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Der Wienersmaragd Guppy Robert Kratochwil

in Artikel 05.02.2013 11:54
von franzpeter | 9.562 Beiträge

Der Wienersmaragd Guppy Robert Kratochwil

Wo Guppys mit jenen leuchtend grünen Körperfarben und Muster. für die der Begriff "Wienersmaragde
zum Markenzeichen wurde zuerst auftraten ist ungewiss. Zumeist treten solche
Mutationen an mehreren Orten zugleich auf Wesentlich ist wer
diesen Farbschlag durchgezüchtet und gefestigt hat und das war der
Überlieferung nach Schönwetter aus Graz. In einem Artikel in den "Guppyrbriefen" schrieb er seinerzeit,
dass diese Fische jetzt seinen Vorstellungen entsprechen und er hofft sie nunmehr nach 31
Generationen erbrein zu haben.
Clans Osche ersuchte mich über den Wienersmaragd_ ab dem "Erscheinen" von Max Kahrer und
mir in der Guppyszene zu schreiben, bis dahin liegt ihm ein
Bericht von Dr. Werner Tritta vor. Nachdem mir einlschlägige Be
richte oder sonstige Unterlagen nicht vorliegen, muss ich auf eigene Erfahrungen oder Aussagen von
Kollegen zurückgreifen.
Bald nach meinen Eintritt in die ÖGG Mitte der 60er Jahre überließ mir Dr. Tritta einen Schwarm
Störzbach-Guppys, deren Männchen sehr schöne Doppelschwerter
und Rückenflossen hatten. Nach einigen wenigen Generationen
spaltete diese Population stark auf und neben oliv-bunten, mit ausgezeichneten
Schwertern, kamen Wiener Smaragde mit weniger guten Flossen- aber leuchtenden Farben und der
typischen Zeichnung zum Vorschein. Triangel kamen für mich zu dieser Zeit nicht in Frage, ich
brauchte tatsächlich Jahre um mich an das unguppymäßige Aussehen und das unbeholfene
Schwimmen dieser Fische zu gewöhnen_ Da aber auch damals bereits eine Triangelneurose
grassierte, schienen die Tage des Wienersmaragd gezählt. Nach einigen regen Diskussionen,
machte es der ÖGG-Vorstand jedem Vereinsmitglied zur Pflicht, mindestens einen Stamm DS -
Wienersmaragd zu züchten. Somit rückte dieser Fisch nunmehr in den Mittelpunkt meines
züchterischen Interesses. Es gab damals einige Züchter mit sehr guten Wienersmaragd Stämmen
wie Mifka, Mixa, Dr_Tritta, insbesondere aber Gazarek mit der zu dieser Zeit wohl besten
Population. Diese Fische unterschieden sich in einigen Kriterien grundlegend von späteren
Züchtungen.
Von der Größe her und der Körpertoren gab es keine Unterschiede. Die Körperfarbe jedoch war
nicht nur smaragdgrün,_ rosarote Flecken. schwarze
Punkte, ein blaues Pfauenauge waren weitere Farben, die sich innerhalb der Mäanderzeichnung
fanden. Der Schwanzflossenansatz hatte einen deutlichen Lyra-Schwung, dies sowie ein kleiner
Schwung in der Rückenflosse, ähnlich einer Bugwelle, lässt vermuten, dass der Doppelschwert die
eiterentwicklung iner Leierform ist. Ein Schwert ist rötlich, das andere blassblau, was die
Fundamentalisten auf den Plan rief, die nun darüber berieten welches Schwert welche Farbe haben
müsste. Die Genetik hielt sich aber nicht daran.
Meine Bemühungen, den Wienersmaragd die glei che Flossenqualität des graubunten Stammes
anzuzüchten, blieben erfolglos, da ein Kompromiss auf Kosten der Zeichnung für mich nicht in Frage
kam. Of fensichtlich bewirkt dieses Muster hinsichtlich der Flossen ein genetisches Hemmnis, so wie
das Snakeskin bei den Rückenflossen.
Wenige Monate nach mir trat Max Kahrer der ÖGG bei. Er züchtete rote Triangel die viele Jahre
zahlreichen europäischen Züchtern zur Verbesserung der Farben ihrer Triangel dienten.
Is t für mich heim Guppy der Körper das wichtigste Kriterium, so sind es bei Max Kahrer
die Flossen. Uns beiden gleich wichtig sind die Proportionen. Meiner Auffassung nach muss der
Wienersmaragd neben der entsprechend leuchtenden Grünfärbung
vor allem die typische
Mäanderzeichnung aufweisen. Beides zusammen erst macht diesen Fisch so attraktiv und
unverkennbar.
Als er von mir den Wienersmaragd erhielt, schlug er einen anderen Weg ein und machte ihn in
kürzester Zeit zum Ausstellungssieger.
Er züchtete den lyraartigen Schwanzflossenansatz heraus, den leichten Schwung aus der
Rückenflosse und sämtliche Körperfarben, die nicht grün waren. Der Fisch hatte einen schönen
kräftigen aber grazilen Körper, eine standardgemäße Rückenflosse: steil ansteigend, oben gerade,
nach rückwärts spitz auslaufend, gerade Schwerter ohne jeden Schwung, mit einem schönen Ansatz
und einer guten Spreizung. Die Körperfarbe war nunmehr nur grün, aber das alles auf Kosten der
typischen Zeichnung, die eigentlich im Verein mit der Färbung das Besondere am Wienersmaragd
ist.
Die Männchen mit blauer Rückenflosse hatten die besseren Schwerter und wurden deshalb
von Kahrer bevorzugt, was zur Folge hatte, das s die grüne Körperfarbe deutlich
verblasste.
Künftig dominierten Fische dieses Typs, ohne seine spezifischen Merkmale, für längere
Zei t den Wienersmaragd. Meine Population war den ständigen Versuchen doch noch zu
besseren F losen zu kommen zum Opfer gefallen. Wie bei vielen radikalen Veränderungen ist im
Nachhinein schwer zu sagen, ob es nur Vortcile gebracht hat, oder ob gewisse negative
Erscheinungen in einem Zusammenhang damit stehen.
Inzwischen fand sich für den Wienersmaragd eine breitere Basis, mehrere Züchter bauten
neue Stämme auf: die Gazarek Fische - die damals wohl attraktivste Population - wurden von
Ruhland in Spitzenqualität gezüchtet. Karl Liedl züchtete ihn al s Untenschwert.
In der Folge er lebte der Wiener smaragd seine Blütezei t . Renner
wurde mit seinen Doppelschwertern Europameister, gefolgt von Liedl , der s ie im
Standard Untenschwer t zur Spi tze brachte. Von nun an kämen noch viele Namen auf den
Pokal für den besten Doppelschwert - Wienersmaragd, wie Brosenbauer, Schneider, Ing. Mican,
Mag. Rohrer, um nur einige zu nennen.
Obwohl ich bereits damals nicht unwesentlich dazu beigetragen habe, den Wienersmaragd zu
verbreiten, war es mir lange Zeit nicht möglich, geeignetes Zuchtmaterial zurückzuerhalten.
Das war die Situation, als ich mich von der ÖGG zurückzog. Kurz zuvor hatte ich von Herbert
Fidi doch noch Doppelschwert-Guppys erhalten, aus denen sich passable Wienersmaragd
würden herauszüchten lassen.
In der Folge baute ich baute ich in eineinhalb Jahrzehnten einen Doppelschwert Wiener-
Smaragd Stamm auf, der lange Zeit konkurrenzlos war. In reiner Inzucht, bloß gleich zu Beginn,
in der dritten Generation, wurde einmal eingekreuzt.
Di e sma l ge l a n g e s i n umge k e h r t e r Fo l ge d i e we s e n t l i c h e n Kr i t e r i e n i n e i n em
Fi s c h z u v e r e i n e n . In e i n e Po p u l a t i o n mi t gu t e r Be f l o s s u n g u n d Sma r a gd f ä r b u n g
k o n n t e d i e t yp i s c h e Mä a n d e r z e i c h n u n g e i n ge k r e u z t u n d ge f e s t i gt we r d e n . Di e s e
Ze i c h n u n g wa r a u f d em X-Ch r omo s om l o k a l i s i e r t , wi e s i c h a u f Gr u n d me h r e r e r
Zu c h t v e r s u c h e h e r a u s s t e l l t e . Wa h r s c h e i n l i c h h a n d e l t e e s s i c h a b e r a u c h ume i n
ge n e t i s c h a n d e r s ge a r t e t e s Muster als es meine früheren Wienersmaragde hatten.
Da diese Guppys mit zu den schönsten zählten, wurden sie bald in ganz Europa verbreitet, waren
Ausgangsmaterial für verschiedenste neu Stämme. Zum Teil wurden sie als Wienersmaragd rein
weitergezüchtet, wie beispielsweise in Schweden von Klaus Thede, oder finden sich in
Neuzüchtungen wieder, die von Blond bis Albino reichen. Das hat aber auch seine Nachteile,
denn leider gibt es nur mehr ganz wenige nicht verwandte Wienersmaragd-Populationen, die
eigenständig weitergezüchtet wurden. wie beispielsweise von Erwin Renner und vermutlich
Horst Schimmelpfennig.
Vom Wiener s raragd gibt es derzeit einige sehr gute Populationen im Standard Untenschwert,
die den Doppelschwertern in nichts nachstehen, erstaunlicherweise gibt es ihn nicht als
Obenschwert. I)ie früher erfolgten Versuche Farbe und Muster in Triangel einzukreuzen
sind offensichtlich allesamt fehlgeschlagen.
Lediglich bei Max Fahrer ist noch in einem bunten Triangelstamm die Zeichnung, aus einem
auf eine Einkreuzung mit Wienersmaragd erfolgten Zuchtversuch der ZG Fremuth Zeipelt,
vorhanden.
Lange Jahre hatten die Körper der roten Spatenschwanzguppys von Renner ein leuchtendes
Wienersmaragd, wie ich es noch bei keinem Doppelschwert in dieser Intensität gesehen habe.
Ansonsten ist mir nicht bekannt, dass Farbe und Muster nachhaltig in Fische anderer Standards
eingekreuzt wurden.
Da ich mich nicht zu den selbsternannten Genetikcrn zähle und auch nicht das weitergebe, was
andere nur vom Hörensagen kennen, bzw. behaupten, will ich mich bezüglich der Genetik des
Wienersmaragd bloß auf meine persönlichen Erinnerungen beschränken.
Beim Doppelschwert WienerSmaragd kommt den Weibchen besondere Bedeutung zu.
Wahrscheinlich werden mehr als die Hälfte d e r maßgeblichen Kriterien von diesen weitervererbt,
sind zumindest auf dem X- Chromosom lokalisiert Hierzu zwei Beispiele.
In einem speziellen Zuchtversuch verschaffte ich mir hierüber Klarheit. Entgegen meiner
sonstigen Gewohnheit setzte ich ein Männchen mit 3 Weibchen an, die alle laichten. Jeder
Wurf wurde getrennt aufgezogen. Die Männchen des 1. ltatten weder Färbung noch
Zeichnung, die des 2. waren gezeichnet aber farblos, die des 3. wiesen sowohl die typische
Zeichnung als auch Färbung auf. Somit war klar, Färbung und Zeichnung wurden vom
Weibchen vererbt, bzw. die Gene dafür befanden sich auf dem XChromosom. Dass nur jede
zweite Generation diese Qualität aufwies war eine weitere Bestätigung. Dieses Manko ließ
sich jedoch durch Rückkreuzung auf Tanten weitgehend beheben.
Einmalige Ereignisse oder Erfolge lassen nicht unbedingt auf Gesetzmäßigkeiten schließen,
wohl aber neuerliche Versuche. Im Vorjahr erwarb ich bei der Wiener Guppyausstellung ein
blondes Doppelschwert Männchen ganzflächig metallic und setzte es auf zwei meiner
Wienersrnaragd Weibchen an. Beider Nachkommen waren Wienersmaragd und nicht voneinander
zu unterscheiden. Natürlich spaltet nun die F2 Generation nach dem _3.Mendelschen Gesetz auf.
Das ändert aber nichts an der Tatsache.
Bei den Männchen bin ich mir nicht so sicher, was alles auf dem -Chromosom lokalisiert ist,
bzw. mit diesem dominant vererbt wird. Selbstverständlich e r f o l gt die Verbesserung der
Schwerter oder Rückenflossen durch die Zuchtauslese mit perfekteren Männchen. Auch zweifle
ich nicht daran, dass die Schwertform von diesen weiter vererbt wird. Einige Besonderheiten aber lassen
das Ganze doch in einem anderen Licht erscheinen.
Vor einigen Jahren vcrpaarte ich Doppelschwert Wienersmaragd
Männchen mit zwei reinerbigen Obenschwert Weibchen blond snakeskin. Das Ergebnis waren
standardmäßige Untenschwert Wicnersmaragd. Beide Würfe spiegelgleich, so dass ich sie
nach 7 - 8 Monaten in einem Becken vergesellschaften konnte, da keine
Untcrschlede mehr erkennbar waren. Diese Erfahrung machte ich später mit Doppelschwert
snake,_ die aus Obenschwertern hervorgingen.
Nach einigen Generationen durfte bei einem der Weibchen ein Rückschlag auf Obcnschwert
erfolgt sein. denn die Verpaarung mit reinerbigen japanblauen Doppelschwert-Männchen
erbrachte wieder ausschließlich standardgemäße Untenschwerter.
Und auch in jüngster Zeit erginig es mir wieder ähnlich. Allen diesen Zuchten war eines
gemeinsam: aus keiner gingen in den Folgengenerationen brauchbare Doppels chwe r - ode r
Obens chwe r tmännchen hervor.
Ist schon der Doppelschwert der am schwersten zu züchtende Guppy, so trifft das in erhöhtem
Ausmaß auf den Wienersmaragd zu. Denn zu all den Attributen des Doppelschwert
kommen noch die leuchtende Smaragdfärbung und
die Zeichnung. Wobei die Zeichnung noch immer der springende
Punkt bei den Wicnersmaragd
sein dürfte. In einer Population mit hervorragender Zeichnung
gibt es nicht allzu viele Männchen mit perfekten Flossen, sind diese beim Großteil
eines Wurfes perfekt, hält sich die Zahl jener mit einer tadellosen Zeichnung in Grenzen.
Natürlich gibt es Ausnahmen.
Sieht man sich die Fehlerquellen an. die hei keinem anderen Standard in diesem Ausmaße
vorhanden sind, so lassen sich die Schwierigkeiten bei der Zucht leicht ermessen. Bei der
Zucht nicht bei der Vermehrung! Man soll sich nicht darüber hinweg täuschen lassen, weil
die Ausstellungen zumeist mit durchgezüchteten Männchen beschickt werden und sich die
Nachzuchten mit den so erworbenen Fischen dann oft nicht allzu schwierig gestalten.
Wenn ein Stamm einmal perfekt ist, lässt er sich bei Beachtung der Hochzuchtregeln in
gleich bleibender Qualität oft über längere Zeiträume relativ leicht vermehren. (Die Ursache
für s o manche auftretende Schwierigkeit bei der Triangelzucht dürfte darin zu suchen sein,
dass diese zumeist nicht wirklich durchgezüchtet sind.)
Trotzdem oder gerade deswegen ist der Doppelschwert der faszinierendste Guppy. Kein anderer
Guppy hat ein so ausgewogenes
Verhältnis zwischen Körper und Flossen, so einen harmonischen Gleichklang der
Dimensionen. Er vereinigt alle positiven Eigenschaften in sich, die dieser Fisch zu bieten hat:
Kraft und Grazilität.
Vitalität, beste Schwimmeigenschaften, immensen Bewegungsdrang, dezente, aber
dennoch attraktive Farben und vor allem ästhetische Formen auf Grund seiner hervorragenden
Proportionen.
Dies und natürlich der Umstand, dass die Dopelschwertstämme überw iegend besser
durchgezüchtet sind, als die der meisten anderen Standards, dürften die Gründe fü.r seine
zunehmende Beliebtheit und Verbreitung sein. Zahlreiche neue Farbschläge in immer besserer
Qualität bezeugen dies.

Quelle: Guppybrief


Mit freundlichen Grüßen
franzpeter
zuletzt bearbeitet 05.02.2013 13:29 | nach oben springen
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