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#1

Wir können die Katastrophe im Amazonas aufhalten

in Aus der Welt der Wissenschaft 28.08.2019 07:21
von franzpeter | 9.594 Beiträge

Regenwälder brennen für unser billiges Fleisch. Ein Handelsabkommen
zwischen der EU und Brasilien wird das noch verschlimmern. Stoppen wir den
Mercosur-Dea
l!

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Regenwälder brennen für unser billiges Fleisch. Das katastrophale
Handelsabkommen zwischen der EU und Brasilien wird das noch verschlimmern.
Stoppen wir jetzt das Mercosur-Abkommen!
*Jetzt unterzeichnen! [1]*

_Sie fühlen sich hilflos im Kampf gegen das Feuer im Amazonas-Regenwald?
Das müssen Sie nicht. Als Europäer/in können Sie helfen, das Feuer zu
stoppen!_



die Brände im Amazonasgebiet sind außer Kontrolle. *Für billiges Fleisch
wird der Regenwald in Brand gesteckt. Wir Europäer/innen können helfen!*


Die EU hat mit Südamerika das größte Handelsabkommen der Welt
vereinbart, noch größer als TTIP. Sobald die Mitgliedstaaten zugestimmt
haben, kann der Mercosur-Vertrag in Kraft treten. Genau das will der rechte
brasilianische Präsident Bolsonaro
unbedingt erreichen, um noch mehr
billiges Fleisch exportieren zu können. *Wir fordern: Keine Zustimmung zu
dem Abkommen, bis die Brände im Amazonas-Regenwald gestoppt und
Menschenrechtsverletzungen eingedämmt sind.*


*HIER UNTERSCHREIBEN! Helfen Sie, den Amazonas-Regenwald zu retten [1]*

Ermutigt durch Brasiliens neuen Präsidenten Bolsonaro greifen illegale
Holzfäller die "grüne Lunge" unseres Planeten an. Sie fällen die Bäume
und verbrennen das Land, um noch mehr Platz für Viehweiden zu schaffen.
Sie zerstören damit nicht nur das sensible Wald-Wasser-System der
Amazonasregion, das für das weltweite Klima so wichtig ist. Sie vernichten
auch den Lebensraum Hunderttausender Arten. Und das alles nur, um der
Fleischindustrie zu helfen.
[1]


Europa ist gerade dabei, dieses Feuer weiter zu entfachen! Ein "neues TTIP"
soll mit Südamerika unterzeichnet werden: der Mercosur-Vertrag. Dieses
Abkommen ermöglicht es der EU, billiges Rindfleisch, Soja, Holz und andere
Produkte aus dem Amazonasgebiet zu importieren. Die große Gefahr: Das wird
die Abholzung weiter beschleunigen.


*Mercosur ist Präsident Bolsonaros ganzer Stolz.* Er weiß, dass sein Land
besonders profitieren wird. Die EU ist schon jetzt der zweitgrößte
Handelspartner Brasiliens, und das Abkommen wird für noch mehr Exporte
sorgen. Mercosur wird seit über 20 Jahren verhandelt und *steht kurz vor
dem Abschluss*. Der Freihandels-Anbeter Bolsonaro prahlt damit, wie er ihn
endgültig unterzeichnen lassen will. [2] *Weil ihre Mitgliedstaaten noch
zustimmen müssen, verfügt die EU über ein mächtiges Druckmittel, um von
Bolsonaro mehr Schutz für den Regenwald zu verlangen.*


*Darum geht es. *Wir müssen als Europäer/innen sofort und in großer Zahl
handeln - und von den Staats- und Regierungschefs der EU verlangen, dass
sie das Mercosur-Abkommen unverzüglich stoppen.

*Unterzeichnen Sie, um das Handelsabkommen EU-Mercosur zu stoppen! [1]*

Das Handelsabkommen zwischen der EU und Mercosur - also Brasilien,
Argentinien, Uruguay und Paraguay - würde es ermöglichen, Rohstoffe aus
diesen Ländern schnell nach Europa zu bringen und die Geldbörsen der
Unternehmer auf beiden Seiten zu füllen.


Befürworter des Deals behaupten, das Abkommen würde ein "Versprechen zur
Bekämpfung der Entwaldung" beinhalten - doch über 600 Wissenschaftler,
zwei brasilianische indigene Organisationen und 340 Gruppen der
Zivilgesellschaft haben massive Zweifel daran geäußert und sich
ausdrücklich gegen das Abkommen ausgesprochen
.
[3] *Europa darf Bolsonaro
und seine Unterstützer aus der Agrarwirtschaft nicht für die
schrecklichen Verwüstungen im Amazonas-Regenwald belohnen*, die seit
seinem Amtsantritt vor nur acht Monaten stattgefunden haben.

Die Abholzung ist nicht der einzige Grund, warum uns das Mercosur-Abkommen
beunruhigen sollte. *Wird der Vertrag unterzeichnet, wird Europa viel mehr
Obst und Gemüse importieren, das mit verbotenen Pestiziden behandelt
wurde.* [4] Da Bolsonaro viele Umweltschutzstandards gelockert hat, können
Großkonzerne wie Syngenta in Brasilien Chemikalien produzieren, die sie
hier nicht herstellen dürfen. *Sie werden auf alle Pflanzen gesprüht, die
bald in unseren Supermarktregalen liegen könnten.* Es sei denn, wir halten
diesen Deal jetzt auf.


*UNTERSCHREIBEN Sie für die Gesundheit unseres Planeten [1]*

Jede und jeder von uns hat sich sicher schon gefragt, ob wir als einzelne
Bürgerinnen und Bürger überhaupt einen Unterschied machen können.
Natürlich können wir das! Erinnern Sie sich an TTIP? Als die EU und die
USA kurz davor standen, das Abkommen zu unterzeichnen, das Europa mit
hormonbehandeltem Fleisch und gentechnisch veränderten Produkten
überschwemmt hätte, *schlossen sich Menschen wie Sie einer
Bürgerbewegung von 3 Millionen Menschen an. Ihr Druck ließ den Deal
platzen!*


*Wir müssen jetzt gegen Mercosur vorgehen!* Und unsere Chancen stehen sehr
gut. Das neue Europäische Parlament ist viel grüner und unter den Staats-
und Regierungschefs der EU erklären viele, dass sie für das Klima
kämpfen wollen. Überzeugen wir sie, das Mercosur-Abkommen zu stoppen, bis
das Feuer im Amazonas-Regenwald gelöscht ist.


Vielen Dank!

Olga Vukovic (Bologna)
Virginia López Calvo (Madrid)
Marta Tycner (Warschau)
Giulio Carini (Rom)
Fatima Ibrahim (London)
Alexandre Naulot (Marseille)
für das gesamte *WeMove.EU-Team*

PS.: Italien, Irland und Frankreich haben bereits Zweifel am
Mercosur-Abkommen geäußert [5] - eine Welle des öffentlichen Widerstands
könnte ganz Europa gegen diese gefährliche neue Partnerschaft aufbringen.
*Unterschreiben Sie jetzt [1]* und stoppen Sie das EU-Mercosur Abkommen!

Referenzen:
[1]
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...1&qid=161093373
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...2&qid=161093373
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...3&qid=161093373
[2]
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...4&qid=161093373
[3]
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...5&qid=161093373
[4]
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...6&qid=161093373
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...7&qid=161093373
[5]
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...8&qid=161093373
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...9&qid=161093373


WeMove.EU [2] ist eine Bürgerbewegung, die sich für ein besseres Europa
einsetzt; für eine Europäische Union, die sich sozialer Gerechtigkeit
verpflichtet fühlt; die für ökologische Nachhaltigkeit und bürgernahe
Demokratie steht. Wir sind Menschen unterschiedlicher Lebensläufe,
Kulturen und Religionen, die Europa ihr Zuhause nennen – egal, ob wir in
Europa geboren wurden oder anderswo. Wenn Sie sich aus unserem Verteiler
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[4]
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...6&qid=161093373
[5]
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...7&qid=161093373
[6]
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...8&qid=161093373
[7]
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...9&qid=161093373
[8]
https://www.wemove.eu/sites/all/modules/...0&qid=161093373


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#2

Die Schlacht um Amazonien - Bolsonaro, die USA und die Waldmenschen

in Aus der Welt der Wissenschaft 08.09.2019 09:05
von franzpeter | 9.594 Beiträge

NDS 07. September 2019

Die Schlacht um Amazonien - Bolsonaro, die USA und die Waldmenschen

von Frederico Füllgraf


Darius Sul/shutterstock.com

Das vom brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro am vergangenen 28. August
erlassene Brandverbot für die nächsten 60 Tage
https://catracalivre.com.br/cidadania/bo...is-por-60-dias/
wurde mittlerweile wieder von ihm zurückgenommen und abgeschwächt
https://g1.globo.com/politica/noticia/20...nia-legal.ghtml
.
<https://g1.globo.com/politica/noticia/2019/08/31/governo-altera-decreto-e-restringe-proibicao-de-queimada-a-amazonia-legal.ghtml>


Das Verbot erstreckte sich zunächst auf das gesamte brasilianische Territorium,
wurde jedoch wenige Tage später auf die Bundesstaaten des Amazonas-Beckens
begrenzt. Wo das Feuer sich trotzdem weiter durch den Regenwald frisst.


Allein am 1. September wurden von internationalen Satelliten 980 neue Brandherde
geortet

https://www.terra.com.br/noticias/cienci...24o5ejv9bg.html
. Als sei es ein makabrer Witz, während die Flammen loderten, gab das
brasilianische Umweltministerium
<https://www.terra.com.br/noticias/ciencia/sustentabilidade/apos-proibicao-de-queimadas-amazonia-segue-pegando-fogo,3ca8a158cec53dabf6f4544503d90e24o5ejv9bg.html>
eine 34-prozentige Etatkürzung für die Brandbekämpfung im Jahr 2020 bekannt
https://ultimosegundo.ig.com.br/brasil/2...os-em-2020.html
.
<https://ultimosegundo.ig.com.br/brasil/2019-09-04/ministerio-reduz-em-34-verba-para-combater-incendios-em-2020.html>



Erstes Signal dafür, dass Bolsonaro bald eine radikale Amazonien-Wende mit den
USA einläuten könnte, war die Ablehnung des vom französischen Präsidenten
Emmanuel Macron auf dem jüngsten G7-Gipfel angebotenen
20-Millionen-Dollar-ad-hoc-Hilfspakets zur Bekämpfung der Amazonas-Brände
https://exame.abril.com.br/mundo/eua-nao...-g7-a-amazonia/
durch die Donald-Trump-Regierung.


Garrett Marquis, Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats (NSC), erklärte, die
USA hätten keiner gemeinsamen G7-Initiative zugestimmt, seien jedoch bereit,
Brasilien bei der Brandbekämpfung zu helfen, und zwar "am besten in Abstimmung
mit der brasilianischen Regierung". Im Schulterschluss mit dem Bolsonaro-Regime
forderten die USA, dass die brasilianische Regierung an den Konsultationen mit
der G7-Gruppe beteiligt werde.


In einem Kommentar zum G7-Gipfel - dem Russland im G8-Format bis 2014 angehörte
- schlug seinerseits der russische Präsident Wladimir Putin eine Erweiterung
der G7-Gruppe um die Türkei, Indien und China vor, ohne dabei Brasilien zu
erwähnen

https://bhaz.com.br/2019/09/05/putin-brasil-g7-bolsonaro/ ; was
als Hinweis auf die vom Bolsonaro-Regime erzeugten Risse und Entfremdungen in
der internationalen Szene, inklusive im Kreis der BRICS-Staaten, gewertet wird.


Bolsonaros Geschenk an die USA

Unterdessen landeten auch Korrespondenten und Sonderreporter verschiedener
deutscher Leitmedien auf dem Boden des niedergebrannten Regenwalds.

Spiegel-Korrespondent Jens Glüsing ("Man kann dem Wald beim Sterben zusehen
https://www.manager-magazin.de/video/gro...o-99029303.html
") bestätigte nahezu vollauf die Hinweise des jüngsten
NachDenkSeiten-Artikels auf die destruktive, teils mörderische Rolle des
Agrobusiness in Amazonien
https://www.nachdenkseiten.de/?p=54489 .

In Brasiliens Amazonasgebiet herrscht ein brutaler Krieg um nutzbares Land, um
die letzten Edelholz-Vorkommen. Kleinbauern können sich nur behaupten, wenn sie
gegen die Großgrund-Mafia aufrüsten.
Gibt es einen Ausweg?, beklagt Glüsing.

Mit verständlichem Fokus auf das jüngst unterzeichnete, jedoch wegen der
Amazonienbrände umstrittene und bedrohte Freihandelsabkommen mit der EU haben
deutsche Medien bisher noch nicht die andere Karte, nämlich Bolsonaros
verstecktes As im Ärmel im Amazonien-Gerangel, erkannt, geschweige denn
untersucht.


Der diesjährige Umfang der Brände soll kein Zufall, sondern mit der
Zerschlagung von Brasiliens Umweltaufsichtsbehörden

https://www.nachdenkseiten.de/?p=54318 offenbar die erste
Stufe eines politischen Plans gewesen sein.


Die zweite Stufe des Plans nahm Bolsonaro allerdings im vergangenen April in
einem Interview mit dem Radiosender Jovem Pan vorweg, in dem er ab Minute 11:42
https://www.youtube.com/watch?v=FSOAahAC...=youtu.be&t=702
bestätigte, er habe während seines Anfang April stattgefundenen Besuchs in
Washington US-Präsident Donald Trump die "partnerschaftliche Exploration
Amazoniens" angeboten.


Von Freudscher Fehlleistung verraten oder angetrieben von seinen üblichen
Phantastereien hatte der ehemalige Abgeordnete Bolsonaro in einem anderen
Interview vom Februar 2016
https://www.youtube.com/watch?v=4cxe2wks3e8 indes behauptet,
"Amazonien gehört uns nicht!".


"Indianer-Reservate behindern Brasilien": der programmierte Eklat zwischen
Bolsonaro und Papst Franziskus


Wohl eher als Provokation zu verstehen, überraschte das Eingeständnis, denn es
stammte von einem ehemaligen Heeresoffizier, dessen Waffengattung seit
Jahrzehnten genau das Gegenteil predigt, nämlich die Bedrohung der
brasilianischen Souveränität über 2/3 des größten Regenwald-Bioms der Erde.
Je nach politischer Konjunkturlage malten Offiziere der brasilianischen
Streitkräfte, vor allem während der Militärdiktatur (1964-1985), wiederholt
das Gespenst an die Wand, Amazonien werde von "ausländischer Gier und Enteignung
bedroht"; eine Legende, deren Brüche und Widersprüche auch die britische BBC
unlängst beschäftigte

https://www.bbc.com/portuguese/brasil-49363394 .

Doch Jahrzehnte später hat sich das Wahnbild gewandelt. Statt multinationaler
Konzerne, Banken und fremder Regierungen sehen einflussreiche Militärs nun die
ausgedehnten Indianer-Reservate, ausländische Umwelt-Organisationen, die
katholische Kirche und selbst die staatliche Indianer-Schutzbehörde (Funai) als
die feindlichen Protagonisten.


Indianische Territorien ("Terras Indígenas") bilden nach Buchstaben und Geist
der demokratischen Verfassung Brasiliens von 1988 ein unveräußerliches Erbe.

Das Indianerland gehört pro forma dem brasilianischen Staat, doch ist es
unverletzlich, nicht verhandelbar und soll dauerhaft von der indigenen
Bevölkerung bewohnt, für ihre produktiven Tätigkeiten sowie für die
Erhaltung der natürlichen Ressourcen genutzt werden, die - per definitionem -
"für ihr Wohlbefinden sowie für ihre physische und kulturelle Fortpflanzung
nach ihren Verwendungen, Bräuchen und Traditionen erforderlich und
unverzichtbar sind".

Die Gesamtfläche des Indianerlandes änderte sich in den vergangenen
Jahrzehnten nach jeder Neubemessung und betrug 2009 rund 1,17 Millionen Km²
oder 13,8 Prozent des gesamten brasilianischen Territoriums, auf denen knapp
850.000 Indigene leben.


Für die Großgrundbesitzer ist dieses Zahlenverhältnis eine Zumutung, für die
Militärs gar eine "Verschwörung". Generäle, wie Eduardo Villas Boas,
unterstellen, viele Reservate seien auf Regenwaldböden bewilligt worden, die
immense Rohstoffvorkommen beherbergen, und würden somit die Indianer zu "naiven
Handlangern" von Privatunternehmen machen.


In Wahrheit dient die Verschwörungstheorie der Verheimlichung des genauen
Gegenteils, wie sich zeigen wird.

Bolsonaro schlussfolgerte daraus, die indigenen Reservate - zumeist
Ahnen-Erbgrund - "versuchen Brasilien das Leben unmöglich zu machen", und
verspricht seit seiner Präsidentschaftskandidatur, einen Großteil der Reservate
abzuschaffen

https://oglobo.globo.com/sociedade/bolso...brasil-23908043
. "So wie es aussieht, werden wir Amazonien verlieren", erklärte er im Interview
mit Radio Jovem Pan und gab den Verschwörungstheorien seiner uniformierten
Kollegen noch eins drauf: Die Vereinten Nationen würden mit den indigenen
Völkern die Möglichkeit diskutieren, neue Länder in Amazonien zu gründen und
von Brasilien zu trennen (sic!).

Die amazonischen Fake News des Bolsonaro-Regimes setzen auf Konfrontationskurs
mit dem Vatikan.


Der Eklat könnte in wenigen Wochen in Rom zünden, wohin Papst Franziskus vom
6. bis 27. Oktober eine Tagung der Amazonas-Synode einberufen hat, die von
Bolsonaro sofort als "subversiv"
verschrien wurde
https://www.brasil247.com/blog/havera-um...-america-latina
.

Unter der Devise Amazonien: Neue Wege für die Kirche und für eine integrale
Ökologie werden 250 Bischöfe und Kardinäle aus aller Welt, Fachberater,
Wissenschaftler, Umwelt-NGOs, Vertreter der amazonischen Völker sowie anderer
Glaubensgemeinschaften und Führer sozialer Bewegungen Amazoniens drei Wochen
lang Entwicklungs- und Erhaltungs-Alternativen zum gegenwärtigen
Zerstörungstrieb des mit dem Weltmarkt verzahnten, aggressiven Agrobusiness
diskutieren und beschließen.


Die Synode wurde im Oktober 2017 vom Papst einberufen und wird seitdem von Repam
(Pan-Amazonisches Kirchliches Netzwerk) vorbereitet. Die Organisation wird von
dem brasilianischen Kardinal Claudio Hummes, einem Vertrauensmann des Papstes und
Freund des inhaftierten Ex-Präsidenten Lula, geleitet. Außer Brasilien umfasst
das Netzwerk Organisationen, Bewegungen, Diözesen und Initiativen der
katholischen Kirche in Kolumbien, Peru, Venezuela, Ecuador, Bolivien,
Britisch-Guayana, Französisch-Guayana und Suriname; also Länder, die die
gesamtamazonische Staatengemeinschaft bilden.

Für das Netzwerk und den Papst muss der Regenwald als vielfältige Dimension
der indigenen Territorien und Völker und als Erbe der Menschheit angesehen
werden. Dieser Ansatz wird von Bolsonaro und dem brasilianischen Militär als
Affront gewertet.

Die Militärs ließen verlauten, sie würden die Tagung bereits im
Vorbereitungsstadium "überwachen"
https://politica.estadao.com.br/noticias...nia,70002991566
. Selbstverständlich darf ein Frontalzusammenstoß der Amazonien-Agenda ihrer
Bewohner und der progressiven Kirche mit der apokalyptischen Freibeuterei des
Bolsonarismus erwartet werden, der nach der Rückkehr der Indigenen und der
sozialen Bewegungen aus Rom keine Repression scheuen wird.


Von Orellana bis Donald Trump: die kapitalistische Internationalisierung
Amazoniens

Der paranoid anmutende, eifersüchtige Besitzanspruch brasilianischer
Geopolitiker auf Amazonien darf unter anderem davon abgeleitet werden, dass zwei
Drittel des Bioms erst im 18. Jahrhundert von der portugiesischen Kolonialmacht
einverleibt wurden und seitdem als brasilianisch gelten.


Davor gehörte das gigantische Gebiet zu Spanien. Es dehnte sich vom Pazifik zum
Atlantik aus und umfasste den größten Teil Ecuadors und Perus, die Südspitze
Kolumbiens, die Nordspitze Boliviens und den östlichen Ausläufer in Brasilien.

Der deutsche Kaiser Karl V. - zugleich auch Spaniens König Karl I. - machte
1529 aus Amazonien das Vize-Königreich Nueva Castilla und seinem Kapitän zur
See, Francisco Orellana, ist überhaupt die Entdeckung des Amazonas-Stroms mit
dessen voller Bereisung - von den Andenhängen bis zum Atlantik - zu verdanken.

Juristische Grundlage für die spanische Possession bildete der Vertrag von
Tordesilhas vom Juni 1494, womit Spanien sich nicht den Löwen-, sondern den
Elefantenteil Südamerikas unter die Krallen der Krone riss und Portugal mit der
heutigen, nordost- bis südostbrasilianischen Atlantikküste abservierte. Der
Vertrag wurde wohlgemerkt in Vorahnung unbekannter Territorien und neuer
Entdeckungen südlich der Karibik unterzeichnet. Zwei lange Jahrhunderte
vergingen nach der "Entdeckung" Brasiliens im Jahr 1500, bis die Portugiesen und
ihre brasilianischen Nachkommen den Marsch gen Nordwest antraten und Spanien das
heutige Zentralbrasilien und Amazonien abnahmen.


Danach, insbesondere nach der brasilianischen Unabhängigkeit (1822), döste
Amazonien ein weiteres Jahrhundert in einer neuen Regenwald-Siesta. Dann
entdeckten Kopfjäger und Indianer-Versklaver die Hevea brasiliensis - den
Kautschukbaum - errichteten im Dschungel eines der menschenfeindlichsten
Imperien, das dem Reich der Finsternis an Grausamkeit nicht nachstand und vom
irischen Diplomaten in britischem Dienst und Joseph-Conrad-Freund Roger Casemen

https://www.irishtimes.com/culture/herit...mazon-1.2737575
untersucht wurde.

Vor Casements Putumayo-Ermittlungen bevölkerte bereits um 1870 eine gewaltsame
Besetzung Amazoniens gar die Phantasie US-amerikanischer Ranchbesitzer, die ihre
Plantagen samt afrikanischen Sklaven nach Amazonien ausdehnen und das
Territorium den USA einverleiben wollten.

Die Ausbeutung des größten geschlossenen Regenwalds des Planeten durch
US-Unternehmen findet allerdings seit knapp 100 Jahren statt.

Sie begann 1927 mit dem gescheiterten Fordlândia-Experiment im Bundesstaat
Pará. Mit der Anlage gigantischer Kautschuk-Plantagen und einer Dschungelstadt
wollte Henry Ford die Versorgung seiner Detroiter Automobilfabrik mit Gummireifen
sicherstellen. Mit dem Überfall einer Parasitenart auf den für Monokultur
völlig ungeeigneten Hevea-Baum scheiterte das Projekt auf erbärmliche Weise und
wurde von Fords Sohn rund zwanzig Jahre später eingestellt und stillschweigend
veräußert.


Weitere zwanzig Jahre später nutzte der US-Milliardär Daniel Ludwig die Gunst
der Stunde und erwarb 1967, während der Militärdiktatur, ein Gebiet zwischen
den Bundesstaaten Pará und Amapá
mit der Ausdehnung des US-Bundesstaats
Connecticut, also rund 14.500 Km2 groß. Ziel war die Errichtung eines
monumentalen landwirtschaftlichen Projekts und Ludwig rangierte damals als der
größte Grundbesitzer in der westlichen Welt.

Die Pracht des Jari war indes von Chaos durchsetzt. Die Region verfügte über
keinerlei Infrastruktur und erforderte den Bau von Häfen, Eisenbahnen und 9.000
Straßenkilometern. Doch noch einmal plante ein sturer US-Amerikaner wider die
Gesetze der Natur. Ludwig träumte von einem "Aufforstungsprojekt" mit schnell
wachsenden Gmelina-Bäumen,
um mit dem Export den weltweit wachsenden Bedarf an
Zellstoff zu decken. Zu den Ludwig-Visionen gehörten ferner Bergbau, Viehzucht
und Landwirtschaftsprojekte, die sehr bald Umweltschützer auf den Plan riefen.

Ein thermoelektrisches Kraftwerk und die Zellstofffabrik wurden von Japan über
einen 25.000 Kilometer langen Seeweg, der 53 Tage beanspruchte, mit Schleppern an
die Amazonasmündung herantransportiert. Auf dem Gelände entstand eine Stadt
namens Monte Dourado mit 30.000 Einwohnern sowie ein Krankenhaus und Schulen. Die
Zellstofffabrik und Ausrüstungen verschlangen rund 860 Millionen US-Dollar -
insgesamt ein gigantischer Schuss in den Ofen, denn 1982 gab Ludwig das Projekt
ergebnislos auf. An den Verhandlungen war der starke Mann des Militärregimes,
General Golbery do Couto e Silva, beteiligt.


Ludwigs Kapitulation erklärte sich aus massivem Widerstand gegen eine
befürchtete Verwüstung des Amazonas-Regenwaldes und seine Auswirkungen.
Die
Befürchtung gipfelte 1979 in einer parlamentarischen Untersuchungskommission,
deren erstaunlicher Abschlussbericht keine direkten Hinweise auf
Regenwald-Zerstörung enthält. Wahrscheinlich, weil die brasilianische
Orsa-Gruppe, die Jari erwarb, sich keines Umwelt-Passivs schuldig machen wollte
und sich seit 2004 vom umstrittenen Forest Stewardship Council zertifizieren
lässt.

Fern der Amazonas-Mündung in den Atlantik stieg in den Jahren des Soja-Booms im
westlichen Rondônia allerdings wieder ein US-Konzern zum rangersten
Protagonisten des "brasilianischen" Agrobusiness´ auf:

Cargill

https://www.spiegel.de/wirtschaft/agrark...-a-1276654.html
.

Über den mächtigen US-Konzern schrieb der ehemalige demokratische Abgeordnete
Henry A. Waxman
https://stories.mightyearth.org/cargill_...presa_do_mundo/
:

"Die Menschen, die krank wurden oder an Cargills vergiftetem Fleisch gestorben
sind, die (illegal) arbeitenden Kinder, die den von Cargill für die
Weltschokolade verkauften Kakao anbauen, die Amerikaner des Mittleren Westens,
die Wasser trinken, das von Cargill verschmutzt wurde, die Ureinwohner, die
durch die Abholzung von Wäldern vertrieben wurden, Cargills Tierfutter
anzubauen und die Durchschnittsverbraucher, die aufgrund von Cargills
finanziellem Unrecht mehr dafür bezahlten, Lebensmittel auf den Tisch zu
stellen - sie alle spürten die Auswirkungen dieses Giganten der Agrarindustrie.
Ihr Leben ist schlimmer, weil sie mit Cargill Kontakt bekamen."


Das schert Donald Trumps Lobbyisten wenig.

Das US-amerikanische Internet-Magazin The Intercept berichtete
https://theintercept.com/2019/08/26/lobi...lorar-amazonia/
<https://theintercept.com/2019/08/26/lobistas-partido-republicano-empresas-eua-explorar-amazonia/>
auf dem Höhepunkt der Amazonas-Brände:

"Ein Fünftel des Amazonas ist in den letzten 50 Jahren zerstört worden. Eine
weitere Industrialisierung des Regenwaldes könnte ein weiteres Fünftel
zerstören, ein Verlust, der für das globale Ökosystem katastrophal wäre.

Die Katastrophe ist größtenteils auf Interessen zurückzuführen, die darauf
abzielen, den größten Regenwald der Welt zu öffnen, um Platz für Viehzucht,
Bergbau und exportorientierte Agrarindustrie zu schaffen.


Vertrauliche Dokumente enthüllen, dass diese Interessen in den USA von
republikanischen Pro-Trump-Lobbyisten gefördert werden, die Gespräche mit der
brasilianischen Regierung aufgenommen haben, um Unternehmensinvestitionen im
Amazonasgebiet zu fördern".


Zu den Begünstigten gehört der mehr als umstrittene
Blackstone_GroupBlackstone-Hedgefonds-Konzern
https://de.wikipedia.org/wiki/[https://de.wikipedia.org/wiki/Blackstone_Group] , der über US-amerikanische
Mutterkirchen seit Jahren in Brasilien ein ausgedehntes Netzwerk fanatischer
evangelikaler Sekten finanziert, das vor Amazonien nicht Halt machte. Das wäre
Bolsonaros Geschenk.




Quelle: https://www.nachdenkseiten.de/?p=54625
<https://www.nachdenkseiten.de/?p=54625>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 08.09.2019 09:16 | nach oben springen


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