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Der drohende USA-Iran-Krieg - der lange Schatten der Irak-Invasion 2003

in Aus der Welt der Wissenschaft 06.01.2020 13:21
von franzpeter | 9.852 Beiträge

NDS 06.01.2020

Der drohende USA-Iran-Krieg - der lange Schatten der Irak-Invasion 2003

Jakob Reimann

Alexander Smulskiy/shutterstock.com

Auszug:

Ein US-Amerikaner wird im Irak von Raketen einer schiitischen Miliz getötet.
US-Luftschläge töten daraufhin 25 Kämpfer jener Miliz, woraufhin Tausende
Anhänger die US-Botschaft in Bagdad umzingelten, stürmten und im Gebäude
mehrere Feuer legten. Das Pentagon verlegt 3.500 zusätzliche Truppen in die
Region, während Donald Trump in Bagdad per Drohne den Anführer der schiitischen
Miliz sowie Qassem Soleimani tötet - den zweitmächtigsten Mann im Iran - und
Teheran damit de facto den Krieg erklärt.


Die Ereignisse um die Jahreswende zeigen uns bilderbuchartig auf, wie
militärische Eskalationsspiralen funktionieren und wie nah die Welt an einem
offenen Krieg zwischen den USA und dem Iran steht. Um die hochexplosive Lage im
neuen Jahrzehnt verstehen zu können, muss der Blick anderthalb Dekaden
zurückgeworfen werden: auf die völkerrechtswidrige Irak-Invasion 2003.


Der Irak wird zwischen den Fronten zerrieben

Grafik: Jakob Reimann

Die über die Jahreswende von Demonstrierenden belagerte Botschaft in Bagdad ist
die größte US-Botschaft der Welt. 16.000 Angestellte arbeiten auf dem
militärisch gesicherten Areal von der Größe des Vatikans: das ist nicht die
Vertretung eines souveränen Landes in einem anderen souveränen Land, sondern
ein Knotenpunkt des US-Imperialismus, dessen Außenposten und gleichzeitig
Schaltzentrale im Irak - nicht die Botschaft eines Freundes, sondern die einer
Besatzungsmacht.


Nach der illegalen US-UK-Invasion des Irak 2003 - gestützt auf die
Menschheitslüge der Massenvernichtungswaffen - wurde der Diplomat Paul Bremer
als "Washingtons Mann" in Bagdad eingesetzt und mit der Aufgabe betraut, den
Irak in Washingtons Sinne umzuformen und US-Konzerne an den Öleinnahmen des
Landes zu beteiligen.

Auch war Bremer offiziell der siebente Präsident des Irak, und löste den
sechsten Präsidenten der arabischen Republik ab, US-Generalleutnant Jay Garner.
(Den vorstehenden Satz bitte kurz wirken lassen: zwei US-Amerikaner waren
Präsidenten des Irak.
)


In der Ursachenforschung für die aktuelle Katastrophe könnten wir auch beim
CIA-MI6-Putsch im Iran 1953

<http://justicenow.de/2018-08-29/iran-1953-wie-die-cia-den-demokraten-aus-teheran-wegputschte/>
<http://justicenow.de/2018-08-29/iran-1953-wie-die-cia-den-demokraten-aus-teheran-wegputschte/>
beginnen, der kausal zur Islamischen Revolution 1979 führte und damit die
Iranophobie in Washington überhaupt erst denkbar machte, oder beim Aufbau von
Osama bin Laden und seinen Mudschaheddin

<https://en.wikipedia.org/wiki/Operation_Cyclone>
<https://en.wikipedia.org/wiki/Operation_Cyclone> (später
Al-Qaida und Taliban) in Afghanistan durch die CIA in den 1980ern, oder bei der
Unterstützung des Westen von Saddam in dessen Vernichtungskrieg gegen den Iran
1980-88 und seinem Gasgenozid an den irakischen Kurdinnen und Kurden (als
Deutschland Saddam die modernste Giftgasanlage der Welt in die irakische Wüste
setzte), um zu verstehen, wann genau die Abwärtsspirale in Gang gesetzt wurde,
die den ganzen Nahen Osten von einem Krieg in den nächsten und uns an den Punkt
führte, an dem wir heute stehen.


Etwas weniger weit zurück blickend können und müssen wir auf den Mai 2018
blicken, als Donald Trump den so wichtigen Iran-Nukleardeal - den ich an anderer
Stelle als "Blaupause für friedliche, lösungsorientierte Diplomatie im 21.
Jahrhundert" bezeichnete
<http://justicenow.de/2017-10-12/am-sonntag-koennte-donald-trump-den-krieg-gegen-den-iran-lostreten/>
<http://justicenow.de/2017-10-12/am-sonntag-koennte-donald-trump-den-krieg-gegen-den-iran-lostreten/>
- ohne Sinn und Verstand und ohne die geringste Idee für ein Danach in der Luft
zerriss.


Es folgten US-Säbelrasseln auf iranisches Säbelrasseln, Knebelsanktionen,
"maximum pressure" und sich zuspitzendes wirtschaftliches Elend in der
iranischen Bevölkerung . der direkte Vorbote also von der aktuellen
Katastrophe.

Doch das Menschheitsverbrechen Irak 2003 war der alles entscheidende Wendepunkt,
gewissermaßen die Ursünde des aggressiven US-Imperiums im dritten Jahrtausend
-
wie bei Jesus mit einem Davor und einem Danach.

Die totale Desintegration einer bereits fragilen Region, der Tod
Hunderttausender, die moralische Bankrotterklärung des Westens mit Uranmunition
und weißem Phosphor auf Zivilisten und den Folterkellern in Abu Ghraib nur als
winzige Spitze eines globalen Eisbergs der Schande, und mit den IS-Schlächtern
als direkte Folge der Invasion, die ihr dschihadistisches Gift vom Nahen Osten
bis auf die Philippinen, von Afghanistan über Libyen bis in die Sahelzone hinein
in Köpfe injizieren konnten.


"Wer Wind sät, wird Sturm ernten", wusste Hosea schon vor bald 3.000 Jahren. Was
in der rationalen Sprache der Wissenschaft mit actio = reactio uns allen glasklar
ist, beschrieb US-Politologe Chalmers Johnson als "Blowback" und nannte der 2014
verstorbene Orient-Kenner Peter Scholl-Latour den "Fluch der bösen Tat" und
meinte damit das unabwendbare Scheitern des westlichen Interventionismus in den
Ländern im Nahen und Mittleren Osten, der immer nur neues und exponentiell mehr
Leid über unschuldige Menschen bringt.


Die "böse Tat" war Irak 2003, der "Fluch" ist ein potentieller Krieg gegen den
Iran 2020 - der zu Beginn des neuen Jahrzehnts mit einem narzisstischen,
inkompetenten Tyrannen im Weißen Haus
so wahrscheinlich ist wie zu keinem
anderen Zeitpunkt in 41 Jahren US-Iran-Spannungen zuvor.


Mehr: https://www.nachdenkseiten.de/?p=57451
<https://www.nachdenkseiten.de/?p=57451>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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