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#1

Von Albinos und Lutinos

in Artikel 18.01.2013 09:51
von franzpeter | 9.563 Beiträge

ZUCHT-FORMEN
Von Albinos und Lutinos
von Michael Kempkcs, Isselburg
In letzter Zeit findet eine Diskussion darüber statt, ob man die als Lutinos bezeichneten Guppys tatsächlich so nennen sollte. Dazu möchte ich einige Anmerkungen machen.
Als Definition des Begriffs "Albinismus" findet man in der Literatur (Wiesner/Ribbeck: Wörterbuch der Veterinärmedizin, 2. Autl., Gustav Fischer Verlag, Jena): ,.Angeborener totaler oder partieller Pigmentmangel an Haut, Haaren, und Augen ...wird durch die Blockierung der Melaninbildung infolge des Fehlens des Enzyms Tyrosinase in den Melanozyten verursacht. welches an zwei Anfangsschritten der Oxidation von Tyrosin über 3,4-Dioxiphenylamin (DOPA) zu Melanin beteiligt ist."

Innerhalb der Albinos unterscheidet man zwischen Vollalbinos (das Melanin fehlt völlig) und Teilalbinos (das Melanin ist lediglich vermindert), wobei unter Albinos oft auch nur die Vollalbinos verstanden werden. Säugetiere besitzen i n der Regel außer Melanin keine anderen Pigmente in den Haaren, der Haut und den Schleimhäuten. Vollalbinotische Säugetiere haben daher rote Augen, die Haut ist rosa, das Haarkleid weiß. Säugetiere dürften die Grundlage beider Prägung des Begriffs "Albino" (von albus, lat. "weiß") gewesen sein. Anderen Wirbeltieren fehlt das Haarkleid; außerdem können bei ihnen Haut, Federn usw. andere Pigmente aufweisen. Tiere, deren Körperoberfläche aus welchen Gründen auch immer kein Melanin aufweist, sind daher dennoch oft anders als weiß oder rosa gefärbt. Am häufigsten kommen gelbe oder rote Tönungen vor. Die Bezeichnung solcher Tiere wird uneinheitlich gehandhabt. Zum Beispiel werden hei vielen Vogelarten gelbe, rotäugige Tiere als Lutinos bezeichnet und nur weißgefiederte Vögel - bei ihnen fehlt durch eine zusätzliche Mutation auch der gelbe Farbstoff - nennen die Züchter Albinos. Bei Schlangen hingegen werden rotäugige Tie
re mit gelber und/oder roter Zeichnung Albi nos genannt, weiße, rotäugige Individuen - auch hier liegt eine zusätzliche Mutation vor - nennt man auch "snow".

Aus diesen Punkten lassen sich meiner Ansicht nach folgende Schlussfolgerungen ziehen:
- Genaugenommen müsste man bei Tieren. deren Aul3eres Hinweise auf das Vorhandensein von Albinismus gibt, zuerst nachprüfen. oh ein Fehlen der Tyrosinase vorliegt, bevor man sie als Albinos bezeichnet. Mir liegen keine Informationen vor, bei welchen Arten - insbesondere der Lebendgebärenden Zahnkarpfen - das überprüft wurde.
- Will man zwischen Teil- und Vollalbinos differenzieren, muss man vollalbinotisch erscheinende Tiere mikroskopisch auf das Vorhandensein von Melaninresten hin untersuchen.
- Man sollte entscheiden, ob man den Begriff "Albino" im Zweifelsfall eher nach der ursprünglichen Bedeutung des Wortes albus = weiß benutzen will. Das würde bedeuten, dass Tiere. die vom Genotyp her Albinos sind, aber andere Pigmente als das Melanin aufweisen, je nach Restfarbe als Lutinos, Rubinos usw. bezeichnet werden. Nur die durch eine zusätzliche Mutation weißen Individuen würden dann Albinos genannt. Konsequenterweise wäre in diesem Fall eine Umbenennung innerhalb der bis jetzt als "Albino" und "Albino, weiß" bezeichneten Guppys notwendig. Der Albinoguppy würde zum Lutino, der weiße Albino zum einfachen Albino, mit der Problematik, dass die jetzigen Albinoguppys von der Intensität ihrer Gelbfärbung her nicht in allen Fällen dem entsprechen würden, was man sich üblicherweise unter ei-
nem Lutino vorstellt. Die zweite Möglichkeit wäre, alle amelanistischen Tiere, auf die die Definition des Albinismus zutrifft, Albinos zu nennen, sofern keine zusätzlichen, die Farbe verändernden Mutationen vorliegen, und einen Zusatz beim Vorhandensein solcher zusätzlichen Abweichungen zu verwenden (z. B. Albino und Albino, weiß). So wird es im Moment beim Guppy gehandhabt. Als dritte Möglichkeit ist die generelle Verwendung eines Zusatzes denkbar (Albino, gelb; Albino, weiß), dies ist momentan bei den Xipho-Zuchtformen üblich. - Sollte man sich für eine der beiden letztgenannten Möglichkeiten entscheiden - eine Angleichung zwischen den verschiedenen Arten der Lebendgebärenden wäre überdenkenswert- ist die Bezeichnung "Lutino" nicht besetzt. Da ihr meines Wissens auch keine naturwissenschaftliche Definition zugeordnet werden kann, ist es dann möglich, diesen Begriff für die neue Guppygrundfarbe zu verwenden, auf den Phänotyp passt er meiner Ansicht nach sehr gut.

Eine intensive Recherche der wissenschaftlichen Literatur zu diesem Thema - die ich nicht vorgenommen habe - bringt möglicherweise neue relevante Fakten an die Oberfläche. Ich vermute aber, dass auch von dieser Seite her einiges offen ist, einfach, weil der Bereich von geringem allgemeinem Interesse ist und daher nicht unbedingt bis ins Detail erforscht wird. Wie wendet man zum Beispiel den Begriff Albinismus an, wenn bei einer Tierart zwei verschiedene - nichtallele - Mu
tationen an zwei verschiedenen Punkten der biochemischen Vorgänge eingreifen, die zur tyrosinasebedingten Melanineinfärbung notwendig sind? Die bei den einzelnen Arten unterschiedlichen Vererbungsmodi der jeweils als Albinismus bezeichneten Mutationen könnte immerhin ein Hinweis darauf sein, dass es sich hierbei um verschiedene, zumindest nicht vollständig gleichzusetzende Phänomene handelt. Auf die bei den Züchtern der verschiedenen Arten unterschiedlich verwendeten Begriffe bin ich schon eingegangen, auch darauf, dass sogar innerhalb der Lebendgebärenden im Detail Unterschiede bestehen. Man kann - und sollte auch - versuchen, diese Unterschiede zu beseitigen, eine Vereinheitlichung wird aber auch neue Probleme aufwerfen, einfach, weil eine völlige Übertragbarkeit zwischen den Arten nicht möglich ist. Aus den bisherigen Überlegungen ziehe ich für die Zuchtformen der Lebendgebärenden folgendes Fazit:

Ich halte es für am ehesten praktikabel, wenn man bis zum Vorliegen neuer Erkenntnisse
- die bisher als Albinos bezeichneten Zuchtformen auch weiterhin so nennt,
- entweder bei allen oder nur bei den von einer weiteren Mutation der Grundfarbe betroffenen Tieren eine Zusatzbezeichnung verwendet,
- die Begriffe Lutino, Rubino usw. vermeidet und
- dieWine-red-eye-Guppys als Lutinos bezeichnet.


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 31.07.2015 00:28 | nach oben springen
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#2

Albino zum zweiten

in Artikel 18.01.2013 09:54
von franzpeter | 9.563 Beiträge

Albino zum zweiten
Gernot Kaden
In der jüngsten Zeit wurde die Farbpalette der Hochzuchtguppiesl durch neue interessante Grundfarben bereichert. Erinnert. sei an Pink, Hellblau und Gelb mit dunkelroten Augen.
An dieser Stelle möchte ich von einer weiteren neuen Grundfarbe
berichten, die explizit unseren Albinos im Phänotyp gleicht..

Im Herbst vorigen Jahres erwähnte Herr Pemsel (DGF, in einem mit mir geführten Telefonat, eine seltsame Beobachtung, die er bei der Verpaarung von Albinos machte, die F1 war Grundfarben Grau ! Theoretisch ist das nicht möglich, da die für die Grundfarbe wichtigen Allele, dem Phänotyp nach jeweils doppelt vorhanden sein mussten. Es bestand aber auch kein Anlass an dieser Beobachtung zu zweifeln, zumal der Züchter der Ausganstiere, L. Roebuck, auf Anfrage von Herrn Pemsel, die gleichen Beobachtungen machte. Zur Verpaarung sind Tiere des bekannten roten Trinlgelstammes und einer Filigran Variante gekommen, die wahrscheinlich ihren Ursprung in Japan hatten. ln diesem Zusammenhang erinnerte ich mich an eine ähnliche Beobachtung, die ich etwa Mitte der neunziger Jahre gemacht hatte. Damals begann so richtig der
Austausch von Zuchtmaterial zwischen Japan, Amerika und Europa. Ich hatte aus Japan Albino-Platinum Triangel, die ich mit Weibchen des amerikanischen roten Albino verpaarte. Auch hier war die F1 Grau ! Da in einer umfangreicheil Zucht wie der meinen in den seltensten Fällen unbefruchtete Weibchen zur Verfügung stehen und ich sowieso der Meinung bin, dass es nicht notwendig ist, da die zuletzt eingeführten, frischen Spermien immer bevorzugt befruchten, nahm ich damals an, dass Weibchen war vorbefruchtet und die Albino-Platinum Männchen nicht zeugungsfähig. Ich verfolgte diesen Vorgang nicht weiter und
es blieb bei dieser Episode.

So richtig aufmerksam wurde ich voriges Jahr imHerbst. Ich erstand zur Ausstellung in Bretnig einen Satz Albino Snakeskin, mit denen J. Bergner 2001 mehrfach auf Ausstellungen glänzte. Diese Tiere waren kräftig, vital, sehr gut im
Standard und erschienen mir vorzüglich zum Einkreuzen geeignet zu sein. Die Herkunft dieser Tiere war schnell erfragt und ergab, dass sie ihrer Ursprung aus einer„ Stamm "Mikarif' hatten. aus dem sie "ausmendelten". Sie werden dann bezüglich der Grundfarbe reinerbig (bei Grund-farben gibt es das) weitergezogen. Ich vepaarte diese T>iere wiederum mit einem Weibchen aus dem roten Albino Triangelstamm und hatte schon ein rotes Filigran auf Albino-Grundfarbe vor Augen.
Das Weibchen warf auch planmäßig, aber es war sofort eine graue Grundfarbe hei den Nachkommen zu erkennen.
Dieser Wurf wurde aufgezogen und mit Beginn der Ausfärbung,,
etwa ab 6 Wochen, wurde bei den Männchen ein Snakeskin Muster sichtbar. Da dieses Weibchen mit
100% Sicherheit nie mit. einem anderen Snakeskin oder Filigran Männchen zusammen war, musste einer der Albino Snakeskin der Vater sein. Die Tiere sind jetzt fast 4 Monate alt und Maibeil sich
sehr vital elegant und kräftig, R.. Kratochwil würde "klobig" sagen
(Achtung Satire) entwickelt und sehen ihren ihren Vätern in der Snakeskinzeichnung sehr ähnlich. Merkwürdiger Weise ist- von dem schönen Rot des Weibcheils nichts zu sehen und lässt die F2 spannend
werden.
Was kann man nunl aus diesen Beobachtungen zusammenfassen und schlussfolgern:

1 o In unseren Zuchten haben sich, fast. unbemerkt, zwei im Aussehen
Albinovarianten etabliert, deren Verursachergene auf unterschiedlichen Chromosomen angeordnet sind und bei einer Verpaarung graue Tiere ergeben.
2. Mit unseren bescheidenen Mitteln, die sich meist nur auf das Beobachten von Kreuzungsergebnissen beschränken, werden wir den genetischen Hintergrund dieser Albino-Varianten nicht
erfahren.
3. Allgemein wird dem Albinismus das Fehlen der Tyrosynase zugrunde gelegt, ob das bei den
Guppies ebenso der Fall ist, wissen wir nicht und ist wahrscheinlich noch nicht überprüft worden. Im "Petzold" steht zum Albiiloguppy nur, dass der Haut und den Augen das Melanin fehlt. Vielleicht trifft auf eine Variante das Fehlen der Tyrosinase zu. während bei der anderen, ein anderes Allel für die fehlende Melaninbildung
verantwortlich ist.
4. Theoretisch könnten sie in Albino 1 und Albino 2 benannt
werden, was aber keinen Zweck, da man phänotypisch eine völlige Übereinstimmung vorfindet und es dadurch auch zu keinem Einfluß auf unsere Standardregeln im Sinne einerneuen Grundfarbe kommt.


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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#3

RE: Albino zum zweiten

in Artikel 18.01.2013 09:55
von franzpeter | 9.563 Beiträge

Albino, irisierend
|Der Farbeffekt lässt sich durch verschiedene Lichteinwirkungen (Intensivierung) verändern/verstärken. Hier eine Aufnahme mit vollem Blitz bei dunkler Umgebung, ganz interessant wird der Farbeffekt unter Weisslichteinstrahlung. Hier zeigen die Fische einen Perlmuttglanz den ich so noch auf keinem Guppy gesehen habe. Quelle: Dieter Kempkes]]
Die Tiere unmittelbar nach der Ankunft (extrem gestresst). Zu sehen nur ein Gelb/Weiß-Schimmer sowie eine metallische Reflektion. Das Bild wurde mit 1/16 Blitz aufgenommen.<br/>Quelle: Dieter Kempkes]]
[[Bild:Wb2.gif|thumb|So sehen die Tiere nach der Eingewöhnung aus. Selbst bei Tageslichteinfall ist ein Farbschimmer (grünlich/blau) deutlich zu erkennen. Auch das Bild wurde mit stark reduziertem Blitz aufgenommen.<br/>Quelle: Dieter Kempkes]]

== Geschichte ==
Dieser Stamm ist bei Wolfgang Brandt in Magdeburg entstanden. Bei einer Kreuzung aus einem Moskau Blauen Männchen und einem Pink Weibchen ist in der F1 ein einzelnes Albinoweibchen gefallen. Es ist nicht mehr nachvollziehbar, ob dies eine Mutation war oder das Albionogen evtl. über das Pink-Weibchen eingebracht wurde (was aber eher unwarscheinlich ist). W.Brandt hat daraufhin das Albinoweibchen mit einem extrem dunkelblauen Moskauer Blauen Männchen verkreuzt. In der F1 sind dann wunderschöne blaue Tiere gefallen. Bei der anschließenden Geschwisterverpaarung fielen dann erwartungsgemäß wieder Albinos. So konnte das Merkmal manifestiert werden. Die Albinolinie befindet sich momentan in der F3 (so auch der abgebildete Fisch). Die Tiere scheinen tatsächlich über eine recht hohe Anzahl von Melanophoren zu verfügen was die vielen Farbeffekte unter verschiedener Beleuchtung erklärt. Auch beeindrucken ist die Tatsache, dass die Tiere die Farbe stimmungsabhängig verändern. Im Transportbeutel unter Stress oder bei abrupten Temperaturveränderungen erscheinen die Fische fast blass (gelblich/weiß schimmernd). Nach einiger Zeit der Eingewöhnung erhalten sie einen hellblauen perlmuttartigen Schimmer der sich unter Lichteinwirkung (z.B Blitzlicht) verändert und verstärkt. Wolfgang Brandt führt dies auf die Verwendung ganz dunkler (fast schwarz erscheinender) Moskaue Blauer Männchen bei den Verkreuzungen zurück. Die Linie ist auch recht schnellwüchsig (das männliche Tier auf dem Foto ist erst 8 Wochen alt).

== Genetik ==
Bitte hinzufügen!

== Kommentare ==
=== Dieter Kempkens ===
Ich möchte der Ordnung halber noch anmerken, dass die abgebildeten Fische zwar in meinem Besitz sind aber bei W.Brandt erzüchtet wurden!


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
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