paris eingehalten und der weltweite
Temperaturanstieg auf maximal 1,5 Grad im Vergleich zu 1990 begrenzt wird, hat
die Klimänderung Folgen: Bei einer Erwärmung um 1,5 Grad wären 178 Millionen
Menschen von einer angespannten Wasserversorgung

https://www.spiegel.de/thema/wasserversorgung/
betroffen - beieiner Erwärmung um 2 Grad sogar 220 Millionen.

Die Klimakrise trifft einen Planeten, den seine Bewohner ohnehin immer stärker
ausbeuten. In ihrem Bericht gehen die IPCC-Forscher auch auf die
Wechselwirkungen zwischen Umweltzerstörung und Klimawandel ein:

- Auf konventionell bestellten Äckern erodieren die Böden schätzungsweise
hundertmal schneller, als sich neuer Boden bilden kann. Der Klimawandel
verschärft diese Entwicklung. Je kürzer Ackerflächen nutzbar sind, desto
höher ist der Druck, beispielsweise durch Rodung neue fruchtbare Flächen zu
erschließen.


- Seit den Sechzigerjahren hat sich der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch mehr als
verdoppelt, was die Nachfrage nach Futtergetreide und Eiweißpflanzen wie Soja
ankurbelt. Dies erhöht etwa in Südamerika wiederum den Druck auf die noch
intakten Teile des Regenwaldes, die als Anbauflächen für Tierfutter herhalten
sollen.


- Von der globalen Nahrungsmittelproduktion werden dem IPCC zufolge inzwischen 25
bis 30 Prozent verschwendet, dadurch wird permanent mehr Nahrung produziert als
eigentlich benötigt wird - mit allen damit verbundenen negativen ökologischen
Auswirkungen


Weltweit könnten durch klimaschonende Verfahren im Ackerbau und bei der
Tierhaltung laut IPCC langfristig 2,3 bis 9,6 Milliarden Tonnen Treibhausgase pro
Jahr gespart werden. Das wäre ein Vielfaches der gesamten deutschen Emissionen
von zuletzt 866 Millionen Tonnen.


Umstellung der Ernährung hätte einen großen Klimaschutzeffekt

Ähnlich effektiv wäre eine Umstellung der Ernährung. Pro Jahr würde so 0,7
bis 8 Milliarden Tonnen weniger CO2 verursacht. "Eine ausgewogene Ernährung, die
reich an pflanzlichen Bestandteilen ist, und der moderate Verzehr von Fleisch,
Fisch und Milchprodukten sind wichtige Möglichkeiten, um Treibhausgas-Emissionen
zu verringern", sagt die IPCC-Autorin Joana Portugal Pereira vom Imperial College
London. "Außerdem bringt die Umstellung auf eine nachhaltigere Ernährung
wichtige Vorteile für die menschliche Gesundheit."


In Deutschland ist wird gerade eine Debatte darüber geführt, die Mehrwertsteuer
auf Fleisch zu erhöhen und die Mehreinnahmen für mehr Tierwohl einzusetzen.
Nach Angaben des Bundesumweltministeriums entstehen pro Kilo Rindfleisch mehr als
13 Kilogramm CO2-äquivalente Treibhausgase. Bei einem Kilogramm Gemüse seien es
dagegen nur 153 Gramm.


Klimaschutz sollte aber nicht nur als Einschränkung oder Kostentreiber gesehen
werden - auch das geht aus dem Klimabericht hervor. Die IPCC-Forscher betonen,
dass Maßnahmen gegen die Klimakrise positive Effekte auf andere
Herausforderungen haben: Sie würden insgesamt die Ernährungssicherheit
verbessern und den Trend der Verwüstung bremsen helfen.
Insgesamt sei
Klimaschutz auch ein Beitrag zur Umkehr der Landdegradation. Damit sind alle
Einflüsse gemeint, die die biologische Qualität von Landökosystemen
verschlechtern: Versiegelung durch menschliche Bauten, Erosion durch Wind und
Wasser, Verschmutzung durch Schadstoffe sowie Beeinträchtigungen der
nährstoffreichen und CO2 speichernden Humusschicht aus abgestorbenen Pflanzen.

"Deutschland hat verschiedene Möglichkeiten, der Landdegradation
entgegenzuwirken", sagt Arneth. "Von einer schonenderen Bearbeitung
landwirtschaftlicher Böden über die Renaturierung von Mooren bis zu einem Umbau
von Wäldern hin zu einem Mix aus mehreren Baumarten statt Monokulturen".


Quelle:
https://www.spiegel.de/wissenschaft/mens...-a-1280977.html
<https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/bericht-des-weltklimarats-nahrungsmittelpreise-steigen-infolge-der-klimakrise-a-1280977.html>



SZ 8. August 2019

Wüstenbildung

"Wenn das Ökosystem kippt, hilft auch kein Regen mehr"

Auszug:

SZ: Was erhoffen Sie sich vom Bericht des Weltklimarats, der am Donnerstag
erscheinen soll?

Biologin Anja Linstädter: Ich hoffe, dass mehr Menschen bewusst wird, wie stark
der Klimawandel die globale Ernährungssicherheit bedroht.

Hier in Deutschland verbinden viele mit dem Klimawandel vor allem höhere
Temperaturen oder steigende Meeresspiegel. Klimawandel bedeutet aber auch mehr
Extremwetterlagen wie Dürren und Starkregen. Wenn die im Wechsel auftreten,
können sie schlimmstenfalls ganze Landstriche degradieren lassen, auch hier in
Deutschland.


Das kann sehr schnell geschehen, wenn ein ökologischer Kipppunkt überschritten
wird.
Solche fatalen Wechselwirkungen müssten auch von der Politik viel
stärker berücksichtigt werden.


Die Biologin Anja Linstädter forscht am Institut für
Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz (INRES) der Universität Bonn.
Derzeit arbeitet sie an einem Projekt über Kipppunkte der Desertifikation in
Namibia.

Mehr:
https://www.sueddeutsche.de/wissen/klima...rheit-1.4555951
<https://www.sueddeutsche.de/wissen/klimawandel-wueste-landfaechen-ernaehrungssicherheit-1.4555951>




Zur Erinnerung:

Der Freitag (The Guardian) - 20.07.2017

Der Planet schlägt zurück

Apokalypse Hunger, Stürme, Kriege und eine Sonne, die uns kocht: Wie der
Klimawandel die Welt verändern wird

David Wallace-Wells

Auszug:

Ich verspreche Ihnen, dass es schlimmer ist, als Sie denken. Wenn Ihre Angst vor
dem Klimawandel von der Sorge um steigende Meeresspiegel bestimmt wird, kratzen
Sie gerade an der Oberfläche dessen, was an schrecklichen Dingen bereits im
Leben eines heutigen Teenagers möglich ist.


Die ansteigenden Meere und die Städte, die in ihnen versinken - haben das Bild
der Erhitzung der Erde derart geprägt, dass wir andere damit verbundene
Bedrohungen gar nicht mehr wahrnehmen. Steigende Meeresspiegel sind schlecht,
sogar sehr schlecht, aber es wird nicht damit getan sein, von der Küste
wegzuziehen.


Milliarden von Menschen müssten ihren Lebensstil konsequent anpassen, um das
Schlimmste zu verhindern. Das aber geschieht nicht. Daher werden wahrscheinlich
bereits am Ende dieses Jahrhunderts Teile der Erde unbewohnbar werden.


Selbst wenn wir unsere Augen darauf trainieren, die Folgen des Klimawandels zu
sehen, so sind wir doch unfähig, sein Ausmaß in Gänze zu begreifen.

Vergangenen Winter gab es eine Reihe von Tagen, an denen es 15 bis 21 Grad
Celsius wärmer war als normalerweise. So wurde der Nordpol erwärmt. Das brachte
auch den Dauerfrostboden zum Tauen, der den Saatguttresor in Spitzbergen,
Norwegen, umschließt. In dem Tresor lagern Samen aus aller Welt. Er trägt den
Spitznamen "Weltgericht" und soll sicherstellen, dass die Landwirtschaft des
Planeten jede Katastrophe überleben könnte. Durch das teilweise Auftauen des
Frostbodens lief nun Wasser in die Saatlager - nur zehn Jahre nach seiner
Einrichtung bedrohte ihn also der Klimawandel.


Dem "Weltgericht"-Tresor geht es inzwischen wieder gut: Die Anlage wurde
gesichert, die Samen auch. Der Vorfall wurde als Parabel darauf gewertet, dass es
zu Überschwemmungen kommen werde.


Dadurch geriet Entscheidendes aus den Augen:

Bis vor kurzem stellte der Permafrost keine Hauptsorge der Klimawissenschaftler
dar. Der arktische Boden enthält aber 1,8 Billionen Tonnen Kohlenstoff mehr als
doppelt so viel, wie sich gegenwärtig in der Erdatmosphäre befindet. Wenn
dieser freigesetzt wird, könnte er in Gestalt von Methan verdampfen. Dieses ist
als Treibhausgas-Anheizer um ein Vielfaches wirksamer als Kohlendioxid - und zwar
34 Mal so groß.


Zwei Grad Erhitzung galten bisher als die Grenze der Katastrophe:


Das wird Millionen von Klimaflüchtlingen erzeugen, die auf eine unvorbereitete
Welt treffen werden. Nun sind zwei Grad dem Pariser Klimaabkommen zufolge unser
Ziel, und Experten geben uns nur eine geringe Chance, es überhaupt zu erreichen.

Das UN Intergovernmental Panel on Climate Change veröffentlicht dazu
regelmäßig Berichte. Der jüngste geht davon aus, dass wir zu Beginn des
nächsten Jahrhunderts bereits bei vier Grad angelangt sein werden
, wenn wir
weitermachen wie bisher. Und selbst das ist nur eine mittlere Schätzung.


Mehr:
https://www.freitag.de/autoren/der-freit...chlaegt-zurueck
<https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/der-planet-schlaegt-zurueck>

Anmerkung:

Zitat
Umstellung der Ernährung hätte einen großen Klimaschutzeffekt


Mit gesunder Ernährung in die Katastrophe - ob das hilft?


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#2

Missverständnisse zum Klimawandel aufgeklärt

in Aus der Welt der Wissenschaft 10.08.2019 20:42
von franzpeter | 9.562 Beiträge

Die Welt eilt von einem Hitzerekord zum nächsten, doch es sind nicht die Rekorde einzelner Jahre, es ist die Tendenz seit Jahrzehnten, die eine globale Erwärmung anzeigt. Trotzdem gibt es immer noch Skeptiker, die den menschengemachten Einfluss leugnen.

https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x...klaert-100.html


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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