GKR-Forum

a_6.jpg a_6.jpg

#1

Der Fall Karl Lauterbach

in Aus der Welt der Wissenschaft 13.03.2021 19:55
von franzpeter | 11.269 Beiträge

Der Fall Karl Lauterbach: „nicht“ Epidemiologie studiert - Ernste Zweifel an Abschluss des SPD-Politikers in Epidemiologie

https://reitschuster.de/post/der-fall-ka...logie-studiert/

Quelle: Reitschuster.de

Zitate:
Seit Corona sind Lauterbachs Zahlen und Analysen gefragt. Das war nicht immer so. In der Vergangenheit kamen seine Berechnungen auch schon mal unter die Räder. So hatte er 2003 auf einem Symposium anlässlich des Europäischen Kardiologenkongresses in Wien eine Analyse über den Verzehr von Margarine vorgestellt. Lauterbachs Modellrechnungen hatten ergeben, dass sich die Fälle koronarer Herzerkrankungen innerhalb von 10 Jahren um 117.000 senken ließen, wenn gefährdete Personen ihren Fettverzehr auf Margarine mit pflanzlichen Phytosterinen umstellen würden. Trotz der von ihm errechneten Einsparungen im Gesundheitswesen von 1,3 Milliarden Euro erntete Lauterbach Kritik.

Dr. med. Angela Spelsberg
Für die Meinung von Lauterbachs Ex-Frau interessiert sich derweil niemand. Bereits am 1. April 2020 hatte die Ärztin die Landesregierung von NRW in einem „Offenen Brief“ aufgefordert, „umgehend die Ermittlung bevölkerungsbezogener Daten über die tatsächliche Gefahrenlage [durch SARS-CoV-2] zu veranlassen und damit wieder handlungsfähig zu werden, um alle nicht evidenz-basierten Maßnahmen sofort beenden zu können.“ De facto verlangte das Schreiben eine Neuausrichtung der Corona-Politik, fand aber keinerlei Gehör. Und das, obwohl Dr. med. Angela Spelsberg Epidemiologin ist. Seit 1996 leitet sie das Tumor-Zentrum am Universitätsklinikum Aachen, das sich beispielsweise mit der Verbreitung und Vorsorge von Brustkrebs beschäftigt.

Eine „wissenschaftliche Arbeit“ im klassischen Sinn sei die Dissertation jedoch nicht, sondern eher „ein normativer Essay“, so ein Harvard-Professor, den der Mediziner und Buchautor Dr. Gunter Frank zitiert. Eingereicht wurde der Essay „bei der Fakultät der Harvard School für Öffentliche Gesundheit / to the Faculty of The Harvard School of Public Health“ und ist heute einsehbar auf Lauterbachs Homepage. Allerdings nur, weil man 2015 öffentlich Druck auf den SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas Oppermann gemacht hatte, er möge den Genossen Lauterbach doch bitte zu mehr Transparenz ermahnen. Auf die anschließend veröffentlichte Dissertation warf dann auch ein ehemaliger Dozent der Bundeswehrhochschule einen Blick und stellte ernüchtert fest, dass er sie nicht mal als Seminararbeit akzeptiert hätte.

In diesem Gleichklang bildet ausgerechnet Prof. Christian Drosten eine Ausnahme. Der nannte Lauterbach in seinem NDR-Podcast am 12. Mai 2020 einen „SPD-Medizinexperten“, der „von seiner Grundausbildung Epidemiologe“ ist. Drostens Wortwahl war auch deshalb ungewöhnlich, weil er die Berufsbezeichnung „Epidemiologe“ ansonsten durchaus benutzt.

Nach den von ihm angegebenen Schwerpunkten käme man rein rechnerisch auf ein Semester Epidemiologie und ein Semester Gesundheitspolitik und Management. Das erscheint recht dünn, um sich heute als Epidemiologe zu bezeichnen.

1998 wird Lauterbach dann zum Direktor der Neugründung ernannt. Damit war gleichzeitig seine Berufung zum Professor verbunden. Mit Dingen wie einer Epidemie (auch Seuche genannt) beschäftigt sich das Institut allerdings nicht. Sondern mit Studien zu einem Cholesterinsenker, einem Appetitzügler, zu Margarine und zur Qualität von Röntgenuntersuchungen. Und auch der Direktor selbst arbeitet nicht als Epidemiologe, sondern als Gesundheitsökonom.

15 Jahre später und in einer „epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ bezeichnet sich Lauterbach nun als Epidemiologen. Auf der Basis von ein paar Vorlesungen, die 30 Jahre zurückliegen und auf Grund von einem Wort im Namen eines 1997 neu gegründeten Instituts der Uni Köln. Gestützt wird diese Charade von der recht weit gefassten Definition der Disziplin Epidemiologie: „Wissenschaft von der Entstehung, Verbreitung, Bekämpfung und den sozialen Folgen von Epidemien, zeittypischen Massenerkrankungen und Zivilisationsschäden“.

m Oktober brachte er das Kunststück fertig, John Ioannidis, einen international anerkannten Wissenschaftler, als „Statistiker“ zu bezeichnen. In einem simplen Tweed (17.10.) stutzte der Rheinländer das akademische Schwergewicht aus den USA auf das in Deutschland übliche Maß zurecht: „Immer wieder wird auf diese Studie eines Stanford-Statistikers hingewiesen. 2 Dinge: Arbeit ist methodisch sehr umstritten, [ein] Außenseiter …“

Wir leben schließlich in einem freien Land. Jeder darf hier über wissenschaftliche Studien referieren oder einen Frosch für ein Säugetier halten. Privat und auch in der Öffentlichkeit.

Lauterbach als „Fachmann für Epidemiologie“ im Sinne eines Experten in der derzeitigen Pandemie zu bezeichnen und ihn so einem Millionenpublikum vorzusetzen, ist eine faktenfinderische Bankrotterklärung. Der Mann ist Gesundheitsökonom. Und ein Frosch ist kein Säugetier.


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
nach oben springen

#2

Inzidenz

in Aus der Welt der Wissenschaft 16.03.2021 20:41
von franzpeter | 11.269 Beiträge

Der Inzidenzwert: „In hohem Maße steuerbar“ – durch Politik und Behörden Massive Abhängigkeit von Zahl der durchgeführten Tests

Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Thomas Rießinger und Michael Horn

„Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört“, lässt Goethe seinen Mephistopheles in der Hexenküche sagen, „es müsste sich dabei doch auch was denken lassen.“ Da wird man ihm gerne zustimmen, sich jedoch gleichzeitig an die eine oder andere Äußerung der Kanzlerin erinnern, deren pointierte und präzise Formulierungskunst den Zuhörer nicht nur zu der Frage veranlasst, was er sich nun im Sinne Mephistopheles’ dabei denken sollte, sondern auch zu dem weiterführenden Problem, ob sie sich selbst wohl irgendetwas dabei gedacht hat.

https://reitschuster.de/post/der-inziden...-und-behoerden/

Quelle: reitschuster.de

Zitat:
Sehr viele Nebenbedingungen für eine einzige Zahl. Wie es scheint, ist das Wort „Inzidenz“ ein gutes Beispiel für eine andere Anmerkung des teuflischen Mephistopheles:

„Mit Worten lässt sich trefflich streiten,
Mit Worten ein System bereiten,
An Worte lässt sich trefflich glauben,
Von einem Wort lässt sich kein Jota rauben.“


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 16.03.2021 20:43 | nach oben springen

#3

Der Fall Karl Lauterbach II

in Aus der Welt der Wissenschaft 30.03.2021 08:59
von franzpeter | 11.269 Beiträge

Hier finden Sie einen Überblick über interessante Beiträge aus anderen Medien
und Veröffentlichungen. Wenn Sie auf “weiterlesen” klicken, öffnet sich das
Angebot und Sie können sich aussuchen, was Sie lesen wollen. (AT)
"Hinweise des Tages" weiterlesen

https://www.nachdenkseiten.de/?p=71187

Quelle: NachDenkSeiten

Hier
Karl Lauterbach: Trotz Lipobay-Skandal Berater der Deutschen Regierung – Skandale und Fehlverhalten
Durch den Lebenslauf des sogenannten „Experten“ Karl Lauterbach ziehen sich zahlreiche Skandale. Konsequenzen für sein wiederholtes Fehlverhalten musste er jedoch nie fürchten. (…)
2004 schrieb der Spiegel: „Offiziell ist Lauterbach nur ein Wissenschaftler, der die Politik berät, ein junger Professor, dessen kleines Institut über einem Supermarkt an einer Durchgangsstraße liegt. Tatsächlich jedoch hat er die Grenze zur Politik längst überschritten; mit allen Tricks will er seine Vorstellungen durchsetzen.“ Schon 2004 war Karl Lauterbach den „Standesvertretern der Ärzteschaft noch verhasster als die Gesundheitsministerin (damals Ulla Schmidt) selbst.
Allein im Jahr 2000 kassierte Lauterbach, der für seinen „politischen Kampf schon mal seinen Ruf als Wissenschaftler aufs Spiel setzt“, über 800.0000 Euro für Medikamentenstudien im Auftrag der Pharmaindustrie. Karl Lauterbach war an der Studie über den Cholesterinsenker Lipobay beteiligt, eben jenem Medikament, das die Herstellerfirma Bayer wegen tödlicher Zwischenfälle im Jahr 2001 vom Markt nahm. Karl Lauterbach hatte zuvor zahlreiche Hinweise erhalten, dass Lipobay gefährlich ist und das Menschen sterben werden, wenn das Medikament auf den Markt kommt. Diese Warnungen ignorierte Karl Lauterbach damals ebenso wie es seine Auftraggeber taten. (…)
Karl Lauterbach studierte an der renommierten Harvard School of Public Health, der Fakultät für Gesundheitswissenschaften. Einer seiner Lehrer war ein Strategieexperte, der ein Computerprogramm entwickelte, das Wissenschaftlern half, ihre Ideen politisch durchzusetzen. Lauterbach grinste damals verschwörerisch, als er darauf angesprochen wurde und meinte, dass so etwas für Anfänger ist. Bereits zu dem Zeitpunkt wusste er, wie er seine Ideen für Pharmaprodukte mit der Politik verbinden konnte. „Ich sehe mich in einem Netzwerk von Menschen, die politisch ähnlich denken wie ich.“ (Quelle) (…)
Am 18.12.2013 veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung einen Artikel über Lauterbachs zwölf Jahre im Aufsichtsrat der Rhön AG. Jahrelang sollen Putzkräfte in der privaten Rhön-Kliniken ausgebeutet worden sein und schon damals kamen Fragen auf, welche Rolle der SPD-Politiker Karl Lauterbach, der lange im Aufsichtsrat saß und dort gut verdiente, dabei spielte. Die SZ wandte sich 2013 mit dringenden Fragen an Karl Lauterbach, der sich dazu jedoch nicht äußerte. Der Skandal verlief im Sande, da die Rhön AG sämtliche Vorwürfe abstritt und Karl Lauterbach keine Stellung bezog. (…)
Trotz aller Auffälligkeiten und der Beteiligung Lauterbachs im Lipobay Skandal, wird er heute in Deutschland als „Experte“ hofiert und von einer Fernsehsendung zur nächsten gereicht. Die Frage, wie ein sich selbst beweihräuchender Wissenschaftler, der in den Lipobay-Skandal verwickelt war, heute als Berater der Deutschen Bundesregierung agieren kann, ist drängend und bedarf Antworten.
Quelle: gewerkschaftsforum.de
https://gewerkschaftsforum.de/karl-laute...-fehlverhalten/

Anmerkung Christian Reimann: Bitte lesen dazu auch bzw. erneut Professor Seltsam oder: Wie ich lernte, Talkshows zu hassen.
https://www.nachdenkseiten.de/?p=62278


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
nach oben springen


Besucher
0 Mitglieder und 4 Gäste sind Online

Forum Statistiken
Das Forum hat 1688 Themen und 12604 Beiträge.

Heute waren 0 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 71 Benutzer (12.03.2015 19:47).

Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen