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Ein Jahr Corona in Deutschland: „Alle stochern im Nebel“: Ökonom Straubhaar kritisiert das Maßnahmen-Chaos der Regierung

in Aus der Welt der Wissenschaft 12.01.2021 17:57
von franzpeter | 10.894 Beiträge

Der Ökonom Thomas Straubhaar rechnet ab: mit dem Sinn und Unsinn der Finanzhilfen sowie der Ängstlichkeit seiner eigenen Zunft. Mehr als vor Corona fürchtet er sich vor China.
„Extreme Lösungen sind immer extrem fragwürdig.“ © Frank Siemers für Wirtschaftsclub und Handelsblatt „Extreme Lösungen sind immer extrem fragwürdig.“
Fast genau ein Jahr ist es her, dass am 27. Januar bei dem bayerischen Autozulieferer Webasto der erste Corona-Fall in Deutschland aktenkundig wurde. Seither ist einerseits viel passiert, wenn man die ökonomischen Verwerfungen betrachtet – andererseits wenig, wenn es um tief greifende Corona-Analysen geht, findet der Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Professor Thomas Straubhaar. Seine Abrechnung fällt hart aus.

https://www.msn.com/de-de/finanzen/top-s...1?ocid=msedgntp

Quelle: H online

Zitate:
Die Regierung habe sich die Zustimmung zu ihrer Politik aber „mit einem historisch einmaligen Subventionsregen erkauft“. Das sei „schon brutal, denn das werden die nachfolgenden Generationen ausbaden müssen. Und es hebelt die Marktwirtschaft auf Jahrzehnte hin aus“, so Straubhaar.

Die immense Unwissenheit ist Teil des Problems. Weder wir beide noch die Bundesregierung oder die Wirtschaftsweisen verfügen über wissenschaftlich solide Erkenntnisse, was genau da eigentlich gerade vorgeht. Alle stochern im Nebel. Vieles ist reine Meinung – wenig ist tatsächliches Wissen. Politökonomisch ist es leicht erklärbar, dass Regierungen in solchen Krisenzeiten lieber zu viel tun als zu wenig. Da wird dann leider auch vieles gemacht, was – wie der aktuelle Lockdown – eher Symbolcharakter hat, als wirklich faktischer Ursache-Wirkung-Therapie entspricht


Niemand habe „auch nur eine entfernte Ahnung davon, was genau da eigentlich gerade vorgeht“. Schon deshalb sollte die Regierung „sehr viel vorsichtiger zu Werke gehen“. Der Grund: „Auch das Verständnis der Bevölkerung und damit ihre Leidensfähigkeit und das Stillschweigen werden an Grenzen stoßen“, warnt der Ökonom im Handelsblatt-Interview. Aktuell würden rund um den neuerlichen Lockdown „Entscheidungen gefällt, die kaum einer Nachprüfung standhalten”.

Sie werfen der Politik vor, ohne ausreichende Evidenz zu entscheiden?
Ja! Sie tut ihr Bestes, davon bin ich durchaus überzeugt. Aber angesichts der teils gigantischen Auswirkungen, die viele Corona-Entscheidungen nun mal mit sich bringen, sollte man eben auch sehr viel vorsichtiger zu Werke gehen. Man weiß einfach über die Wirkungen viel zu wenig.

Entsprechend steigt die Verunsicherung in der Bevölkerung, die sich mittlerweile vielfach eher wie in einem Labor-Experiment vorkommt.

Genauso ist es! Wenn Regierungen nur vorgeben zu wissen, was sie tun, und damit nicht erreichen, was sie vorhaben, verunsichert das die Leute noch mehr. Das kann die Verhaltensökonomie schön darlegen.

Soll die Kanzlerin eher ihre Ratlosigkeit eingestehen?
Ja! Ehrlichkeit währt immer am längsten, und sie ist und bleibt in Demokratien auf lange Frist unverzichtbar, um Vertrauen und Akzeptanz der Bevölkerung zu bewahren. Das zeigt sich in diesen Tagen gerade in den USA besonders dramatisch. Wir bewegen uns derzeit in einem gigantischen Echtzeit-Experiment, dessen Versuchsanordnung niemand wirklich kennt.

Schauen Sie sich die Sterblichkeitszahlen an! Außer in den sehr hohen Altersgruppen sah man im vergangenen Jahr keinerlei extreme Besonderheiten. Anfangs wurde zudem gar nicht gesehen, dass 2020 weit mehr über 80-Jährige in Deutschland lebten als all die Jahre davor. Das ist ja eigentlich eine erfreuliche Nachricht. Aber natürlich sterben dann auch rein statistisch gesehen mehr Seniorinnen und Senioren. Und ob deren Tod eher wegen oder nur mit Corona eintrat, ist dann die nächste Frage.

Ein klarer Fokus auf die tatsächlich Gefährdeten. Salopp formuliert: Mit einem Bruchteil des Geldes, das nun in Rettungsprogramme fließt, könnte man alle Heime in Deutschland sichern, alle nötigen Schnelltests samt ausreichend FFP2-Masken-Nachschub oder Impfungen organisieren und noch obendrein einen exklusiv den Senioren offenstehenden Supermarkt samt Shuttle-Service für alle Alten und deren Pflegekräfte in jedes größere Dorf bauen.

Ökonomen lernen eigentlich früh, dass sie Nutzen einzelner Personen nie gegeneinander ausspielen sollten. Ich bleibe aber dabei: Das größte Risiko für uns ist derzeit, dass wir nicht mehr bereit sind, gewisse unvermeidliche Lebensrisiken in Kauf zu nehmen. Wir sollten nicht außer Acht lassen, dass manche Corona-Maßnahmen vielleicht aktuell Leben retten, aber später oder andernorts viel mehr Opfer verursachen, als wir uns gegenwärtig vorstellen können.

Ja, dieser Zeitgeist spart kein Thema aus. Genau deshalb ist es wichtig, dass Vernunft, Maß und Mitte dagegenhalten. Also lieber mal Prügel einstecken, wenn ein Satz danebenging, anstatt im vorauseilenden Gehorsam alles „richtig“ formulieren zu wollen – oder deshalb gar zu schweigen.


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 12.01.2021 20:05 | nach oben springen


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