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Lernen von Daniel Cohn-Bendit Schämet euch nicht!

in Aus der Welt der Wissenschaft 13.08.2019 10:17
von franzpeter | 9.723 Beiträge

Lernen von Daniel Cohn-Bendit
Schämet euch nicht!
Es ist tatsächlich möglich: die Welt retten und trotzdem tun und lassen, was man will. Es tut auch gar nicht weh - man muss sich nur entspannen wie Daniel Cohn-Bendit.

Eine Kolumne von Stefan Kuzmany



DPA
Linker Vordenker Daniel Cohn-Bendit (Archivbild)




Montag, 12.08.2019 14:33 Uhr

Kolumne
Es muss ein wunderbares Gefühl sein, alles bestens zu wissen und immer richtig zu machen. Wer wollte das nicht: Total tiefenentspannt auf die Menschheit blicken und aus der bequemen Position des vollendet Erleuchteten Ratschläge erteilen.

Ich gebe zu: Daran muss ich noch arbeiten. Die Voraussetzungen könnten allerdings besser nicht sein. Die wichtigsten Eigenschaften für eine späte Karriere als Alleswisser habe ich ja bereits: weiß, männlich, gutes Ein- und Auskommen. Eigentlich müsste ich schon so viel Weisheit mit Löffeln gefressen haben, dass ich sie hektoliterweise in die Welt speien könnte. Was nur hält mich zurück?
Vielleicht ist es eine Frage des Alters. Vielleicht brauche ich noch etwas mehr Zeit. Sigmar Gabriel zum Beispiel musste fast 60 Jahre alt werden, um so richtig ganz genau zu wissen, wie die SPD sein soll, um endlich wieder erfolgreich zu werden. Schade eigentlich, dass er nicht mehr ihr Vorsitzender ist, wäre es doch so viel einfacher, seine Partei aus dem tiefen Loch zu hieven, in das er sie eigenhändig gesteuert hat.
Aber auch gut: So hat er viel mehr Zeit, erhellende Interviews zum Kurs der SPD zu geben und sich mit erhobenem Zeigefinger ablichten zu lassen.
Die eigene Ansicht als absolute Vernunft

Nur noch ein paar Jahre, dann bringt er es vielleicht noch so weit wie Daniel Cohn-Bendit. Der 74-Jährige französisch-deutsche urlinke Vordenker hat sich noch nie zufriedengegeben mit Visionen für den richtigen Weg nur eines Landes oder gar nur einer einzigen Partei - seine Ideen umspannen ganze Parteienfamilien und Kontinente, da reicht kein Zeigefinger zur Untermalung, es sind mindestens beide Hände vonnöten.
Kürzlich forderte er in der "taz" die Zusammenlegung von SPD und Linkspartei (gute Idee!), jüngst widmete er sich in der "Zeit" der Zukunft der Grünen, genauer: der schwelenden Frage einer grünen Kanzlerschaft.
"Für mich ist Robert Habeck ganz klar die Person, die als erster grüner Bundeskanzler in die Geschichte eingehen kann", sprach die historische Figur DCB und schob schnell hinterher: "Nicht dass ich es Annalena Baerbock nicht zutrauen würde." Die muss, geht es nach Cohn-Bendit, allerdings ein Einsehen in die geschichtlichen Notwendigkeiten haben: "Mein Wunsch wäre, dass Annalena Baerbock ihn vorschlägt und ein Parteitag Robert Habeck aufstellt. Ich traue ihr diese Klugheit absolut zu."

Das muss ich wohl noch lernen, will ich es weit bringen: Die eigene Ansicht als absolute Vernunft definieren und anderen großzügig unterstellen, sie kämen schon noch von selbst drauf. Die hart erkämpfte Frauenquote? Völlig wurscht, wenn es um die Wurst geht.
Sodann weitet Cohn-Bendit den Blick auf ein grünes Programm zur Bekämpfung des Klimawandels: "Wenn die Grünen ehrlich sind, müssen sie sagen: Wählt uns, und alles wird schwieriger." Das bedeutet eigentlich weniger Auto, weniger Fleisch, weniger Fliegen - aber das sagt Cohn-Bendit nicht explizit, wohl, weil, wie er weiß, "die Gesellschaft langsamer" sei "als eine Wissenschaft, die Notwendigkeiten postulieren kann". Lieber postuliert er den Neubau von Atomkraftwerken in aller Welt, um schneller aus der Kohle auszusteigen. Ganz nebenbei die nächste grüne Errungenschaft abgeräumt.

Störende Tabus
Nicht schlecht, möchte man meinen: Da räumt einer auf mit Tabus, die doch nur stören auf dem Weg zur Macht. Na gut, möchte man meinen, vielleicht ist das so. Vielleicht muss man sich trennen von alten Überzeugungen, wenn man es ernst meint, die Welt zu retten. Vielleicht geht es jetzt wirklich nicht mehr um Kinkerlitzchen wie Geschlechtergerechtigkeit oder Atommüll, wenn die Klima-Apokalypse unmittelbar bevorsteht.

Na gut. Aber dann wird Cohn-Bendit noch befragt, ob es das Wort "Flugscham" auch in anderen europäischen Sprachen gebe. Es sei ein "typisch deutsches Wort", befindet der Denker (der Begriff stammt aus Schweden). Er selbst trete schon lange keine "unsinnigen Flüge" mehr an, "von Berlin nach Frankfurt oder so". Nur, wenn er "unbedingt" zu einer Veranstaltung müsse, fliege er. Oder von einer weg. "Oder ich will einfach nur nach New York. Ich verbinde rationale Argumente mit meinem Lustprinzip! Und deswegen brauche ich mich nicht zu schämen."


Das ist die eigentliche Lektion Daniel Cohn-Bendits: Wo er ist, ist's richtig. Was er sagt und tut, stimmt. Denn sonst würde er es ja nicht sagen und tun. Die anderen werden schon auch noch darauf kommen, diese Klugheit traut er ihnen absolut zu.
Es muss ein wunderbares Gefühl sein, vollkommen schamlos durch die Welt zu schreiten.


Quelle: spiegel online

Anmerkung:
Das kann man auch über Leute sagen, die argumentieren, Flugverbote würden kein CO² einsparen, weil dann mehr Autos fahren!
Tja, die übersehen die notwendige Regulierung.


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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