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#1

Der Papst will Atomwaffen abschaffen

in Aus der Welt der Wissenschaft 29.11.2019 23:27
von franzpeter | 9.716 Beiträge

"Anschlag auf die Menschheit"

Allein die USA haben für die Modernisierung und Aufstockung ihres
Atomwaffenarsenals in den kommenden Jahren 1000 Milliarden US-Dollar eingeplant.

Auf 1000 Milliarden US-Dollar belaufen sich mittlerweile die Ausgaben der
NATO-Mitglieder für Militär und Aufrüstung. Jahr für Jahr.

Heiko Maas (SPD) ist auch für atomare Abrüstung, die in Büchel gelagerten
US-Bomben will der deutsche Außenminister aber behalten.


Die Abrüstungslogik von Heiko Maas geht so: "Es nützt nichts, wenn Atomwaffen
von einem Land in das andere verschoben werden. Wenn sie verschwinden sollen,
dann sollen sie überall verschwinden. Wir brauchen, was die atomare Abrüstung
angeht, vor allen Dingen Vereinbarungen auf breiter Basis, nicht nur in einzelnen
Ländern."

DIE LINKE fordert den Beitritt Deutschlands zum UN-Vertrag über das Verbot von
Atomwaffen und den Abzug der in Deutschland gelagerten Nuklearwaffen.



NDS 29. November 2019

Der Papst will Atomwaffen abschaffen und dafür nicht bis zum Sankt
Nimmerleinstag warten

Heiko Maas ist auch für atomare Abrüstung, die in Büchel gelagerten US-Bomben
will der deutsche Außenminister aber behalten.


von Rüdiger Göbel

Papst Franziskus hat bei seinem Besuch in Nagasaki die Abschaffung von
Atomwaffen gefordert und Waffenexporte als "himmelsschreiendes Unrecht"
angeprangert.
In den USA sind derweil sieben Friedensaktivisten wegen einer
Protestaktion auf einem Nuklearwaffenstützpunkt verurteilt worden. Sie sehen
mehrjährigen Haftstrafen entgegen.


Atomwaffen sind ein "Anschlag auf die Menschheit", erklärte Papst Franziskus am
Sonntag in der japanischen Stadt Nagasaki, ihr Besitz grundsätzlich zu
verurteilen. "Eine Welt in Frieden und frei von Atomwaffen ist das Bestreben von
Millionen von Männern und Frauen überall auf der Erde." Die Metropole war
sorgfältig ausgewählt für die wichtige Friedensbotschaft des katholischen
Kirchenoberen. Am 9. August 1945 hatte ein US-Flugzeug eine Atombombe über deren
Zentrum abgeworfen und mehr als 70.000 Menschen getötet. Eine erste
Atombombendetonation drei Tage zuvor in Hiroshima hatte 140.000 Menschenleben
gefordert.


"Dieser Ort macht uns tiefer bewusst, welchen Schmerz und Schrecken wir Menschen
einander zuzufügen fähig sind", erklärte Papst Franziskus im Atomic Bomb
Hypocenter Park, wo er am zehn Meter hohen Denkmal einen Gedenkkranz niederlegte,
den ihm Überlebende des vor 74 Jahren verübten Kriegsverbrechens zuvor
überreicht hatten. Die Grundsatzerklärung des Papstes war erstmals am Rande der
UN-Generalversammlung im September angekündigt worden (siehe hier) und rückt ab
von früheren Erklärungen des Vatikan, die den Besitz von Atomwaffen noch
abgesegnet hatten.


"Der Besitz von Atomwaffen und anderer Massenvernichtungswaffen ist nicht die
geeignete Antwort auf den Wunsch nach Frieden und Stabilität"
, bekräftigte
Papst Franziskus in Nagasaki. Frieden könne "nicht auf die Angst vor
gegenseitiger Zerstörung aufgebaut werden
". Die Welt lebe in der "abartigen
Dichotomie, Stabilität und Frieden auf der Basis einer falschen, von einer
Logik der Angst und des Misstrauens gestützten Sicherheit verteidigen und
sichern zu wollen. Am Ende vergiftet sie die Beziehungen zwischen den Völkern
und verhindert jeden möglichen Dialog."

Scharf kritisierte das Oberhaupt der Katholiken das globale Wettrüsten.

Dieses vergeude "wertvolle Ressourcen, die doch zugunsten der ganzheitlichen
Entwicklung der Völker und des Umweltschutzes verwendet werden könnten"
. Und
weiter: "In der Welt von heute, wo Millionen von Kindern und Familien unter
menschenunwürdigen Bedingungen leben, ist es ein himmelschreiender Anschlag,
wenn für die Herstellung, die Modernisierung, den Erhalt und den Verkauf von
Waffen mit immer stärkerer Zerstörungskraft Gelder ausgegeben und damit
Vermögen erzielt werden."

Um das Ideal einer "Welt in Frieden und frei von Atomwaffen" Wirklichkeit werden
zu lassen, sei die Beteiligung aller notwendig, so der Papst: "Einzelne,
Religionsgemeinschaften, die Zivilgesellschaft, die Staaten im Besitz von
Atomwaffen und atomwaffenfreie Staaten, private und militärische Bereiche sowie
die internationalen Organisationen. Unsere Antwort auf die Bedrohung durch
Nuklearwaffen muss gemeinsam und konzertiert sein und auf dem mühsamen, aber
beständigen Aufbau gegenseitigen Vertrauens beruhen, das die Dynamik des
gegenwärtig vorherrschenden Misstrauens durchbricht."

Franziskus beklagte die derzeitige "Erosion des Multilateralismus" und forderte
neue Anstrengungen für Abrüstung: "Ich bitte die politischen
Verantwortungsträger, nicht zu vergessen, dass Nuklearwaffen uns nicht vor den
Bedrohungen für die nationale und internationale Sicherheit in unserer Zeit
schützen."

Konkret erinnerte der Papst an seinen Amtsvorgänger Paul VI., der schon im Jahr
1964 vorgeschlagen hatte, "den notleidenden Völkern durch einen Weltfonds zu
helfen, der zum Teil aus den Ausgaben für Rüstungszwecke gespeist wird" -
Tatsächlich haben allein die USA für die Modernisierung und Aufstockung ihres
Atomwaffenarsenals in den kommenden Jahren 1000 Milliarden US-Dollar eingeplant.
Auf 1000 Milliarden US-Dollar belaufen sich mittlerweile die Ausgaben der
NATO-Mitglieder für Militär und Aufrüstung. Jahr für Jahr.

Der päpstliche Appell zur atomaren Abrüstung kommt nur vier Wochen, nachdem ein
Gericht in Brunswick im US-Bundesstaat Georgia sieben Aktivisten der katholischen
Friedensbewegung "Schwerter zu Pflugscharen" für schuldig befunden hatte, weil
sie an einer Protestaktion gegen Atomwaffen der US-Kriegsmarine teilgenommen
haben
(siehe hier). Eine zwölfköpfige Jury hatte nach nur vier
Verhandlungstagen alle Angeklagten in allen Anklagepunkten für schuldig
befunden: "Verschwörung", "Zerstörung" von Eigentum an der Kings
Bay-Marinebasis und "Verwüstung von Staatseigentum" sowie das geringere Vergehen
"unbefugtes Betreten2 eines Militärgeländes.

Die Hintergründe ihrer Protestaktion am 4. April 2018, dem 50. Jahrestag der
Ermordung von Martin Luther King, die existentielle Bedrohung durch Atomwaffen
wie die in der Kings Bay-Marinebasis gelagerten Trident-Interkontinentalraketen,
durften vor Gericht nicht vorgetragen werden
. Das Strafmaß soll in vier bis acht
Wochen verkündet werden.

Den "Kings Bay Plowshares Seven" (#KBP7) - Clare Grady (60), Patrick O'Neill
(60) und Carmen Trotta (56), Pater Steve Kelly (70), Mark Colville (57), Martha
Hennessy (62) und Elizabeth McAlister, die vor einer Woche ihren 80. Geburtstag
feierte - drohen jeweils bis zu 25 Jahre Gefängnis.

Den Papstappell von Nagasaki nach globalen Anstrengungen für die Abschaffung von
Atomwaffen vorwegnehmen, erklärte Martha Hennessy nach dem Schuldspruch: "Die
Waffen sind noch immer da. Wir müssen es weiter versuchen. Wir haben keine
andere Wahl."

"Doppelmoral aus dem Discountladen", wie es die LINKE-Politikerin Sevim Dagdelen
nennt, hat dagegen Bundesaußenminister Heiko Maas am vergangenen Freitag
geliefert. Bei seinem Besuch in Hiroshima warb der deutsche Chefdiplomat für
eine atomwaffenfreie Welt - um im gleichen Atemzug zu bekunden, dass er die in
Deutschland gelagerten US-Atombomben behalten will
.

Maas geht damit auf Distanz zu seinem Amtsvorgänger Guido Westerwelle, der sich
für den Abzug der im rheinland-pfälzischen Büchel gelagerten Massenmordwaffen
engagiert hatte, wie auch zu Martin Schulz, der als SPD-Kanzlerkandidat im
Bundestagswahlkampf 2017 den Abzug der US-Atombomben gefordert hatte
.

Die Abrüstungslogik von Heiko Maas geht so: "Es nützt nichts, wenn Atomwaffen
von einem Land in das andere verschoben werden. Wenn sie verschwinden sollen,
dann sollen sie überall verschwinden. Wir brauchen, was die atomare Abrüstung
angeht, vor allen Dingen Vereinbarungen auf breiter Basis, nicht nur in
einzelnen Ländern."

Eine solche Orientierung auf den Sankt Nimmerleinstag weist Sevim Dagdelen,
abrüstungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag, zurück:
"Statt mit gutem Beispiel bei der Abrüstung voranzugehen, unterstützt die
Bundesregierung mit ihrem folgenlosen Gerede den atomaren Aufrüstungswahnsinn
der USA, die eine Billion Dollar für die Modernisierung ihrer
Massenvernichtungswaffen ausgeben.


Nur wer selbst bereit ist, auf Atomwaffen zu verzichten, kann von anderen
verlangen, dass sie dies auch tun. DIE LINKE fordert den Beitritt Deutschlands
zum UN-Vertrag über das Verbot von Atomwaffen
und den Abzug der in Deutschland
gelagerten Nuklearwaffen."



Quelle: https://www.nachdenkseiten.de/?p=56756
<https://www.nachdenkseiten.de/?p=56756>

Anmerkung:

Zitat
Konkret erinnerte der Papst an seinen Amtsvorgänger Paul VI., der schon im Jahr
1964 vorgeschlagen hatte, "den notleidenden Völkern durch einen Weltfonds zu
helfen, der zum Teil aus den Ausgaben für Rüstungszwecke gespeist wird"



Das mit der besseren Verwendung ist richtig. Aber bitte auch das Kirchenvermögen des Vatikans einbeziehen.
Und das Verhalten der Politiker der Parteien mit dem C im Namen ändern.
Und fast möchte ich sagen, dass sich Maas SPD (hier wäre das S zu streichen) dem Drängen der Transatlantiker beugt.
Sein Argument ist bestenfalls Geschwurbel (oder Geschwafel, falls das verständlicher ist).

20.09.2017 - Am 7. Juli 2017 stimmten 122 UN-Mitglieder für ein Atomwaffenverbot
Die Nuklearmächte machten natürlich nicht mit. Wer verzichtet schon Freiwillig auf seine Macht?

PS: Wußte gar nicht, dass der Papst welche hat … "duck und wech"


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 29.11.2019 23:34 | nach oben springen


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