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RWE- Konzernumbau hin zum "Duopol" - Heuchlerische Pläne

in Aus der Welt der Wissenschaft 01.10.2019 13:58
von franzpeter | 9.650 Beiträge

taz 30.09.2019

RWE baut das Portfolio um

Heuchlerische Pläne

Die RWE feiert sich dafür, dass man jetzt auf Ökoenergien macht. Dabei ist der
Konzern viel zu spät dran und zerstört weiterhin Dörfer für die Kohle.


Ingo Arzt

RWE-Windpark in der Ostsee vor Rügen Foto: Paul Langrock/zenit

Sie nennen sich "Menschenrecht vor Bergrecht
https://menschenrecht-vor-bergrecht.de/ " und hatten zumindest
am Montag keine Chance gegen RWE: Der Essener Energiekonzern generierte eine
Menge positiver Schlagzeilen an der Börse und in der Wirtschaftspresse. Am
Morgen präsentierte Vorstandschef Rolf Martin Schmitz die Neuaufstellung des
Konzerns und bastelte daraus eine Jubelmeldung.


Fast zeitgleich schickten Anwohner*innen des Tagesbaus Garzweiler II einen Brief
an Schmitz

https://menschenrecht-vor-bergrecht.de/w...haft-an-RWE.pdf
. Sie forderten eine "Klarstellung, dass in Zeiten des beschlossenen
Kohleausstiegs und der Klimakrise keine Dörfer mehr für den Kohleabbau
zerstört werden dürfen".

Der Konzern will die Orte Keyenberg, Kuckum, Berverath, Ober- und Unterwestrich
und weitere trotz Kohleausstiegs zerstören und abbaggern. Das, obwohl
Berechnungen etwa des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ergeben
haben, dass für die Restlaufzeit der Kraftwerke bis 2038 mehr als genug Kohle
in den vorhandenen Tagebauen abgebaut werden kann.


Schmitz' Konzernumbau ist deshalb heuchlerisch. Bis 2040 will er RWE
"klimaneutral" und zu einem weltweiten Player für erneuerbare Energien machen.

Bereits 2018 hat RWE dabei mit Eon, dem zweiten großen deutschen
Energiekonzern, das Terrain in Sachen Energiewende abgesteckt: Die beiden
Energiealphatiere haben die Eon-Tochter Innogy unter sich aufgeteilt. Eon
bekommt die Stromnetze, die wegen der Energiewende digitaler und intelligenter
werden müssen, und außerdem das Geschäft mit den Endkunden, also uns. RWE
übernimmt dafür komplett die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien von Eon
und Innogy.


Kurzum, beide Konzerne kommen sich nicht in die Quere, in guter, alter
Tradition: Seit der Weimarer Republik haben sich in Deutschland RWE und die
Firmen, aus denen Eon im Jahr 2000 zusammenfusioniert wurden, den deutschen
Strommarkt staatlich abgesegnet fein aufgeteilt. In den Nullerjahren sprachen
sich die Konzerne regelmäßig ab, das Bundeskartellamt sprach damals von einem
"Duopol".


Kein einziges neues Windrad

Die Aufteilung der Geschäfte jetzt trägt zumindest an der Börse Früchte für
RWE, dort ist der Wert des Konzern seit Anfang des Jahres um 40 Prozent
gestiegen.

Eine innovative Leistung lässt sich in der neuen Strategie trotzdem nicht
erkennen. Wenn RWE jetzt behauptet, zu einem der führenden Produzenten
erneuerbarer Energien weltweit aufzusteigen, dann liegt das ja nicht daran, dass
man die Chance frühzeitig erkannt und investiert hat.


Durch den selbst ausgerufenen Aufstieg in die Ökoliga wird zunächst auch kein
neues Windrad und keine neue Solaranlage aufgestellt
- RWE übernimmt nur
Vorhandenes und erzeugt weiterhin den meisten Strom aus Kohle.

Außerdem kündigt Schmitz zwar 1,5 Milliarden Euro Investitionen in
Ökoenergien im Jahr an, allerdings kaum in Deutschland. Dass man mit
erneuerbaren Energien weltweit eine Menge Geld verdienen kann, ist seit Jahren
bekannt. Für die späte Erkenntnis kann man Schmitz getrost die goldene
Schnecke verleihen.


Ein großes Opfer ist der Kohleausstieg für RWE ohnehin nicht: In Deutschland
kassiert er dafür Milliardenentschädigungen, in den Niederlanden 2,9
Milliarden Euro Förderung, um Kohlemeiler auf Biomasse umzurüsten.


Die groß angekündigte Umstellung bis 2040 ist eine Anpassung an politische,
gesellschaftliche und ökonomische Realitäten. Der Wandel wurde über Jahre von
Umweltverbänden, Politikern, Wissenschaftlern und all denen, die für die
Energiewende auf die Straße gingen, erkämpft. Gegen den Widerstand von
RWE-Managern, die sich jetzt feiern lassen.


RWE ist zu den Veränderungen jetzt, metaphorisch gesprochen, geprügelt worden.

Und am einzigen Punkt, an dem die Essener Dinosaurier aktiv positiv handeln
könnten, da versagen sie wie eh und je: Zu einem Verzicht auf die mutwillige
Zerstörung weiterer Dörfer für die Kohle muss RWE wohl von Gerichten
gezwungen werden.



Quelle: https://taz.de/RWE-baut-das-Portfolio-um/!5626604/
<https://taz.de/RWE-baut-das-Portfolio-um/!5626604/>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 01.10.2019 23:19 | nach oben springen


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