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Warum es keine halbschwarzen Schwertschwänze gibt

in Genetik 10.05.2013 14:17
von franzpeter | 9.691 Beiträge

Warum es keine halbschwarzen Schwertschwänze gibt

[Auszug aus 'The Guppy Color Manual' von Philip Shaddock]

Es ist in Guppykreisen bekannt, dass man keinen echten halbschwarzen Schwertschwanz züchten kann. Wenn jemand behauptet, er habe einen solchen gesehen, begeht er den Fehler, einen dunkelblauen Pedunkel ( bestehend aus Iridophoren) mit einem schwarzen Pedunkel ( bestehend aus Melanophoren) zu verwechseln.



Diese alte Illustration von Kirpichnow zeigt das halbschwarze Muster, wenn es nicht an seiner Ausprägung in der Kaudale gehindert wird.

Eine frühe Theorie besagte, dass das halbschwarze Muster die Verlängerung der Flossenstrahlen verhindert.
Wenn man die Flossenränder des gezeigten halbschwarzen Guppys betrachtet (sie sind schwarz), sieht man, dass offenbar die gleiche Ursache mit den schwarzen Farbzellen verbunden ist.

Diese Theorie erfährt eine Bestätigung in der Arbeit von Dr. Nayudu aus dem Jahr 1979 über Gene, welche die Entwicklung der Kaudale betreffen (Genetic studies of Melanic Color Patterns and Atypical Sex Determination in the Guppy, Poecilia reticulata (Copeia 1979, 2 pp. 225-231).
IUnter anderem wird gesagt, dass das Ni Gen durch das Flavus Gen reguliert wird.
Es ist daher wahrscheinlich, dass man keinen halbschwarzen Schwertschwanz züchten kann, weil das halbschwarze Muster längs der abschließenden Kante der Kaudale ausgeprägt ist. So werden die Schwerte nicht entwickelt. Nayudu vermutet in dieser Arbeit den Grund dafür in einer interzellulären Signalgebung, dem Botensystem zwischen Zellen.
Heute würde man sagen, dass besonders schwarze Melanophoren, speziell aber die der halbschwarzen Mutation, die Regulation der Flossenstrahlen beeinflussen.
Die mutierten Farbzellen des halbschwarzen Ni verhindern also die Verlängerung der Flossenstrahlen.
Die Verlängerung von Kaudal-Flossen ist ein ausgezeichnetes Beispiel für Genregulation. Bei der Gen-Regulation findet man das sogenannte Kaskaden-Netzwerk der Gene vor. Das besagt, dass Meister-Gene sekundäre Gene aktivieren, welche wiederum tertiäre Gene aktivieren und so fort. Gene können aber an einem örtlichen Level auf Bedingungen stoßen, welche eine örtliche Anpassung erfordern. Daher kann die normale Regulation der Flossenform durch fehlerhafte oder fehlende Signale der deformierten halbschwarzen Melanophoren gestört werden.
Es scheint einen genetischen Faktor zu geben, der veranlasst, dass sich Flossenstrahlen verlängern, wenn Farbzellen vom Körper in die Flossen migrieren. Und weil die schwarzen Farbzellen mutiert sind, stimmen sie nicht mit dem generellen Plan überein. Anstatt dass sie ein Signal weiterleiten, damit die Flossenstrahlen sich verlängern, entstellen sie die Botschaft und das Signal zum Wachsen kommt niemals an.


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 20.11.2015 19:04 | nach oben springen
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