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Laut RKI ist jeder zweite positive Schnelltest ein Fehlalarm

in Aus der Welt der Wissenschaft 27.04.2021 23:20
von franzpeter | 11.425 Beiträge

reitschuster.de - 26.04.2021

BUNDESPRESSEKONFERENZ

Laut RKI ist jeder zweite positive Schnelltest ein Fehlalarm

Regierung sieht darin aber kein Problem

Video: <https://www.youtube.com/embed/zMNhpqFhwSY?start=1>
https://www.youtube.com/embed/zMNhpqFhwSY?start=1
<https://www.youtube.com/embed/zMNhpqFhwSY?start=1>

Bei Journalisten ist die Gefahr vielleicht noch größer als bei manchen anderen
Berufen: Man neigt zur Berufsblindheit. Das musste ich erfahren, als mir dieser
Tage ein Kollege von einem Medienbericht erzählte, in dem er gelesen hatte,
dass fast ein Drittel der Schnelltests ein falsches Resultat geben.

"Unglaublich", war meine erste Reaktion - bis mir dann einfiel, dass ich doch
von RKI-Chef Lothar Wieler höchstselbst die Antwort bekommen hatte, dass sogar
viel mehr als ein Drittel der positiven Ergebnisse falsch sind: und zwar die
Hälfte.
Eine Erinnerungstäuschung oder Realität? Nach einigem Suchen fand ich
die Stelle - in meinem Bericht von der Bundespressekonferenz am 26.3.2021.

Da antwortete Wieler mir folgendes: "Und was ich auch noch von den Daten weiß,
die wir da erheben durch die Abfragung, ist es momentan etwa so, dass von
positiven Antigentests, und ich rede jetzt nicht von den Selbsttests, da haben
wir noch keine Daten, aber von den Antigentests, dass von einem, der positiv war,
also als Schnelltest, dass etwa sich die Hälfte davon nachher bestätigt hat als
PCR-positiv.
Also das ist, um in etwa so eine Größenvorstellung zu haben."
Nachlesen können Sie das hier
<https://reitschuster.de/post/muessen-wir-uns-kuenftig-jedes-halbes-jahr-impfen-lassen/>
, ansehen hier
<https://www.youtube.com/watch?v=ewBUyGByMuQ&t=264s> . Offen
gestanden lief ich danach etwas weiß an. Denn dass ich diese Nachricht damals
einfach so unter "ferner liefen" im Text stehen ließ, ohne eine Schlagzeile
draus zu machen, ist ein ziemliches journalistisches Versagen. Da gibt es nichts
zu beschönigen. Aber besser spät als nie.

Deshalb hakte ich heute in der Sache in der Bundespressekonferenz nach:

REITSCHUSTER: Wir hatten ja das Thema Impfen, aber Corona allgemein hatten wir
noch nicht: Herr Gülde, gibt es Angaben, Daten, neuere Entwicklungen, wie sich
die Zuverlässigkeit bzw. die Fehlerquote bei den Schnelltests entwickelt hat?


GÜLDE: Dazu gibt es keine neuen Angaben. Wir haben immer gesagt, dass es bei
Schnelltests und auch den Selbsttests eine gewisse Fehlerquote gibt. Der
Goldstandard bleibt der PCR-Test. Insofern: Wenn es einen positiven Schnelltest
gibt, dann besteht bei uns die ganz, ganz klare Aufforderung, einen PCR-Test
nachzusetzen.

ZUSATZFRAGE REITSCHUSTER: Aber ist diese Fehlerquote von 50 Prozent, wie sie
Professor Wieler hier am 26. März nannte, nichts, was das
Gesundheitsministerium beunruhigt?

GÜLDE: Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich die Fehlerquote hier nicht
vorliegen habe.
Gegebenenfalls kann ich die nachreichen. Ich kann noch einmal
schauen, ob ich dazu irgendetwas finde.

SEIBERT: Aber weil es eine Fehlerquote gibt, haben ja wir in der Bundesregierung
und haben zahlreiche Experten immer wieder darauf hingewiesen: Auch bei Vorliegen
eines negativen Testergebnisses ist es wichtig, die Abstandsregeln, die
Hygieneregeln, das Maskentragen weiterhin einzuhalten. Trotzdem bilden
Antigen-Schnelltests tagesaktuell eine größere Sicherheit bei Kontakten ab,
denn mit einer deutlich größeren Wahrscheinlichkeit kann jemand, der ein
negatives Schnelltestergebnis hat, in den folgenden Stunden niemanden anstecken.
In einer idealen Welt wäre alles hundertprozentig.

Interessant ist, dass Seibert nur auf die Gefahr durch falsch negative
Schnelltests hinweist. Und nicht auf die Gefahr durch die fünfzigprozentige
Fehler-Anfälligkeit bei positiven Tests.


Schüler haben etwa massive Angst vor einem positiven Testergebnis - auch, weil
es zu Ausgrenzung führen kann. Aber auch für einen Erwachsenen ist ein
positives Ergebnis sicher alles andere als eine positive Erfahrung.

Wäre es da nicht Pflicht von Regierung und Medien, viel deutlicher auf die hohe
Fehlerquote hinzuweisen,
um den möglichen Schreck der Menschen nach einem
positiven Schnelltest wenigstens etwas abzumildern?


Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=zMNhpqFhwSY
<https://www.youtube.com/watch?v=zMNhpqFhwSY>


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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